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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Lev Nikolaevič Tolstoj, ein „menschheitlicher Mensch“

von wietek

Lev Nikolaevič Tolstoj – im Deutschen auch Leo oder Lew Tolstoi genannt – ist unbestritten einer der größten Schriftsteller der Welt und aller Zeiten und mit Goethe und Shakespeare in einem Atemzug zu nennen. Unbestritten wird er von allen, selbst seinen Gegnern, ein Genie genannt. Ganz dem Selbstverständnis russischer Schriftsteller entsprechend ist auch er ein moralisches Gewissen gewesen, ja, man kann sagen: eine moralische Instanz, sogar weit über sein Land und über seine Zeit hinaus. Dass er, seit frühester Jugend ein ausgeprägt philosophischer Denker, der seine Ideen und Erkenntnisse dank seiner schriftstellerischen Begabung auch nach außen tragen konnte, mit den herrschenden sozialen und politischen Verhältnissen in Konflikt geriet, war daher unvermeidlich; ebenso zwangsläufig musste er in einem Land, in dem Kirche und Staat eine Einheit bildeten, zu einem scharfen Kritiker der Institution Kirche werden. Nicht zuletzt dank seiner exponierten sozialen Stellung wurde aus seiner Sicht vom Christentum quasi eine „Gegenreligion“ zu den praktizierten christlichen Religionen – nicht nur zur russisch-orthodoxen, sondern zu wirklich allen christlichen Religionen. Er war also Schriftsteller und ein Philosoph, dessen Denken ihn zu einem Religionsstifter, ja Anarchisten machte.
Den Schriftsteller und Religionsphilosophen kann man jedoch nur verstehen, wenn man den Menschen zu verstehen sucht, den Lev Nikolaevič Tolstoj, von dem Maksim Gorkij sagte, er sei „zu allererst ein Mensch, ein menschheitlicher Mensch“. (Weiterlesen …)

27. September 2010

Anton Pawlowitsch TschechowVersuch eines Porträts

von wietek

Dies Dichtertum hat es mir angetan. Seine Ironie gegen den Ruhm, seine Zweifel am Sinn und Wert seines Tuns, der Unglaube an seine Größe hat von stiller, bescheidener Größe so viel.

Thomas Mann

Über Anton Pawlowitsch Tschechow (Anton Pavlovič Čechov), einen der größten russischen Schriftsteller, dessen Werke bis in die heutige Zeit hinein wirken, ist viel geschrieben worden. Es gibt viele ausführliche und detaillierte Beschreibungen seines Lebens und seines Schaffens (siehe Literaturangaben), nicht zuletzt Peter Urbans Čechov Chronik und der erst kürzlich im Internet erschienene exzellente Artikel von Alexander Savin et al.
Die wohl treffendste Besprechung Čechovs, seiner literarischen Entwicklung und seiner Zeit ist bei einem Zeitgenossen, dem Anarchisten Fürst Pëtr Alekseevič Kropotkin (*1842, †1921), in einem kurzen Kapitel seiner russischen Literaturgeschichte Ideale und Wirklichkeit in der russischen Literatur nachzulesen. (Weiterlesen …)

29. January 2010

Das Erbe der Dekabristen, Teil 2

von wietek

So bedrückend und wirr das 19. Jahrhundert in Russland auch war, so „golden“, so ruhmreich, so glanzvoll (man könnte noch viele begeisterte Worte anfügen) war es in Literatur, Musik und Kunst. In der zweiten Hälfte kehrte sich die „Blickrichtung“ gar um: Hatte bisher das literarische Russland nach Westen geschaut, blickte jetzt der literarische (und nicht nur der literarische) Westen nach Russland. Die Übersetzungen der Werke von Puschkin, Lermontow, Gogol, Turgenjew und später von Dostojewski und Tolstoi wurden zu literarischen Ereignissen in ganz Europa. (Turgenjew lebte seit den 1860er-Jahren in Deutschland und Frankreich und hatte engen Kontakt zu Gustave Flaubert, Émile Zola, Theodor Storm, Paul Heyse, Berthold Auerbach und vielen anderen.) Nikolai Nekrassow und Anton Tschechow sind noch zu nennen.
Bei den Malern waren es u.a. Ilja Repin, Iwan Kramskoi und Wassili Perow, die Weltruhm erlangten.
Peter Tschaikowsky, Modest Mussorgski, Nikolai Rimski-Korsakow, Sergej Rachmaninow, Milij Balakirew, Alexander Borodin u.a. setzten Zeichen in der Musikgeschichte. (Weiterlesen …)

22. September 2008