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"Sprechende" Namen

von ZVAB

Den eigenen Namen kann man sich nicht aussuchen, in der Literatur kann man sich aber darauf verlassen, dass mehr dahinter steckt. Denn in der Regel wählt der Autor den Namen seiner Figur mit Bedacht. Sogenannte “sprechende” Namen waren bereits in den Mythen und Sagen der Antike ein beliebtes Stilmittel, um auf einen besonderen Wesenszug einer Figur anzuspielen. Aber auch heute noch wimmelt es in der Belletristik nur so von symbolischen Namen. Wir haben eine kleine Auswahl für Euch zusammengestellt. Hättet Ihr es gewusst?

1. Holly Golightly, die Protagonistin aus Truman Capotes Roman Frühstück bei Tiffany, zeichnet sich nicht nur charakterlich durch ihre unbekümmerte Einstellung zum Leben aus, auch ihr Name (go-lightly) bedeutet übersetzt so viel wie “Nimm’s leicht”.

2. Jonathan Swift nannte die naive und leichtgläubige Hauptfigur und den Erzähler seines Romans Gullivers Reisen nicht ohne Grund Lemuel Gulliver, denn “gullible” bedeutet im Englischen “gutgläubig” oder “leichtgläubig”.

3. Der Ingenieur Walter Faber aus Max Frischs Werk Homo faber repräsentiert den rationalen, technikgläubigen Menschen und ganz dem Titel des Romans entsprechend den “Homo faber”, den “handwerklich tätigen Menschen”.

4. Das Werk von F. M. Dostojewskij ist geradezu gespickt mit  “sprechenden” Namen. Beispielsweise bedeutet der Name Raskolnikow, der Hauptfigur aus Schuld und Sühne, übersetzt “der Abgespaltene” oder “Zerspaltene”. Dabei fühlt sich Raskolnikow nicht nur vom “normalen” Menschen abgespalten, sondern auch seine psychische Verfassung deutet auf ein Gespalten-Sein hin.

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5. Eine ironische Verwendung eines “sprechenden” Namen findet man in der Figur Else Schweigestill aus Thomas Manns Roman Doktor Faustus. Bei ihr handelt es sich um eine Bäuerin, die fast pausenlos redet.

6. Die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens ist der absolute Klassiker zu jeder Weihnachtszeit. Doch wusstet Ihr, dass der Name des grantigen, alten Geizhals Ebenezer Scrooge tatsächlich mit “Geizhals” übersetzt wird?

7. Auch der Name der Figur Alex aus Anthony Burgess A Clockwork Orange wurde vom Autor nicht ohne Grund gewählt. “A lex” ist das lateinische Wort für “ohne Gesetz”.

8. Wer genau hingeschaut hat, hat sich nicht vom charmanten Auftreten von Mr. Wickham aus Stolz und Vorurteil täuschen lassen. “Wicked” heißt übersetzt so viel wie “böse”, “verführerisch” oder auch “gefährlich”.

9. Den Ursprung lateinischer oder englischer Namen kriegen die meisten vielleicht noch entschlüsselt, aber wie sieht es mit Namen indischen Ursprungs aus? Die meisten Figuren aus Rudyard Kiplings Werk Das Dschungelbuch tragen Namen, die eine indische Bedeutung haben: So bedeutet “Bagheera” Panther, “Baloo” Bär und “Shere Khan” “König Tiger”. Hingegen scheint der Name Mowgli, der in der Geschichte mit “Frosch” übersetzt wird, von Kipling selbst erfunden worden zu sein.

10. Nicht zuletzt brachte natürlich auch das Fantasy-Genre eine Fülle von “sprechenden” Namen hervor. Beispielsweise leitet sich der Name von Hobbit Frodo aus Der Herr der Ringe vom altenglischen Wort fród ab und  bedeutet “klug durch Erfahrung”. Der Name von Harry Potter-Bösewicht Voldemort setzt sich aus den französischen Wörtern für “Flug des Todes” oder aber “Dieb des Todes” (Vol de mort) zusammen.

 

Fallen Euch noch weitere Beispiele ein?

25. November 2014