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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Sex auf Distanz

von konecny

„Ich war ein verlogenes Kind, das kam vom Lesen“, schrieb Isaak Babel. Klar ist übersprudelnde Phantasie auch eine schwere Last für den Fabulierer, bis er sich für seine Lügnereien ein hübsches Alibi zurechtgelegt hat – man schreibt einen Roman! Ab da ist man nicht mehr Lügner, man ist der Herr Schriftsteller. Das gelingt nicht jedem. Die meisten Bafler werden keine Schriftsteller, sie müssen sich weiter direkt von Mensch zu Mensch in ihren Weltrausch reden und nicht in einem Roman, sie brauchen den Zauber der direkten Rede. Wenn du einen Bafler in der Kneipe triffst, erzählt er dir gleich unbändig Geschichten, in denen er alles verdreht und maßlos übertreibt. Der Bafler will deine Burg aus anerzogener Distanz stürmen, dich ganz für seine Geschichte einnehmen! Der Bafler sucht „Körpernähe“, möchte dich zum Schwitzen bringen. Ein Lügner will dich betrügen, um für sich irgendwelche Vorteile zu ergattern, ein Bafler will dich staunen lassen. Und aus dem Staunen kommt die Freude! Ein Bafler beglückt dich also. Zum Beispiel mein Freund Pepino in Mähren, der mal erzählte, wie er den Hamster seiner Freundin aus dem 9. Stock eines Plattenbaus mit einem kleinen Fallschirm habe runter springen lassen.
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9. August 2010

Alexas Lelle

von bardola

Lelle mit ihrem extrem strapaziösen Teenager-Alltag ist frech, witzig und böse und trägt auch gerne mal dick auf. Andererseits ist sie verletzlich, traurig und allein und findet es schlimm, 15 Jahre alt zu sein. Kuschelig ist das alles nicht: Wenn es Lelle zu viel wird, schlägt sie den Kopf gegen die Wand, raucht Kette, steckt sich nach einer furchtbaren Möhrenmalzeit im Klo den Finger in den Hals, fürchtet den anschließenden Anhauchtest der Mutter und würde oft am liebsten in Ohnmacht fallen, was ihr gelegentlich auch gelingt. Käme nur der TV-Star und streichelte ihr sanft den Rücken… (Weiterlesen …)

21. April 2009

Fifi poppt den Elch

von konecny

Jana konnte die besten Eigenschaften in einem Mann zum Leben erwecken. Und die schlimmsten! Schön und rein, doch mit einem Körper, der dich zu solch sündigen Gedanken verführte, dass dir nach einer Begegnung mit ihr nur Gebet und Buße übrig blieben!

Noch Wochen nach Jana fluchte ich nicht, aß kein Fleisch, trank kein Bier und verzichtete weitgehend auf Tätigkeiten, die zu einer Ejakulation führten. Erstaunlicherweise wusste Jana nichts von ihrer teuflischen Mischung aus Unschuld und Sexappeal. Ausgerechnet in der Wohnung dieser Frau trafen wir uns, um eine Poetry-Show-Reihe zu planen: Jana, Janas Chef Klaus, der Leiter des Kieler Kulturbüros „Poesie gegen Hunger“ und Anonymer Alkoholiker, die Spermienschleuder Gigi Taifun, der in seinem zivilen Leben ein begnadeter Performance Poet war, und ich.
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25. August 2008

Hermann Bahr: Rastloser Prophet – Vergessener Literat

von tergast

„Niemals und immer derselbe“. Dieser Versuch einer Selbstbeschreibung kann als programmatisch für Hermann Bahr gelten. 1863 ist er in Linz als Sohn des Rechtsanwalts, Notars und Landtagsabgeordneten Dr. Alois Bahr und seiner Frau Wilhelmine (Minna), geborene Weidlich, zur Welt gekommen, um diese fortan mit immer neuen Erkenntnissen zur Literatur und Kunst zu bereichern.

„Niemals und immer derselbe“, das bedeutet für Bahr, der in Wien Klassische Philologie, Philosophie, Rechtswissenschaften und Nationalökonomie studierte, nichts anderes als seine Betrachtungen und Theorien vor allem zur Literatur der Moderne ständig in neue Richtungen zu lenken und das Alte zu verwerfen, sobald es den Ruch des Etablierten anzunehmen schien. In dieser Unberechenbarkeit jedoch war er höchst berechenbar, denn genau das war sein Lebensmotto: Vordenker der Moderne sein, antizipieren, was kommt und wichtig wird, und sobald es soweit ist, das Ganze verwerfen und den nächsten Schritt wagen. (Weiterlesen …)

10. September 2007