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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Gute Geschichten

von konecny

Ein Buch enthält eine Geschichte. Mindestens eine. Sogar ein Sachbuch. Doch ein antiquarisches Buch ist außerdem der Held seines eigenen Abenteuers. So muss ein guter Antiquar auch ein guter Geschichtenerzähler sein. Je besser die Geschichte, desto besser lässt sich das Buch verkaufen. Natürlich machen gute Geschichten auch dem Antiquar viel mehr Spaß.

Eine verregnete Nacht im Herbst vergesse ich nie. Vor einigen Monaten hatten Christof Größl und ich das Abeceda-Antiquariat gegründet. Jetzt hockten wir in einer Raststätte an der Autobahn und versuchten, uns mit Kaffee die Nacht aus den Köpfen zu schlagen. Vor uns auf dem Tisch einige Zettel, ein Pfandschein und ein handschriftlich geschriebenes Büchlein: Originalschriften des Dichters J. G. Seume. Mit Seumes Gedichten darin. „Mann!“ sagte ich. „Und wenn das eine echte Handschrift von Seume ist?“ „Der Einband ist höchstens 100 Jahre alt!“ sagte Christof. „Und auch die Schrift entstand wohl später als zu Seumes Lebzeiten.“ Seume starb im Jahre 1810. Was sollte dann aber der dem Band beigelegte Pfandschein vom 19.12.1922? Hier hatte ein Wirt des Gasthofs Zum Weißen Ross in Knautkleeberg bei Leipzig unterschrieben, dass er „zwanzigtausend Mark Pfand für einen Band Seumegedichte“ erhalten habe. Unser Buch! Dabei lag ein gedrucktes Programm der Seume-Gedenkfeier am 13. Juni 1910 im Gasthof Zum Weißen Ross in Knautkleeberg – an Seumes hundertsten Todestag also – und ein gedrucktes Portrait Seumes.
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10. October 2007