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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Nichts zu verlieren : DBC Pierres „Jesus von Texas“

von bardola

Der 15-jährige Vernon Gregory Little aus der fiktiven texanischen Kleinstadt Martirio (Nomen est omen: Die Stadt steht symbolisch für alle hinterwäldle- rischen Städte in Zentral-Texas, dem Land der Bush-Dynastie) – pubertie- render, ständig fluchender Ich-Erzähler, verklemmter Außenseiter an der High School, Muttersöhnchen und geborener Verlierer – fiel bislang immer aus der Rolle. Doch jetzt wird ihm von den Stadtbewohnern und den Medien eine Rolle auf den Leib geschneidert: die Rolle eines Täters. (Weiterlesen …)

17. October 2011

Fanny Gräfin zu Reventlow, Skandalnudel und Schriftstellerin der Schwabinger Bohème

von tergast

Ein Blick zurück auf die letzten Kolumnen brachte dieser Tage eine Erkenntnis hervor: Hier ging es schon lange nicht mehr um eine Autorin. Diesem Zustand muss dringend Abhilfe geschaffen werden.

Würde die Dame, um die es hier geht, heute leben, wäre sie vermutlich eine Art Skandalnudel und häufiger mal auf der Titelseite der einschlägigen Gazetten. Immer unangepasst, ihrer Zeit voraus, nie den Erwartungen ihrer Mitmenschen entsprechend. Aber mit dem festen Willen, ihren Weg zu gehen.

Das war um 1900, als sich Fanny Gräfin zu Reventlow für diese Lebensweise entschied, natürlich noch ungleich schwerer als in postmodernen „Jeder macht was er will“-Zeiten. Da konnte man noch, wie es der 1871 in Husum geborenen Fanny Liane Wilhelmine Sophie Auguste Adrienne Gräfin zu Reventlow passierte, von der Familie zur Besserung aufs Land geschickt werden. Zu einer Pastorenfamilie, damit auch alles seinen geregelten christlichen Gang gehen möge.

Dumm nur, dass die Familie nicht mit der Widerstandskraft des Mädchens rechnete, das sogleich aus dem Exil floh und bei Verwandten in Wandsbek unterkam, um von dort aus zu einer Karriere zu starten, die ihres gleichen sucht. (Weiterlesen …)

20. December 2010

Iwan Sergejewitsch Turgenjew – Sein literarisches Schaffen, Romane II

von wietek

So wünschenswert es wäre, jeden einzelnen von Iwan Turgenjews hochklassigen Romanen ausführlich zu besprechen – hier ist dafür weder Zeit noch Raum. Stichwortartige Notizen über die Handlung und die persönlichen Bezüge müssen genügen, um Lust auf mehr zu machen. Wer sich den höchst interessanten literaturwissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Analysen zuwenden will, die Turgenjews Romanwerk nach sich gezogen hat, wird in den Literaturangaben am Ende dieses Textes viel Lesenswertes finden. (Weiterlesen …)

20. July 2010

Angeklagt! Nikolai Gogol und Nikolai Leskow – „geistige Väter“ der Finanzkrise?

von wietek

hanns-martin wietek / Moskau – Wie aus für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen der russischen Regierung verlautet, soll der berühmte russische Schriftsteller Nikolai Gogol vor dem Internationalen Gerichtshof als geistiger Vater der weltweiten Finanzkrise angeklagt werden. Mit seinem weltberühmten Roman Die Toten Seelen (1842) habe er die Akteure der von der USA ausgehenden Finanzkrise inspiriert, ja mehr noch, ihnen einen „Arbeitsplan“ geliefert. Mitangeklagt werde Nikolai Leskow, der in seiner Erzählung Das erlesene Korn (1884) den Tathergang noch genauer vorgeschlagen und damit noch größere kriminelle Energie gezeigt habe (s. u.). In beiden Fällen geht es um Betrug durch den Verkauf nicht existierender Ware, im heutigen Sprachgebrauch „Leerverkäufe“ genannt.
Die russische Regierung ist noch zu keinem abschließenden Urteil gekommen und behält sich rechtliche Schritte gegen die Anklage vor. Man werde aber die Angeklagten keinesfalls ausliefern, heißt es aus Moskau. (Weiterlesen …)

2. February 2009

Michail Jewgrafowitsch Saltykow–Schtschedrin, Satiriker von Weltrang

von wietek

Michail Jewgrafowitsch Saltykow-Schtschedrin (auch nur Saltykow oder Ssaltykow [DDR]; Transliteration Michail Evgrafovic Saltykov-Šcedrin) kam am 15.jul. / 27.greg. Januar 1826 in Spas-Ugol (Gouvernement Twer) zur Welt und verließ selbige am 28. Apriljul. / 10. Maigreg. Mai 1889 in St. Petersburg.

Eine Epoche in einem Atemzug

Ein kleiner kultureller und politischer „Flickerlteppich“ soll als Hintergrund für die Darstellung von Saltykows Leben dienen. Dieser Flickerlteppich ist genäht, wie die Flickerl eben kamen – und die kamen nur in etwa chronologisch; kein Flickerl ist höher bewertet als das andere und es sind noch unzählige übrig geblieben; ein vollständiger Teppich wird daraus aber doch. (Weiterlesen …)

3. November 2008

Alexander Moritz Frey: Der phantastische Satiriker

von faure
Der phantastische Rebell

Seine Freunde nannten ihn Amf – und vielleicht hat ihn auch Adolf Hitler, sein Regiments„kamerad“ im Ersten Weltkrieg, im Schützengraben so gerufen: Amf steht für Alexander Moritz Frey. Als Frey 1915 Sanitäter in der gleichen Einheit wurde, in der Hitler Meldegänger war, hatte er zahlreiche Geschichten in Zeitungen und einige Bücher veröffentlicht. Hitler war das ziemlich egal, aber beider Feldwebel Max Amann interessierte sich ausnehmend für die Pressebranche – und fragte Frey darüber ein Loch in den Bauch. Vielleicht hat Frey dadurch unfreiwillig eine unheilvolle Karriere befördert: Amann wurde späterer Reichsleiter der NSDAP-Presse und Herausgeber von Mein Kampf.

Mit diesen Beziehungen hätte Frey locker Feuilletonchef des Völkischen Beobachter werden können (man hat ihm diesen Job angeboten), doch hatte er für das braune Pack nur Verachtung übrig – seine pazifistische Gesinnung hätte man spätestens seinem Feldsanitätsroman Die Pflasterkästen (1929) entnehmen können, der von allen namhaften Rezensenten der Weimarer Republik an die Seite von Remarques Im Westen nichts Neues (wenn nicht darüber) gestellt wurde. Zum Glück war Amf nicht zu Hause, als am 15. März 1933 die Nazis seine Wohnung auseinandernahmen, sofort danach begab er sich ins Exil nach Salzburg, flüchtete später in die Schweiz. Dort lebte und arbeitete er in bitterster Armut bis zu seinem Tod 1957; und hätten ihn nicht Freunde wie Thomas Mann finanziell unterstützt, wäre er wahrscheinlich verhungert.

Vielleicht leitet die von Stefan Ernsting verfaßte Biographie Freys, die Anfang nächsten Jahres unter dem Titel Der phantastische Rebell Alexander Moritz Frey oder Hitler schießt dramatisch in die Luft bei Atrium erscheint, eine Wiederentdeckung dieses brillanten Erzählers und Satirikers ein. Es wäre nicht allein schön, es wäre auch nötig. Wäre Frey bekannter, die Feuilletons hätten ihn sicher in die Schublade „der deutsche Edgar Allan Poe“ gesteckt. Nicht ganz zu Unrecht.
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13. December 2006

Simplicissimus – satirische Wochenschrift – Bissige Satire

von zvab

Am 4. April 1896 erscheint in München die erste Ausgabe der vom Verleger Albert Langen herausgegebenen Satirezeitschrift "Simplicissimus". Das Debütheft verkauft sich kaum, doch innerhalb weniger Jahre wächst die Popularität des Magazins und es erreicht Auflagen zwischen 80.000 bis 100.000 Stück. Zum Erfolg des Satireblatts mit der bissigen roten Bulldogge als Markenzeichen tragen mehrere Faktoren bei. Ungewöhnlich für die damalige Zeit ist der Farbdruck der Wochenschrift. Neben Karikaturen und Zeichnungen sind es vor allem die Beiträge namhafter Autoren, die den Geschmack des Publikums treffen.

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3. April 2006