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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Alexander Sergejewitsch Puschkin, Revolutionär im goldnen Käfig

von Hanns-Martin Wietek

Über seine Bedeutung für die Literatur große Worte zu verlieren, hieße „Eulen nach Athen zu tragen“; es wäre, als wollte man lobende Worte über Goethe schreiben.

Obwohl: Als ich mich einst telefonisch in einem Kino erkundigte, welcher Film gegeben werde, bekam ich zur Antwort „Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre“. Verdutzt fragte ich „Wie? Von Goethe?“ Die Stimme verstummte, Musik im Hörer, dann „Ja, Goethe heißt der Mann.“
Den Namen Puschkin hätte ich der Dame sicher buchstabieren müssen, und auch dann hätte sie mit ihm nichts anfangen können.
Das trifft natürlich für die Leser des ZVAB nicht zu.
Dennoch, es muss über seine Bedeutung gesprochen werden; es sollen jedoch am besten die größten der russischen Schriftsteller zu Wort kommen und über diesen Olympier sprechen.
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Hanns-Martin Wietek 6. Februar 2008

Scott O’Dell: Doppelter Bruch mit der Erzähltradition

von Nicola Bardola

Wer ist der Mann, der 1959 den Klassiker “Insel der blauen Delphine” schrieb, ein Roman, der bis heute Kinder und Erwachsene gleichermaßen fasziniert?

Scott O’Dell wurde als Odell Gabriel Scott 1898 in Los Angeles geboren, studierte Psychologie, Philosophie, Geschichte und Englisch, lektorierte danach Drehbücher und veröffentlichte 1924 eine Aufsatzsammlung über erfolgreiche Stummfilm-Scripts, worauf er von Paramount Pictures engagiert wurde. Er arbeitete in Hollywood auch als Kameramann, u.a. bei den Filmaufnahmen zu Ben Hur in Rom. Italien gefiel ihm so gut, dass er ein Jahr lang dort lebte und einen Roman schrieb, den er jedoch verbrannte. 1934 erschien “Woman of Spain” und nach dem Zweiten Weltkrieg zwei weitere Romane für Erwachsene. Von 1947 bis 1955 arbeitete er als Redakteur für die „Los Angeles Daily News“.
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Nicola Bardola 28. Januar 2008

„Ich bin ein doppelter Mensch“ – Georg Kaisers lebenslanger literarischer Kampf gegen das Böse

von Carsten Tergast

„J’ai gagné la bataille!“ Das sollen die letzten Worte von Georg Kaiser gewesen sein, bevor er am 4.6.1945 in einem Hotelzimmer in der Schweiz seinen letzten Atemzug tat. Die „Bataille“, der stete Kampf, das große Ringen, das war ein genialisch geprägtes Künstlerleben, das kaum einen Exzess, kaum eine Inszenierung ausließ. Auf der anderen Seite schlug sie sich auch in einer enormen Textproduktion nieder, die mehr als siebzig Dramen umfasst, daneben aber auch sämtliche anderen Textgattungen wie Romane (nennenswert etwa: Es ist genug, 1932 oder Villa Aurea, 1940), Erzählskizzen, Briefe und auch Lyrik, ja sogar Filmexposés verfasste Kaiser, der in den 66 Jahren seines Lebens ein geradezu manischer Schreiber gewesen zu sein scheint.

Als fünfter von sechs Söhnen eines Versicherungskaufmanns kommt Georg Kaiser am 25. November 1878 in Magdeburg zur Welt. Das Milieu seiner Eltern ist das ländlich-bäuerliche der Mark Brandenburg, Kaiser selbst entflieht all dem zunächst in eine Buchhändlerlehre, die er zugunsten eines Wechsels ins Ex- und Importwesen wieder aufgibt. Er verdingt sich als Kohlentrimmer auf einem Frachtdampfer nach Südamerika und arbeitet schließlich drei Jahre lang als Kontorist im AEG-Büro in Buenos Aires.
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Carsten Tergast 26. November 2007

Identitätssuche im deutsch-jüdischen Kontext: Jakob Wassermann

von Carsten Tergast

Welch bleibende Wirkung die Jahre der nazistischen Barbarei hatten, lässt sich u.a. auch auf dem Feld der Literatur bestens studieren. Viele der von den braunen Horden verfemten Autoren, deren Bücher auf dem Scheiterhaufen landeten, waren vor dem Dritten Reich viel gelesene, bekannte und geschätzte Autoren. Einer der Wichtigsten, bei dem diese Scheiterhaufen-Zäsur bleibende Wirkung hinterlassen hat, ist zweifelsohne Jakob Wassermann.

Im März 1873 im fränkischen Fürth geboren, hätte aus dem kleinen Jakob ein Spielwarenfabrikant werden können, wenn er die auf Geheiß des Vaters 1889 in Wien begonnene Lehre im Geschäft seines Onkels ernst genommen und beendet hätte. Doch Jakob fühlte sich zu anderem berufen, Schreiben war sein Metier, und so schmiss der junge Mann die Lehre, um sich zunächst auf eine unstete Wanderschaft zu begeben, die ihren negativen Höhepunkt in den Erfahrungen einer einjährigen Militärzeit in Würzburg hatte. Wassermanns Erlebnisse dort müssen in etwa vergleichbar mit den Grausamkeiten sein, die Rilke in St. Pölten erlebte und werden in beiden Fällen eine prägende Zeit für den späteren Schriftsteller gewesen sein.
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Carsten Tergast 30. Oktober 2007

Karl Gutzkow: bewegt, zensiert und streitbar. Ein literarisches Leben im 19. Jahrhundert

von Carsten Tergast

In ärmlichen Verhältnissen, als Sohn eines Stallmeisters des Prinzen Friedrich Wilhelm Karl, wurde am 17. März 1811 in Berlin ein Mann geboren, der knapp 25 Jahre später eines der berüchtigsten Werke der Literatur des 19. Jahrhunderts schaffen sollte. So berüchtigt, dass es ihm sogar eine einmonatige Gefängnisstrafe einbrachte.
Der Roman, von der zeitgenössischen Kritik als „unsittlich und gotteslästerlich“ gebrandmarkt, hieß Wally, die Zweiflerin, sein Autor war Karl Gutzkow, der neben seiner Wally eine große Menge weiterer literarischer Werke schuf und für die jungdeutsche Literatur von nicht unerheblicher Bedeutung war.
Gutzkow etwa war es, der dafür sorgte, dass Georg Büchners Dantons Tod in der von Eduard Duller herausgegebenen Zeitschrift Phönix. Frühlings-Zeitung für Deutschland erscheinen konnte, für die Gutzkow das so genannte Literaturblatt erstellte. Büchner war zu jener Zeit durch einen intensiven Briefwechsel mit Gutzkow verbunden und empfand ihn als einen seiner ersten Förderer. (Weiterlesen …)

Carsten Tergast 17. August 2007

Mats Wahls Erzählkunst

von Nicola Bardola

1996 wurde Mats Wahl auf einen Schlag in Deutschland berühmt. Drei seiner Bücher waren in verschiedenen Kategorien für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Die Winterbucht, Stockholms breiter Wassergraben zwischen Arm und Reich, der Hauptschauplatz seines gleichnamigen Romans, wurde schließlich ausgezeichnet.

Erzählt wird die Geschichte von John-John, einem dunkelhäutigen, 16-jährigen Schweden aus einfachen und zerrütteten Verhältnissen. John-John muss an vielen Fronten emotional und handgreiflich kämpfen: Die zwei schlimmsten Schlachtfelder werden einerseits vom Freund seiner Mutter dominiert, der John-Johns Schwester vergewaltigt, und von seinem Freund Fighter, der ihn zu kleinkriminellen Handlungen verführt und später Neonazi wird. John-John flüchtet sich an die Schauspielschule und verliebt sich in ein Mädchen aus reichem Haus.
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Nicola Bardola 12. Juli 2007

Paula Fox - Emotionaler Realismus

von Nicola Bardola

Die amerikanische Autorin Paula Fox, versteht wie nur wenige die Kunst, eigenes Erleben in Literatur zu verwandeln und in ihren Memoiren aufzuzeigen, wie ihre autobiographischen Fiktionen mit der Realität zusammenhängen. In Artikeln und Interviews, über 20 Kinder- und Jugendbüchern, sieben ins Deutsche übersetzten Romanen für Erwachsene und nicht zuletzt in In fremden Kleidern. Geschichte einer Jugend gibt sie Selbstauskunft und erzählt von ihrem bewegten Leben, das mehr als genug Stoff für diverse Bücher bietet.

Paula Fox wurde 1923 in New York City geboren. Ihre Eltern - der Vater war irisch-englischer Abstammung, ihre Mutter kam aus Kuba - ließen sie zunächst bei einem Pastor aufwachsen, mit sechs Jahren kam Paula Fox in ein Kinderheim nach Kalifornien. Zwei Jahre später zog sie zu der Familie ihrer Mutter nach Kuba, wo sie auf einer Zuckerrohrplantage lebte. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr war Paula Fox bereits auf neun verschiedene Schulen gegangen. 1933 kehrte sie zusammen mit ihrer Großmutter nach New York zurück. Wie ihre Mutter mit Paula, so wurde sie selbst gerade einmal 19-jährig 1942 mit ihrer ersten Tochter Linda schwanger. 1943 gab Paula Fox Linda kurz nach der Geburt zur Adoption frei. Rund vierzig Jahre später suchte Linda ihre Mutter und fand sie. (Weiterlesen …)

Nicola Bardola 25. Januar 2007

Mirjam Presslers Leidenschaft

von Nicola Bardola

Eine eigene Realität erschaffen

Mirjam Pressler wurde 1940 in Darmstadt geboren. Sie wuchs dort bei Pflegeeltern und später in einem Internat auf. Sie studierte an der Akademie für Bildende Künste in Frankfurt und Sprachen in München und lebte für ein Jahr in einem Kibbuz in Israel. Zurück in Deutschland arbeitete sie in verschiedenen Jobs, unter anderem führte sie einen Jeansladen. Sie hat drei inzwischen erwachsene Töchter, die sie nach der Scheidung von ihrem Mann alleine großgezogen hat. Heute – sie hat sechs Enkelkinder – lebt sie als freie Autorin und Übersetzerin mit ihrem Mann Genio Türke bei München. Sie hat mehr als 30 eigene Kinder- und Jugendbücher verfasst und über 200 Bücher ins Deutsche übersetzt. Für ihr Werk wurde sie mit vielen namhaften Preisen ausgezeichnet.

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Nicola Bardola 30. Oktober 2006

Elfriede Jelinek 60. Geburtstag

von ZVAB
Jelinek

2004 wurde Elfriede Jelinek mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet: “für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen”, wie es in der Begründung der Jury heißt.

Die am 20.10.1946 in Mürzzuschlag (Österreich) geborene Autorin gilt als radikale Feministin und Provokateurin. Mutig übt sie in ihren Werken scharfe Kritik an der Klassen- und Männergesellschaft sowie an Fremdenfeindlichkeit und nationalsozialistischer Vergangenheit.

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ZVAB 24. Oktober 2006

Anthony Burgess: Der Hexenmeister aus Manchester

von Ulrich Faure

Es ist ein ärztliches Urteil, dem wir - so heißt es wenigstens - das Erwachen eines der bedeutendsten literarischen Genies des vergangenen Jahrhunderts zu verdanken haben: Der am 25. Februar 1917 in Manchester geborene Lehrer für Englische Literatur John Anthony Burgess Wilson erhielt 1959 die verheerende Diagnose, an einem inoperablen Gehirntumor zu leiden: Er möge sich innerhalb der nächsten 12 Monate schon auf sein Ableben gefaßt machen, bedeutete ihm der Arzt. (Weiterlesen …)

Ulrich Faure 17. September 2006

Ethan Hawkes: “Hin und weg” und “Aschermittwoch” - Glanzlichter moderner Jugendliteratur

von Nicola Bardola

Ethan Hawke lebte mit seiner Frau, der Schauspielerin und Produzentin Uma Thurman und den gemeinsamen zwei Kindern einige Jahre in New York. Kurz nach Erscheinen seines zweiten Romans Aschermittwoch trennten sie sich und ließen sich 2004 scheiden. Welche Stufe ihre Beziehung wohl erlangt haben mag?

Dass Ethan Hawke sowohl vor der Kamera als auch am Schreibtisch Talent hat, ist unbestritten. Seine verschiedenen Ausdrucksformen befruchten sich gegenseitig. Als 18-Jähriger spielte er in Club der toten Dichter einen der Schüler, die Robin Williams für die Literatur begeistert. Im richtigen Leben, im Englischunterricht, hatte Hawke dank Salingers Fänger im Roggen schon Feuer gefangen und schrieb fortan selbst Kurzgeschichten. Seine beiden bisher erschienenen Romane sind Glanzlichter moderner Jugendliteratur. (Weiterlesen …)

Nicola Bardola 17. September 2006

Leo Tolstoi

von ZVAB
Leo Tolstoi

Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.” (Anfang des Romans Anna Karenina)

Das Hauptwerk von Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi, der am 9. September 1828 in Jasnaja Poljana bei Tula geboren wurde, bilden zwei epochale Romane von Weltruhm: Krieg und Frieden (1868/69) und Anna Karenina (1877/78). Fünf Jahre arbeitete Tolstoi an dem Roman über Ehe und Moral in der adligen russischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Die umfang- und detailreiche Handlung des achtteiligen Romanepos beginnt und endet mit einem tragischen Tod auf Eisenbahnschienen - Tolstoi wurde anscheinend durch die Lektüre eines Zeitungsartikels über einen solchen Tod zu dem Roman inspiriert.
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ZVAB 16. September 2006