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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Aleksej Michajlovič Remizov – Teil II: Leben und Werke

von wietek

Er war am Erblinden, das Schreiben fiel ihm schwer, er nannte sich einen »blinden Schriftsteller«, doch die Augen blicken noch erstaunlich ausdrucksvoll, und gearbeitet hat er bis zum letzten Tag. Thematik und Manier waren sich gleich geblieben, seine letzten Werke heißen: »Mäusleins Flötchen«, »Die Pfauenfeder«, »Die Geschichte von den beiden Tieren«. Er starb 1957 im Alter von achtzig Jahren. Kurz vor dem Tode schrieb er ins Tagebuch: »Ein Andrang von Einfällen, doch ich kann sie nicht verwirklichen: die Augen! … Heute schrieb ich den ganzen Tag in Gedanken — und konnte nichts aufschreiben.« Auch seine Faxen hat er bis zum Tode gemacht. Die Bücher der letzten Jahre tragen den Vermerk: »Zensiert im Hohen Rat des Obeswolpal.«
Um solche Beharrlichkeit, Geradlinigkeit und Seelenstärke könnte man Remisow fast beneiden. Doch Neid wäre unangebracht: Remisow hatte das volle Maß menschlichen Leides erfahren. Man warf ihm oft vor, in seinen Büchern häuften sich die Unwahrscheinlichkeiten, aber sein Schicksal war widersinniger als alles, was er sich hätte ausdenken können.

[zitiert nach Ilja Ehrenburg: Menschen, Jahre, Leben, 1962] (Weiterlesen …)

27. October 2011

Aleksej Michajlovič Remizov – Teil I: Cancellarius des Affenordens

von wietek

   Nikolaus II.
(Gemälde von E. Liphart)

Russlands Weg in die Katastrophe
Mit der Wende zum 20. Jahrhundert begann für Russland die schrecklichste Zeit seiner Geschichte.
1894 folgte Nikolaus II. seinem Vater Alexander III. auf dem Thron. Er führte die erzkonservative Politik seines Vaters und dessen radikalkonservativen Bera- ters Pobedonoszev nahtlos fort; er war ein autokra- tischer Herrscher von Gottes Gnaden – Reformen oder gar Demokratie waren ihm ein Gräuel, wie er schon bei der Thronübernahme in einer Rede verlauten ließ.
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20. October 2011