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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Entartung, Lügen und Krankheit – Max Nordau oder: Der andere Blick auf die Jahrhundertwende

von tergast

Wenn eines die Zeit des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts kennzeichnet, dann wohl die Gleichzeitigkeit so vieler unterschiedlicher Gedanken, Weltanschauungen und politischer wie künstlerischer Überzeugungen und Richtungen. Da konnte einer als Jude geboren werden, sich mit Leib und Seele und sogar mit einer Namensänderung davon lossagen, und schließlich doch noch zu einem der Vorkämpfer der zionistischen Bewegung an der Seite Theodor Herzls werden. Und dieser eine konnte in der Zwischenzeit ein literarisches und kritisches Werk schaffen, das – wenngleich nicht intentional – den aufkeimenden faschistischen Bewegungen in die Karten spielte. (Weiterlesen …)

31. August 2010

Anton Pawlowitsch TschechowVersuch eines Porträts

von wietek

Dies Dichtertum hat es mir angetan. Seine Ironie gegen den Ruhm, seine Zweifel am Sinn und Wert seines Tuns, der Unglaube an seine Größe hat von stiller, bescheidener Größe so viel.

Thomas Mann

Über Anton Pawlowitsch Tschechow (Anton Pavlovič Čechov), einen der größten russischen Schriftsteller, dessen Werke bis in die heutige Zeit hinein wirken, ist viel geschrieben worden. Es gibt viele ausführliche und detaillierte Beschreibungen seines Lebens und seines Schaffens (siehe Literaturangaben), nicht zuletzt Peter Urbans Čechov Chronik und der erst kürzlich im Internet erschienene exzellente Artikel von Alexander Savin et al.
Die wohl treffendste Besprechung Čechovs, seiner literarischen Entwicklung und seiner Zeit ist bei einem Zeitgenossen, dem Anarchisten Fürst Pëtr Alekseevič Kropotkin (*1842, †1921), in einem kurzen Kapitel seiner russischen Literaturgeschichte Ideale und Wirklichkeit in der russischen Literatur nachzulesen. (Weiterlesen …)

29. January 2010

Dmitri Mamin-Sibirjak, „der Sibirer“, und Pjotr Boborykin, der vergessenste Schriftsteller seiner Zeit

von wietek

Ob sie Oden an den Herrscher geschrieben, versteckte oder heftige Kritik an den Herrschern geübt oder journalistisch berichtet haben, ob sie ihre Meinung gefühlvoll, mit feiner Ironie und Satire, brutal und derb oder sachlich aufzeigend vertraten, ob sie aus dem Adel kamen, aus dem einfachen Volk, dem geistlichen Stand oder ob sie Wissenschaftler waren, ob ihr Thema das Bauerntum, der Adel, die Herrscher oder der europäische Westen war – immer sind die russischen Schriftsteller Chronisten ihrer Zeit, ja, quasi das Gewissen der russischen Volksgemeinschaft gewesen und das wollten sie auch sein, denn eine auch nur annähernd erfolgreiche politische Opposition gab es in Russland nie. (Weiterlesen …)

23. November 2009

Arno Holz: „Kunst = Natur – x“. Theoretiker des Naturalismus und Vater der modernen Literatur

von tergast
Arno Holz

Persönliche Widmung des Reichskanzlers Stresemann, Ehrendoktorwürde der Universität Königsberg, Aufnahme in die Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie, mehrfach für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen. Man könnte meinen, das literarische Leben des Arno Holz müsste ein so erfolg- und ruhmreiches gewesen sein, dass er bis heute zu den Standardautoren gehört.
Nun hat Holz tatsächlich seinen festen Platz in den Literaturgeschichten, gilt er doch als zentrale Figur des Berliner Naturalismus. Doch wer kennt das Werk des gebürtigen Ostpreußen (26.4.1863 in Rastenburg) heute wirklich noch? Naturalismus, das ist heute im literarischen Bewusstsein höchstens noch mit dem Namen Gerhart Hauptmann verbunden, ein Umstand, den Arno Holz schon zu Lebzeiten wahr nahm und als schmerzlich empfand, schließlich war Hauptmann seiner Meinung nach höchstens einer seiner talentierteren „Schüler“. Die 1896 erschiene Komödie Sozialaristokraten thematisiert diese Umstände, Holz rechnet darin auf satirische Weise mit seinen Berliner Schriftstellerkollegen ab, mit denen er zuvor die Fahne des Naturalismus in Deutschland aufrecht gehalten hatte.
Holz, der  anders als viele seiner Autorenkollegen  Autodidakt und nicht in den Genuss eines umfangreichen literarischen Studiums an der Universität gekommen war, verband in seinem Werk stets Theorie und Praxis miteinander.
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8. January 2008