Eine Frau mit Buch
von Jaromir KonecnyEine Frau mit Buch macht mich an. Wenn ich eine Frau mit Buch sehe, muss ich am Abend kein Bier trinken. Nach einer Frau mit Buch brauche ich keine anderen Drogen. Wegen einer Frau mit Buch streune ich wie ein Wahnsinniger durch Buchhandlungen, Buchmessen und Bibliotheken. Das Schlimmste für mich wäre wohl, wenn Männer wieder zu lesen anfangen und Frauen aus den Buchhandlungen verschwinden würden. Aus der U-Bahn ist eine Frau mit Buch bereits verschwunden. Leider nimmt dich eine Frau mit Buch gar nicht wahr – sie hat an ihrem Buch ja Ersatzbefriedigung genug. Damit mich eine Frau mit Buch wahrnimmt, bin ich Schriftsteller geworden. 20 Jahre lang hab ich mit diesem Scheißschreiben verbracht, bis mir klar wurde, dass für eine Frau mit Buch nur ein berühmter Schriftsteller von Interesse ist. Eine Frau mit Buch liest ja keine Bücher unbekannter Autoren, wie du einer bist. Eine Frau mit Buch nimmt nur das große Ding von Philip Roth oder John Irving oder Günter Grass in die Hand, und nicht dein Mickriges, an dem kein Bestsellerorden hängt, du Versager, du!..
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Otto Julius Bierbaum: Adorant der Schönheit und Förderer der Kultur
von Carsten Tergast
Otto Julius Bierbaum
„Es könnte sein, daß manch sangbares Lied seines Mundes noch lebt, wenn vieles, was heute gewichtiger dünkt, vergessen ist.“ Kein geringerer als Thomas Mann schrieb diese Zeilen 1910, nachdem am 1. Februar des Jahres ein Literat gestorben war, dessen Name heute, entgegen Manns Hoffnung, dem Vergessen anheim gefallen zu sein scheint. (Weiterlesen …)
10. November 2008Esskultur
von Jaromir Konecny„Wir saßen auf den strohgeflochtenen Stühlen im Esszimmer eines der köstlichen alten Landhäuser in der Umgebung von Paris.“

Gleich der erste Satz von Brechts Kurzgeschichte Esskultur machte mich glücklich. Boah! Jedes Dingwort so groß wie seine Information, jedes Wort in Reih und Glied. Wie Wortsoldaten! Vom Größten zum Kleinsten: Stühle, Esszimmer, Landhaus, Umgebung von Paris. Und ich hockte in der Umgebung von München! Genau gesagt in der S-Bahn! Nach einem Jahr Flüchtlingslager hatte man mich – den Tschechen – endlich unter die Deutschen gelassen..
Die S-Bahn rüttelte etwas. Schnell legte ich meine Hand auf den Topfdeckel neben mir. Immer wenn der Deckel hoch hüpfte, entwich aus dem Gulaschtopf eine dicke Knoblauchfahne. Die Nüstern der Fahrgäste blähten sich auf, ihre Nasenflügel flatterten auf der Suche nach der Duft-Quelle. Da! Sie sogen den Knoblauchduft tief ein und erschauerten vor Wonne. Danke Dir, Gott! Die Deutschen mögen Knoblauch!
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Karl Valentin – 125 Jahre
von ZVAB“Er ist ein Phänomen und spottet der Analyse. Er ist ein Gespenst und doch ein Münchner”. – Alfred Polgar

Gemeint ist der am 04. Juni 1882 in München/Au geborene Valentin Ludwig Fey, der berühmte bayerische Kabarettist, Komiker und Filmproduzent. Zu seinem Künstlernamen Karl Valentin kam er 1902, als er zum ersten Mal in Nürnberg auftrat.
Im Jahr seiner Geburt starben seine Brüder Karl (8) und Max (6) an der Diphterie, der kleine Valentin überlebte die Krankheit nur knapp. Er besuchte sieben Jahre lang die Schule, die er selbst als “Zuchthausstrafe” erlebte. Neben seiner Schreinerlehre nahm er noch Unterricht im Zitherspielen bei Ignaz Heppner. Durch sein handwerkliches Geschick baute er seine später betretenen Bühnen stets selber. Er zog sich auch gerne mal in die Werkstatt in seinem Haus in Planegg bei München zurück. 2 Jahre lang arbeitete er noch als Geselle in verschiedenen Schreinerbetrieben in München, absolvierte aber bereits kleinere Auftritte, z.B. bei Vereinsveranstaltungen. Nach dem Tod des Vaters übernahmen er und seine Mutter die Spedition “Falk & Fey”. Nebenbei baute er sein Musikinstrument: das “Lebende Orchestrion”, mit dem er sich nach dem Verkauf der Spedition auf Tournee durch verschiedene Städte begab darunter Leipzig, Bamberg, Halle an der Saale und Berlin. Obwohl diese Reise ein Misserfolg wurde, hielt sich Karl Valentin weiterhin als Zitherspieler und Komiker mit Unterstützung vom Druckereibesitzer und Komiker Franz Erlacher und dem Münchener Wirt und Künstler Ludwig Greiner über Wasser. (Weiterlesen …)

