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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Bücher für die „Blöden“

von konecny

Alles Schlechte hat seine gute Seite. Der Sozialismus zum Beispiel hat uns hemmungslos „sozial“ gemacht. Im Sozialismus musstest du eine Menge Leute kennen: Den Metzger – sonst gab’s am Abend nur grüne Wurst. Der Gemüsehändler war dein Freund, weil sogar Zwiebeln hin und wieder zu „Engprofil“-Waren zählten. Ein Kumpel in der Autowerkstatt machte sich gut, jemand bei der Polizei, diverse Handwerker musstest du kennen, den Buchhändler… ja, Wahnsinn! Was für eine super Bekanntschaft damals im Sozialismus ein Buchhändler war! Als Anfang der Achtziger zum Beispiel auf Tschechisch On the Road von Kerouac erschien! Während sich die anderen Kunden in der Schlange vor der Buchhandlung gegenseitig die Schienbeine blutig traten, hat dein Kerouac auf dich schon unter der Theke gewartet. Ohne Vetternwirtschaft lief im „real existierenden“ Sozialismus nun mal gar nichts. Nur die Schopenhauer-Jünger beschritten den Weg der Askese, lasen nicht, ernährten sich so, wie’s der Fünf-Jahres-Plan gerade erlaubte und soffen allein vor sich hin. Bier gab’s im Sozialismus genug, leider im Sommer zu warm und recht trüb – die Bierpipeline war noch vor dem Krieg gebaut worden und somit veraltet und dreckig. Trotzdem wurde der Hahn nicht zugedreht. Bier musste sein. Damit uns Übrigen das Lesen allein nicht zu öde wurde und wir selbst nicht auf blöde Gedanken kamen. An Revolutionen und so.
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3. July 2007