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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Etwas Vernunft im Wahnsinn

von konecny

Alfons hob sein Pilsner Urquell hoch. „Meine Herren!“, sagte er. „Ab heute kann ich trinken so viel ich will! Ich habe das Autofahren aufgegeben!“
„Warum denn?“, fragte Milena.
„Wegen der Ampeln!“, sagte Alfons. „Ich fahre an eine Kreuzung heran, die Ampel steht auf Grün, und plötzlich kurbelt ein Zwangsgedanke mein Hirn durch: Springt gleich die Ampel auf Gelb? Und dann auf Rot? Soll ich beschleunigen oder verlangsamen? Verdammt! In der letzten Zeit hatte ich nur Ampeln im Kopf! Schon in der Früh weckte mich die Farbmusik von Grün und Gelb und Rot, ich zitterte vor dem Augenblick, an dem ich ins Auto steigen musste!“
„Ihr Männer habt alle einen Knall!“, sagte Milena.
„Auch der klügste Philosoph kann dem Wahnsinn anheim fallen“, sagte Alfons. „Sogar Nietzsche ist wahnsinnig geworden! Der Wahnsinn ist die Würze des Daseins! Schon Nietzsche meinte aber, dass es Vernunft im Wahnsinn gibt!“
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6. April 2010

Die süße Tüte des Vergessens

von konecny

„Mann!“, sagte Alfons. „Heute hat mich meine Alte wieder verdroschen!“ Die Wirtin stellte frische Pilsner Urquell vor uns. Die Pilsner trugen schöne weiße Mützen und luden unsere Nasen zum Schmusen ein.
„Warum wehrst du dich nicht?“, fragte ich.
„Das wäre nicht fair, meint meine Frau!“, sagte Alfons. „Ich sei stärker als sie, deswegen dürfe nur sie mich schlagen! Ich will nicht über mein Schicksal jammern, ein Philosoph kann erst im Leiden wachsen. Warum muss ich aber auch beim Biertrinken ständig dran denken, dass auf mich zu Hause eine Furie wartet, die mir das Denken austreiben will? Ich nehme doch Drogen, um zu vergessen, verdammt!“
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7. December 2009

Omas Hahn am Tag der Arbeit

von konecny
Hahn - Bild von 3268zauber

Auch im Urlaub auf einem Dorf in Mähren musst du erfahren, dass wir längst unsere alte Welt für die neue, virtuelle ausgetauscht haben. „Unser dreijähriger Sohn Adam, das Stadtkind, flitzte aus dem Hühnerstall, hielt ein Ei hoch und brüllte: „Papa, die Eier macht man nicht in der Fabrik!“
„Nein!“, sagte ich. „Die werden von den Hennen gelegt!“
„Von der da?“, fragte Adam und zeigte auf den Hahn, der auf dem Misthaufen herumstolzierte.
„Nein! Das ist der Hahn! Der legt keine Eier!“
„Und was macht der Hahn?“, fragte Adam. Tja! Was macht eigentlich der Hahn? Ich ging in die Felder hinter den Häusern, kletterte auf einen Strohschober und dachte an die alten Zeiten im sozialistischen Mähren. Als noch allen Kindern auf der Welt klar war, wozu der Hahn gut sei.
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6. May 2009

Männer auf der Kirmes

von konecny

Der Mann ist ein erfinderisches Geschöpf, wenn’s darum geht, geistige Sachen mittels geistiger Getränke in geistlose Abgründe zu führen. Der Fastenschank zum Beispiel, der letzte Ausschank von Alkohol, hat früher die christliche Fastenzeit eingeleitet, die den Körper fürs Spirituelle reinigen sollte. Die Fastenzeit und das Spirituelle spart man sich mittlerweile, der Fastenschank aber ist uns als Fasching erhalten geblieben, eine jetzt grundlose Sauferei, die jeder Spiritualität spottet. Jahr für Jahr artet somit eine christliche Tradition zu einem mittels Alkohol enthemmten heidnischen Fest aus.
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6. April 2009