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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Friedrich Wolf: Schreiben als Klassenkampf

von tergast

Die Kunst als Waffe im Klassenkampf. Heute in Zeiten einer neuen Innerlichkeit als kunsttheoretischer Ansatz kaum noch spürbar, war dies in den bewegten 20er Jahren durchaus anders. Sowohl rechts als auch links von der bürgerlichen Mitte benutzten die Autoren Worte als scharfes Schwert.
Friedrich Wolf war einer von ihnen. In seinem Bauernkriegsdrama „Der arme Konrad“ (1924) gibt es eine Schlüsselszene zum Verständnis seines schriftstellerischen Denkens: Die Bauern des Bundschuh ziehen während einer Aufführung des „Ehrsamen Narrengerichts“ ihre Schwerter aus den Narrenpritschen, aus dem ursprünglichen Spiel entwickelt sich also der bewaffnete Aufstand, aus leichter Kunst wird ernsthafter Kampf um Gerechtigkeit und das tägliche Brot. (Weiterlesen …)

11. February 2008

Alexander Sergejewitsch Puschkin, Revolutionär im goldnen Käfig

von wietek

Über seine Bedeutung für die Literatur große Worte zu verlieren, hieße „Eulen nach Athen zu tragen“; es wäre, als wollte man lobende Worte über Goethe schreiben.

Obwohl: Als ich mich einst telefonisch in einem Kino erkundigte, welcher Film gegeben werde, bekam ich zur Antwort „Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre“. Verdutzt fragte ich „Wie? Von Goethe?“ Die Stimme verstummte, Musik im Hörer, dann „Ja, Goethe heißt der Mann.“
Den Namen Puschkin hätte ich der Dame sicher buchstabieren müssen, und auch dann hätte sie mit ihm nichts anfangen können.
Das trifft natürlich für die Leser des ZVAB nicht zu.
Dennoch, es muss über seine Bedeutung gesprochen werden; es sollen jedoch am besten die größten der russischen Schriftsteller zu Wort kommen und über diesen Olympier sprechen.
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6. February 2008

Scott O'Dell: Doppelter Bruch mit der Erzähltradition

von bardola

Wer ist der Mann, der 1959 den Klassiker “Insel der blauen Delphine” schrieb, ein Roman, der bis heute Kinder und Erwachsene gleichermaßen fasziniert?

Scott O’Dell wurde als Odell Gabriel Scott 1898 in Los Angeles geboren, studierte Psychologie, Philosophie, Geschichte und Englisch, lektorierte danach Drehbücher und veröffentlichte 1924 eine Aufsatzsammlung über erfolgreiche Stummfilm-Scripts, worauf er von Paramount Pictures engagiert wurde. Er arbeitete in Hollywood auch als Kameramann, u.a. bei den Filmaufnahmen zu Ben Hur in Rom. Italien gefiel ihm so gut, dass er ein Jahr lang dort lebte und einen Roman schrieb, den er jedoch verbrannte. 1934 erschien “Woman of Spain” und nach dem Zweiten Weltkrieg zwei weitere Romane für Erwachsene. Von 1947 bis 1955 arbeitete er als Redakteur für die „Los Angeles Daily News“.
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28. January 2008

Gorki, Revolutionär und Pragmatiker

von wietek

Bis zu Gorkis Rückkehr nach Russland (Ende 1913) kann man Gorki als revolutionär-romantischen Schriftsteller bezeichnen, auch wenn er sich zwangsläufig viel mit Politik beschäftigte. Ab 1914 – mit Beginn des Ersten Weltkrieges, dessen Übergang in die Revolution und die Etablierung des russisch-sozialistischen Staates – wurden die Verhältnisse in Russland verworren, und auch die Haltung Gorkis, der ab jetzt aktiv am politischen Geschehen teilnimmt, wird undurchschaubarer und scheinbar widersprüchlich.
 
Diese Widersprüchlichkeit hat seinem Ansehen als Mensch und Schriftsteller in den westlich orientierten Ländern schweren Schaden zugefügt; in den sozialistischen Ländern – die sich allerdings nur das aus Gorkis Schaffen herauspickten, was ihnen genehm war – wurde er zu einer Ikone des Sozialismus und Kommunismus hochstilisiert. Es gibt einige gute und objektive Biografien über Gorki wie »Geir KjetsaaMaxim Gorki. Eine Biographie“, 1994« oder »Henri TroyatGorki, Sturmvogel der Revolution“ 1987« und neue Erkenntnisse (zu lesen bei Armin Knigges »www.der-unbekannte-gorki.de«), weshalb ich hier nur auf einige markante Daten eingehen werde, die die Person Gorki und sein Schaffen etwas durchschaubarer machen sollen. Völlig aufzuklären wird auch hier nicht möglich sein, schon allein weil viele Faktoren eine Rolle spielen: Die persönliche (emotional und wirtschaftliche) Situation Gorkis, menschliche Beziehungen (zu seiner Ex-Frau und seinem abgöttisch geliebten Sohn), die sich rasant verändernde politische Situation in Europa (z.B. Gegenrevolution durch die Weißen mit Hilfe des Auslands, Aufkommen des Faschismus), die sich täglich, ja stündlich ändernden Meldungen und Falschmeldungen in höchst emotionalen und explosiven Situationen und und und. Ich will es dennoch versuchen.
 
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3. December 2007

„Ich bin ein doppelter Mensch“ – Georg Kaisers lebenslanger literarischer Kampf gegen das Böse

von tergast

„J’ai gagné la bataille!“ Das sollen die letzten Worte von Georg Kaiser gewesen sein, bevor er am 4.6.1945 in einem Hotelzimmer in der Schweiz seinen letzten Atemzug tat. Die „Bataille“, der stete Kampf, das große Ringen, das war ein genialisch geprägtes Künstlerleben, das kaum einen Exzess, kaum eine Inszenierung ausließ. Auf der anderen Seite schlug sie sich auch in einer enormen Textproduktion nieder, die mehr als siebzig Dramen umfasst, daneben aber auch sämtliche anderen Textgattungen wie Romane (nennenswert etwa: Es ist genug, 1932 oder Villa Aurea, 1940), Erzählskizzen, Briefe und auch Lyrik, ja sogar Filmexposés verfasste Kaiser, der in den 66 Jahren seines Lebens ein geradezu manischer Schreiber gewesen zu sein scheint.

Als fünfter von sechs Söhnen eines Versicherungskaufmanns kommt Georg Kaiser am 25. November 1878 in Magdeburg zur Welt. Das Milieu seiner Eltern ist das ländlich-bäuerliche der Mark Brandenburg, Kaiser selbst entflieht all dem zunächst in eine Buchhändlerlehre, die er zugunsten eines Wechsels ins Ex- und Importwesen wieder aufgibt. Er verdingt sich als Kohlentrimmer auf einem Frachtdampfer nach Südamerika und arbeitet schließlich drei Jahre lang als Kontorist im AEG-Büro in Buenos Aires.
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26. November 2007

Der schönste erste deutsche Satz ist gekürt!

von zvab

Das lange gespannte Warten hat endlich ein Ende. “Ilsebill salzte nach” ist der schönste erste Satz eines deutschsprachigen Romans. Kurz und knapp beginnt Grass‘ Roman Der Butt aus dem Jahr 1977 und bewies: In der Kürze liegt die Würze, denn die drei Wörter, so die Begründung der Jury, machen Lust auf mehr der insgesamt über 700 Romanseiten; sie malen literarische und kulinarische Bilder, die eine reichhaltige Lektüre versprechen.

Vorschläge kamen aus der ganzen Welt. Wie die “Initiative Deutsche Sprache und die Stiftung Lesen” berichten, haben sich über 17.000 Menschen aus 60 Ländern an der Suche beteiligt, davon einige auch hier auf dem ZVABlog.
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7. November 2007

Maxim Gorki, Der Romantiker und Revolutionär

von wietek

Maxim Gorki (weitere Schreibweisen des Namens: Maksim Gork’ij oder Gorkij), geboren am 16. März (nach dem alten vorrevolutionären Kalender) bzw. 28 März (nach dem heute gültigen Kalender) 1868 in Nischni-Nowgorod und gestorben am 18. Juni 1936.
Sein eigentlicher Name, auf den er getauft wurde, lautet Alexej Maximowitsch Peschkow. Das Pseudonym nahm er erst an, als seine erste Erzählung »Makar Tschudra« veröffentlicht werden sollte; mit dem Namen „Maxim“ wollte er an seinen früh verstorbenen Bruder erinnern, und russisch „gorki“ heißt „der Bittere“, der Spitzname, den sein Vater wegen seiner spitzen Zunge gehabt hatte.
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5. November 2007

Identitätssuche im deutsch-jüdischen Kontext: Jakob Wassermann

von tergast

Welch bleibende Wirkung die Jahre der nazistischen Barbarei hatten, lässt sich u.a. auch auf dem Feld der Literatur bestens studieren. Viele der von den braunen Horden verfemten Autoren, deren Bücher auf dem Scheiterhaufen landeten, waren vor dem Dritten Reich viel gelesene, bekannte und geschätzte Autoren. Einer der Wichtigsten, bei dem diese Scheiterhaufen-Zäsur bleibende Wirkung hinterlassen hat, ist zweifelsohne Jakob Wassermann.

Im März 1873 im fränkischen Fürth geboren, hätte aus dem kleinen Jakob ein Spielwarenfabrikant werden können, wenn er die auf Geheiß des Vaters 1889 in Wien begonnene Lehre im Geschäft seines Onkels ernst genommen und beendet hätte. Doch Jakob fühlte sich zu anderem berufen, Schreiben war sein Metier, und so schmiss der junge Mann die Lehre, um sich zunächst auf eine unstete Wanderschaft zu begeben, die ihren negativen Höhepunkt in den Erfahrungen einer einjährigen Militärzeit in Würzburg hatte. Wassermanns Erlebnisse dort müssen in etwa vergleichbar mit den Grausamkeiten sein, die Rilke in St. Pölten erlebte und werden in beiden Fällen eine prägende Zeit für den späteren Schriftsteller gewesen sein.
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30. October 2007

Nina Nikolajewna Berberowa

von wietek

Nina Nikolajewna Berberowa (Berberova, Betonung auf der zweiten Silbe) entwickelte sich schon in ihrer Kindheit zu einer starken Persönlichkeit und war bürgerlich-liberal, antifeudal eingestellt.
In ihrer Belletristik ist sie eine typische Vertreterin der Emigranten-Schriftsteller. Ihre Einstellung zum Leben jedoch war keineswegs die eines typischen, vom Schicksal geschlagenen Emigranten. In ihrem 1978 verfassten Buch »Železnaja ženšcina« (deutsch Baronin Budberg) beschreibt sie ihre einzige Gemeinsamkeit mit Marija (von Gorki Mura genannt) Budberg, mit der sie drei Jahre (1922-1925) bei Gorki unter einem Dach gelebt hatte, so: “Wir hatten beide, jede auf ihre Art, ein für allemal beschlossen, nicht mehr in unser Höhlendasein zurückzukehren, und wir kannten beide die Momente, in denen wir die Verantwortung übernehmen und eine Wahl treffen mussten. Und unsere Handlungsweise sahen wir nicht wie eine Kette weiblicher Launen an oder wie die allgemeinen Sünden der Epoche oder als Ergebnis unzulänglicher Lebensumstände, sondern als Teil unserer selbst, für den wir persönlich verantwortlich waren.” An anderer Stelle sagte sie einmal, dass sie sich bis 1953 als Verbannte, voller Angst vor Stalin, nach seinem Tod jedoch als Gesandte der russischen Kultur gefühlt habe.

Zur Zeit des Hitler-Stalin-Paktes und nach dem Angriff Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion herrschte in den Emigrantenkreisen große Unruhe: Auf der einen Seite der verhasste Stalin, auf der anderen der Angriif auf das eigene Volk, eine Wahl zwischen zwei rabenschwarzen Übeln. Die Emigrantengemeinde zersplitterte in Gegner und Befürworter, die sich gegenseitig mit Verdächtigungen und Vorwürfen überschütteten. Auch Berberowa geriet – zumindest im Nachhinein – zwischen diese gewaltigen Mühlsteine.

Als Journalistin recherchierte sie sehr genau, klar und nüchtern, blieb aber bei ihrer belletristischen Ausdrucksweise, was ihren Berichten eine große Farbigkeit verleiht, und diese dadurch spannend zu lesen sind.
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15. October 2007

Ré Soupault. Die Fotografin der magischen Sekunde

von zvab

Das Literaturhaus München zeigt ab dem 3.10.2007 eine große Gesamtschau der Fotografin Ré Soupault. Das fotografische Werk von Ré Soupault zählt zu den wichtigsten Wiederentdeckungen in der Fotogeschichte des 20. Jahrhunderts. Ré Soupault, die nach ihrem Studium am Bauhaus in Weimar als Journalistin und Modezeichnerin für den Berliner Scherl-Verlag arbeitete, begann 1934 zu fotografieren. Sie begleitete ihren Mann Philippe Soupault, den Mitinitiator der Surrealismus-Bewegung, auf seinen Reisen durch Europa, Amerika und Afrika und schuf Fotografien für seine Reportagen. Vor allem in Tunis, wo das Paar von 1938 bis 1942 lebte, entstanden beeindruckende Fotoserien.

Die Ausstellung der Berliner Festspiele wurde zuletzt im Martin-Gropius-Bau in Berlin gezeigt und kommt nun nach München. Sie umfasst rund 250 Aufnahmen, außerdem wird erstmals unbekanntes Archivmaterial aus dem Nachlass gezeigt, das die vielfältigen Freundschaften und Arbeitsbeziehungen Ré Soupaults mit KünstlerInnen und FotografInnen der europäischen Avantgarde dokumentiert, aber auch mit Übersetzungen und Textmanuskripten die Vielseitigkeit Ré Soupaults belegt.

21. September 2007

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