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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Nina Nikolajewna Berberowa

von wietek

Nina Nikolajewna Berberowa (Berberova, Betonung auf der zweiten Silbe) entwickelte sich schon in ihrer Kindheit zu einer starken Persönlichkeit und war bürgerlich-liberal, antifeudal eingestellt.
In ihrer Belletristik ist sie eine typische Vertreterin der Emigranten-Schriftsteller. Ihre Einstellung zum Leben jedoch war keineswegs die eines typischen, vom Schicksal geschlagenen Emigranten. In ihrem 1978 verfassten Buch »Železnaja ženšcina« (deutsch Baronin Budberg) beschreibt sie ihre einzige Gemeinsamkeit mit Marija (von Gorki Mura genannt) Budberg, mit der sie drei Jahre (1922-1925) bei Gorki unter einem Dach gelebt hatte, so: “Wir hatten beide, jede auf ihre Art, ein für allemal beschlossen, nicht mehr in unser Höhlendasein zurückzukehren, und wir kannten beide die Momente, in denen wir die Verantwortung übernehmen und eine Wahl treffen mussten. Und unsere Handlungsweise sahen wir nicht wie eine Kette weiblicher Launen an oder wie die allgemeinen Sünden der Epoche oder als Ergebnis unzulänglicher Lebensumstände, sondern als Teil unserer selbst, für den wir persönlich verantwortlich waren.” An anderer Stelle sagte sie einmal, dass sie sich bis 1953 als Verbannte, voller Angst vor Stalin, nach seinem Tod jedoch als Gesandte der russischen Kultur gefühlt habe.

Zur Zeit des Hitler-Stalin-Paktes und nach dem Angriff Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion herrschte in den Emigrantenkreisen große Unruhe: Auf der einen Seite der verhasste Stalin, auf der anderen der Angriif auf das eigene Volk, eine Wahl zwischen zwei rabenschwarzen Übeln. Die Emigrantengemeinde zersplitterte in Gegner und Befürworter, die sich gegenseitig mit Verdächtigungen und Vorwürfen überschütteten. Auch Berberowa geriet – zumindest im Nachhinein – zwischen diese gewaltigen Mühlsteine.

Als Journalistin recherchierte sie sehr genau, klar und nüchtern, blieb aber bei ihrer belletristischen Ausdrucksweise, was ihren Berichten eine große Farbigkeit verleiht, und diese dadurch spannend zu lesen sind.
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15. October 2007

Kritiker, Literat und Zeitgenosse: Raoul Auernheimer, Multitalent der Wiener Moderne

von tergast

Die Zeit der Jahrhundertwende war eine große Zeit in der europäischen Literaturgeschichte. So groß, dass neben vielen bekannten Namen manch einer in Vergessenheit geraten ist, der das nicht verdient hat. Raoul Auernheimer etwa gestaltete als Redakteur der „Neuen Freien Presse“, einer der wichtigsten Wiener Zeitungen jener Zeit, das intellektuelle Leben wesentlich mit  und zog dabei auch Nektar für seine eigene literarische Tätigkeit. Diese umfasst ein nicht zu unterschätzendes Werk mit Novellen, Erzählungen und dramatischen Werken, die vorwiegend als Lustspiele daherkommen, gleichwohl ihren zeitkritischen Charakter nicht verbergen können. (Weiterlesen …)

18. April 2007

Jean Baudrillard gestorben

von zvab

Gestern verstarb der französische Philosoph und Soziologe Jean Baudrillard nach längerer Krankheit in Paris. Baudrillard, der sich selbst gelegentlich als “theoretischen Terroristen”? bezeichnete, wurde nur 77 Jahre alt.

Geboren wurde der “große postmoderne Bilderstürmer”?, wie ihn die SZ nannte, am 20. Juli 1929 in Reims. “Der Aufstand der Zeichen”, “Agonie des Realen” oder “Kool Killer” zählen zu den Klassikern der Postmoderne.

Für viele markierte Jean Baudrillard immer die allzeit gegenwärtige Position des rückhaltlosen Kulturpessimismus. Der große Kritiker provozierte unter anderem Skandale, mit Werken wie Der Golfkrieg hat nicht stattgefunden oder seinem „Requiem“ für das World Trade Center. Seine Analyse der Logik des Terrorismus brachte ihm sogar den Vorwurf des Sympathisantentums ein. „Ich bin Terrorist in dem Sinn, dass ich den Terrorismus zu lesen versuche dort, wo er ist“, konterte er damals.

7. March 2007

Elfriede Jelinek 60. Geburtstag

von zvab
Jelinek

2004 wurde Elfriede Jelinek mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet: “für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen”, wie es in der Begründung der Jury heißt.

Die am 20.10.1946 in Mürzzuschlag (Österreich) geborene Autorin gilt als radikale Feministin und Provokateurin. Mutig übt sie in ihren Werken scharfe Kritik an der Klassen- und Männergesellschaft sowie an Fremdenfeindlichkeit und nationalsozialistischer Vergangenheit.

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24. October 2006

Die Fragen des Wolfgang Koeppen

von zvab

Wolfgang Koeppen, der am 23. Juni 1906 in Greifswald geboren wurde, gilt heute als einer der bedeutendsten deutschen Autoren der Nachkriegszeit. In der Weimarer Republik arbeitete er vor allem als Literatur-, Theater und Filmkritiker. Während des Dritten Reiches konnte er dem Kriegsdienst entgehen, indem er als Verfasser von Filmdrehbüchern arbeitete (von denen kein einziges verfilmt wurde). Als wichtigstes seiner Werke gilt die “Trilogie des Scheiterns”, zu der Tauben im Gras (1951), Das Treibhaus (1953) und Tod in Rom(1954) zählen. In den folgenden Jahren veröffentlichte er vor allem Reiseliteratur. Auch wenn sein Schaffen zunächst eher ablehnende Reaktionen hervorrief, wurde es im Nachhinein mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Am 15. März 1996 starb Koeppen in München. (Weiterlesen …)

23. June 2006