Fifi poppt den Elch
von Jaromir Konecny
Jana konnte in einem Mann seine besten Eigenschaften zum Leben erwecken. Und seine schlimmsten! Schon ihr Name! Jana – Johanna, die Jungfrau von Kiel, die Heilige! Schön und rein, doch mit einem Körper, der dich zu solch sündigen Gedanken verführte, dass dir nach einer Begegnung mit ihr nur Gebet und Buße übrig blieben! (Weiterlesen …)
25. August 2008Wer ist hier der Schriftsteller, verdammt?
von Jaromir KonecnyZur Feier des Erscheinens meiner Mährischen Rhapsodie in Tschechien traf ich einige tschechische Freunde in Ostrava in einem Biergarten. Dort lernte ich Pepino kennen, einen hochgeschossenen Langhaarigen. „Ich könnte nie Schriftsteller sein!“, sagte Pepino und nahm einen Schluck von seinem Pilsner Urquell. „Mir passieren nur krasse Sachen! Die kauft mir keiner ab! Aber das Leben ist eben unglaubwürdig, verdammt noch mal!“
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Der kopflose Ritter der Moderne
von Jaromir KonecnyDie Bafler sind meinem genialen Landsmann Bohumil Hrabal nach Leute, „gegen die unaufhörlich ein Ozean zudringlicher Gedanken anbrandet“. Aus diesem Ansturm rettet sich der Bafler durch das Bafeln – einen Rederausch ohne Gleichen, in dem er maßlos übertreibt, vergrößert, verschiebt und verkehrt. „Der Bafler sieht die Wirklichkeit durch das diamantene Auge seiner Phantasie“, schreibt der große Bafler Bohumil Hrabal. „Ich bin ein durch Lachen entbluteter Stier, dem jemand das Gehirn wie ein Eis auslöffelt.“ (Weiterlesen …)
9. Juni 2008Schutzengel aus Porzellan
von Jaromir KonecnyZum Glück hält mich Karin für einen blöden und ungebildeten Tschechen, der nicht mal weiß, dass es Engel gibt. Meine Schriftstellerei aber toleriert sie. Als Fußballersatz. In einem ganzheitlichen Haushalt ohne Glotze und Triebe muss sich ja auch der Mann irgendwie austoben. Meine Bücher liest Karin grundsätzlich nicht, und so kann ich mich in aller Öffentlichkeit über unser Privatleben ausbreiten. Karin nimmt meine Bücher so wenig wahr, dass ich den Schlüsselroman unserer Ehe sogar In Karin nennen konnte – ohne dass sie’s bis jetzt erfahren hat. Meinem schmählichen Treiben wurde erst durch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Einhalt geboten.
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Karin, das Beutetier und das Wesen des Kapitalismus
von Jaromir Konecny“Kannst du mir lange Unterhosen kaufen?”, fragte ich Karin im Winter.
“Kauf sie dir doch selbst!”, sagte Karin. Verdammt! Wenn deine Frau keine langen Unterhosen mehr für dich kaufen will, hat sie den letzten Rest Achtung vor dir verloren. Nach Jahren der Behäbigkeit musste ich mich wieder in den Dschungel des Unterhosenkleinhandels stürzen. Das wollte ich schon immer vermeiden. Und jetzt mit fünfzig erst recht. Lange Unterhosen tragen doch nur Rentner! Wenn du dir solche Opa-Unterwäsche kaufen willst, grinsen die jungen Verkäuferinnen nur. Zum Glück war die Anschaffung langer Unterhosen von meiner Mutter an Karin übergegangen. Die zehn Jahre zwischen Mutter und Karin hab ich nur gesoffen, da war mir warm genug. Doch jetzt wollte Karin anscheinend wieder mal meine Fähigkeiten und somit unsere Ehe testen.
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Die Fischwaid oder mein zweites sexuelles Abenteuer
von Jaromir KonecnyDie Frau saß mit übereinander geschlagenen Beinen in ihrem Sessel. Ihr grauer Rock etwas hinauf gerutscht, die nackten Knie… Das Buch auf ihrem Oberschenkel. Den Fußknöchel schmückte eine kleine Narbe. Mit dem nackten Fuß wippte sie in der Luft leicht im Rhythmus ihres Vortrags. Sie konnte wirklich sehr schnell ins Tschechische übersetzen. Der Rhythmus ihrer Lesung verlangsamte sich stetig, bis er ganz abbrach. Die Frau blickte schweigend ins Buch, hob den Kopf, starrte Tom und mich an. Wir starrten zurück. „Und nun frischauf zur fröhlichen Fischwaid!“, sagte sie plötzlich auf Deutsch. Wir folgten ihr in das Zimmer, wo auf uns das Bild ihres Mannes über der roten Rose wartete. Ja, so war’s: „Und nun frischauf zur fröhlichen Fischwaid!“ Diesen deutschen Satz vergesse ich wohl nie! (Weiterlesen …)
25. Februar 2008Meine erste Antiquariatsmesse
von Jaromir KonecnyIch vergesse nie die Panik in den Augen meines Antiquariatspartners Christof, immer wenn ich nach der Gründung unseres Abeceda-Antiquariats vom Flohmarkt in unseren Laden zurückkehrte. Breit grinsend und mit vollen Plastiktüten in den Händen. Glücklich breitete ich den eingekauften Antiquaritsmüll vor Christof aus, die zwar alten, doch unverkäuflichen und halb zerfledderten Kunst- und Prachtbände, die unvollständigen Klassikerwerkausgaben, die jeden Flohmarkt schmücken, und sagte stolz: „Tausend Mark haben die Schätze gekostet.“
„Hau das in die Wühlkisten!“ sagte Christof und seufzte. „Wir sollten uns für eine Antiquariatsmesse anmelden! Dort können wir etwas über wirklich wertvolle alte Bücher lernen.“
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Gute Geschichten
von Jaromir Konecny
Ein Buch enthält eine Geschichte. Mindestens eine. Sogar ein Sachbuch. Doch ein antiquarisches Buch ist außerdem der Held seines eigenen Abenteuers. So muss ein guter Antiquar auch ein guter Geschichtenerzähler sein. Je besser die Geschichte, desto besser lässt sich das Buch verkaufen. Natürlich machen gute Geschichten auch dem Antiquar viel mehr Spaß.
Eine verregnete Nacht im Herbst vergesse ich nie. Vor einigen Monaten hatten Christof Größl und ich das Abeceda-Antiquariat gegründet. Jetzt hockten wir in einer Raststätte an der Autobahn und versuchten, uns mit Kaffee die Nacht aus den Köpfen zu schlagen. Vor uns auf dem Tisch einige Zettel, ein Pfandschein und ein handschriftlich geschriebenes Büchlein: Originalschriften des Dichters J. G. Seume. Mit Seumes Gedichten darin. „Mann!“ sagte ich. „Und wenn das eine echte Handschrift von Seume ist?“ „Der Einband ist höchstens 100 Jahre alt!“ sagte Christof. „Und auch die Schrift entstand wohl später als zu Seumes Lebzeiten.“ Seume starb im Jahre 1810. Was sollte dann aber der dem Band beigelegte Pfandschein vom 19.12.1922? Hier hatte ein Wirt des Gasthofs Zum Weißen Ross in Knautkleeberg bei Leipzig unterschrieben, dass er „zwanzigtausend Mark Pfand für einen Band Seumegedichte“ erhalten habe. Unser Buch! Dabei lag ein gedrucktes Programm der Seume-Gedenkfeier am 13. Juni 1910 im Gasthof Zum Weißen Ross in Knautkleeberg – an Seumes hundertsten Todestag also - und ein gedrucktes Portrait Seumes.
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