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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Fanny Gräfin zu Reventlow, Skandalnudel und Schriftstellerin der Schwabinger Bohème

von tergast

Ein Blick zurück auf die letzten Kolumnen brachte dieser Tage eine Erkenntnis hervor: Hier ging es schon lange nicht mehr um eine Autorin. Diesem Zustand muss dringend Abhilfe geschaffen werden.

Würde die Dame, um die es hier geht, heute leben, wäre sie vermutlich eine Art Skandalnudel und häufiger mal auf der Titelseite der einschlägigen Gazetten. Immer unangepasst, ihrer Zeit voraus, nie den Erwartungen ihrer Mitmenschen entsprechend. Aber mit dem festen Willen, ihren Weg zu gehen.

Das war um 1900, als sich Fanny Gräfin zu Reventlow für diese Lebensweise entschied, natürlich noch ungleich schwerer als in postmodernen „Jeder macht was er will“-Zeiten. Da konnte man noch, wie es der 1871 in Husum geborenen Fanny Liane Wilhelmine Sophie Auguste Adrienne Gräfin zu Reventlow passierte, von der Familie zur Besserung aufs Land geschickt werden. Zu einer Pastorenfamilie, damit auch alles seinen geregelten christlichen Gang gehen möge.

Dumm nur, dass die Familie nicht mit der Widerstandskraft des Mädchens rechnete, das sogleich aus dem Exil floh und bei Verwandten in Wandsbek unterkam, um von dort aus zu einer Karriere zu starten, die ihres gleichen sucht. (Weiterlesen …)

20. December 2010

Entartung, Lügen und Krankheit – Max Nordau oder: Der andere Blick auf die Jahrhundertwende

von tergast

Wenn eines die Zeit des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts kennzeichnet, dann wohl die Gleichzeitigkeit so vieler unterschiedlicher Gedanken, Weltanschauungen und politischer wie künstlerischer Überzeugungen und Richtungen. Da konnte einer als Jude geboren werden, sich mit Leib und Seele und sogar mit einer Namensänderung davon lossagen, und schließlich doch noch zu einem der Vorkämpfer der zionistischen Bewegung an der Seite Theodor Herzls werden. Und dieser eine konnte in der Zwischenzeit ein literarisches und kritisches Werk schaffen, das – wenngleich nicht intentional – den aufkeimenden faschistischen Bewegungen in die Karten spielte. (Weiterlesen …)

31. August 2010

Otto Julius Bierbaum: Adorant der Schönheit und Förderer der Kultur

von tergast

Es könnte sein, daß manch sangbares Lied seines Mundes noch lebt, wenn vieles, was heute gewichtiger dünkt, vergessen ist.“ Kein geringerer als Thomas Mann schrieb diese Zeilen 1910, nachdem am 1. Februar des Jahres ein Literat gestorben war, dessen Name heute, entgegen Manns Hoffnung, dem Vergessen anheim gefallen zu sein scheint. (Weiterlesen …)

10. November 2008