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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Nachwort zu Iwan Turgenjew

von wietek

und eine kleine Geschichte der erotischen Literatur und der Sitten

Um zu verstehen, warum die Rolle des Mannes in Turgenjews und in Werken anderer Schriftsteller seiner Zeit sehr häufig die eines “Leidenden, der oft bis zum bitteren Ende entsagt – durch Selbstmord, durch Herausforderung einer Situation, die ihn ums Leben bringt, oder ganz einfach durch qualvolles und stumpfsinniges Dahinsiechen bis zur Erlösung im Tode” ist (vgl. Iwan Sergejewitsch Turgenjew – Sein literarisches Schaffen, Romane II), muss man einen Blick zurück in die Geschichte werfen und die allmähliche Veränderung der Beziehung zwischen Mann und Frau betrachten. Auch wenn es interessant wäre, damit im wahrsten Sinn des Wortes bei Adam und Eva zu beginnen, soll der Einstieg hier im endenden Mittelalter erfolgen, und was eigentlich Bände füllen würde, kann nur skizziert werden – es wird auch so schon eine lange “Geschichte”. Bei der Darstellung geht es um eine Grundlinie; Abweichungen in verschiedene Richtungen müssen vernachlässigt werden. Außerdem kann größtenteils nur die gesellschaftliche Oberschicht betrachtet werden, aber die hatte auch bei diesem Thema das alleinige Sagen und wirkte so oder so meinungsbildend auf die Unterschichten.
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3. August 2010

Iwan Sergejewitsch Turgenjew – Sein literarisches Schaffen, Romane I

von wietek

   Iwan Turgenjew

Schon vor – und ganz besonders nach – dem Erscheinen der Aufzeichnungen eines Jägers (1852), die ihn berühmt gemacht hatten, hatte sich Iwan Turgenjew überlegt, ein umfassenderes episches Werk, einen Roman zu schreiben. Auch seine Freunde forderten ihn recht eindringlich dazu auf. Im Russischen gab es dieses Genre bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht (Die toten Seelen von Gogol sind ein Einzelfall) und auch im westeuropäischen Raum war der Roman im heutigen Sinn noch recht jung; erste Vertreter waren Alexandre Dumas der Ältere (*1802, †1870) mit seinen pseudohistorischen Abenteuerromanen wie z. B. Die drei Musketiere (1844), Der Graf von Monte Christo (1846) und Das Halsband der Königin (1850) und Alexandre Dumas der Jüngere (*1824, †1895) mit seinen Sittenromanen Die Kameliendame (1848), Diane de Lys (1853) und Halbwelt (1855), dazu George Sand (*1804, †1876) als Schriftstellerin sozial-psychologischer (im weitesten Sinne) Romane, die erheblichen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben Westeuropas hatten, Eugénie Tour (auch: Evgenija Tur, *1815, †1892) sowie zuvor schon Antoine-François (genannt L’Abbé) Prévost (*1697, †1763) mit seiner Manon Lescaut und Jacques-Henri Bernadin de Saint-Pierre (*1737, †1814) mit Paul et Virginie. (Weiterlesen …)

21. June 2010

Iwan Sergejewitsch Turgenjew – Sein literarisches Schaffen, Erzählungen I

von wietek

Die Umstände, die Turgenjews Leben geprägt haben, beeinflussten natürlich Turgenjews literarisches Schaffen – und das mehr als bei anderen Schriftstellern.
Iwan Turgenjew
selbst betonte in vielen Briefen, dass er „nach dem Leben” schreibe, dass er viel selbst Erlebtes und von anderen Erfahrenes verwende. Das ging so weit, dass er seinen Personen sogar die äußeren Züge von Freunden, Bekannten und Familienangehörigen verlieh; er griff die Wesenszüge seiner Mitmenschen auf, spitzte sie zu, um das Wesentliche herauszukristallisieren, und verwendete sie – was ihm mehrere Male heftigen Ärger einbrachte und sogar zu Zerwürfnissen führte. Rein fiktionale Wesen waren seine Sache nicht. Und Turgenjew war ein rastloser Mensch, der viel herumreiste und zwangsläufig viele berühmte und ganz einfache Menschen kennenlernte und Gewöhnliches und Außergewöhnliches erlebte; das brachte viel „Material“ für sein Schreiben. Noch auf dem Totenbett diktierte er seiner Lebensgefährtin Pauline eine Geschichte, die er auf seiner ersten Reise nach Berlin erlebt hatte, als das Schiff Nikolaus I., das zwischen St. Petersburg nach Lübeck verkehrte, in Brand geriet: »Brand auf dem Meer« (1883). (Weiterlesen …)

27. April 2010

Iwan Sergejewitsch Turgenjew – Russe, Europäer, adliger Grandseigneur, Reformer,

von wietek

Vermittler zwischen den Kulturen, ewiger Liebhaber, „Puschkin“ der Prosa – man könnte noch einige Eigenschaften aufzählen, für die Turgenjews Name steht; die wichtigste ist jedoch: ein brillanter Erzähler, der Westeuropa als Erster die russische Literatur, das russische Wesen und die Probleme Russlands nahe gebracht hat.

Die Brüder Edmont und Jules de Goncourt berichten am 28. Februar 1863 in ihrem Journal, wie sie den 45-jährigen Turgenjew zum ersten Mal trafen:
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31. March 2010