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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Ein bedeutender Geburtstag

von zvab
Iwan Gontscharow

Lew Tolstoi sprach mit Hochachtung von ihm. Dostojewski erklärte sogar, von ihm beeinflusst zu sein. In seiner Jugend erlebte er das Goldene Zeitalter der russischen Literatur mit den großen Romantikern Puschkin und Lermontow und den schnellen Sieg des Realismus mit Gogol. Später schrieb er selbst heutige Klassiker – allen voran den Oblomow, der seinen anhaltenden unsterblichen Ruhm begründete. Die Rede ist von Iwan Alexandrowitsch Gontscharow. Wir gratulieren mit einem ZVAB-Special zum 200. Geburtstag!

18. June 2012

Der geheimnisvolle Unbekannte

von ZVAB
Western Avenue von Charles Bukowski

Es gibt Autorennamen – zum Teil sogar sehr berühmte –,  die wir jahrelang mit uns herumtragen, ohne jemals ein Buch von ihnen in die Hand genommen zu haben. Jedes Mal denken wir uns: „Das muss man doch gelesen haben!“  oder „Morgen kaufe ich mir endlich ein Buch von …!“. Und so geht die Zeit dahin…

Wir lassen uns beispielsweise eine gesamte Kindheit lang von scheinbar übermächtigen Namen wie Goethe, Schiller, Shakespeare und Dostojewski beeindrucken, bis wir endlich (oder auch nicht) im Unterricht in den Genuss (oder auch nicht) der vermeintlichen Pflichtlektüre kommen. Danach ist der Zauber vorbei und der Name entmystifiziert. So lüften wir in unserem Leben mit den Büchern ein Geheimnis nach dem anderen, und nicht selten müssen wir dabei eine Enttäuschung einstecken. (Weiterlesen …)

27. April 2012

Dostojewski am Ziel seiner Träume

von wietek

Als Fjodor Michailowitsch Dostojewski am 1. Februar 1881 auf dem Friedhof des Alexander-Newskij-Klosters in St. Petersburg beigesetzt wurde, war der Trauerzug, der ihn begleitete, über zwei Kilometer lang – ca. 60 000 Trauergäste gaben ihm das letzte Geleit.
Erst zehn Jahre zuvor war er als zwar anerkannter, aber von Literaturkritik und Publikum hinter Tolstoi und zu seinem Leidwesen auch hinter seinem Intimfeind Turgenjew eingereihter Schriftsteller wieder nach Russland zurückgekehrt, wirtschaftlich am Boden liegend und von seinen Gläubigern verfolgt. (Weiterlesen …)

31. August 2009

Dostojewskis stürmische Jahre

von wietek

Endlich war es soweit: 1859 konnte Fjodor Michailowitsch Dostojewski nach St. Petersburg zurückkehren. Es war jedoch nicht mehr das St. Petersburg, das er verlassen hatte; in den zehn Jahren seiner Abwesenheit hatte sich Entscheidendes verändert. Vorbei war es mit der bleiernen Friedhofsruhe unter Nikolaus I.: Russland hatte die Erfahrung des verlorenen Krimkrieges gemacht; mit Alexander II. war ein liberaler Kaiser an der Macht; Reformen waren angekündigt und teilweise schon durchgeführt; die Aufhebung der Leibeigenschaft stand vor der Tür; über hundert Zeitungen waren neu gegründet worden und die Pressezensur war zwar nicht aufgehoben, aber doch erheblich abgeschwächt worden – Land und Leute und vor allem die Schriftsteller atmeten auf.
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28. July 2009

Fjodor Michailowitsch Dostojewski – vom Saulus zum Paulus

von wietek

Am 24. Dezember 1849 trat Fjodor Michailo- witsch Dostojewski mit Ketten an den Beinen auf einem offenen Pferdeschlitten seine „Reise“ in die vierjährige Verbannung nach Sibirien an, in ein Zuchthaus und Straflager bei Omsk (Südwestsibirien). Sehr bedeutsam für sein Leben sollte auf dieser „Reise“ ein Treffen mit Natalja Fonwisina werden, eine der Dekabristenfrauen, die ihren Männern 1825 in die sibirische Verbannung gefolgt waren. Sie lebte in Tobolsk (etwa 600 km vor Omsk), besuchte mit anderen Dekabristenfrauen den Gefangenentransport und schenkte dem revolutionären Sozialisten Dostojewski bei dieser Gelegenheit das Neue Testament. Während der vier Jahre Straflager war dies das einzige Buch, das er lesen durfte; er sollte es für den Rest seines Lebens immer bei sich tragen und es sich noch auf dem Sterbebett geben lassen. (Weiterlesen …)

30. June 2009

Brief an Fjodor Michailowitsch Dostojewski

von wietek

Dostojewski … … Fjodor Michailowitsch! – почему? – warum? – … … … … – was soll man über Dich, Du größter aller Romanschreiber dieser Welt, noch schreiben, was noch nicht geschrieben wäre? Die Wissenschaft hat Deine Werke zerpflückt, zerfieselt bis ins letzte Komma – und alles Mögliche herausgefunden und hineingelegt – Richtiges und Falsches … … oft das, was sie finden wollte … … und oft genug hat sie nur irgendeinen Teil von Dir angeschaut … … seziert – Freud hat sogar Deine Psyche seziert! … … die einen fanden in Dir das … … die anderen das Gegenteil … … „was hat er dabei gedacht?“ – „was hat er damit sagen wollen?“ tönt es … … hat je jemand gefragt: „was hat er dabei gefühlt?“ … … Dass Du ein Spieler warst, dass Du Schulden hattest, wird erwähnt – mit Verständnis für Deine Gläubiger, die Dich gejagt haben – aber – t-t-t-t – so etwas tut man aber auch nicht, hast schon ein bisschen selber Schuld! …. Aber, was hast Du gefühlt, als Du wieder einmal sahst, dass sich Dein Geld wieder einmal – warum auch immer – in Rauch aufgelöst hatte? … … wie war es, zu schreiben mit dem unerbittlichen Abgabetermin im Nacken, um nicht zu verhungern? … … was fühltest Du, wenn Du wieder einmal Deine Liebe NICHT gefunden hattest? … … was fühltest Du, als Du merktest, dass Du spielen musstest, um Großes zu schreiben? – es gab die Zeit, erinnere Dich … … an den Tod Deiner Kinder will ich Dich lieber nicht erinnern, von Deiner Hinrichtung und den schlimmsten Jahren danach gar nicht sprechen … … Selbst große Geister verstummen einfach devot vor Deinem Werk – fast keiner fragt, wie’s Dir ging, als Du dies oder jenes schriebst.
Also, sprich! … WER WARST DU – heute, ich weiß, bist Du ein Gott – wer warst Du, Mensch?
Warst Du ein Genie? … oder … ein Psychopath? … ein Süchtiger? … ein Revolutionär? … ein Gottsucher? … oder warst Du vielleicht nicht doch einfach nur ein Mensch mit wachem Auge und der Gabe, die Brücke zum Leser zu finden – was, wie ich weiß, nicht wenig ist.
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19. May 2009

Das Erbe der Dekabristen, Teil 2

von wietek

So bedrückend und wirr das 19. Jahrhundert in Russland auch war, so „golden“, so ruhmreich, so glanzvoll (man könnte noch viele begeisterte Worte anfügen) war es in Literatur, Musik und Kunst. In der zweiten Hälfte kehrte sich die „Blickrichtung“ gar um: Hatte bisher das literarische Russland nach Westen geschaut, blickte jetzt der literarische (und nicht nur der literarische) Westen nach Russland. Die Übersetzungen der Werke von Puschkin, Lermontow, Gogol, Turgenjew und später von Dostojewski und Tolstoi wurden zu literarischen Ereignissen in ganz Europa. (Turgenjew lebte seit den 1860er-Jahren in Deutschland und Frankreich und hatte engen Kontakt zu Gustave Flaubert, Émile Zola, Theodor Storm, Paul Heyse, Berthold Auerbach und vielen anderen.) Nikolai Nekrassow und Anton Tschechow sind noch zu nennen.
Bei den Malern waren es u.a. Ilja Repin, Iwan Kramskoi und Wassili Perow, die Weltruhm erlangten.
Peter Tschaikowsky, Modest Mussorgski, Nikolai Rimski-Korsakow, Sergej Rachmaninow, Milij Balakirew, Alexander Borodin u.a. setzten Zeichen in der Musikgeschichte. (Weiterlesen …)

22. September 2008

Das Erbe der Dekabristen, Teil 1

von wietek

Der Anfang des ersten Essays in der Kolumne Russlands romantische RevolutionäreRussische Schriftsteller der Emigration(en) – lautete:

„Ohne die vielen russischen Dichter, Komponisten, Musiker und Künstler aus dem 18. und 19. Jahrhundert ist die europäische und besonders die deutsche Kultur nicht denkbar – und selbst danach, zu Beginn bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, haben die verschiedenen Emigrantenwellen ungeheuer befruchtend auf unser Geistesleben gewirkt, – wieweit das auch für die neueren Wellen gilt, wird man erst rückblickend sagen können.
In Russland waren Politik und Literatur schon immer eng miteinander verquickt; Dichter waren weit mehr als im Westen das soziale Gewissen der Nation. Schon Puschkin, der für den Beginn der russischen Literatur steht, musste leidvolle Erfahrungen hinnehmen.“

Für keine Zeit in der Geschichte Russlands trifft das Gesagte mehr zu als für die, von der hier die Rede sein soll. Allerdings kann man ab dem Beginn des russischen Realismus nicht mehr von „romantischen“ Revolutionären sprechen. Ab diesem Zeitpunkt gab es nicht mehr den Hauch von Romantik – und wenn, dann doch immer mit einem leicht bitteren Beigeschmack. (Weiterlesen …)

15. September 2008