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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

ZVAB Veranstaltungstipp – MISS READ: The Berlin Art Book Fair

von Kristina Krämer

Freunde von Künstlerbüchern sollten sich die Tage vom 10. bis 12. Juni schon einmal dick im Kalender anstreichen. In diesem Zeitraum findet nämlich die MISS READ, Deutschlands größte Messe für Künstlerbücher statt.

MISS RAD

© MISS READ

Über drei Tage hinweg wird die Akademie der Künste Berlin zum Treffpunkt von 200 internationalen Verlegern, Autoren, Künstlern und Kulturschaffenden, die ihre Bücher persönlich der Öffentlichkeit präsentieren und mit Interessierten in den Dialog treten. Den Besuchern wird ein buntes Programm mit Buchvorstellungen, Lesungen, Präsentationen und Vorträgen geboten. Am Samstag, dem 11. Juni findet außerdem der Conceptual Poetics Day statt, an dem die Grenzen zwischen bildender Kunst und Literatur ausgelotet werden. Ein besonderes Highlight für Buchsammler wird sicherlich das zweisprachige Symposium How to Collect Artists Books? am 12. Juni darstellen.

Eine vollständige Übersicht aller Veranstaltungen können Sie hier einsehen: missread.com/stage-2016/

Das Künstlerbuchfestival MISS READ findet seit 2009 jährlich statt. In diesem Jahr liegt der Fokus auf Publikationen aus spanischsprachigen Ländern.

10. bis 12. Juni
MISS READ: The Berlin Art Book Fair
Ort: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Halle 1+2, 10557 Berlin
Öffnungszeiten: Freitag 17-21 Uhr, Samstag und Sonntag 12-19 Uhr
Eintritt: frei
Weitere Informationen: missread.com/

2. June 2016

28. Februar 1933 – 24. März 1933: Hitlers nationalsozialistische Revolution

von wietek

   Aufmarsch der SA am Tag der
   Machtergreifung, dem 30. Januar
   1933 (© Bundesarchiv)

Am 30. Januar 1933 hatte die Weimarer Republik den Todesstoß versetzt be- kommen, als Reichspräsident General- feldmarschall von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Adolf Hitler hatte sein Ziel erreicht, auf formal-legalem Weg an die Macht zu kommen, und jetzt sollte die „nationalsozialistische Revolution“ beginnen, so wie er es immer schon angekündigt hatte und wie es wer wollte auch nachlesen konnte. Der Begriff „Revolution“ klingt in diesem Zusammenhang etwas merkwürdig, weil man damit gemeinhin einen Aufstand des Volkes gegen die Regierungsmacht verbindet; Hitler hat den Begriff aber schon richtig benutzt, denn er bedeutet im grundsätzlichen Sinn, dass planmäßig Handlungen stattfinden, die der bestehenden Verfassung entgegen stehen. Und genau das war Hitlers Vorhaben, um aus der Republik eine Diktatur zu machen. (Weiterlesen …)

28. February 2012

Andrej Belyj, ein russischer Schriftsteller im „braunen“ Berlin

von wietek

Es war das Silberne Zeitalter in der russischen Literatur – die Zeit der russischen Symbolisten Anfang des 20. Jahrhunderts. Politisch gesehen war es eine schlimme Zeit: zwei Revolutionen (1905 und 1917), der Russisch-Japanische Krieg (1904/05), der Erste Weltkrieg und (in der Folge) mehrere Wellen der Emigration aus Russland. Literarisch gesehen war es eine höchst fruchtbare Zeit: Mit Schriftstellern wie Dmitrij Merežkovskij, Konstantin Balmont, Zinaida Gippius, Fëdor Sologub, Aleksandr Blok und Andrej Belyj gelangte die russische Literatur zu neuer Blüte. (Weiterlesen …)

24. February 2012

9. November: Ein schicksalsträchtiger Tag – nicht nur für Deutschland

von wietek

In welchem Jahr, in welchem Jahrhundert beginnen? Welche heraus- ragenden Geschehnisse gab es an diesem Tag? Manche unserer Altvorderen hätten das sicher anders beurteilt als wir heute, manches Ereignis ist in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Wen interessiert schon, dass am 9. November des Jahres 235 der erste geschichtlich belegte Bischof von Rom, Pontianus, in einem Steinbruch erschlagen wurde? Oder dass sich am 9. November 1313 in der Schlacht von Gammelsdorf Ludwig der Bayer, der spätere Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, gegen seinen Vetter Friedrich den Schönen durchgesetzt (für Letzteren waren die zwei 13 wohl kein gutes Omen) und die Vormundschaft für die noch unmündigen Herzöge von Niederbayern mit Stammsitz in Landshut übernommen hat. Die Landshuter waren zu dieser Zeit weit mächtiger als die Münchner und Friedrich der Schöne war Herzog von Österreich und der Steiermark. Nun, wer weiß? Hätte er gesiegt, wäre Niederbayern vielleicht heute eine Provinz von Österreich? Hätte … würde … täte! Es war nicht so! Aber es zeigt, dass es schicksalsträchtige Tage gab, die wir heute nicht mehr beachten, obwohl sie den Lauf der Dinge bestimmt haben. (Weiterlesen …)

9. November 2011

Aleksej Michajlovič Remizov – Teil II: Leben und Werke

von wietek

Er war am Erblinden, das Schreiben fiel ihm schwer, er nannte sich einen »blinden Schriftsteller«, doch die Augen blicken noch erstaunlich ausdrucksvoll, und gearbeitet hat er bis zum letzten Tag. Thematik und Manier waren sich gleich geblieben, seine letzten Werke heißen: »Mäusleins Flötchen«, »Die Pfauenfeder«, »Die Geschichte von den beiden Tieren«. Er starb 1957 im Alter von achtzig Jahren. Kurz vor dem Tode schrieb er ins Tagebuch: »Ein Andrang von Einfällen, doch ich kann sie nicht verwirklichen: die Augen! … Heute schrieb ich den ganzen Tag in Gedanken — und konnte nichts aufschreiben.« Auch seine Faxen hat er bis zum Tode gemacht. Die Bücher der letzten Jahre tragen den Vermerk: »Zensiert im Hohen Rat des Obeswolpal.«
Um solche Beharrlichkeit, Geradlinigkeit und Seelenstärke könnte man Remisow fast beneiden. Doch Neid wäre unangebracht: Remisow hatte das volle Maß menschlichen Leides erfahren. Man warf ihm oft vor, in seinen Büchern häuften sich die Unwahrscheinlichkeiten, aber sein Schicksal war widersinniger als alles, was er sich hätte ausdenken können.

[zitiert nach Ilja Ehrenburg: Menschen, Jahre, Leben, 1962] (Weiterlesen …)

27. October 2011

Aleksej Michajlovič Remizov – Teil I: Cancellarius des Affenordens

von wietek

   Nikolaus II.
(Gemälde von E. Liphart)

Russlands Weg in die Katastrophe
Mit der Wende zum 20. Jahrhundert begann für Russland die schrecklichste Zeit seiner Geschichte.
1894 folgte Nikolaus II. seinem Vater Alexander III. auf dem Thron. Er führte die erzkonservative Politik seines Vaters und dessen radikalkonservativen Bera- ters Pobedonoszev nahtlos fort; er war ein autokra- tischer Herrscher von Gottes Gnaden – Reformen oder gar Demokratie waren ihm ein Gräuel, wie er schon bei der Thronübernahme in einer Rede verlauten ließ.
(Weiterlesen …)

20. October 2011

Überzeugung und Tatkraft – Franz Jung

von tergast

Beginnen wir mit einem Zitat:

Ein Autor expressionistischer Prosa, Mitbegründer von Dada Berlin. Kriegsfreiwilliger, Deserteur, linksradikaler Aktivist. Terrorist und Häftling – fünfmal im Gefängnis, einmal im KZ, einmal zum Tod verurteilt. Promovierter Wirtschaftswissenschaftler, Fabrikdirektor in der Sowjetunion, Börsenkorrespondent, Unternehmer, Mäzen Brechts. Säufer; gelegentlich schwere Depressionen. Dreimal verheiratet. Lebte u.a. in Schlesien, München, Berlin, Petrograd, Wien, Genf, Budapest, Italien, San Francisco, Paris. Starb 1963 in einem Stuttgarter Krankenhausbett, 74 Jahre alt. (Weiterlesen …)

29. September 2009

Arno Holz: „Kunst = Natur – x“. Theoretiker des Naturalismus und Vater der modernen Literatur

von tergast
Arno Holz

Persönliche Widmung des Reichskanzlers Stresemann, Ehrendoktorwürde der Universität Königsberg, Aufnahme in die Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie, mehrfach für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen. Man könnte meinen, das literarische Leben des Arno Holz müsste ein so erfolg- und ruhmreiches gewesen sein, dass er bis heute zu den Standardautoren gehört.
Nun hat Holz tatsächlich seinen festen Platz in den Literaturgeschichten, gilt er doch als zentrale Figur des Berliner Naturalismus. Doch wer kennt das Werk des gebürtigen Ostpreußen (26.4.1863 in Rastenburg) heute wirklich noch? Naturalismus, das ist heute im literarischen Bewusstsein höchstens noch mit dem Namen Gerhart Hauptmann verbunden, ein Umstand, den Arno Holz schon zu Lebzeiten wahr nahm und als schmerzlich empfand, schließlich war Hauptmann seiner Meinung nach höchstens einer seiner talentierteren „Schüler“. Die 1896 erschiene Komödie Sozialaristokraten thematisiert diese Umstände, Holz rechnet darin auf satirische Weise mit seinen Berliner Schriftstellerkollegen ab, mit denen er zuvor die Fahne des Naturalismus in Deutschland aufrecht gehalten hatte.
Holz, der  anders als viele seiner Autorenkollegen  Autodidakt und nicht in den Genuss eines umfangreichen literarischen Studiums an der Universität gekommen war, verband in seinem Werk stets Theorie und Praxis miteinander.
(Weiterlesen …)

8. January 2008

Irmtraud Morgner: Ein weiblicher Tausendsassa

von faure

Ich gebe es zu: Da ihr Buch Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura. Roman in dreizehn Büchern und sieben Intermezzos (1974) überall im Volksbuchhandel der DDR herumstand, war mir das Buch nie einen Blick wert, da half auch der auffällige Schutzumschlag von Heinz Hellmis nix. Das gehörte sich einfach nicht als DDR-Autor: Präsent zu sein im Handel. Über dem Ladentisch: Das war der Platz für sozialistische Scribenten, für die man sich demonstrativ nicht interessierte.
Diese Ignoranz gegenüber der Autorin Morgner haben Irmtraud Morgner, geboren am 22. August 1933 in Chemnitz, studierte gleich nach dem Abitur von 1952 bis 1956 Germanistik und Literaturwissenschaft an der Universität Leipzig (u.a. bei Hans Mayer und Ernst Bloch). Von 1956 bis 1958 war sie Mitarbeiterin in der Redaktion der Zeitschrift „Neue deutsche Literatur“. Dort, im Frühjahr 1957, sah sie einen Redakteur „heilige Worte“ redigieren: „Der Redakteur tilgte zwei Strophen eines Gedichts, ersetzte gegebene Worte durch eigene und fertigte aus dem Abfall zwei neue Verse… (Weiterlesen …)

15. March 2007

Heinz Berggruen

von zvab

Der Journalist, Autor, Kunsthändler, Galerist und Mäzen Heinz Berggruen verstarb am Freitag im Alter von 93 Jahren in Paris. Der gebürtige Berliner war einer der bedeutendsten deutschen Kunstsammler des 20. Jahrhunderts. Er emigrierte 1936 über Kopenhagen in die USA. Nach dem 2. Weltkrieg ließ er sich in Paris nieder, wo er Pablo Picasso kennen lernte und dessen Freund und Händler wurde. Heinz Berggruen sammelte vor allem Kunst von Pablo Picasso, Henri Matisse, Paul Klee und Paul Cézanne.

Im September 1996 kehrte er mit seiner Sammlung von 113 Meisterwerken nach Berlin zurück. Dazu wurde ihm der eigens renovierte westliche Stülerbau gegenüber dem Schloss Charlottenburg, heute bekannt als Museum Berggruen, zur Verfügung gestellt. Kurz vor Weihnachten 2000 verkaufte Berggruen seine auf 750 Mio. Euro geschätzte Sammlung an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu einem symbolischen Preis. Er betrachtete diesen Transfer als eine „Geste der Versöhnung“.

Der Berliner Ehrenbürger Heinz Berggruen wird an diesem Freitag (2. März) in einem Ehrengrab auf dem Berliner Waldfriedhof Dahlem beigesetzt.

26. February 2007