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Was sind eigentlich Schreibmeisterbücher?

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Schreibmeisterbücher enthalten Schriftmuster, erklären die Behandlung der Schreibfedern, die Herstellung von Tinten und vermitteln allerhand nützliches Wissen rund um das Schreiben.

Durch die Reformation nahm auch das Schulwesen in Europa einen enormen Aufschwung. So blieb das Lesen und Schreiben kein Privileg der Klöster und des Adels mehr. Nahezu jeder konnte es nun lernen.

Die Kanzlisten der Höfe traten die Nachfolge der Schriftkünstler des Mittelaters an und lehrten als “Schreibmeister” in öffentlichen und privaten Schulen die Schreibkunst, meist zusammen mit der Rechenkunst. Zu Anschauungs- und Lehrzwecken gaben einige von ihnen Schriftvorlagen heraus, die sogenannten “Schreibmeisterbücher”.

Zwischen 1500 und 1800 erschienen etwas 800 Schreibmeisterbücher, die heute meist äußerst selten geworden sind. Da sie zu Lehrzwecken eingesetzt wurden, unterlagen sie einem starken Verschleiß und haben nur vereinzelt bis heute “überlebt”.

Die schönsten Exemplare erschienen im 16. und 17. Jahrhundert. Das erste deutsche Schreibmeisterbuch entstammt der Feder des vermutlich bedeutendsten Schreibmeisters Johann Neudörffer der Ältere (* Oktober 1497 in Nürnberg; † 12. November 1563 in Nürnberg). Es erschien 1519 unter dem Titel “Fundament … seinen schülern zu einer unterweysung gemacht”.

Neudörffers Hauptwerk ist eine Weiterentwicklung dieses Buches. Es heißt “Ein gute Ordnung vnnd Kurtze vnnterricht der fürnembsten grunde aus denen die Jungen Zierlichs schreibens begirlich mit besonnderer, kunst vnd behendig-kait unterwisen vnd geubt mogen werden Durch Johan[n] Neudorffer Burger vnd Rechenmaister Zu Nurmberg, seinen schulern zu mererm verstandt geordnet Jm Jar der geburt Jesu Christi vnsers herrn vnd seligmachers” und kam 1538 heraus. Ein Exemplar dieses Buches befindet sich in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.

Johann Neudörffer: Eine gute Ordnung und kurzer Unterricht, Nürnberg 1538; Titelblatt (Radierung; Wiedergabe nach dem seitenverkehrten Originaldruck des Exemplars im Besitz des Germanischen National-Museums Nürnberg).

Im 18. Jahrhundert werden mit der aufkommenden Kupferstichtechnik immer kühner geschwungene Formen entwickelt, deren Qualität aber immer mehr nachlässt. Sammelnswert sind aber auch diese Schreibmeisterbücher – vor allen Dingen, weil die raren Ausgaben aus dem 16. und 17. Jahrhundert entweder meist in festen Händen von Museen und Bibliotheken sind oder für den “normalen” Bücherliebhaber schlicht unbezahlbar.

Bibliografisch wird dieses Gebiet der Buchkunst noch recht stiefmütterlich behandelt – es gibt lediglich einen Titel von Werner Doede: Bibliographie deutscher Schreibmeisterbücher von Neudörffer bis 1800. Dieses Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich und kostet je nach Erhaltungszustand derzeit etwa 65 bis 150 Euro.

21. March 2016

Alte Osterpostkarten sammeln

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Leider ist es heute ja etwas außer Mode gekommen, seinen Familienangehörigen oder Freunden zu Ostern oder anderen Festtagen „echte“ Glückwunschkarten zu schicken. In unserem Multimediazeitalter beherrschen E-Cards und SMS die Glückwunschszene. Scheinbar bedauert der eine oder andere diese Entwicklung doch sehr und sammelt deshalb die phantasievollen, oft auch kitschigen Karten.

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Glückwunschkarten werden in speziellen Sammelalben gesammelt

Damals wie heute werden die Glückwunschkarten in eigens dafür geschaffenen Postkartenalben gesammelt. Um 1900 gab es für diesen Zweck prachtvolle, ja teilweise sogar pompös gestaltete Alben. Heute liebt es der Sammler etwas schlichter. Es gibt aber natürlich auch Sammler, die ganz stilecht Ihre Sammlung auch in Alben aus der Zeit präsentieren.

Die Einführung der Postkarte im Jahr 1870 durch den Generalpostdirektor des Norddeutschen Bundes Heinrich Stephan schuf die Voraussetzungen für die Entstehung der Sammelleidenschaft. Wenig später erschienen die ersten Karten mit einem Bild auf der Rückseite. Dies führte zu einem regelrechten Boom beim Schreiben und beim Sammeln – in jeder Familie gab es mindestens einen Postkartensammler.

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Glückwunschkarten gibt es schon seit dem Mittelalter

Die Glückwunschkarte hat allerdings eine wesentlich ältere Tradition – allerdings nicht in Form einer Postkarte. Bereits im 15. Jahrhundert gab es sogenannte Einblattdrucke mit Osterglückwünschen. Es waren einseitig bedruckte und handcolorierte Holzschnitte, die mit allerlei Ornamenten, Glücksbringern und Fruchtbarkeitssymbolen verziert waren.

Diese frühen Drucke aus dem Mittelalter sind heute auf dem Sammlermarkt kaum noch zu finden. Falls es doch einmal ein Stück gibt, dann muss der Sammler tief in den Geldbeutel greifen: Preise weit über tausend Euro sind keine Seltenheit.

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Moderne Drucktechniken ermöglichten die Massenproduktion von Osterkarten

Zum Glück machte aber die Erfindung der Postkarte und die Entwicklung preiswerter Farbdrucktechniken die Massenherstellung von Glückwunschkarten möglich. Die Sammelleidenschaft sorgte für eine regelrechte Schwemme an Glückwunschkarten, von denen viele bis in die heutige Zeit „überlebt“ haben.

Die Gestaltung der Karten wurde immer fantasievoller und auch immer aufwändiger. Die Karten wurden zum Teil mit Seide, Prägungen, Glitter, Vergoldungen oder sogar Stickereien ausgestattet. Es gab Karten mit ausgeklügelten Faltmechanismen und welche mit eingesteckten Teilen zum Herausziehen. Und einige Karten waren sogar mit echtem Haar verziert.

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Diese Karten waren schon damals recht teuer und sind es auch heute noch. Gerade von den besonders gestalteten Karten gab es meist nur kleinere Auflagen. Und die teilweise empfindlichen Mechanismen haben nur selten die Jahrzehnte überdauert.

Das Sammeln von Osterkarten – Spezialisierung ist empfehlenswert

Wer sich für das Sammeln von Glückwunschkarten zu Ostern interessiert, der sollte sich von Anfang an auf eine Gebiet spezialisieren, um nicht an der schieren Menge der Motive zu verzweifeln.

Gerade bei den Osterkarten gibt es einige Motivgebiete, die besonders witzig aber auch kitschig sind. Hier eine kleine Auswahl typischer Ostermotive, die häufig auf alten Osterkarten zu finden sind:

  • Osterengel
  • Osterhasen
  • Osterküken
  • Ostereier
  • Osterlämmer und Schafe
  • Osternester
  • Frühlingsblumen
  • Weidenkätzchen
  • Hühner und Enten
  • Christliche Motive

Besonders gesucht werden auch Karten mit vermenschlichten Tieren: Osterhasen als Lehrer in einer Hasenschule, Enten mit Sonnenschirmen, Frösche, die in einem Orchester Musikinstrumente spielen.

Oder Sie sammeln nur Karten mit Glitter-Verzierungen oder solche mit Klappmechanismus. Hauptsache, Ihnen gefallen die Karten. Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann es in diesem Sammelgebiet nicht geben – zu umfangreich war die Produktion der früheren Kartenverlage.

Sammlerpreise von Glückwunschkarten zu Ostern

Auf Flohmärkten kann man aber auch heute noch echt Schnäppchen machen: selbst ganze Alben aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg mit Dutzenden von Glückwunschkarten kann man mit etwas Glück noch immer für 30 bis 50 Euro ergattern.

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Und einzelne Karten gibt es schon für etwa einen Euro. Die meisten Karten kosten aber – einen guten Erhaltungszustand vorausgesetzt – zwischen 3 bis 5 Euro. Gut erhalten heißt: keine Einrisse oder sogar Fehlstellen, keine Knicke und keine Stockflecken. Postalisch gelaufen oder unbenutzt ist reine Geschmacksache – es wirkt sich in der Regel nicht auf dem Sammlerpreis aus. Viele Sammler bevorzugen aber von der Post beförderte Karten. Zum einen läßt sich anhand des Poststempels das ungefähre Alter der Karte feststellen und zum anderen ist es sehr amüsant, die Nachrichten von damals zu lesen.

Verein für Sammler von Ansichtskarten

Natürlich gibt es auch für das Sammelgebiet Ansichtskarten einen Verein: die AnsichtsKarten-Interessen-Gemeinschaft (kurz AK-IG) im BDPh e.V. Dort sind auch Sammler von Glückwunschkarten herzlich willkommen.

Beim ZVAB gibt es auch viele Osterpostkarten zu entdecken:

>> Stöbern Sie im Angebot

24. February 2016

Karneval – Die 5. Jahreszeit: Kunst und Sammlerfreuden

von Larissa Dawirs

Es ist wieder soweit: die Jecken sind los! Wenn man heute über die Straße geht, begegnen einem alles von Clowns und Actionhelden, über Prinzessinnen und Hexen bis hin zum Dinosaurier. Und natürlich heute jede Menge “Alte Weiber”.

Doch der Karneval wird nicht nur jedes Jahr aufs Neue gefeiert, sondern dient seit jeher auch als Inspiration für Künstler und Sammler. Einige Beipiele der Karnevals-Kunst haben wir hier zusammengestellt – vielleicht erinnert das ein oder andere Objekt sogar an eigene Erlebnisse aus der 5. Jahreszeit:

 

15526852220 15537142891

17478022622 17729147876

17729149326 15108980293

 

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17476036602

17303209071

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4. February 2016

Kennen Sie Romain Rolland? Wir gratulieren dem Nobelpreisträger von 1915 zum 150. Geburtstag

von Larissa Dawirs
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Der französische Schriftsteller und Musikkritiker wurde am 29.01.1866 geboren. Bekanntheit erlangt er insbesondere durch sein erstes erzählendes Werk Jean-Christophe (1904-1912). Die Geschichte des fiktiven deutschen Komponisten Johann-Christoph wird in 10 Bänden erzählt. Romain Rolland schafft damit nicht nur einen Welterfolg, sondern erschafft außerdem eine neue Untergattung zum Roman, den sogenannten Roman-Fleuve.

Neben Erzählungen verfasste Rolland außerdem verschiedene Biographien über wichtige Persönlichkeiten aus seinen Interessengebieten Kunst und Musik. Von 1903 bis 1911 widmete er sich Beethoven, Michelangelo, Händel und schließlich Tolstoi. Auch die Welt des Drama war Teil seines Schaffensbereichs, wobei seine Werke in den frühen Jahren häufig unveröffentlicht blieben. Der Erfolg trat um die Jahrhundertwende mit den Stücken Aërt und Les Loups ein und umfasste nach 40 Jahren ein Gesamtwerk von acht Dramen zur französischen Revolution.

Nicht nur die Beschäftigung mit den vergangenen politischen Großereignissen, sondern auch die politische Entwicklung Europas zu seinen Lebzeiten beeinflussten den Schriftsteller. Aus der Schweiz beobachtete er die Entwicklungen des ersten Weltkriegs und verfasste die Artikelserie “Au-dessus de la mêlée” (1915; dt. “Über dem Schlachtgetümmel”). Für diesen literarischen Friedensbeitrag und seinen Roman-Fleuve wurde Romain Rolland mit dem Literaturnobelpreis 1915 ausgezeichnet.

Trotz der bedeutenden Auszeichnung hat sein Bekanntheitsgrad in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer mehr abgenommen, so dass heute kaum noch Werke von Romain Rolland gelesen werden. Heute gratulieren wir zum 150. Geburtstag des großen Unbekannten. Feiern Sie mit und entdecken Sie seine Werke neu!

 

29. January 2016

Die Schildbachsche Xylothek

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Was ist eine Xylothek? Das Wort stammt aus dem Griechischen und besteht aus den Begriffen „xylon“ für Holz und „theke“ für Aufbewahrungsort. Es bezeichnet eine naturkundliche Sammlung von Holz und anderen Bestandteilen eines Baumes. Dabei sind die einzelnen Exponate in Buchform gestaltet und jeder Band besteht aus den Bestandteilen einer einzelnen Baumart.

Herbarien waren die ersten Pflanzensammlungen

Die ersten Pflanzensammlungen wurden bereits im Mittelalter zusammengetragen. Meist waren es Mönche, die in den Klöstern umfangreiche Herbarien anlegten. Die ersten reinen Holzsammlungen sind aus dem 18. Jahrhundert belegt. Diese sogenannten Holz-Cabinette waren reine Sammlerstücke, die noch keinem wissenschaftlichen Zwecken dienten. Als zur Zeit der Aufklärung das Interesse an der Natur wuchs, ging man systematischer vor: Ab etwa 1771 begann Carl Schildbach mit der Anfertigung seiner „Sammlung von Holzarten, so Hessenland von Natur hervorbringt“.

Die Schildbachsche Xylothek ist die schönste Holzsammlung

Die Schildbachsche Xylothek gilt als schönste und bedeutendste noch erhaltene Holzsammlung. Zahlreiche später entstandene Xylotheken nahmen sich die Sammlung Schildbachs als Vorbild, erreichten aber nie die gleiche Qualität. Die 530 Bände umfassende Sammlung von Scheinbüchern gehört heute zum Bestand des Naturkundemuseums Kassel.

Die Schildbachsche Xylothek

Die Schildbachsche Xylothek – Foto: © Naturkundemuseum Kassel

Schildbach stellte seine Holzbücher in drei Größen her: große, mittlere und einige kleine Bände. Die meisten haben ein Format von etwa 18 x 14 Zentimetern, die kleinsten sind gerade einmal 10 Zentimeter hoch.

Scheinbücher ganz aus Baumbestandteilen

Das Äußere eines jeden Bandes ist ein Kästchen mit Schubdeckel in Buchform, das aus dem Holz des beschriebenen Baumes besteht. Dieses Kästchen lässt sich wie ein Buch aufstellen und hat natürlich auch einen Buchrücken. Der Rückendeckel ist mit einem Rindenstück beklebt und mit einem aufgeklebten Schild in Golddruck beschriftet.

Innenansicht eines Holzbandes

Innenansicht eines Holzbandes – Foto: © Naturkundemuseum Kassel

Nimmt man einen Band in die Hand und öffnet die Deckel, dann findet man weitere, nach einem einheitlichen System angeordnete Teile des Baumes: getrocknete Blüten, Blätter, Samen, Früchte, Knospen, Zweige. Die verderblichen Teile wie Birnen oder Äpfel sind aus Wachs modelliert, bei den übrigen Exponaten handelt es sich meist um originale Pflanzenteile. Das Buchinnere zeigt den gesamten Lebenszyklus des Baumes vom Samen bis zur Frucht. Auf den hinteren Buchschnitt klebte Schildbach jeweils einen verkohlten Holzwürfel mit Brennwertangaben des Holzes. Ein weiterer Würfel misst genau einen Kubikzoll und ist mit Informationen zur Schwere des Holzes beschriftet. Ja sogar Teile typischer Rindenpilze sind hier zu finden. Handschriftliche Fakten komplettieren die Buchrückseite.

Jeder Band ist ein handwerkliches Meisterwerk

Die Bände sind wunderbar anzusehen und mit einer erstaunlichen Genauigkeit gearbeitet. Man spürt die Liebe zum Detail, die Carl Schildbach bei der Herstellung antrieb. Es gibt kaum Verformungen, Unebenheiten oder Risse. Dies spricht dafür, dass das Holz vor der Verarbeitung sehr sorgfältig getrocknet wurde. Vermutlich hat Schildbach alle Bände selbst gebaut. Ob er dabei Hilfe hatte, ist unbekannt. Die unglaubliche Schönheit der Bände lässt den Betrachter staunen.

Carl Schildbach – Naturforscher aus Leidenschaft

Wer war dieser Carl Schildbach, der dieses Meisterwerk schuf? Leider wissen wir nur sehr wenig über diesen „Hobby-Naturforscher“, der das Material für seine Xylothek zum großen Teil im Bergpark Wilhelmshöhe fand. Geboren wurde er 1730 in Sachsen. 1771 wurde er Tiergartenaufseher beim Landgrafen Friedrich II. und zwei Jahre später Menagerieverwalter in der Karlsaue. Wilhelm IX. ernannte ihn zum Verwalter und später zum Oeconomiedirektor auf Gut Weißenstein. Etwa zu dieser Zeit begann er vermutlich mit der Herstellung seiner ersten Baumbücher.

Mehrere Bände der Schildbachschen Xylothek

Mehrere Bände der Schildbachschen Xylothek – Foto: © Naturkundemuseum Kassel

Der Dichter Joachim Heinrich Campe schrieb über Schildbach:

„Dieser mir merkwürdige Mann hat weder Erziehung, noch gelehrte Kenntnisse von irgendeiner Art gehabt, und doch hat er sich in der Naturgeschichte und in der Naturlehre ganz durch eigenen Fleiß und ohne alle Hülfsmittel Kenntnisse und Geschicklichkeit zu erwerben gewußt, welche einem Gelehrten Ehre machen würde. Er ist dabei ein geborener Künstler, ohne soviel ich weiß – eine Kunst von andern gelernt oder berufsmäßig betrieben zu haben. Alles, was seine lebhafte Einbildungskraft ihm vormalt, das weiß er auch auf irgendeine Art künstlich darzustellen.“ Carl Schildbach starb 1817.

Wertvoll schon zu Schildbachs Lebzeiten

Bereits zu Schildbachs Lebzeiten war seine Xylothek sehr wertvoll. Dies erkannte auch die russische Zarin Katharina II. Sie wollte die Bände für 2.000 Goldtaler kaufen, Schildbach lehnte jedoch ab. 1799 konnte Landgraf Wilhelm IX. die Baumbibliothek für sein Naturalienkabinett erwerben. Schildbach erwies sich als geschickter Verhandler und erhielt eine jährliche Leibrente von 450 Talern. Bis zu seinem Tod kassierte er so 7.200 Taler – eine für damalige Verhältnisse enorme Summe.

Und wer jetzt neugierig geworden ist, der sollte der Schildbachschen Xylothek unbedingt einmal einen Besuch abstatten: Naturkundemuseum im Ottoneum, Steinweg 2, 34117 Kassel

Quellen und weiterführende Informationen:

Fotonutzung mit freundlicher Genehmigung des Naturkundemuseums Kassel.

26. January 2016

Vor 50 Jahren lässt Günter Grass den Aufstand auferstehen

von Larissa Dawirs
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Am 15.01.1966 wird im Berliner Schillertheater Die Plebejer proben den Aufstand von Günter Grass uraufgeführt. Das politisch-motivierte Theaterstück dreht sich um die zentrale Figur „Chef“ – eine nicht namentliche Darstellung des Dramatikers Berthold Brecht – und thematisiert eine Shakespeare-Inszenierung vor dem Hintergrund des Volksaufstandes am 17. Juni 1953 in der DDR.
Zunächst bringt dieser Stoff vom vermeintlichen Versagen der Intellektuellen dem Autor keine Lorbeeren ein.

Marcel Reich-Ranicki titelt in der Zeit vom 21.01.1966 Trauerspiel von einem deutschen Trauerspiel und auch die Politik in BRD und DDR spricht von „Anti-Brecht-Stück“ bzw. „antikommunistischen Vorbehalten gegen Andersdenkende.“ Und doch findet Reich-Ranicki schließlich auch positive Worte zu Motiven, Szenerie und Ausdruck für diesen „Gesprächsgegenstand von hoher Bedeutung.“

Am 17. Juni 2003 zum 50. Jahrestag des Aufstandes liest Grass sein Werk selbst live für rbb und Radio Bremen und auch fast alle ARD-Kulturwellen übertragen die Lesung. Seit 2012 ist diese Theaterlesung beim Steidl Verlag auch als Hörbuch erhältlich.

Grass selbst erinnert sich wie folgt an die Entstehung seines Werks:

„Es ging in vier Akten um die Macht und die Ohnmacht, um geplante und spontane Revolution, um die Frage, ob Shakespeare sich ändern lasse, um Normerhöhungen und einen zerfetzten roten Lappen, um Worte und Gegenworte, um Hochmütige und Kleinmütige, um Panzer und Steinewerfer, um einen verregneten Arbeiteraufstand, der, kaum war er niedergeschlagen, auf den 17. Juni datiert, zur Volkserhebung verfälscht und zum Feiertag verklärt wurde.“

Heute, am 15. Januar 2016 jährt sich die Uraufführung zum 50. Mal. Günter Grass ist letztes Jahr verstorben, eine Jubiläumsaufführung wird es nicht geben. Dennoch lohnt es sich „Die Plebejer proben den Aufstand“ nocheinmal anzuhören oder zu lesen und damit das vielleicht umstrittenste Drama des Nobelpreisträgers zu feiern – ob Trauerspiel oder nicht.

15. January 2016

Martin Walser stirbt nicht aus

von Larissa Dawirs
Sterbender-Mann

Heute erscheint Martin Walsers neuester Roman Ein sterbender Mann. Trotz des pessimistisch anmutenden Titels handelt das aktuelle Buch aus der Feder des bekannten Erzählers nicht nur von Verlust und Verrat und – in deren Folge – dem Wunsch nach dem Sterben, sondern ist gleichermaßen geprägt von den großen Emotionen der Liebe und des Tangos.

Der Spiegel beschreibt “einen herrlich leichten, selbstironischen, tragisch-schönen Roman”, während die FAZ von “einer absichtsvoll vertrackten Parodie über die Sprache der Liebe im Alter” spricht. In welche Richtung es tatsächlich geht, hängt vermutlich von dem jeweiligen Leser ab. Eindeutig ist jedenfalls, dass Walser bereits vor der tatsächlichen Veröffentlichung wieder viel diskutiert wird.

Die Publikation eines neuen Werks rückt immer auch den Werdegang des Autors ins Rampenlicht. So sieht die Süddeutsche Zeitung thematische Parallelen zu Ein liebender Mann (2008) und der Tagesspiegel erkennt eine ähnliche Erzählweise wie in Das 13. Kapitel (2012).

Auch die Leserschaft erinnert sich an die vorangegangen Schriften und der ein oder andere schaut vielleicht auch in sein Bücherregal, auf der Suche nach seiner Sammlung oder einem besonderen Stück von eben diesem Autor. In unserem virtuellen Bücherregal, respektive dem ZVAB-Katalog, finden sich natürlich einige besondere Ausgaben von Martin Walsers Werken. Außerdem gibt es auch eine Menge anderer Ausgaben, um eine Martin Walser Sammlung zu komplettieren.

Während die Presse nun bereits munkelt, der neue Roman mute wie ein Abschied vom Schreiben an, bleibt dem Leser immer die Gewissheit, dass der Autor Martin Walser, mit seinen Höhen und Tiefen des Lebens, uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben wird – zumindest in unseren Bücherregalen.

 

Eine kleine Auswahl besonderer Ausgaben

Seine erste Veröffentlichung von Erzählungen Ein Flugzeug über dem Haus und andere Geschichten (1955) enthält eine Widmung Walsers an den Verleger Albrecht Knaus.

Ehen-in-Phillipsburg

 

Walsers erster Roman Ehen in Phillipsburg (1957) ) ist mit einer persönlichen Widmung Walsers an einen ehemaligen Lehrer oder auch als signierte Erstausgabe zu haben.

 

Aber auch aktuellere Werke, zum Beispiel Die Amerikareise oder Das geschundene Tier sind als signierte Erstausgaben vorhanden.

8. January 2016

10 Tipps zum “last-minute” Buchgeschenk

von Larissa Dawirs

buchgeschenk

Heute morgen wurde im Stadtradio mal wieder darüber berichtet, dass die Innenstadt nicht nur an den Adventswochenenden, sondern insbesondere in den Tagen direkt vor Weihnachten überlaufen ist – mit Menschen, die alle in letzter Sekunde auf der Suche nach dem perfekten Geschenk die Geschäfte unsicher machen. Wie findet man aber das perfekte Buch zum verschenken? Wir haben 10 schnelle Tipps zusammengestellt, die bestimmt für ein freudiges Lächeln beim Geschenke auspacken sorgen werden!

Sie wissen bereits, wie man das perfekte Buchgeschenk findet und haben sowieso schon lange alle Geschenke besorgt? Dann teilen Sie die Liste mit denjenigen, die sich vielleicht in den nächsten Tagen noch im Vorweihnachtstrubel auf die Suche nach einem Geschenk für Sie selbst machen!

 

1. Geschmack
Eine Science Fiction Fan wird sich wohl leider nur selten über den neuesten historischen Roman freuen, die Lovestory-Leserin kann womöglich wenig mit einer Biographie anfangen. Schauen Sie in das Bücherregal des Beschenkten oder fragen Sie nach, welches Buch zuletzt gelesen wurde – wie Sie es anstellen ist egal, aber finden Sie die Buchvorlieben heraus um größere Enttäuschung zu vermeiden.

 

2. Bestseller

Nicht einfach den aktuellen Bestseller kaufen! Natürlich lässt die Bewertung “Bestseller” immer darauf schließen, dass das Buch schon häufig verkauft wurde. Andererseits, heißt das aber nicht unbedingt, dass es auch viel und gerne gelesen wurde.

 

3. Auslagentische

Die Auslagentische eher mit Vorsicht genießen. Es gibt hier von Buchhandlung zu Buchhandlung, aber auch thematisch sehr große Unterschiede. Ähnlich wie beim Bestseller, kann man nicht davon ausgehen, dass alle Bücher auf einem thematischen Büchertisch automatisch lesenswert sind. Wühltische bitte generell umgehen, Sie suchen nach einem Geschenk und nicht nach dem Schnäppchen für die Strandlektüre.

 

4. Cover

Ein Buch ist nicht nur zum Lesen da. Es ist außerdem ein neues und dekoratives Mitglied im Bücherregal. Daher legen Sie etwas Wert auf eine hübsche Aufmachung des Geschenks. Natürlich sollte ein Buch nie rein wegen des Cover gekauft werden, aber falls Sie zwischen verschiedenen Exemplaren schwanken, wählen Sie die schönere künstlerische Gestaltung.

 

5. Klappentext

Unbedingt den Klappentext lesen. Wenn Sie alle vorgenannten Punkte eingehalten haben und nun bereits auf dem Weg zur Kasse sind, nehmen Sie sich noch einen Moment Zeit. Ein kreativer Titel kann manchmal etwas irreführend sein. Ein “Kuckuck” im Titel macht noch kein Vogelbuch…

 

6. Bewertungen

Sie stehen mit fünf Fantasybüchern in der Buchhandlung und lesen selbst eher Sachbücher? Fragen Sie die Verkäufer, die meisten Buchhändler lesen selbst gern und sind außerdem gut informiert – wenn Sie die Geschmacksrichtung kennen wird der Buchhändler sicher helfen können, das richtige Geschenk zu finden. Sie bestellen online? Lesen Sie einige Buchrezensionen und finden Sie so heraus, ob das jeweilige Buch wirklich “das” Geschenk ist.

 

7. (Keine) Gutscheine

Wie alles andere, lassen sich auch Bücher prima in Form von Gutscheinen schenken. Doch denken Sie an die Beschenkten – ein richtiger Buchliebhaber möchte  am liebsten sofort losschmökern und nicht erst nach den gemütlichen Feiertagen in den Genuß der nächsten Lesefreude kommen. Außerdem ist ein liebevoll ausgesuchtes Buch ein viel persönlicheres Geschenk – der Gutschein ist daher wirklich die letzte Option.

 

8. Taschenbücher

Nein. Taschenbücher haben sicherlich ihre Daseinsberechtigung, irgendwie, aber ein perfektes Buchgeschenk ist ein gebundenes Buch. Ob sie es glauben oder nicht, auch das haptische Erlebnis ist ein Teil des Lesens. Außerdem wird die hochwertige gebundene Variante nicht wie der gebrochene, weil gelesene, Taschenbuchrücken in den abgelegenen Regalreihen verschwinden, sondern einen Ehrenplatz beziehen.

 

9. Geschenkpapier

Kaufen Sie ein Buch, kaufen Sie auch Geschenkpapier. Natürlich sind nette Aushilfen in der Buchhandlung den ganzen Tag damit beschäftigt, Bücher in hübsche Geschenke zu verwandeln. Doch was ist der schönste Teil eines verpackten Geschenks? Genau, man weiß noch nicht was drin ist. Sicherlich verrät schon die Form eines Buches, um welches Geschenk es sich womöglich handelt, aber die Einpackvariante der Buchhandlung nimmt auch das letzte bisschen Überraschung vorweg. Unterschätzen Sie außerdem nicht den wunderbaren ersten Eindruck einer selbstgestalteten Verpackung!

 

10. Antiquariat

Nicht nur in Buchhandlungen lassen sich wunderbar Geschenke kaufen, ein richtiger Buchliebhaber freut sich besonders über eine Erstaugabe, ein vom Autor signiertes Werk oder den Fund eines seit langem vergriffen geglaubten Lieblingsstücks. Stöbern Sie in unserem Katalog nach besonderen Exemplaren eines Buches und finden Sie so das perfekte Buchgeschenk!

 

21. December 2015

Alle Jahre wieder 24 kleine Freuden

von ZVAB

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24 Türchen, Tütchen, Päckchen oder Säckchen – es ist wieder die Zeit der Adventskalender. Groß und Klein freuen sich 24 Tage lang über immer wieder neue Kleinigkeiten. Heute sind Schokoladenkalender besonders beliebt – im Büro zieren zum Beispiel kleine Tischkalender mit gefüllten Schokoladenkugeln seit ein paar Tagen jeden Schreibtisch. Aber auch andere Themen finden Anklang. So gibt es mittlerweile Adventskalender von den ??? -hier wird in 24 Tagen ein Rätsel gelöst- oder Bierkalender und Make-up- oder Nagellackkalender. Es ist also für Jeden etwas dabei.

Adventskalender Bethlehem

(1957)

Adventskalender Adventskapelle

(1963)

Doch was ist eigentlich die ursprüngliche Version des Adventskalenders?
Auch hier gibt es verschiedene Varianten. Angefangen hat die Tradition bereits im 19. Jahrhundert, es wurden Bilder an die Wand gehangen oder Zettelchen abgerissen, um die Wartezeit bis Heiligabend zu verkürzen. Auch in den Anfängen waren also der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt. Seit 1902 gibt es den heute typischen, gedruckten Adventskalender und etwas später auch die ersten Adventsuhren. Hier findet man noch keine Süßigkeiten, stattdessen wird jeden Tag ein neues Bildchen oder ein kurzer Text sichtbar.

Zettelkalender

(1925)

Adventsuhr(1966)

Gehen Sie mit uns auf Adventskalenderreise im ZVAB Katalog – es gibt alte und neue Adventskalender, zum Teil bereits geöffnete, aber auch solche, die noch darauf warten, dass ihre Geheimnisse entdeckt werden.

Winterdorf(1958)

 

Alle haben eins gemein: Jeden Tag machen Sie uns eine kleine Freude …und plötzlich ist Weihnachten!

 

Eisenbahn(1970)

Sternenreigen

(1935)

Adventskalender aufstellbar

Weihnachtsmarkt

(1968)

Schneewolken(1945)

Rotes Schloss(1966)

4. December 2015

Kleines Biblio-Lexikon

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Biblio ist ein Wort, das ursprünglich aus dem Griechischen stammt: βιβλίον, dieses von Βύβλος. Es bedeutet Buch oder Bücher, ursprünglich hergeleitet von der phönizischen Stadt Byblos, aus der Papyrus importiert wurde.

Bibliognosie
Bücherkunde oder Bücherkenntnis.

Bibliograf
Jemand, der eine Bibliografie bearbeitet hat.

Bibliografie
Katalog oder Verzeichnis von Buchtiteln und anderen Veröffentlichungen, zusammengestellt und geordnet nach bestimmten Gesichtspunkten.

Biblioklast
Jemand, der aus reiner Sammelwut (meist fremde) Bücher zerstört, indem er bestimmte Seiten herausreißt.

Bibliolatrie
Übertriebene Verehrung meist heiliger Bücher, besonders der Bibel.

Bibliolithen
Antike Handschriften, die bei Vulkanausbrüchen teilweise verkohlt sind und dadurch das Aussehen von Steinen erhalten haben.

Bibliologie
Die wissenschaftliche Erforschung des Buchwesens. Dieser Begriff hat sich im deutschen Sprachraum aber nicht wirklich durchgesetzt.

Bibliomanie
Krankhaft übertriebenes Sammeln und Horten von Büchern. Ein Bibliomane zieht seine Befriedigung aus der schieren Menge an Büchern, die Inhalte interessieren ihn meist nicht.

Bibliomantie
Das Weissagen aus zufällig aufgeschlagenen Seiten eines Buches, insbesondere aus Bibelstellen.

Bibliometrie
Ein Verfahren, das statistische und mathematische Methoden auf Bibliotheken anwendet, um empirische Gesetzmäßigkeiten aufzudecken, die für die Herstellung und Nutzung von Büchern praktische Bedeutung haben können.

Bibliophagie
Die Zwangserkrankung, Bücher aufessen zu müssen.

Bibliophilie
Die Liebe zu besonders seltene und wertvollen Bücher. Oder die Liebe zu Büchern überhaupt.

Bibliophobie
Abneigung gegen Bücher oder Angst vor Büchern. Ein Bibliophobe haßt Bücher, er ist ein regelrechter Bücherfeind.

Bibliotaph
Jemand, der seine Bücherschätze verheimlicht, versteckt und niemals verleiht. Bibliotaph heißt wörtlich übersetzt “Büchergrab”.

Bibliothek
Büchersammlung, die nach bestimmten Ordnungsprinzipien angelegt und oft in einem eigenen Gebäude oder Gebäudeteil untergebracht ist.

Bibliothekar
Berufsbezeichnung für das ausgebildete Fachpersonal einer Bibliothek.

Bibliotherapie
Eine Psychotherapiemethode, bei der vom Therapeuten ausgewählter Lesestoff in den Heilplan einbezogen wird.

Kennen Sie weitere Biblio-Worte? Dann immer her damit: einfach als Kommentar hinterlassen. Ich würde mich sehr freuen!

23. November 2015

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