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Lev Tolstoj: „Der Meister aller Meister, ein allwissender Shakespeare …“

von wietek

Das ist eine erstklassige Sache! Welch ein Künstler und welch ein Psycholog! Ich brach in Rufe der Begeisterung aus während der Lektüre… Ja, das ist stark, sehr stark… Der Meister aller Meister, ein allwissender Shakespeare …

[Gustave Flaubert in einem Brief an I. S. Turgenev aus dem Jahre 1880 nach der Lektüre von Krieg und Frieden]

Lev Tolstoj (auch Lew oder Leo Tolstoi) war zeit seines Lebens davon besessen, das, was er als Wahrheit erkannt hatte, auch auszusprechen; sich selbst, anderen und vor allem auch seinen Lesern wollte er nichts als die (oder besser: seine) Wahrheit sagen. Das führte einerseits zu jener schonungslosen Selbstkritik, von der seine Tagebücher geradezu strotzen, andererseits zu einer völlig unduldsamen Haltung seinen Diskussionspartnern gegenüber, die durch Tolstojs aristokratisches Bewusstsein noch verstärkt wurde. Nun war er aber auch und schon von Kindheit an ein unentwegt reflektierender, ja philosophierender Mensch; seine Wahrheiten änderten sich zwangsläufig mit seinem jeweiligen Erkenntnisstand, wodurch sich manch Widersprüchliches in seinem Werk findet – beispielsweise wird aus der Bewunderung soldatischer Tugenden (Sevastopoler Erzählungen) am Ende seines Lebens ein anarchischer Pazifismus.

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11. November 2010

Der Bibliothekar auf Schatzsuche

von buch_und_maus

Meine Lieblingsberufe waren Missionar, Entwicklungshelfer und
– Bibliothekar. Nicht, dass sie etwas miteinander zu tun
hätten, denn ein Bibliothekar bewegt sich in halbdunklen,
totenstillen Räumen, während sich die anderen beiden Berufe
dem Abenteuer in der weiten Welt verschreiben. Aber
vielleicht sind diese gegensätzlichen Interessen der Grund
dafür, dass immer wieder Bücher wie dieses meine
Aufmerksamkeit auf sich ziehen: «Mit Schweizern rund um die
Erde».
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25. October 2010

Lev Nikolaevič Tolstoj, ein „menschheitlicher Mensch“

von wietek

Lev Nikolaevič Tolstoj – im Deutschen auch Leo oder Lew Tolstoi genannt – ist unbestritten einer der größten Schriftsteller der Welt und aller Zeiten und mit Goethe und Shakespeare in einem Atemzug zu nennen. Unbestritten wird er von allen, selbst seinen Gegnern, ein Genie genannt. Ganz dem Selbstverständnis russischer Schriftsteller entsprechend ist auch er ein moralisches Gewissen gewesen, ja, man kann sagen: eine moralische Instanz, sogar weit über sein Land und über seine Zeit hinaus. Dass er, seit frühester Jugend ein ausgeprägt philosophischer Denker, der seine Ideen und Erkenntnisse dank seiner schriftstellerischen Begabung auch nach außen tragen konnte, mit den herrschenden sozialen und politischen Verhältnissen in Konflikt geriet, war daher unvermeidlich; ebenso zwangsläufig musste er in einem Land, in dem Kirche und Staat eine Einheit bildeten, zu einem scharfen Kritiker der Institution Kirche werden. Nicht zuletzt dank seiner exponierten sozialen Stellung wurde aus seiner Sicht vom Christentum quasi eine „Gegenreligion“ zu den praktizierten christlichen Religionen – nicht nur zur russisch-orthodoxen, sondern zu wirklich allen christlichen Religionen. Er war also Schriftsteller und ein Philosoph, dessen Denken ihn zu einem Religionsstifter, ja Anarchisten machte.
Den Schriftsteller und Religionsphilosophen kann man jedoch nur verstehen, wenn man den Menschen zu verstehen sucht, den Lev Nikolaevič Tolstoj, von dem Maksim Gorkij sagte, er sei „zu allererst ein Mensch, ein menschheitlicher Mensch“. (Weiterlesen …)

27. September 2010

Gewinnspiel zum ZEBRA Poetry Film Festival

von zvab

Das Filmfestival der Dichtkunst zeigt seine Streifen. Vier Tage lang – vom 14.-17.10.2010 präsentiert das 5. ZEBRA Poetry Film Festival die besten aktuellen Poesiefilme. Aus 71 Ländern wurden über 900 Kurzfilme eingereicht, die auf einem Gedicht basieren. In verschiedenen Themenprogrammen werden 150 davon gezeigt, 26 Filme wurden von der Programmkommission für den Wettbewerb ausgewählt und konkurrieren um den Preis des besten Poesiefilms. Eine international besetzte Jury ermittelt die Gewinner. Es werden die Preise »ZEBRA-Preis für den besten Poesiefilm«, »Filmpoesie-Preis des Goethe-Instituts« und »Ritter-Sport-Preis, gestiftet von der Alfred Ritter GmbH&Co KG« im Wert von insgesamt 10.000 EUR vergeben.
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21. September 2010

Letzte Worte

von konecny
Brendan Behan

Manchmal ruft mich sogar der WDR an: „Jaromir!“, sagte die Stimme am Telefon. „Möchtest du bei unserem Poetry Slam auftreten? Thematisch geht’s um letzte Worte!“

„Die bring ich ständig!“, sagte ich, um Wissen vorzutäuschen, auch wenn ein normaler Deutscher bei einem Tschechen wie mir gar nicht so viel Wissen erwartet.

Erst Wikipedia klärte mich auf. Unter den letzten Worten versteht man das, was ein Mensch im Angesicht des Todes der Nachwelt als Quintessenz seines Lebens hinterlässt. Humphrey Bogart zum Beispiel sagte, bevor er starb: „Ich hätte nicht von Scotch zu Martinis wechseln sollen.“ Oder der irische Dramatiker Brendan Behan. Der sagte vor seinem Tod zu der Nonne, die ihn pflegte: „Gott segne Sie, Schwester. Mögen alle Ihre Söhne Bischöfe werden.“
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7. September 2010

Entartung, Lügen und Krankheit – Max Nordau oder: Der andere Blick auf die Jahrhundertwende

von tergast

Wenn eines die Zeit des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts kennzeichnet, dann wohl die Gleichzeitigkeit so vieler unterschiedlicher Gedanken, Weltanschauungen und politischer wie künstlerischer Überzeugungen und Richtungen. Da konnte einer als Jude geboren werden, sich mit Leib und Seele und sogar mit einer Namensänderung davon lossagen, und schließlich doch noch zu einem der Vorkämpfer der zionistischen Bewegung an der Seite Theodor Herzls werden. Und dieser eine konnte in der Zwischenzeit ein literarisches und kritisches Werk schaffen, das – wenngleich nicht intentional – den aufkeimenden faschistischen Bewegungen in die Karten spielte. (Weiterlesen …)

31. August 2010

Kafka am Strand

von bardola

Leider erfährt die schwierige Zielgruppe 14+ nur selten, dass es Bücher gibt, die nicht bei MTV, in der Yam oder sonst einer Teeny-Zeitschrift und auch nicht in der Schule erwähnt werden, die nicht in den Jugendbuchabteilungen der Bibliotheken und Buchhandlungen stehen und die trotzdem ein perfektes Mittel gegen die gefährliche Lesefaulheit in der Pubertät sind. Die Hauptursache für diese „Unsichtbarkeit“ ist banal: Diese Bücher erscheinen nicht in Jugendbuchverlagen.
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24. August 2010

Sex auf Distanz

von konecny

„Ich war ein verlogenes Kind, das kam vom Lesen“, schrieb Isaak Babel. Klar ist übersprudelnde Phantasie auch eine schwere Last für den Fabulierer, bis er sich für seine Lügnereien ein hübsches Alibi zurechtgelegt hat – man schreibt einen Roman! Ab da ist man nicht mehr Lügner, man ist der Herr Schriftsteller. Das gelingt nicht jedem. Die meisten Bafler werden keine Schriftsteller, sie müssen sich weiter direkt von Mensch zu Mensch in ihren Weltrausch reden und nicht in einem Roman, sie brauchen den Zauber der direkten Rede. Wenn du einen Bafler in der Kneipe triffst, erzählt er dir gleich unbändig Geschichten, in denen er alles verdreht und maßlos übertreibt. Der Bafler will deine Burg aus anerzogener Distanz stürmen, dich ganz für seine Geschichte einnehmen! Der Bafler sucht „Körpernähe“, möchte dich zum Schwitzen bringen. Ein Lügner will dich betrügen, um für sich irgendwelche Vorteile zu ergattern, ein Bafler will dich staunen lassen. Und aus dem Staunen kommt die Freude! Ein Bafler beglückt dich also. Zum Beispiel mein Freund Pepino in Mähren, der mal erzählte, wie er den Hamster seiner Freundin aus dem 9. Stock eines Plattenbaus mit einem kleinen Fallschirm habe runter springen lassen.
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9. August 2010

Nachwort zu Iwan Turgenjew

von wietek

und eine kleine Geschichte der erotischen Literatur und der Sitten

Um zu verstehen, warum die Rolle des Mannes in Turgenjews und in Werken anderer Schriftsteller seiner Zeit sehr häufig die eines “Leidenden, der oft bis zum bitteren Ende entsagt – durch Selbstmord, durch Herausforderung einer Situation, die ihn ums Leben bringt, oder ganz einfach durch qualvolles und stumpfsinniges Dahinsiechen bis zur Erlösung im Tode” ist (vgl. Iwan Sergejewitsch Turgenjew – Sein literarisches Schaffen, Romane II), muss man einen Blick zurück in die Geschichte werfen und die allmähliche Veränderung der Beziehung zwischen Mann und Frau betrachten. Auch wenn es interessant wäre, damit im wahrsten Sinn des Wortes bei Adam und Eva zu beginnen, soll der Einstieg hier im endenden Mittelalter erfolgen, und was eigentlich Bände füllen würde, kann nur skizziert werden – es wird auch so schon eine lange “Geschichte”. Bei der Darstellung geht es um eine Grundlinie; Abweichungen in verschiedene Richtungen müssen vernachlässigt werden. Außerdem kann größtenteils nur die gesellschaftliche Oberschicht betrachtet werden, aber die hatte auch bei diesem Thema das alleinige Sagen und wirkte so oder so meinungsbildend auf die Unterschichten.
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3. August 2010

Großereignisse und ein neurotischer Buchmarkt: Über die Rezeption südafrikanischer Kriminalliteratur

von litprom

Krimi-Kolumne von Thomas Wörtche

Großereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft sind de facto gigantische Multiplikatoren. Ein paar Aufmerksamkeitssplitter bleiben auch für die Kultur, davon ein paar für die Literatur und von diesen wiederum ein paar für die Kriminal- literatur. Im Falle Südafrikas sogar ganz speziell für die Kriminalliteratur. Denn ohne die globale Bedeutung von literarischen Schwergewichten wie Nadine Gordimer, André Brink und J. M. Coetzee schmälern zu wollen – Kriminalautoren wie Deon Meyer (vgl. auch unsere Interview-Kolumne Deon Meyer: ein Mann mit Leidenschaft) und in dessen Erfolgssog Roger Smith, Andrew Brown oder Margie Orford haben binnen einiger Jahre einen mindestens analogen Bekanntheitsstatus bei einem breiteren internationalen Publikum erreicht. (Weiterlesen …)

27. July 2010

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