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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Hermann Bahr: Rastloser Prophet – Vergessener Literat

von tergast

„Niemals und immer derselbe“. Dieser Versuch einer Selbstbeschreibung kann als programmatisch für Hermann Bahr gelten. 1863 ist er in Linz als Sohn des Rechtsanwalts, Notars und Landtagsabgeordneten Dr. Alois Bahr und seiner Frau Wilhelmine (Minna), geborene Weidlich, zur Welt gekommen, um diese fortan mit immer neuen Erkenntnissen zur Literatur und Kunst zu bereichern.

„Niemals und immer derselbe“, das bedeutet für Bahr, der in Wien Klassische Philologie, Philosophie, Rechtswissenschaften und Nationalökonomie studierte, nichts anderes als seine Betrachtungen und Theorien vor allem zur Literatur der Moderne ständig in neue Richtungen zu lenken und das Alte zu verwerfen, sobald es den Ruch des Etablierten anzunehmen schien. In dieser Unberechenbarkeit jedoch war er höchst berechenbar, denn genau das war sein Lebensmotto: Vordenker der Moderne sein, antizipieren, was kommt und wichtig wird, und sobald es soweit ist, das Ganze verwerfen und den nächsten Schritt wagen. (Weiterlesen …)

10. September 2007

Karl Gutzkow: bewegt, zensiert und streitbar. Ein literarisches Leben im 19. Jahrhundert

von tergast

In ärmlichen Verhältnissen, als Sohn eines Stallmeisters des Prinzen Friedrich Wilhelm Karl, wurde am 17. März 1811 in Berlin ein Mann geboren, der knapp 25 Jahre später eines der berüchtigsten Werke der Literatur des 19. Jahrhunderts schaffen sollte. So berüchtigt, dass es ihm sogar eine einmonatige Gefängnisstrafe einbrachte.
Der Roman, von der zeitgenössischen Kritik als „unsittlich und gotteslästerlich“ gebrandmarkt, hieß Wally, die Zweiflerin, sein Autor war Karl Gutzkow, der neben seiner Wally eine große Menge weiterer literarischer Werke schuf und für die jungdeutsche Literatur von nicht unerheblicher Bedeutung war.
Gutzkow etwa war es, der dafür sorgte, dass Georg Büchners Dantons Tod in der von Eduard Duller herausgegebenen Zeitschrift Phönix. Frühlings-Zeitung für Deutschland erscheinen konnte, für die Gutzkow das so genannte Literaturblatt erstellte. Büchner war zu jener Zeit durch einen intensiven Briefwechsel mit Gutzkow verbunden und empfand ihn als einen seiner ersten Förderer. (Weiterlesen …)

17. August 2007

Richard Huelsenbeck als Figur der literarischen Moderne – En avant DADA

von tergast
Richard Huelsenbeck
  Richard Huelsenbeck

„Dada war in Zürich geboren, und einer seiner Abgesandten, Huelsenbeck, brachte die Botschaft nach Berlin, wo der Kreis der Freien Straße um Franz Jung schon vorbereitet war, alle Konsequenzen einer Empörungs-Aktion zu ziehen. Jung und ich verstanden sofort die Wichtigkeit dieses Zerstörungsmittels der sogenannten ‚künstlerischen Kultur’ und beschlossen, den Club DADA als Standarte des Internationalismus zu gründen, mit Huelsenbeck an der Spitze.“

Es ist Raoul Hausmann, der mit dieser Bemerkung in dem DADA beschreibenden Text „Dada empört sich, regt sich und stirbt in Berlin“ auf die Bedeutung Richard Huelsenbecks verweist. Jener Huelsenbeck war frühes Mitglied der legendären Club Voltaire in Zürich gewesen, dem Geburtsort des Dadaismus. Dort hatte er schon kurz nach der Gründung des Clubs durch Hugo Ball und Emmy Hennings an den Soiréen teilgenommen, mit dem das Kunst-Publikum der Zeit geschockt werden sollte. (Weiterlesen …)

16. July 2007

Rudolf Borchardt – Einzelgänger, Spracherneuerer und Symbol der Zerrissenheit der literarischen Moderne

von tergast

Er war ein Mann des Privatdrucks“.
Die Sprache, das Rohmaterial der Dichter, war ihm das wichtigste, und trieb ihn sein Dichterleben lang um.
Rudolf Borchardt, 1877 geboren, mitten hinein in eine der intensivsten Epochen der deutschen Literatur, kommt heute in den Literaturgeschichten höchstens noch als Randbemerkung vor. Zu unzugänglich und abseitig erscheint sein Werk auf den ersten Blick.
Bereits der zweite Blick jedoch bemerkt eine ungeheure Vielfalt an Lyrik, Prosa, Essayistik, Übersetzungen, Reden, die in einem 68jährigen Leben (Borchardt starb 1945) kaum unterzubringen zu sein scheint. (Weiterlesen …)

25. June 2007

Kritiker, Literat und Zeitgenosse: Raoul Auernheimer, Multitalent der Wiener Moderne

von tergast

Die Zeit der Jahrhundertwende war eine große Zeit in der europäischen Literaturgeschichte. So groß, dass neben vielen bekannten Namen manch einer in Vergessenheit geraten ist, der das nicht verdient hat. Raoul Auernheimer etwa gestaltete als Redakteur der „Neuen Freien Presse“, einer der wichtigsten Wiener Zeitungen jener Zeit, das intellektuelle Leben wesentlich mit  und zog dabei auch Nektar für seine eigene literarische Tätigkeit. Diese umfasst ein nicht zu unterschätzendes Werk mit Novellen, Erzählungen und dramatischen Werken, die vorwiegend als Lustspiele daherkommen, gleichwohl ihren zeitkritischen Charakter nicht verbergen können. (Weiterlesen …)

18. April 2007

Irmtraud Morgner: Ein weiblicher Tausendsassa

von faure

Ich gebe es zu: Da ihr Buch Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura. Roman in dreizehn Büchern und sieben Intermezzos (1974) überall im Volksbuchhandel der DDR herumstand, war mir das Buch nie einen Blick wert, da half auch der auffällige Schutzumschlag von Heinz Hellmis nix. Das gehörte sich einfach nicht als DDR-Autor: Präsent zu sein im Handel. Über dem Ladentisch: Das war der Platz für sozialistische Scribenten, für die man sich demonstrativ nicht interessierte.
Diese Ignoranz gegenüber der Autorin Morgner haben Irmtraud Morgner, geboren am 22. August 1933 in Chemnitz, studierte gleich nach dem Abitur von 1952 bis 1956 Germanistik und Literaturwissenschaft an der Universität Leipzig (u.a. bei Hans Mayer und Ernst Bloch). Von 1956 bis 1958 war sie Mitarbeiterin in der Redaktion der Zeitschrift „Neue deutsche Literatur“. Dort, im Frühjahr 1957, sah sie einen Redakteur „heilige Worte“ redigieren: „Der Redakteur tilgte zwei Strophen eines Gedichts, ersetzte gegebene Worte durch eigene und fertigte aus dem Abfall zwei neue Verse… (Weiterlesen …)

15. March 2007

Hans Erich Nossack: Aufbruch ins Nicht-Versicherbare

von faure
Hans Eich Nossack

Er gilt als sperrig, schwer zugänglich und wenig marktgerecht: Eigentlich genügend Abschreckungspotential, ein Buch des Autors Hans Erich Nossack (1901 – 1977) gar nicht erst in die Hand zu nehmen, der denn auch durch Sartres Vermittlung und Veröffentlichungen in Frankreich bekannter war als in Deutschland (1973 erhielt er den Prix Pour le Mérite). Nossack nicht zu lesen hieße allerdings, einen der größten deutschen Prosaisten des vergangenen Jahrhunderts zu verpassen.

Heute ist in der literarischen Öffentlichkeit kaum mehr die Rede von ihm. Schade, denn man muss sich weit umsehen, um einen Erzähler solchen Ranges zu finden: Freilich, mit schnellem Querlesen ist es bei ihm nicht getan, der so lange Zeit ein „Doppelleben“ als Hamburger Kaufmann und Schriftsteller führte. Man muss sich einlassen wollen auf seine leise bohrend auf den Punkt geschriebene Prosa und den hintergründigen Humor. (Weiterlesen …)

15. February 2007

Alexander Moritz Frey: Der phantastische Satiriker

von faure
Der phantastische Rebell

Seine Freunde nannten ihn Amf – und vielleicht hat ihn auch Adolf Hitler, sein Regiments„kamerad“ im Ersten Weltkrieg, im Schützengraben so gerufen: Amf steht für Alexander Moritz Frey. Als Frey 1915 Sanitäter in der gleichen Einheit wurde, in der Hitler Meldegänger war, hatte er zahlreiche Geschichten in Zeitungen und einige Bücher veröffentlicht. Hitler war das ziemlich egal, aber beider Feldwebel Max Amann interessierte sich ausnehmend für die Pressebranche – und fragte Frey darüber ein Loch in den Bauch. Vielleicht hat Frey dadurch unfreiwillig eine unheilvolle Karriere befördert: Amann wurde späterer Reichsleiter der NSDAP-Presse und Herausgeber von Mein Kampf.

Mit diesen Beziehungen hätte Frey locker Feuilletonchef des Völkischen Beobachter werden können (man hat ihm diesen Job angeboten), doch hatte er für das braune Pack nur Verachtung übrig – seine pazifistische Gesinnung hätte man spätestens seinem Feldsanitätsroman Die Pflasterkästen (1929) entnehmen können, der von allen namhaften Rezensenten der Weimarer Republik an die Seite von Remarques Im Westen nichts Neues (wenn nicht darüber) gestellt wurde. Zum Glück war Amf nicht zu Hause, als am 15. März 1933 die Nazis seine Wohnung auseinandernahmen, sofort danach begab er sich ins Exil nach Salzburg, flüchtete später in die Schweiz. Dort lebte und arbeitete er in bitterster Armut bis zu seinem Tod 1957; und hätten ihn nicht Freunde wie Thomas Mann finanziell unterstützt, wäre er wahrscheinlich verhungert.

Vielleicht leitet die von Stefan Ernsting verfaßte Biographie Freys, die Anfang nächsten Jahres unter dem Titel Der phantastische Rebell Alexander Moritz Frey oder Hitler schießt dramatisch in die Luft bei Atrium erscheint, eine Wiederentdeckung dieses brillanten Erzählers und Satirikers ein. Es wäre nicht allein schön, es wäre auch nötig. Wäre Frey bekannter, die Feuilletons hätten ihn sicher in die Schublade „der deutsche Edgar Allan Poe“ gesteckt. Nicht ganz zu Unrecht.
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13. December 2006

Albert Vigoleis Thelen: Der begnadete Erzähler

von faure

Entstehungsgeschichten von Büchern sind manchmal skurril, diese hier aber sollte einmalig sein: Da sitzt ein fast 50jähriger Deutscher Anfang der 50er Jahre in Amsterdam, weil er nicht ins „4. Reich“, wie er das entnazifizierungsunwillige Nachkriegs-Deutschland nennt, zurückkehren will, schreibt Gedichte und schmeißt sie großenteils wieder weg, schmiedet Verlagspläne, die alle nichts werden und erzählt im Freundeskreis die wildesten Geschichten aus seiner Exilzeit auf Mallorca, wo er von 1931 bis 1936 lebte. Für den Unterhalt sorgt natürlich seine Frau.

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6. November 2006

Anthony Burgess: Der Hexenmeister aus Manchester

von faure

Es ist ein ärztliches Urteil, dem wir – so heißt es wenigstens – das Erwachen eines der bedeutendsten literarischen Genies des vergangenen Jahrhunderts zu verdanken haben: Der am 25. Februar 1917 in Manchester geborene Lehrer für Englische Literatur John Anthony Burgess Wilson erhielt 1959 die verheerende Diagnose, an einem inoperablen Gehirntumor zu leiden: Er möge sich innerhalb der nächsten 12 Monate schon auf sein Ableben gefaßt machen, bedeutete ihm der Arzt. (Weiterlesen …)

17. September 2006

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