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	<title>ZVABlog &#187; Zu gut zum Vergessen</title>
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	<description>das offizielle Blog des ZVAB rund um antiquarische und vergriffene Bücher - Literatur, Kolumnen, Lesetipps und Autoren-Nachrufe.</description>
	<lastBuildDate>Wed, 01 Feb 2012 12:50:47 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Fanny Gr&#228;fin zu Reventlow, Skandalnudel und Schriftstellerin der Schwabinger Bohème</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Dec 2010 14:11:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carsten Tergast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zu gut zum Vergessen]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Blick zur&#252;ck auf die letzten Kolumnen brachte dieser Tage eine Erkenntnis hervor: Hier ging es schon lange nicht mehr um eine Autorin. Diesem Zustand muss dringend Abhilfe geschaffen werden. Fanny Gr&#228;fin zu Reventlow W&#252;rde die Dame, um die es hier geht, heute leben, w&#228;re sie vermutlich eine Art Skandalnudel und h&#228;ufiger mal auf der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Blick zur&#252;ck auf die letzten Kolumnen brachte dieser Tage eine Erkenntnis hervor: Hier ging es schon lange nicht mehr um eine Autorin. Diesem Zustand muss dringend Abhilfe geschaffen werden.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/495px-Fanny_Gr%C3%A4fin_zu_Reventlow.jpg" width="156" height="189" alt="" title="Fanny Gr&#228;fin zu Reventlow" /><br /><small>Fanny Gr&#228;fin zu Reventlow<br />
</small></div>
<p>W&#252;rde die Dame, um die es hier geht, heute leben, w&#228;re sie vermutlich eine Art Skandalnudel und h&#228;ufiger mal auf der Titelseite der einschl&#228;gigen Gazetten. Immer unangepasst, ihrer Zeit voraus, nie den Erwartungen ihrer Mitmenschen entsprechend. Aber mit dem festen Willen, ihren Weg zu gehen.</p>
<p>Das war um 1900, als sich <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=graefin+reventlow">Fanny Gr&#228;fin zu Reventlow</a></strong> f&#252;r diese Lebensweise entschied, nat&#252;rlich noch ungleich schwerer als in postmodernen „Jeder macht was er will“-Zeiten. Da konnte man noch, wie es der 1871 in Husum geborenen Fanny Liane Wilhelmine Sophie Auguste Adrienne Gr&#228;fin zu Reventlow passierte, von der Familie zur Besserung aufs Land geschickt werden. Zu einer Pastorenfamilie, damit auch alles seinen geregelten christlichen Gang gehen m&#246;ge.</p>
<p>Dumm nur, dass die Familie nicht mit der Widerstandskraft des M&#228;dchens rechnete, das sogleich aus dem Exil floh und bei Verwandten in Wandsbek unterkam, um von dort aus zu einer Karriere zu starten, die ihres gleichen sucht.<span id="more-4813"></span></p>
<p>Die Zeit in Wandsbek brachte f&#252;r Fanny von Reventlow vor allem zweierlei mit sich: die Ehe mit einem Gerichtsassessor, die sp&#228;ter geschieden wurde, und die M&#246;glichkeit, &#252;ber das Leben nachzudenken, verbunden u.a. mit einem Aufenthalt an der Malschule von Anton Ažbe in M&#252;nchen.</p>
<p>Letzterer d&#252;rfte f&#252;r den vielleicht entscheidenden Sprung im Leben Fannys verantwortlich sein. 1895 entschloss sie sich, endg&#252;ltig nach M&#252;nchen zu ziehen (was die Scheidung zur Folge hatte), um dort das Leben zu beginnen, f&#252;r das sie heute bekannt ist: Das Leben als Muse der Schwabinger Bohème, aber auch als aktives Mitglied dieser illustren Schar st&#228;ndig notleidender, aber immer produktiver K&#252;nstlern. Und produktiv war auch Fanny von Reventlow. Wer sie heute auf ihre Rolle als „Maskottchen“ reduziert, tut der Autorin unrecht. Sie hat unter dem Namen „F. Gr&#228;fin von Reventlow“ (in sp&#228;teren Werkausgaben f&#228;lschlicherweise auch Franziska Gr&#228;fin zu Reventlow) ein umfangreiches Werk hinterlassen, dessen sprachliche Rafinesse und feine satirische-komische Note hinter seiner kulturgeschichtlichen Relevanz nicht zur&#252;ckstehen. </p>
<p>Dabei hat es den Anschein, als h&#228;tte Reventlow mit ihrem Dasein als Schriftstellerin nie so richtig inneren Frieden gefunden. Im 1916 erschienenen Roman <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=geldkomplex">Der Geldkomplex</a></strong></em> l&#228;sst sie die Protagonistin sagen:<em> „Nein, ich sei gar nichts. Aber ich m&#252;sse hier und da Geld verdienen, und dann schriebe ich eben, weil ich nichts anderes gelernt h&#228;tte. Gerade wie die Arbeitslosen im Winter Schnee schaufeln – sie sollte nur einen davon fragen, ob er sich mit dieser T&#228;tigkeit identifizieren und sein Leben lang mit »Ah, Sie sind Schneeschaufler« ange&#246;det werden m&#246;chte.“</em></p>
<div class="bildrechts">
<img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Kosmiker.jpg" width="171" height="122" alt="" title="Schwabinger Bohème: die Kosmiker" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Auch Teil der Schwabinger Bohème:<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;die Kosmiker um Karl Wolfskehl,<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;mit dem Fanny befreundet war</small></div>
<p>Die innere Zerrissenheit pr&#228;gte die schrift- stellerische T&#228;tigkeit der „Schwabinger Gr&#228;fin“, wie man sie bald nach ihrer Ankunft in M&#252;nchen nennen sollte. Und doch konnte sie nicht anders als schreiben, das Schwabinger Umfeld lie&#223; ihr keine andere Wahl. Aus Schwabing wird bei Fanny von Reventlow <em>„Wahnmoching“</em> und ihr Roman <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=herrn+dames">Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkw&#252;r- digen Stadtteil</a></strong></em> von 1913 pr&#228;gt das Bild, das wir uns von diesem mythischen Ort machen, bis heute. Das ist ein Verdienst der Gr&#228;fin: das Milieu plastisch gemacht zu haben, in dem <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=erich+muehsam">Erich M&#252;hsam</a> (in den <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=muehsam&#038;title=erinnerungen+unpolitischen">Unpolitischen Erinnerungen</a></em>) folgende Gruppen verortete:<em> „Maler, Bildhauer, Dichter, Modelle, Nichtstuer, Philosophen, Religionsstifter, Umst&#252;rzler, Erneuerer, Sexualethiker, Psychoanalytiker, Musiker, Architekten, Kunstgewerblerinnen, entlaufene h&#246;here T&#246;chter, ewige Studenten, Flei&#223;ige und Faule, Lebensgierige und Lebensm&#252;de, Wildgelockte und adrett Gescheitelte.“</em></p>
<p>Das Problematische an Fanny Reventlow, und das pr&#228;gt die Rezeptionsgeschichte ihres Werkes bis heute, ist das Vers&#228;umnis einer notwendigen Trennung von Biographie und Werk. So gibt es kaum eine Passage in ihren Romanen, die nicht autobiographisch gelesen worden ist, auch wenn sich f&#252;r entsprechende Deutungen gar keine Belege finden lie&#223;en. Zu faszinierend scheint das in jeder Hinsicht freiz&#252;gige Leben dieser Frau in einer m&#228;nnlich dominierten Gesellschaft auch Jahre sp&#228;ter noch gewesen zu sein. </p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/33015019.jpg" width="107" height="180" alt="" title="Erh&#228;ltlich im Antiquariat Gabriele Klara in Hamburg" /></div>
<p>Nat&#252;rlich ist die Funktion von <em>Herrn Dame</em> als Schl&#252;sselroman &#252;ber die Schwabinger Bohème daran nicht ganz unschuldig, doch wenn man sich von dieser Perspektive frei macht, l&#228;sst sich gerade an diesem Werk auch ablesen, dass sich Reventlows Werk literarisch weiterentwickelt hat. Anders als in ihrem Debut <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=olestjerne">Ellen Olestjerne</a></strong></em> (1903) oder den Amouresken<em> <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=paul+pedro">Von Paul zu Pedro</a></strong></em> (1912) setzt sie in<em> Herrn Dame</em> nur ein Jahr sp&#228;ter erstmals gezielt verschiedene Stilmittel ein. Die erz&#228;hlte Zeit wird gerafft und Dinge werden ausgespart, so dass der typische Lebensstil der Bohème sich in der Erz&#228;hlweise widerspiegelt.</p>
<p>Reventlows Funktion als Chronistin und Bindeglied des gro&#223;en Schwabinger Kreises von K&#252;nstlern hat auch Kritiker auf den Plan gerufen. So karikiert etwa <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=oscar+schmitz">Oscar A.H. Schmitz</a> sie in <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=schmitz&#038;title=wenn+wir+frauen+erwachen">Wenn wir Frauen erwachen</a></em> (1912) recht b&#246;se und schrieb &#252;ber Fanny in sein Tagebuch: <em>„Sie hat es immer dumm gemacht, bald hier, bald dort was gemacht.“</em></p>
<p>F&#252;r die Zeitgenossen mag die Pers&#246;nlichkeit Fanny zu Reventlow Ansto&#223; zu mancher Kritik gegeben haben, f&#252;r uns heutige bietet ihr Werk eine faszinierende Gelegenheit, das Lebensgef&#252;hl der Jahrhundertwende heraufzubeschw&#246;ren. Daf&#252;r darf man ihr dankbar sein.</p>
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<h3>Fanny Gr&#228;fin von Reventlow im ZVAB (Auswahl):</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=olestjerne">Ellen Olestjerne</a> (1903)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=paul+pedro">Von Paul zu Pedro</a> (1912)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=herrn+dames">Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkw&#252;rdigen Stadtteil</a> (1913)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=geldkomplex">Der Geldkomplex</a> (1916)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=logierhaus">Das Logierhaus zur schwankenden Weltkugel und andere Novellen</a> (1917)</p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=gesammelte+werke+bande">Gesammelte Werke in einem Bande</a> (1925 posthum herausgegeben von Else Reventlow)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=briefe">Briefe</a> (1928/29 posthum herausgegeben von Else Reventlow)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=tagebuecher">Tageb&#252;cher 1895-1910</a> (1971 posthum herausgegeben von Else Reventlow)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=allerjuengste+gericht">Das allerj&#252;ngste Gericht. Erz&#228;hlungen, Skizzen und Amouresken</a> (1989 posthum)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=reventlow&#038;title=selbstmordverein">Der Selbstmordverein. Zwei kleine Romane und drei Aufs&#228;tze</a> (1991 posthum)
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		</item>
		<item>
		<title>Entartung, L&#252;gen und Krankheit – Max Nordau oder: Der andere Blick auf die Jahrhundertwende</title>
		<link>http://blog.zvab.com/2010/08/31/entartung-luegen-und-krankheit-max-nordau-oder-der-andere-blick-auf-die-jahrhundertwende/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 10:36:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carsten Tergast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
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		<category><![CDATA[Avantgarde]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn eines die Zeit des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts kennzeichnet, dann wohl die Gleichzeitigkeit so vieler unterschiedlicher Gedanken, Weltanschauungen und politischer wie k&#252;nstlerischer &#220;berzeugungen und Richtungen. Da konnte einer als Jude geboren werden, sich mit Leib und Seele und sogar mit einer Namens&#228;nderung davon lossagen, und schlie&#223;lich doch noch zu einem der Vork&#228;mpfer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn eines die Zeit des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts kennzeichnet, dann wohl die Gleichzeitigkeit so vieler unterschiedlicher Gedanken, Weltanschauungen und politischer wie k&#252;nstlerischer &#220;berzeugungen und Richtungen. Da konnte einer als Jude geboren werden, sich mit Leib und Seele und sogar mit einer Namens&#228;nderung davon lossagen, und schlie&#223;lich doch noch zu einem der Vork&#228;mpfer der zionistischen Bewegung an der Seite <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=theodor+herzl">Theodor Herzls</a> werden. Und dieser eine konnte in der Zwischenzeit ein literarisches und kritisches Werk schaffen, das – wenngleich nicht intentional – den aufkeimenden faschistischen Bewegungen in die Karten spielte.<span id="more-4438"></span></p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Max_Nordau.jpg" width="142" height="200" alt="" title="" /><br /><small>Max Nordau</small></div>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=simon+suedfeld">Simon Maximilian S&#252;dfeld</a> legte im April 1873 seinen Geburtsnamen ab und nannte sich fortan <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=max+nordau"><strong>Max Nordau</strong></a>. Dieser Moment war f&#252;r ihn in mehrfacher Hinsicht ein Ende und ein Neubeginn. Sein Vater Gabriel (der Rabbiner war und die Namens&#228;nderung wohl kaum gut gehei&#223;en h&#228;tte) war gestorben, sein Medizinstudium in der ungarischen Heimatstadt Pest, die noch im selben Jahr mit den Nachbarst&#228;dten Buda und Óbuda zur Landeshauptstadt Budapest zusammengelegt wurde, beendet. Der ungarische Jude S&#252;dfeld alias Nordau zog nach Paris, wo er fortan seinen Lebensmittelpunkt haben und sich einen Namen machen sollte.</p>
<p>In Paris arbeitete Nordau als Mediziner, baute sich jedoch gleichzeitig eine Karriere als Journalist und Schriftsteller auf. Als Korrespondent arbeitete er vor allem f&#252;r die Berliner <em>Vossische Zeitung</em>, aber auch f&#252;r die Wiener <em>Neue Freie Presse</em> und f&#252;r <em>La Nación</em> aus Buenos Aires.</p>
<p>Sein medizinisches Studium und seine T&#228;tigkeit als Arzt hatten Nordau zu einem absoluten Verfechter des naturwissenschaftlichen Vorgehens werden lassen. Der Darwinismus und der franz&#246;sische Positivismus waren die Grundlagen seines Denkens, und diese Ausrichtung f&#252;hrte wie bei so vielen seiner Zeitgenossen zu einer Idealisierung des realistischen und naturalistischen Elements in Literatur und Kunst. Mit den avantgardistischen Werken der Jahrhundertwende konnte Nordau dementsprechend wenig anfangen, und so kam es zu einer der meistdiskutierten Schriften des Fin de siècle, einer Art Psychopathologie der Jahrhundertwende und ihrer Zeitstimmung, die nach Nordau  <em>„eine seltsam wirre, aus fieberhafter Rastlosigkeit und stumpfer Entmuthigung“</em>  ist. <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=nordau&#038;title=entartung">Entartung </a></em></strong>hei&#223;t dieses 1893 erschienene Buch, das in einem Rundumschlag von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=charles+baudelaire">Baudelaire </a>bis <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=oscar+wilde">Wilde </a>alles Literarische verdammt, das die soziale Realit&#228;t nicht im Rahmen eines quasi wissenschaftlichen Vorgang thematisiert.</p>
<p>Nordau hatte dieses Werk mit anderen vorbereitet, auch im belletristischen Feld. <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=nordau&#038;title=krankheit+jahrhunderts">Die Krankheit des Jahrhunderts</a></strong></em> hei&#223;t ein Roman von 1889, dessen Hauptfigur Wilhelm Eynhardt als ein typischer „Décadent“ gezeichnet ist, der dem t&#228;tigen b&#252;rgerlichen Leben immer wieder zu entfliehen versteht. &#196;hnliche Figuren treten in der Novellensammlung <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=nordau&#038;title=seelenanalysen">Seelenanalysen </a></strong></em>von 1892 auf. Einige Jahre vorher waren mit <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=nordau&#038;title=conventionellen+luegen">Die conventionellen L&#252;gen der Menschheit</a></em></strong> (1883) und <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=nordau&#038;title=paradoxe">Paradoxe </a></strong></em>(1885) bereits zwei Essayb&#228;nde erschienen, die ebenfalls die in <em>Entartung </em>ge&#228;u&#223;erten Ansichten vordachten.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/blom_cover.gr.jpg" width="156" height="240" alt="" title="Philipp Blom: Der taumelnde Kontinent" /></div>
<p>Nordaus Werk l&#228;sst sich heute nur noch auf einer Metaebene lesen, als Kommentar zu einer Epoche, deren zentrale Nervenstr&#228;nge in so viele verschiedene Richtungen verlie- fen, dass sich die Menschheit selbst abhan- den kam und in der gro&#223;en Katastrophe der j&#252;ngeren Geschichte landete. Nicht umsonst spricht der Historiker <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=philipp+blom">Philipp Blom </a>in seinem gro&#223;artigen gleichnamigen Buch vom <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=blom&#038;title=taumelnde+kontinent"><em>„taumelnden Kontinent“</em></a> und meint damit das Europa der Jahrhundertwende, in dem Nordaus Ansichten ebenso berechtigt erschienen wie die seiner &#228;rgsten Gegner.<br />
Es gilt: Wer wissen will, wieso wir heute wieder in einer nerv&#246;sen Zeit leben, die wild zwischen Fortschrittsgl&#228;ubigkeit und esoterischen Fluchtbewegungen oszilliert, sollte sowohl Baudelaire und Wilde als auch Nordau gelesen haben. Denn nur bei einer auch die Extreme einschlie&#223;enden R&#252;ckschau wird klar, warum das Leben nie so einfach ist, wie die gro&#223;en Vereinfacher es gerne h&#228;tten, sondern viel komplizierter, als es sich selbst die gr&#246;&#223;ten Verkomplizierer ausmalen.</p>
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<h3>Weitere Literatur zum Thema (Auswahl):</h3>
<p><strong>zu Max Nordau:</strong><br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=melanie+murphy&#038;title=max+nordau">Melanie A. Murphy: Max Nordau&#8217;s Fin-de-Siècle Romance of Race</a> (2007)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=christoph+schulte&#038;title=psychopathologie+nordau">Christoph Schulte: Psychopathologie des Fin de siècle : der Kulturkritiker, Arzt und Zionist Max Nordau</a> (1997)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=petra+zudrell&#038;title=nordau">Petra Zudrell: Der Kulturkritiker und Schriftsteller Max Nordau &#8211; Zwischen Zionismus, Deutschtum und Judentum </a>(2003)</p>
<p><strong>zum Begriff „Entartung“:</strong><br />
Céline Kaiser: Rhetorik der Entartung. Max Nordau und die Sprache der Verletzung (2007)<br />
Andrea Kottow: Der kranke Mann. Zu den Dichotomien Krankheit/Gesundheit und Weiblichkeit/M&#228;nnlichkeit in Texten um 1900 (2006, darin besonders Kapitel 6: Die Verschr&#228;nkung von ‚Moral, Medizin und &#196;sthetik’ in Max Nordaus <em>Entartung</em>)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=leuschner+udo&#038;title=entfremdung">Udo Leuschner: Entfremdung, Neurose, Ideologie. Eine Studie &#252;ber Psychoanalyse und die Entfremdungs-Theorie von Karl Marx</a> (1990, darin insbesondere das Kapitel zum Thema Entartung, vgl. auch <a href="http://www.leuschner.business.t-online.de/nordau/entartung1.htm">http://www.leuschner.business.t-online.de/nordau/entartung1.htm</a>)</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Alles andere als ein Durchschnittstalent: der vielschichtige Literat Walter Hasenclever</title>
		<link>http://blog.zvab.com/2010/06/07/alles-andere-als-ein-durchschnittstalent-der-vielschichtige-literat-walter-hasenclever/</link>
		<comments>http://blog.zvab.com/2010/06/07/alles-andere-als-ein-durchschnittstalent-der-vielschichtige-literat-walter-hasenclever/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 10:26:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carsten Tergast</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Paris]]></category>
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		<category><![CDATA[Selbstmord]]></category>

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		<description><![CDATA[Als 1912 die Einrichtung des Kleistpreises beschlossen wurde, entschied man sich bewusst gegen eine Mehrheitsentscheidung bei der Preisvergabe. Ein einzelner „Vertrauensmann“ sollte den Preistr&#228;ger benennen, zur Begr&#252;ndung dieses Vorgehens hie&#223; es: Der Kleistpreis soll neue und ungew&#246;hnliche Begabungen unterst&#252;tzen. Mehrheiten entscheiden sich f&#252;r das Durchschnittstalent, das es allen recht macht. Nur ein einzelner kann sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als 1912 die Einrichtung des Kleistpreises beschlossen wurde, entschied man sich bewusst gegen eine Mehrheitsentscheidung bei der Preisvergabe. Ein einzelner „Vertrauensmann“ sollte den Preistr&#228;ger benennen, zur Begr&#252;ndung dieses Vorgehens hie&#223; es:</p>
<blockquote><p>Der Kleistpreis soll neue und ungew&#246;hnliche Begabungen unterst&#252;tzen. Mehrheiten entscheiden sich f&#252;r das Durchschnittstalent, das es allen recht macht. Nur ein einzelner kann sich r&#252;cksichtslos f&#252;r das Au&#223;erordentliche einsetzen.</p></blockquote>
<p><span id="more-4076"></span></p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Hasenclever3.jpg" width="145" height="150" alt="" title="" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Walter Hasenclever</small></div>
<p>1917 war es der Vertrauensmann <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=bernhard+kellermann">Bernhard Kellermann</a>, der sich f&#252;r einen Preistr&#228;ger entschied, den der im dritten Jahr tobende Krieg gerade wie so viele um ihn herum vom Bef&#252;rworter des Waffengangs zum gl&#252;henden Pazifisten gemacht hatte: <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=walter+hasenclever">Walter Hasen- clever </a></strong>wurde mit diesem vielleicht wichtigsten Preis jener Zeit ausgezeichnet und bekam damit ein St&#252;ck &#246;ffentliche Anerkennung f&#252;r ein Werk, das in vielerlei Hinsicht exemplarisch war f&#252;r die literarische Produktion des Expressionismus der fr&#252;hen Jahre.</p>
<p>1910 war der 20-j&#228;hrige Hasenclever nach Leipzig gekommen, um sein Jurastudium (das hinter den Kulissen eher ein Literaturstudium war) fortzusetzen, und kam dort in Ber&#252;hrung mit wichtigen Gr&#246;&#223;en des literarischen Lebens wie <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kurt+pinthus">Kurt Pinthus</a> oder auch <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=franz+werfel">Franz Werfel</a>. Schnell fand er Zugang zu den Kreisen, in denen die expressionistische Bewegung keimte, und entwickelte dort selbst eine erstaunliche Produktivit&#228;t. Hatten die fr&#252;hen Werke <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=nirwana+kritik+lebens">Nirwana. Eine Kritik des Lebens in Dramaform</a></strong></em> und <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=staedte+naechte+menschen">St&#228;dte, N&#228;chte und Menschen </a></em></strong>noch sp&#252;ren lassen, dass Hasenclever sich von einer als sehr ungl&#252;cklich erlebten Jugend freischreiben musste, so entstanden in den nun folgenden Leipziger Jahren einige seiner zentralen Texte.<br />
Die Dramen <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=sohn">Der Sohn</a></strong></em> und <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=antigone">Antigone </a></strong></em>(welches ma&#223;geblich f&#252;r die Verleihung des Kleist-Preises war) sind hier zu nennen, sowie der Gedichtband <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=juengling">Der J&#252;ngling</a></strong></em>. Hasenclevers Lyrik l&#228;sst <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=rainer+maria+rilke">Rilke </a>und die Neuromantik als stilbildende Momente erahnen, seine Dramatik orientiert sich nicht unwesentlich an <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=henrik+ibsen">Ibsen</a>. Doch Hasenclever schafft es, allem einen unverwechselbaren Ton zu verleihen, der seine Werke &#252;ber jene eines „Durchschnittstalents“ erhebt.</p>
<p>Nach dem Krieg lebt Hasenclever einige Jahre in Dresden; es entstehen weitere dramatische und lyrische Werke sowie mit <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=pest">Die Pest</a></strong></em> <em>„der erste Filmtext, der in Buchform gedruckt wurde“</em>, der allerdings nie verfilmt worden ist. Die Besch&#228;ftigung mit diesem neuen Medium aber sollte Hasenclever noch viele Jahre begleiten, zu Beginn der 1930er-Jahre schrieb er sogar Drehb&#252;cher f&#252;r die „g&#246;ttliche“ Greta Garbo. </p>
<p>1924 beginnt f&#252;r den Dichter ein neues Leben: Es zieht ihn nach Paris. Er bestreitet seinen Lebensunterhalt mit journalistischen Arbeiten, u.a. f&#252;r das Berliner <em>8 Uhr-Abendblatt</em>. 1926 entsteht das Drama <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=mord">Mord</a></strong></em>, in dem Hasenclever endg&#252;ltig mit dem Expressionismus bricht. Er wandelt sich zum Kom&#246;diendichter, wird auf deutschen B&#252;hnen oft und gerne gespielt. Seine St&#252;cke leben von der Kunst des Dialogs, die Handlung tritt der Sprachkunst gegen&#252;ber oft ein wenig in den Hintergrund: Hasenclevers Dramen entwickeln ihren Bedeutungsgehalt immer aus den Gespr&#228;chen der Figuren.</p>
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<img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Hasenclever2.jpg" width="132" height="190" alt="" title="" /></div>
<p>Bis 1930 bleibt Hasenclever in Paris, dann kehrt er nach Berlin zur&#252;ck, wirkt aber auch als Drehbuchautor in Hollywood. Schlie&#223;lich beginnt mit dem Aufmarsch der braunen Horden in seiner Heimat und seinem unvermeidlichen Gang ins Exil auch f&#252;r ihn die schwierigste Zeit seines Lebens, die er nach sieben Jahren 1940 mit dem Selbstmord in einem franz&#246;sischen Internierungslager beendet. Literarisch wendet sich der sp&#228;te Hasenclever verst&#228;rkt der Prosa zu, es entstehen <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=irrtum+leidenschaft">Irrtum und Leidenschaft</a></strong></em> sowie <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=rechtlosen">Die Rechtlosen</a></strong></em>, ein autobiographischer Roman, der 1939 in Gefangenschaft entsteht und auf ersch&#252;tternde Weise das Emigrantenleben in Frankreich thematisiert.</p>
<p>Hasenclevers Werk ist vielschichtig; in seinem Denken und Schaffen zeigt sich der Autor als in stetem, an den Zeitl&#228;uften orientiertem Wandel begriffen. Diese Tatsache macht eine Besch&#228;ftigung mit den Texten dieses vergessenen Dichters so wertvoll.</p>
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<h3>Werke von Walter Hasenclever (Auswahl)</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=nirwana">Nirwana. Eine Kritik des Lebens in Dramaform </a>(1909)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=staedte+naechte">St&#228;dte, N&#228;chte, Menschen</a> (1910)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=unendliche+gespraech">Das unendliche Gespr&#228;ch. Eine n&#228;chtliche Szene</a> (1913)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=juengling">Der J&#252;ngling</a> (1913)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=sohn">Der Sohn</a> (1914)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=retter">Der Retter</a> (1916)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=antigone">Antigone </a>(1917)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=tod+auferstehung">Tod und Auferstehung</a> (1917)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever+walter&#038;title=menschen">Die Menschen</a> (1918)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=politische+dichter">Der politische Dichter</a> (1919)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=entscheidung">Die Entscheidung </a>(1919)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=jenseits">Jenseits </a>(1920)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=pest">Die Pest. Ein Film</a> (1920)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=gedichte+frauen">Gedichte an Frauen</a> (1922)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=gobseck">Gobseck </a>(1922)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=mord">Mord. Ein St&#252;ck in zwei Teilen </a>(1926)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=besserer+herr">Ein besserer Herr. Lustspiel in zwei Teilen</a> (1927)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=ehen+himmel">Ehen werden im Himmel geschlossen</a> (1929)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=napoleon">Napoleon greift ein. Ein Abenteuer in sieben Bildern</a> (1930)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=muenchhausen">M&#252;nchhausen </a>(1934)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=irrtum+leidenschaft">Irrtum und Leidenschaft. Erziehung durch Frauen </a>(1969 aus dem Nachlass ver&#246;ffentlicht)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hasenclever&#038;title=rechtlosen">Die Rechtlosen</a> (1963 aus dem Nachlass ver&#246;ffentlicht)
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		<title>Eine Mischung aus Kant und Chaplin</title>
		<link>http://blog.zvab.com/2010/03/15/eine-mischung-aus-kant-und-chaplin/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 10:58:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carsten Tergast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zu gut zum Vergessen]]></category>
		<category><![CDATA[Anonymus]]></category>
		<category><![CDATA[Carsten Tergast]]></category>
		<category><![CDATA[Chaplin]]></category>
		<category><![CDATA[Dada]]></category>
		<category><![CDATA[Exil]]></category>
		<category><![CDATA[Expressionismus]]></category>
		<category><![CDATA[Friedländer]]></category>
		<category><![CDATA[Kant]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Mynona]]></category>
		<category><![CDATA[philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Anonymus ist ein immer wieder gerne benutztes Pseudonym, wenn der Verfasser eines Textes – aus welchem Grund auch immer – nicht erkannt werden will. Dass einer das irgendwie langweilig findet, das W&#246;rtchen &#8220;anonym&#8221; einfach umdreht und dann als Mynona Literaturgeschichte schreibt, ist allerdings einzigartig. So einzigartig, wie eben die ganze Pers&#246;nlichkeit und das literarische Schaffen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildlinks"><a href="http://www.zvab.com/displayBookImage.do?itemId=86321482&#038;b=1"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/mynona_brautbett.jpg" width="125" height="190" alt="" title="" /></a></div>
<p>Anonymus ist ein immer wieder gerne benutztes Pseudonym, wenn der Verfasser eines Textes –  aus welchem Grund auch immer – nicht erkannt werden will. Dass einer das irgendwie langweilig findet, das W&#246;rtchen &#8220;anonym&#8221; einfach umdreht und dann als <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona">Mynona </a></strong>Literaturgeschichte schreibt, ist allerdings einzigartig.<br />
<span id="more-3752"></span><br />
So einzigartig, wie eben die ganze Pers&#246;nlichkeit und das literarische Schaffen Mynonas waren, der am 4. Mai 1871 als <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=samuel+friedlaender"><strong>Samuel Friedl&#228;nder</strong></a> (auch <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=salomo+friedlaender">Salomo Friedlaender</a>) in Posen geboren wurde. Im Anschluss an die beh&#252;tete Kindheit als Sohn einer Arztfamilie deutet zun&#228;chst nichts darauf hin, dass aus dem Jungen ein avantgardistischer Dichter werden k&#246;nnte. Der naheliegende Weg wird eingeschlagen, auf die Aufnahme eines allgemeinmedizinischen Studiums in M&#252;nchen folgt bald der doppelte Wechsel: von M&#252;nchen nach Berlin, von der Allgemeinmedizin zur Zahnheilkunde.</p>
<p>Wie man von dort zu spekulativer Philosophie, alter Geschichte und Arch&#228;ologie kommt, wird vermutlich Friedl&#228;nders Geheimnis bleiben. Die Philosophie jedenfalls packt ihn besonders, und 1902 promoviert er in Jena mit einer Arbeit &#252;ber <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=schopenhauer">Schopenhauers </a>Verh&#228;ltnis zu <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=immanuel+kant">Kants </a><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=kant&#038;title=kritik+reinen+vernunft">Kritik der reinen Vernunft</a></em>.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/gedenktafel.jpg" width="180" height="96" alt="" title="" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gedenktafel in der Berliner<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johann-Georg-Stra&#223;e</small></div>
<p>Berlin wird schlie&#223;lich die Stadt, in der aus Samuel Friedl&#228;nder Mynona wird.<br />
Ab 1906 lebt er wieder dort und kn&#252;pft zahlreiche Kontakte zu Geistesgr&#246;&#223;en seiner Zeit, darunter so illustre Pers&#246;n- lichkeiten wie <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=alfred+kubin">Alfred Kubin</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=erich+muehsam">Erich M&#252;h- sam</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=else+lasker+schueler">Else Lasker-Sch&#252;ler</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=martin+buber">Martin Buber</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=georg+simmel">Georg Simmel</a> oder <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=herwarth+walden">Herwarth Walden</a>. Durch die Bekanntschaft mit <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=raoul+hausmann">Raoul Hausmann</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hannah+hoech">Hannah H&#246;ch</a> und anderen Vorreitern der Bewegung entwickelt er in seinem literarischen Schaffen deutliche dadaistische Tendenzen, mischt diese mit expressionistischen Ausdrucksformen und bringt eine Vielzahl an Grotesken hervor, die auf geniale Weise sein parallel entstehendes philosophisches Werk illustrieren.</p>
<p>Gerade diese Doppelexistenz ist es, die Mynona einzigartig macht, einzigartig in einer Zeit, die an individualistischen Tendenzen und bemerkenswerten K&#252;nstlern wahrhaftig nicht arm war. Er selbst ist sich dieser Tatsache sehr wohl bewusst und artikuliert sie in einem Brief an den Verleger Kurt Wolff mit den Worten: <em>„Ich behaupte k&#252;hnlich, da&#223; ich zur Zeit der einzige bin, der eine gewisse Synthese aus Kant und Clown (Chaplin) darstellt.“</em></p>
<p>Eine Mischung aus Immanuel Kant, dem S&#228;ulenheiligen der deutschen Philosophie, und Charlie Chaplin, der Ikone des clownesken Auftritts? Darauf muss man erstmal kommen, doch Friedl&#228;nder lag wohl richtig mit dieser Einsch&#228;tzung seiner Existenz. Wie unbek&#252;mmert und ansprechend er literarisches Schaffen mit philosophischer Theorie verbindet, zeigt der 1922 entstandene Roman <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=graue+magie"><em>Graue Magie</em></a></strong>. In seine muntere Mixtur aus unterschiedlichsten literarischen Formen von der Groteske bis zum Krimi verpackt Mynona nicht nur spitzz&#252;ngige Darstellungen mancher Zeitgenossen wie <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=oswald+spengler">Oswald Spengler </a>oder dem Hellseher Hanussen, sondern integriert auch die philosophischen Theorien seines Lehrers <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ernst+marcus">Ernst Marcus</a> sowie Kantsche Ans&#228;tze.</p>
<p>&#220;ber 250 literarische Texte entstehen im Laufe der Zeit neben den philosophischen Abhandlungen, ein Teil davon erscheint in der von Friedl&#228;nder selbst herausgegebenen Zeitschrift<em> <strong>Der Einzige</strong></em>, die in Titel und Ausrichtung die Individualphilosophie aufgreift, die <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=max+stirner">Max Stirner</a> in seinem Hauptwerk <em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=stirner&#038;title=einzige+eigentum">Der Einzige und sein Eigentum</a></em> formuliert hatte.</p>
<div class="bildlinks">
<div class="bildlinks"><a href="http://www.zvab.com/displayBookImage.do?itemId=98609902&#038;b=1"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/mynona_katechismus.jpg" width="119" height="170" alt="" title="" /></a></div>
</div>
<p>Die Novelle <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=biblianthropen">Biblianthropen </a></strong></em>wird zwar 1933 noch mit einem von der Gesellschaft der Bibliophilen ausgelobten Preis bedacht, sorgt jedoch auch daf&#252;r, dass Friedl&#228;nder sich zur Flucht nach Paris gen&#246;tigt sieht. Denn der Druckereibesitzer hatte <em>„verschiedene Anst&#246;&#223;igkeiten“</em> des Textes zum Anlass genommen, Mynona mit Denunziation bei den neuen Herren(menschen) in Deutschland zu drohen.</p>
<p>Friedl&#228;nder &#252;bersteht die Naziherrschaft und den Krieg im Exil. Seine schriftstellerische Produktivit&#228;t allerdings l&#228;sst rapide nach, bereits 1935 erscheint in einem Pariser Verlag das zu Lebzeiten letzte belletristische Werk, die Sammlung <em><strong>Der lachende Hiob und andere Grotesken</strong></em>. Stattdessen widmet sich Friedl&#228;nder in dieser Zeit der Weiterentwicklung seiner philosophischen Theorie, die schlie&#223;lich im von ihm selbst als sein wichtigstes betrachteten Werk <em><strong>Das magische Ich</strong></em> (2001 posthum ver&#246;ffentlicht) ihren vollendeten Ausdruck findet.</p>
<p>Nur ein Jahr nach Kriegsende stirbt Samuel Friedl&#228;nder alias Mynona in Paris. Ihn zu lesen ist ein Vergn&#252;gen – allein das lohnt die Lekt&#252;re. Und wer sich die M&#252;he macht, dazu noch die philosophische Erkenntnis nachzuvollziehen, die das Werk durchzieht, wird doppelt belohnt von diesem einzigen Anonymus, der Mynona hei&#223;t.</p>
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<h3>Mynona im ZVAB (Auswahl):</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=psychologie+lehre">Psychologie. Die Lehre von der Seele</a> (1907)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=friedlaender&#038;title=blaue+schleier">Durch blaue Schleier. Gedichte</a> (1908, unter dem Namen Salomo Friedl&#228;nder)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=nietzsche">Friedrich Nietzsche. Eine intellektuale Biographie</a> (1911)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=schwarz">Schwarz-Wei&#223;-Rot. Grotesken</a> (1916)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=bank+spoetter">Die Bank der Sp&#246;tter. Ein Unroman</a> (1919)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=schoepfer">Der Sch&#246;pfer. Phantasie </a>(1920)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=graue+magie">Graue Magie. Berliner Nachschl&#252;sselroman</a> (1922)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=mynona&#038;title=remarque">Hat Erich Maria Remarque wirklich gelebt? Der Mann. Das Werk. Der Genius. 1000 Worte Remarque</a> (1929)<br />
Der lachende Hiob und andere Grotesken (1935)<br />
Das magische Ich. Elemente des kritischen Polarismus (2001 aus dem Nachlass)
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		</item>
		<item>
		<title>So genial wie ma&#223;los – Hans Henny Jahnn, der gro&#223;e Au&#223;enseiter in der deutschen Literatur</title>
		<link>http://blog.zvab.com/2009/11/30/so-genial-wie-masslos-hans-henny-jahnn-der-grosse-aussenseiter-in-der-deutschen-literatur/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Nov 2009 10:03:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carsten Tergast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zu gut zum Vergessen]]></category>
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		<category><![CDATA[Tragödie]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einiger Zeit war der Dichter Oskar Loerke Gegenstand dieser Kolumne, die der W&#252;rdigung fast vergessener Autoren gewidmet ist (hier geht&#8217;s zur Kolumne &#252;ber Oskar Loerke). Doch Loerke schrieb nicht nur selbst, er goutierte auch, was andere schrieben, und &#252;berreichte sogar Preise daf&#252;r. So beispielsweise im Jahr 1920, als der nicht gerade unwichtige Kleist-Preis f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildlinks"><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=fluss+ohne+ufer"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/jahnn2.jpg" width="112" height="180" alt="Hans Henny Jahnn - Flu&#223; ohne Ufer" title="Hans Henny Jahnn - Flu&#223; ohne Ufer" /></a></div>
<p>Vor einiger Zeit war der Dichter <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=oskar+loerke">Oskar Loerke</a> Gegenstand dieser Kolumne, die der W&#252;rdigung fast vergessener Autoren gewidmet ist (hier geht&#8217;s zur <a href="http://blog.zvab.com/2008/06/30/formenstrenge-und-sprachmacht-oskar-loerke-als-lyrisches-vorbild/">Kolumne &#252;ber Oskar Loerke</a>). Doch Loerke schrieb nicht nur selbst, er goutierte auch, was andere schrieben, und &#252;berreichte sogar Preise daf&#252;r. So beispielsweise im Jahr 1920, als der nicht gerade unwichtige Kleist-Preis f&#252;r ein v&#246;llig unbekanntes Buch eines v&#246;llig unbekannten Schriftstellers verliehen wurde. Das Buch hie&#223; <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=pastor+magnus">Pastor Ephraim Magnus</a></strong></em>, der Autor <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hans+henny+jahnn"><strong>Hans Henny Jahnn</strong></a>.<br />
<span id="more-3079"></span></p>
<p>Geschrieben hatte Jahnn das preisgekr&#246;nte Drama, das vom Rezensenten Julius Bab als <em>„Ausbruch des Wahnsinns“</em>, dem der Verbleib im <em>„Giftschrank der Menschheit“</em> zu w&#252;nschen sei, bezeichnet wurde, bereits in den Jahren 1916/1917, als er sich gemeinsam mit seinem Freund und ehemaligen Mitsch&#252;ler, dem sp&#228;teren Musikschriftsteller <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=gottlieb+harms">Gottlieb Friedrich Harms</a>, in Norwegen befand. Harms, mit dem Jahnn eine homoerotische Beziehung verband, war w&#228;hrend des Ersten Weltkriegs mit ihm in das skandinavische Land emigriert, um sich der drohenden Einberufung zu entziehen. Die Liebe zwischen den beiden M&#228;nnern, die weder von der einen noch von der anderen Familie akzeptiert wurde, gilt bis heute als Schl&#252;ssel zur Interpretation des Lebenswerkes von Hans Henny Jahnn.</p>
<p>Das Leben, das dieses Werk hervorbringen sollte, begann kurz vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1894 vor den Toren Hamburgs, im heutigen Stadtteil Stellingen. Vom Vater, einem Schiffstischler, erbte der Sohn den Sinn f&#252;r Genauigkeit, f&#252;r die Pr&#228;zision des – in seinem Falle schriftstellerischen – Handwerks. </p>
<p>In Norwegen reifte Jahnn langsam zum ernst zu nehmenden Dichter heran, der auf der Basis einer zutiefst heidnisch-antichristlichen Einstellung in seinen Werken mit der g&#228;ngigen Kultur und den sie gestaltenden Menschen abrechnete. Gemeinsam mit Gottlieb Harms schmiedete er hochtrabende Pl&#228;ne f&#252;r kultisch-archaische Bauten, die nie umgesetzt wurden. Sie sollten zum Lebensraum der kultischen Gemeinschaft Ugrino werden, die die beiden Liebenden nach ihrer R&#252;ckkehr in Eckel am Nordrand der L&#252;neburger Heide gemeinsam mit dem Bildhauer Franz Buse gr&#252;ndeten. Realisiert haben sie dort immerhin den Ugrino-Verlag f&#252;r die Musik barocker und vorbarocker Komponisten, der die Gesamtausgaben von Arnolt Schlick, Samuel Scheidt, Claudio Merulo oder auch Dietrich Buxtehude publiziert hat. Spuren dieser Verlegert&#228;tigkeit finden sich auch in Jahnns literarischem Schaffen wieder, wenn etwa die mehrstimmige Musik jener Komponisten als Medium der Erinnerung eingesetzt wird.</p>
<p>Obwohl die Liebe zu Gottlieb Harms gro&#223; und sehr tiefgehend gewesen sein muss – nicht umsonst sind beide auf dem Friedhof Nienstedten nebeneinander bestattet –, ging Jahnn im Jahr 1926 die Ehe mit Ellinor Philips ein, die ebenfalls in Eckel gewohnt hatte, und zog mit ihr zur&#252;ck nach Hamburg. Ein &#246;ffentliches Bekenntnis zu seiner Homosexualit&#228;t ist ihm bis zu seinem Tode nie &#252;ber die Lippen gekommen.</p>
<div class="bildrechts"><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=Jahnn&#038;title=Perrudja"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/jahnn1.jpg" width="120" height="180" alt="Hans Henny Jahnn - Perrudja" title="Hans Henny Jahnn - Perrudja" /></a></div>
<p>Nach der R&#252;ckkehr in die Hansestadt nimmt Jahnns dichterisches Schaffen richtig Fahrt auf. Der Roman <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=perrudja">Perrudja </a></strong></em>entsteht; er wird 1929 vollendet. Man hat seine epische Darstellungsweise in diesem und sp&#228;teren B&#252;chern mit jener <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=alfred+doeblin">Alfred D&#246;blins</a> und <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=james+joyce">James Joyce&#8217;</a> verglichen. Die Polyphonie, die Bildgewalt, die ungeb&#228;ndigte Sprachmacht suchen ihresgleichen. Wie auch in <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=fluss+ufer">Flu&#223; ohne Ufer</a></strong></em>, einer Trilogie, deren Entstehung sich &#252;ber viele Jahre hinzog, ist es hier vor allem die Urspr&#252;nglichkeit der Naturerfahrung, die den Menschen in Jahnns Denken und Schaffen immer wieder auf sich selbst, auf sein Ausgeliefertsein an nicht zu b&#228;ndigende M&#228;chte zur&#252;ckwirft.</p>
<p>Die Zeit des Nationalsozialismus bringt f&#252;r Jahnn wie f&#252;r so viele Kollegen einen Bruch im k&#252;nstlerischen Schaffen mit sich, wenngleich er sich nie dezidiert Exil-Kreisen angeschlossen oder offen gegen die Nazis opponiert hat. Diese misstrauten ihm, durchsuchten mehrfach seine Hamburger Wohnung, gingen jedoch nie direkt gegen den in der nationalsozialistischen Presse als „Kommunist“ und „Pornograph“ Geschm&#228;hten vor; selbst die Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer blieb bestehen. Die zw&#246;lf dunklen deutschen Jahre verbrachte Jahnn gr&#246;&#223;tenteils auf der zu D&#228;nemark geh&#246;renden Insel Bornholm; auch w&#228;hrend der deutschen Besatzung D&#228;nemarks gibt es f&#252;r ihn keinen Grund, zu fliehen.</p>
<p>Auf Bornholm entsteht auch das schon erw&#228;hnte Gro&#223;werk <em>Flu&#223; ohne Ufer</em>, das heute als Hauptwerk des eigenwilligen Dichters angesehen wird. Nach dem Krieg verl&#228;sst Jahnn Bornholm; es geht wieder zur&#252;ck nach Hamburg, wo der umtriebige Autor versucht, sich ins literarische Leben der jungen Bundesrepublik einzubringen. Er ist Mitglied im PEN sowie in mehreren Akademien, engagiert sich aber auch und vor allem in der Frage der atomaren Bedrohung der Menschheit, was sich in seinem unvollendeten Atomdrama <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=staubige">Die Tr&#252;mmer des Gewissens &#8211; Der staubige Regenbogen</a> </strong></em>(1961) widerspiegelt.</p>
<p>Jahnns literarisches Werk ist alles: gro&#223;artig, hermetisch, anspruchsvoll, mystisch, ma&#223;los, kenntnisreich. Vor allem hat es wohl zu allen Zeiten viele Leser &#252;berfordert und auch deshalb nie die Bedeutung zugesprochen bekommen, die ihm geb&#252;hrt. Gleichwohl vermag es bis heute und sicher auch in Zukunft die Leseerfahrung jedes ge&#252;bten Lesers zu bereichern.</p>
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<h3>Bibliographie (Auswahl)</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=pastor+magnus">Pastor Ephraim Magnus</a> (Drama, 1919)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=kroenung">Die Kr&#246;nung Richards III.</a> (Trag&#246;die, 1921)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=arzt+weib">Der Arzt / Sein Weib / Sein Sohn </a>(Drama, 1922)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=gestohlene+gott">Der gestohlene Gott</a> (Trag&#246;die, 1924)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=medea">Medea</a> (Trag&#246;die, 1926; 2. Fassung 1959)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=perrudja">Perrudja</a> (Roman, 1. Teil 1929, 2. Teil unvollendet)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=strassenecke">Stra&#223;enecke</a> (Drama, 1931)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=armut+reichtum">Armut, Reichtum, Mensch und Tier</a> (Drama, 1933; 2. Fassung 1948)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=fluss+ufer">Flu&#223; ohne Ufer</a> (Romantrilogie)<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;- <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=holzschiff">Das Holzschiff</a> (1949, &#252;berarbeitete Fassung 1959)<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;- <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=niederschrift+gustav">Die Niederschrift des Gustav Anias Horn<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;nachdem er neunundvierzig Jahre alt geworden war</a> (1949/50)<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;- <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=epilog+ufer">Epilog</a> (1961 aus dem Nachlass ver&#246;ffentlicht)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=nacht+blei">Die Nacht aus Blei</a> (Roman, 1956)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=spur+engels">Spur des dunklen Engels</a> (Drama, 1952)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=chatterton">Thomas Chatterton</a> (Trag&#246;die, 1955)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=gewissens">Die Tr&#252;mmer des Gewissens &#8211; Der staubige Regenbogen</a><br />
(Drama, 1961)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jahnn&#038;title=ugrino">Ugrino und Ingrabanien</a> (Romanfragment, 1968 aus dem Nachlass ver&#246;ffentlicht) </div>
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		<title>&#220;berzeugung und Tatkraft – Franz Jung</title>
		<link>http://blog.zvab.com/2009/09/29/ueberzeugung-und-tatkraft-franz-jung/</link>
		<comments>http://blog.zvab.com/2009/09/29/ueberzeugung-und-tatkraft-franz-jung/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 29 Sep 2009 15:12:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carsten Tergast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Zu gut zum Vergessen]]></category>
		<category><![CDATA[Aktion]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Rätekommunismus]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

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		<description><![CDATA[Beginnen wir mit einem Zitat: Ein Autor expressionistischer Prosa, Mitbegr&#252;nder von Dada Berlin. Kriegsfreiwilliger, Deserteur, linksradikaler Aktivist. Terrorist und H&#228;ftling – f&#252;nfmal im Gef&#228;ngnis, einmal im KZ, einmal zum Tod verurteilt. Promovierter Wirtschaftswissenschaftler, Fabrikdirektor in der Sowjetunion, B&#246;rsenkorrespondent, Unternehmer, M&#228;zen Brechts. S&#228;ufer; gelegentlich schwere Depressionen. Dreimal verheiratet. Lebte u.a. in Schlesien, M&#252;nchen, Berlin, Petrograd, Wien, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beginnen wir mit einem Zitat:</p>
<blockquote><p>Ein Autor expressionistischer Prosa, Mitbegr&#252;nder von Dada Berlin. Kriegsfreiwilliger, Deserteur, linksradikaler Aktivist. Terrorist und H&#228;ftling – f&#252;nfmal im Gef&#228;ngnis, einmal im KZ, einmal zum Tod verurteilt. Promovierter Wirtschaftswissenschaftler, Fabrikdirektor in der Sowjetunion, B&#246;rsenkorrespondent, Unternehmer, M&#228;zen Brechts. S&#228;ufer; gelegentlich schwere Depressionen. Dreimal verheiratet. Lebte u.a. in Schlesien, M&#252;nchen, Berlin, Petrograd, Wien, Genf, Budapest, Italien, San Francisco, Paris. Starb 1963 in einem Stuttgarter Krankenhausbett, 74 Jahre alt.<span id="more-2785"></span></p></blockquote>
<p><small>aus: <a href="http://www.woerter.de/hb/texte/franz-jung.htm">Herbert Braun: Das Menschliche hinter der Wand.</a></small></p>
<div class="bildlinks"><img class="alignleft size-full wp-image-2787" title="Trottelbuch" src="http://blog.zvab.com/wp-content/uploads/2009/09/Trottelbuch.jpg" alt="Trottelbuch" align="left" width="104" height="160" /></div>
<p>Was Herbert Braun hier zu wenigen Zeichen verdichtet, ist ein Schriftsteller- und Intellektuellenleben, das seinesgleichen sucht. Es ist das Leben von <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=franz+jung">Franz Jung</a></strong>, 1888 in Neisse in Oberschlesien geboren, der das Lebensmotto, das in der vorstehenden Beschreibung zum Ausdruck kommt, selbst so formuliert hat: <em>„Was suchst du Ruhe, da du zur Unruhe geboren bist?“</em></p>
<p>Zu Beginn des Jahrhunderts noch im Umkreis von Burschenschaften ganz dem Juste-milieu verbunden, aus kleinb&#252;rgerlich-katholischem Elternhaus stammend, schl&#228;gt Jung schnell einen anderen Weg ein. Bereits 1912 erscheint <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&amp;title=trottelbuch">Das Trottelbuch</a></strong></em>, eine Novellensammlung, mit der er sich als expressionistischer Autor zu profilieren versteht; dar&#252;ber hinaus verfasst er autobiografisch gef&#228;rbte Prosa, die die Affinit&#228;t zum Anarchismus eines <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=gustav+landauer">Gustav Landauer</a> genauso durchscheinen l&#228;sst wie die Inspiration durch <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=otto+gross">Otto Gross</a>‘ psychoanalytische Erkenntnisse. Die Romane <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&amp;title=kameraden">Kameraden </a></strong></em>(1913), <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung+franz&#038;title=sophie">Sophie </a></strong></em>(1915) und <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=franz+jung&#038;title=opferung">Opferung </a></strong></em>(1916) geben Zeugnis dieser Phase des Jung’schen Schaffens.</p>
<p>Jung ist radikal in jeder Hinsicht. Literarisch verschreibt er sich der expressionistischen Form, lustwandelt im Umkreis jeglicher avantgardistischen Bewegung, von DADA &#252;ber den Malik-Verlag bis hin zu Franz Pfemferts <em>Aktion </em>ist er &#252;berall aktiv. Politisch k&#228;mpft er in den Novembertagen 1918 in der vordersten Front der roten Reihen, im Mai 1920 streitet er als Delegierter der r&#228;tedemokratischen und antizentralistischen KAPD gar mit dem gro&#223;en Lenin, und auch die Arbeiteraufst&#228;nde des Jahres 1921 in Sachsen und Th&#252;ringen finden nicht ohne ihn statt.</p>
<p>Aber so wie die Literatur nichts ohne das Leben ist, so ist auch das (revolution&#228;re) Leben f&#252;r Jung nichts ohne die Literatur. Er verwandelt alles in Worte, in kurzer Folge erscheinen Romane, die bisweilen schon vor dem Verstummen der letzten Stra&#223;enk&#228;mpfe der Revolution geschrieben scheinen. <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=joe+frank">Joe Frank illustriert die Welt</a></strong></em> (1921) geh&#246;rt dazu, oder auch <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=franz+jung&#038;title=proletarier">Proletarier </a></strong></em>(1921), <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=rote+woche">Die rote Woche</a></em></strong> (1921) oder <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=arbeitsfriede">Arbeitsfriede </a></em></strong>(1922).<br />
Jung schreibt und schreibt, erfrischend unideologisch, nur dem eigenen revolution&#228;r f&#252;hlenden Herzen verpflichtet. Das kommt auch in den Berichten aus Russland zum Ausdruck, in denen er den deutschen Genossen die dortigen Zust&#228;nde vor Augen f&#252;hrt, etwa <strong><em>Hunger an der Wolga</em></strong> (1922).</p>
<p>Doch die Zeiten spielen Franz Jung nicht in die Karten. In Deutschland erlahmt die Kraft von links, das b&#252;rgerliche Lager gewinnt die Oberhand, in Russland &#252;bernimmt die Partei das Sagen und beendet den Traum von einer Herrschaft der R&#228;te. Franz Jung, der zum Wendehals und Anpassler nicht taugt, bleibt seinen Idealen treu, muss jedoch registrieren, dass sein literarisches Wirken nur noch wenig Resonanz findet. Seine Romane und Dramen finden immer &#246;fter keinen Verleger mehr, die Mitarbeit an der <em>B&#252;hne </em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=erwin+piscator">Erwin Piscators</a> bleibt eine kurze Episode. Doch Jung erweist sich auch als &#220;berlebensk&#252;nstler, erinnert sich der &#246;konomischen Kenntnisse, die ihm das Wirtschaftsstudium in jungen Jahren eingebracht hatte und verdingt sich u.a. als B&#246;rsenkorrespondent.</p>
<p>Seine politische Einstellung und den Willen zum aktiven Kampf beh&#228;lt er auch in den zw&#246;lf dunklen deutschen Jahren bei; erst in Berlin, sp&#228;ter dann Wien und Budapest gelingt es ihm, sich den faschistischen H&#228;schern stets aufs Neue zu entziehen und gleichzeitig dem Widerstand zu dienen. Erst 1945 wurde er auf der Flucht nach Italien gefasst und bis zu dessen Auflassung im Mai im Durchgangslager Bozen gefangen gehalten.</p>
<p>Nach Kriegsende verbringt Jung einige Jahren in Italien und wandert schlie&#223;lich in die USA aus. Doch dort bleibt ihm die Aufnahme in die elit&#228;ren Exil-Kreise verwehrt, so dass er schlie&#223;lich ohne „Ritterschlag“ 1960 nach Deutschland zur&#252;ckkehrt und mit seiner Autobiographie<em> <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=weg+nach+unten">Der Weg nach unten</a></strong></em> (1961) noch einmal ein gl&#228;nzendes St&#252;ck Jung’schen Schreibens abliefert, das von all dem zeugt, was ihn in den Jahren des aktiven literarischen und politischen Kampfes unverwechselbar gemacht hat.</p>
<p>Franz Jung steht mit seinem Werk (und seinem Leben) f&#252;r etwas, das uns in der heutigen Zeit mehr und mehr abhanden zu kommen scheint: unbedingte &#220;berzeugung. Bei einer Sache zu bleiben, daf&#252;r einzustehen, auch im Anblick der Gefahr, erscheint vielen heute absurd, doch wer Jung liest, bekommt auch im Jahr 2009 eine Ahnung davon, was es hei&#223;en kann, „bei sich“ zu sein, anstatt in der Beliebigkeit totaler Wahlfreiheit zu verschwimmen.</p>
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<h3>Franz Jung im ZVAB</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=trottelbuch">Das Trottelbuch</a> (1912)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=kameraden">Kameraden </a>(1913)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=sophie">Sophie. Der Kreuzweg der Demut</a> (1915)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=saul">Saul</a> (1916)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=opferung">Opferung </a>(1916)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=sprung+aus+welt">Der Sprung aus der Welt</a> (1918)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=reise+russland">Reise in Russland</a> (1920)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=joe+frank">Joe Frank illustriert die Welt</a> (1921)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=fall+gross">Der Fall Gro&#223;</a> (1921)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=proletarier">Proletarier </a>(1921)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=kanaker">Die Kanaker &#8211; Wie lange noch?</a> (1921)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=technik+gluecks">Die Technik des Gl&#252;cks</a> (1921)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=rote+woche">Die Rote Woche</a> (1921)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=annemarie">Annemarie </a>(1922)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=arbeitsfriede">Arbeitsfriede </a>(1922)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=eroberung+maschinen">Die Eroberung der Maschinen</a> (1923)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=tempo+macht+glueck">Mehr Tempo! Mehr Gl&#252;ck! Mehr Macht!</a> (1923)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=geschichte+einer+fabrik">Die Geschichte einer Fabrik</a> (1924)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=gequaeltes+volk">Gequ&#228;ltes Volk</a> (1927; erstmals ver&#246;ffentlicht 1987)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=hausierer">Hausierer </a>(1931)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=weg+unten+aufzeichnungen">Der Weg nach unten. Aufzeichnungen aus einer gro&#223;en Zeit</a> (1961)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=jung&#038;title=gruss+zuvor">Meinen Gru&#223; zuvor</a> (1962)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=franz+jung&#038;title=verzauberten">Die Verzauberten</a> (2000 aus dem Nachlass herausgegeben)</div>
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		<title>Kein Sinn im Leben au&#223;erhalb der Kunst – Wilhelm Lehmann, Gro&#223;meister der Naturlyrik</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 10:55:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carsten Tergast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Zu gut zum Vergessen]]></category>
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		<category><![CDATA[Desertion]]></category>
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		<category><![CDATA[Schule]]></category>

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		<description><![CDATA[1923 erh&#228;lt Robert Musil den Kleist-Preis. Doch nicht nur er, sondern noch ein weiterer Zeitgenosse wird von Alfred D&#246;blin in diesem Jahr mit dem renommierten Preis geehrt: ein gewisser Wilhelm Lehmann, dessen Name heute selbst bei flei&#223;igen Lesern im Gegensatz zu Musil und D&#246;blin vor allem Achselzucken hervorrufen d&#252;rfte. Lehmann wird 1882 im fernen Venezuela [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1923 erh&#228;lt <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=robert+musil">Robert Musil</a> den Kleist-Preis. Doch nicht nur er, sondern noch ein weiterer Zeitgenosse wird von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=alfred+doeblin">Alfred D&#246;blin</a> in diesem Jahr mit dem renommierten Preis geehrt: ein gewisser <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=wilhelm+lehmann">Wilhelm Lehmann</a></strong>, dessen Name heute selbst bei flei&#223;igen Lesern im Gegensatz zu Musil und D&#246;blin vor allem Achselzucken hervorrufen d&#252;rfte.<span id="more-2455"></span></p>
<p>Lehmann wird 1882 im fernen Venezuela geboren, ist aber das Kind norddeutscher Eltern, mit denen er schon bald in die Heimat zur&#252;ckkehrt. Seine Jugendjahre verlebt er, nachdem der Vater die Familie verlassen hat, mit seiner nun recht dominanten Mutter in Wandsbek.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Lehmann1.jpg" width="150" height="190" alt="" title="Wilhelm Lehmann" /><br /><small>Wilhelm Lehmann</small></div>
<p>Lehmanns Erwachsenenleben gliedert sich in zwei Teile: Er beginnt eine ganz b&#252;rgerliche Karriere, studiert Philosophie, Naturkunde und Sprachen in Berlin, Stra&#223;burg, Kiel und T&#252;bingen, promoviert (in Kiel), absolviert das Staatsexamen f&#252;rs h&#246;here Lehramt und wird schlie&#223;lich Lehrer.  Interessant ist seine T&#228;tigkeit f&#252;r die Freie Schulgemeinde Wickersdorf, ein reformp&#228;dagogisches Projekt, das mit den &#252;blichen Drillanstalten wenig gemein hat. Spuren der Streitereien zwischen den Gr&#252;ndern der Schule, Martin Luserke und Gustav Wyneken, werden sich sp&#228;ter im literarischen Werk Lehmanns wiederfinden. </p>
<p>Doch trotz seines Engagements ist der junge Lehrer Lehmann nicht daf&#252;r geschaffen, sein Leben allein als Vermittler von Bildung und Erziehung zu bestreiten. Wenngleich er bis ins Alter Lehrer bleibt, zuletzt von 1923 bis 1947 an der Jungmannschule in Eckernf&#246;rde, sp&#252;rt er zunehmend eine andere Berufung, die in einer Briefstelle von 1932 ihren Ausdruck findet:<em> „Au&#223;erhalb der Kunst vermochte ich keinen Sinn im Leben zu finden.“ </em>Sein Wechsel von den spannenden, aber anstrengenden reformp&#228;dagogischen Projekten zur staatlichen Schule d&#252;rfte mit dieser Erkenntnis zu tun haben.</p>
<p>Ab etwa 1915 bricht sich die Berufung im Leben Wilhelm Lehmanns Bahn, die Romane <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=bilderstuermer">Der Bilderst&#252;rmer</a></strong></em> (1917), <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=schmetterlingspuppe"><strong><em>Die Schmetterlingspuppe</em></strong></a> (1918) und <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=weingott">Weingott </a></em></strong>(1921) erscheinen. Es kommt zu jenem fr&#252;hen H&#246;hepunkt, mit dem dieser Text er&#246;ffnet: Alfred D&#246;blin &#252;berreicht Lehmann neben Robert Musil den Kleist-Preis.<br />
Auch nach dieser Ehrung schreibt Lehmann noch Romane, etwa <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=ueberlaeufer">Der &#220;berl&#228;ufer</a></em></strong> (1925) oder <em><strong>Der Provinzl&#228;rm</strong></em> (1929). Sie werden jedoch erst lange nach dem Krieg ver&#246;ffentlicht. Im Falle des <em><strong>&#220;berl&#228;ufers </strong></em>hat das wohl mit dem Thema des desertierenden Soldaten zu tun, f&#252;r das die 1920er- und 1930er-Jahren kein fruchtbarer Boden waren. Der Roman reflektiert Lehmanns traumatische Erfahrungen im Ersten Weltkrieg, denen er durch Desertion in die englische Gefangenschaft zu entkommen suchte. Auch im Roman <strong><em>Weingott </em></strong>findet sich auf integrierten Tagebuchbl&#228;ttern ein Nachhall dieser Erlebnisse.</p>
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<img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Lehmann2.jpg" width="106" height="171" alt="" title="Cover: Ruhm des Daseins" /></div>
<p>Lehmanns heute leider verblasster literarischer Ruhm gr&#252;ndet jedoch nicht auf seinen Romanen, sondern auf dem lyrischen Werk, das zu den bedeutendsten im Feld der Naturlyrik gerechnet werden darf. Bereits in den Berliner Studienjahren hatte er <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=oskar+loerke">Oskar Loerke</a> kennen gelernt, der ebenso wie Lehmann stark vom expressionistischen Schreiben beeinflusst, aber auch auf der Suche nach Weiterentwicklung war. Loerke best&#228;rkte Lehmann in seinem Drang zu lyrischem Schaffen und erfand f&#252;r ihn aufgrund seiner ausdrucksstarken Naturgedichte die Bezeichnung <em>„Gr&#252;ner Gott“</em>.</p>
<p>Im Alter von 53 Jahren kommt Lehmanns lyrisches Talent schlie&#223;lich vollst&#228;ndig zur Entfaltung, <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=antwort+schweigens">Antwort des Schweigens</a></em> </strong>(1935) ist das erste gedruckte Zeugnis seiner unverwechselbaren dichterischen Kraft. Immer st&#228;rker wird fortan die Mythisierung der Natur in seinem Werk, immer genauer die Beschreibung botanischer und zoologischer Ph&#228;nomene. Bisweilen scheint gar der Mensch v&#246;llig aus dieser Literatur getilgt und mit ihm auch die Zeitumst&#228;nde seines Lebens, wie Gegner Lehmanns bem&#228;ngelten. Doch den Dichter ficht dieser Vorwurf nicht an: <em>„Ein Gespr&#228;ch &#252;ber B&#228;ume“</em>, so Lehmann in einer Antwort an seine Kritiker, schlie&#223;e <em>„das Wissen um b&#246;se Zust&#228;nde und Taten nicht aus“</em>, sondern helfe vielmehr, <em>„den verloren gegangenen Menschen wieder zu holen.“</em></p>
<p>1957 vereinigt Lehmann vier kleinere Lyrikb&#228;ndchen zum gro&#223;en Band <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=meine+gedichtbuecher">Meine Gedichtb&#252;cher</a></em></strong>. Als Mitglied verschiedener Vereinigungen von der Deutschen Akademie f&#252;r Sprache und Dichtung bis zum P.E.N.-Club engagiert er sich nun auch in der Kulturpolitik.</p>
<p>Lehmanns Wirkung auf die deutsche Nachkriegslyrik, sp&#252;rbar etwa im Werk von <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=guenter+eich">G&#252;nter Eich</a> oder <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=karl+krolow">Karl Krolow</a>, ist verschiedentlich gew&#252;rdigt worden; sein eigenes Schaffen aber r&#252;ckte mehr und mehr in den Hintergrund, so dass heute kaum noch jemand seinen Namen kennt. Das ist schade, gilt es doch eine literarische Stimme wiederzuentdecken, die in der Naturbeschreibung so manches Menschliche und Allzumenschliche zu vermitteln vermag.</p>
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<h3>Wilhelm Lehmann im ZVAB</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=bilderstuermer">Der Bilderst&#252;rmer</a> (1917)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=schmetterlingspuppe">Die Schmetterlingspuppe</a> (1918)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=weingott">Weingott</a> (1921)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=vogelfreier+josef">Vogelfreier Josef</a> (1922)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=sturz+erde">Der Sturz auf die Erde</a> (1923)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=bedraengte+seraph">Der bedr&#228;ngte Seraph</a> (1924)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=unbekannte+stimme">Die unbekannte Stimme</a> (1932)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=hochzeit+aufruehrer">Die Hochzeit der Aufr&#252;hrer</a> (1934)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=antwort+schweigens">Antwort des Schweigens</a> (1935)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=gruene+gott">Der gr&#252;ne Gott</a> (1942)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=entzueckter+staub">Entz&#252;ckter Staub</a> (1946)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=bukolisches">Bukolisches Tagebuch</a> (1948)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=noch+nicht+genug">Noch nicht genug</a> (1950)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=ruhm+daseins">Ruhm des Daseins</a> (1953)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=meine+gedichtbuecher">Meine Gedichtb&#252;cher</a> (1957)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lehmann&#038;title=erfahrungen+gedichten">Erfahrungen mit Gedichten</a> (1959)
</div>
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		<title>„der Poet ein Lumpensammler“ – J&#246;rg Fauser, Wirklichkeitssucher im Rausch</title>
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		<pubDate>Mon, 25 May 2009 07:37:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carsten Tergast</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zu gut zum Vergessen]]></category>
		<category><![CDATA[Alkohol]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
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		<category><![CDATA[Rausch]]></category>
		<category><![CDATA[Rohstoff]]></category>
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		<description><![CDATA[Darf man in dieser Rubrik &#252;ber jemanden schreiben, der gerade erst durch eine frisch abgeschlossene Werkausgabe geehrt worden ist? Ich denke, man darf, wenn es sich um einen Autor handelt, der trotz seiner &#252;berragenden Bedeutung f&#252;r die deutsche Nachkriegsliteratur bis heute eher eine Sache f&#252;r Eingeweihte geblieben ist und der wohl nie mit dem Bekanntheitsgrad [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildlinks"><a href="http://www.zvab.com/displayBookImage.do?itemId=39389052&#038;b=1"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/4252515.jpg" width="160" height="157" alt="J&#246;rg Fauser: O-Ton" title="J&#246;rg Fauser: O-Ton" /></a></div>
<p>Darf man in dieser Rubrik &#252;ber jemanden schreiben, der gerade erst durch eine frisch abgeschlossene  Werkausgabe geehrt worden ist? Ich denke, man darf, wenn es sich um einen Autor handelt, der trotz seiner &#252;berragenden Bedeutung f&#252;r die deutsche Nachkriegsliteratur bis heute eher eine Sache f&#252;r Eingeweihte geblieben ist und der wohl nie mit dem Bekanntheitsgrad deutscher Gro&#223;schriftsteller wird konkurrieren k&#246;nnen.<br />
<span id="more-2227"></span></p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Fauser%20Harry.jpg" width="118" height="180" alt="" title="Harry Gelb (Cover)" /></div>
<p>Nun k&#246;nnte man sagen, das liegt daran, dass es <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=joerg+fauser">J&#246;rg Fauser</a></strong> einfach zu fr&#252;h erwischt hat.  Erwischt durch einen Lastwagenfahrer, der nicht ahnen konnte, dass da einer nach seiner eigenen Geburtstagsfeier zu Fu&#223; &#252;ber die Autobahn zu gehen versuchte. Ein absurder Tod, dessen Umst&#228;nde bis heute r&#228;tselhaft bleiben, und der doch in seiner ganzen Sinnlosigkeit wie ein Querverweis auf das literarische Werk des Autors wirkt, das von Figuren durchzogen ist, denen man diese torkelnde Begehung einer n&#228;chtlichen Autobahn gleichfalls zutrauen w&#252;rde.</p>
<p>Fauser, 1944 als Sohn eines Malers und einer Schauspielerin geboren,  wurden Leben und Schreiben schnell eins; in beidem schert er sich wenig um Konventionen und das Urteil der Au&#223;enstehenden. Dem Erz&#228;hlband <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=fauser&#038;title=mann+maus">Mann und Maus</a></em></strong> (1982) stellt er das Motto <em>„Das Leben hat alles, was gebraucht wird“</em> voran und benennt damit auch die einzige Quelle, die er f&#252;r seine Texte ben&#246;tigt. Ob die erfolgreichen Romane wie der sp&#228;ter mit Marius M&#252;ller-Westernhagen verfilmte <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=fauser&#038;title=schneemann">Schneemann </a></em></strong>(1981) und der gro&#223;artige, Fausers Istanbuler Drogenerfahrungen reflektierende <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=fauser&#038;title=rohstoff">Rohstoff </a></strong></em>(1984), die fr&#252;hen Texte in Underground-Zeitschriften wie <em>UFO </em>oder <em>Gasolin23</em> oder auch die Texte f&#252;r Rocks&#228;nger Achim Reichel: Immer sch&#246;pft Fauser aus dem prallen Leben, wankt durch dessen Abgr&#252;nde, integriert den Geruch der Gosse, zeigt nackt und ungesch&#252;tzt die dunklen Ecken der menschlichen Seele, die wir alle nicht wahrhaben wollen und die doch in jedem von uns schlummern. Fauser versteht sich und sein Schreiben als etwas, das den Sinn des Lebens an dessen Basis sucht und bisweilen auch findet: <em>„der Poet ein Lumpensammler/er kommt mit den Abf&#228;llen aus/wie die Ratte und der Schakal“</em>, erkennt er 1979 in <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=fauser&#038;title=trotzki+goethe">Trotzki, Goethe und das Gl&#252;ck</a></strong></em>.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Fauser%20Schneemann.jpg" width="126" height="200" alt="" title="Schneemann (Cover)" /></div>
<p>Das zentrale Motiv in Fausers Texten ist der Rausch. Vor dem Hintergrund der eigenen Drogenkarriere, die fr&#252;h mit Heroin beginnt und zumindest dem Alkohol bis zuletzt treu bleibt, stehen k&#252;nstliche Fluchthelfer bei ihm als Chiffre f&#252;r eine nie endende Sehnsucht nach Intensit&#228;t, danach, das Leben in all seinen Facetten zu sp&#252;ren. Und diese Suche spiegelt sich in seinen Texten wieder, wenn die durch sie geisternden Figuren lauter Dinge tun, die mit Vernunft und planvollem Tun nichts gemein haben: <em>„Was tu ich hier/worauf warte ich/auf Schlaf nein/auf Erleuchtung nein/auf Rausch minus Horror/auf den irren Bomber/der uns alle weckt“</em>, hei&#223;t es in Achim Reichels Song <em>„Riverside Drive“</em>, f&#252;r den Fauser den Text schrieb. Nur im Rausch tritt klar zutage, wie verlogen die N&#252;chternheit ist, wenn sie den Menschen dazu dient, andere zu manipulieren, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Fausers in dieser Hinsicht kritischer Blick auf die Gesellschaft gilt &#252;brigens genauso f&#252;r die etablierte B&#252;rgerlichkeit wie f&#252;r die ihm scheinbar n&#228;her stehende Subkultur. Auch deren Tendenz, sich zu wichtig zu nehmen und sich als Mainstream etablieren zu wollen, ist ihm verd&#228;chtig.</p>
<p>Rausch bedeutet f&#252;r Fauser und seine Figuren Nat&#252;rlichkeit, die einzige M&#246;glichkeit, im Moloch Gro&#223;stadt, Kulisse seiner Texte und seines Lebens, zu sich selbst zur&#252;ckzufinden und dem Leben etwas abzugewinnen, was es sonst vorenth&#228;lt. Dabei steht Fausers Werk durchaus abseits hymnischer Verherrlichung von Drogen. Die Droge wird dem Schriftsteller, der Anfang der 1970er zumindest den harten Substanzen abschwor, vor allem gegen Ende seiner kurzen Karriere mehr und mehr zum literarischen Stilmittel, ohne sich dem Leser als reale M&#246;glichkeit aufzudr&#228;ngen. Jener, so war es wohl Fausers Ziel, sollte den Rausch aus seinen Texten beziehen.</p>
<p>Die Radikalit&#228;t der Texte d&#252;rfte der Grund sein, warum J&#246;rg Fausers B&#252;cher nie wirklich dort eingeordnet wurden, wo sie unzweifelhaft hingeh&#246;ren: in den Kanon der Literatur, die uns die Wirklichkeit im Nachkriegsdeutschland so nahe bringt, dass es weh tut. Wer jedoch in der Literatur schonungslose Ehrlichkeit und Intensit&#228;t sucht, sollte sich in das umfangreiche Werk Fausers vertiefen. Er wird dort beides finden. Und das ist doch schon eine Menge mehr, als man vom Gro&#223;teil der neueren deutschen Literatur sagen kann…</p>
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<h3>J&#246;rg Fauser im ZVAB</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=fauser&#038;title=aqualunge">Aqualunge </a>(1971)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=fauser&#038;title=harry+gelb">Die Harry Gelb Story</a> (1973)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Das+Rolling+Stones+Songbook">Das Rolling Stones Songbook</a> (1977)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=fauser&#038;title=brando">Marlon Brando – der versilberte Rebell</a> (1978)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=alles+wird+gut">Alles wird gut</a> (1979)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=requiem+f&#252;r+einen+goldfisch">Requiem f&#252;r einen Goldfisch</a> (1979)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Trotzki+Goethe+und+das+Glueck">Trotzki, Goethe und das Gl&#252;ck</a> (1979)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Der+Schneemann">Der Schneemann</a> (1981)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Mann+und+Maus">Mann und Maus</a> (1982)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Blues+fuer+Blondinen">Blues f&#252;r Blondinen</a> (1984)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Rohstoff">Rohstoff</a> (1984)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Das+Schlangenmaul">Das Schlangenmaul</a> (1985)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Kant+eine+Szene-Thriller">Kant, eine Szene-Thriller</a> (1987)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=Fauser+Edition+in+8+Baenden">Fauser – Edition in 8 B&#228;nden</a> (1990)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Ich+habe+eine+Mordswut">Ich habe eine Mordswut</a> (1993)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Das+leise+laechelnde+Nein">Das leise l&#228;chelnde Nein</a> (1994)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Essays+Reportagen+Gedichte">Essays, Reportagen, Gedichte</a> (1994)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Fauser+O-Ton">Fauser O-Ton</a> (H&#246;rbuch, 1997)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Lese-Stoff">Lese-Stoff</a> (2003)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?title=Fausertracks">Fausertracks</a> (H&#246;rbuch, 2005)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=j%F6rg+fauser&amp;title=Die+Tournee+Roman+aus+dem+Nachlass">Die Tournee – Roman aus dem Nachlass</a> (2007)
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		<title>Pawel Iwanowitsch Melnikow – Chronist der Altgl&#228;ubigen</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Apr 2009 07:26:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hanns-Martin Wietek</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Russlands romantische Revolutionäre]]></category>
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		<description><![CDATA[&#160;&#160;&#160;Cover von Na gorach &#160;&#160;&#160;(dt. In den Bergen), &#160;&#160;&#160;das nicht in deutscher &#160;&#160;&#160;&#220;bersetzung vorliegt Pawel Melnikow war ganz gewiss kein Systemkritiker geschweige denn ein Revolution&#228;r. Ganz im Gegenteil, er war ein – so w&#252;rde man heute sagen – regierungstreuer, rechtsliberaler Beamter und er starb – darin sind sich alle Quellen einig – „nach einem ruhigen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/Melnikow%202%20Kopie.jpg" width="124" height="190" alt="" title="" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Cover von <strong>Na gorach</strong><br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;(dt. In den Bergen),<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;das nicht in deutscher<br />
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&#220;bersetzung vorliegt</small></div>
<p><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=pawel+melnikow">Pawel Melnikow</a></strong> war ganz gewiss kein Systemkritiker geschweige denn ein Revolution&#228;r. Ganz im Gegenteil, er war ein – so w&#252;rde man heute sagen – regierungstreuer, rechtsliberaler Beamter und er starb – darin sind sich alle Quellen einig – „nach einem ruhigen Lebensabend“ im Bett (und zwar am 1. <sup>jul</sup> / 13.<sup>greg</sup> Februar 1883 in Nishni Nowgorod).<br />
Seine einzige „Unbotm&#228;&#223;igkeit“ bestand wohl darin, dass er w&#228;hrend seines Studiums an einer Studentenfeier teilnahm. Er wurde deswegen nach seiner Promotion f&#252;r unw&#252;rdig gehalten, einen Lehrstuhl f&#252;r slawische Mundarten zu besetzen.<br />
Aus Melnikows Leben gibt es ansonsten wenig herausragende Ereignisse zu berichten. Die wenigen, die &#252;berliefert sind, sind dazu noch – je nachdem von welch politischer Couleur die Berichterstatter waren – unterschiedlich berichtet und gewichtet worden.<span id="more-2125"></span></p>
<p>In Nishni Nowgorod wurde er am 22. Oktober <sup>jul</sup> / 3. November <sup>greg</sup> 1819 geboren. Er stammte aus einer adligen Familie und sein Vater war Polizeikommandant, was wohl letztlich dazu f&#252;hrte, dass Melnikow ein hoher Beamter des Innenministeriums wurde. Nach seinem Studium in Kasan wurde er erst einmal als Lehrer f&#252;r Geschichte und Statistik ans Gymnasium in Perm und sp&#228;ter nach Nishni Nowgorod verschickt. 1843 wurde er Beamter f&#252;r besondere Auftr&#228;ge im Regierungsdienst beim Gouverneur von Nishni Nowgorod und ab 1850 war er dann Beamter im Innenministerium in St. Petersburg.</p>
<p>Schon w&#228;hrend seiner Zeit als Lehrer betrieb er nebenher geschichts- und volkskundliche Studien; ganz besonders interessierte ihn die Kirchenspaltung (1662 &#8211; 1666) unter dem Patriarchen Nikon und das Leben der Altgl&#228;ubigen. Folgerichtig kam er auch ins Altgl&#228;ubigenressort des Innenministeriums, das f&#252;r die Bek&#228;mpfung des Sektenwesens, womit in erster Linie die Altgl&#228;ubigen gemeint waren, zust&#228;ndig war. Dieses Ressort war wahrscheinlich so etwas wie eine geheime Spezialpolizei, weshalb Melnikow von manchen auch der Spitzelei beschuldigt wurde.</p>
<p>Wer aber sind die Altgl&#228;ubigen? „Altgl&#228;ubige“ werden die genannt, die die Liturgiereform unter Nikon (Patriarch von Moskau 1652 &#8211; 1666) nicht mitgemacht haben und auf dem Konzil 1666/67 mit dem Kirchenbann belegt wurden; die „offiziellen“ Orthodoxen nennen sich „Rechtgl&#228;ubige“. Dass die Altgl&#228;ubigen um ihres Glaubens willen von Staats wegen verfolgt, gejagt und zeitweise auch brutal vernichtet wurden, obwohl sie ebenso orthodoxe Christen waren wie die Rechtgl&#228;ubigen, nur mit einem geringf&#252;gig anderen Ritus, h&#228;ngt damit zusammen, dass der Kaiser als weltlicher Vertreter Gottes, als Besch&#252;tzer der Gl&#228;ubigen angesehen wurde. Die rechtgl&#228;ubige Orthodoxie war Staatsreligion; und wer das geistliche Oberhaupt, den Patriarchen von Moskau, nicht anerkannte, wandte sich automatisch auch gegen den Kaiser (was die Altgl&#228;ubigen realiter in keinster Weise taten). Hierin unterscheidet sich das russische Modell ganz wesentlich vom westlichen, denn zwar galt auch f&#252;r westliche K&#246;nige und Kaiser das „Gottesgnadentum“, sie waren jedoch nicht das Oberhaupt der jeweiligen Kirche. </p>
<p>Die Geschichte der Altgl&#228;ubigen ist ein mitrei&#223;endes und aufregendes Kapitel in der an gewaltigen Ereignissen wei&#223; Gott nicht armen Geschichte Russlands. Es ist eine Geschichte von Urchristentum, M&#228;rtyrertum, Selbstverbrennungen, gewaltlosem Widerstand – aber auch von Aufst&#228;nden von Kl&#246;stern gegen die Staatsgewalt (Kloster Soloveckij 1668) und kraftvoller Selbstbehauptung auch unter schwierigsten Umst&#228;nden.</p>
<p>1866 zog Melnikow nach Moskau und hier widersprechen sich die Quellen: Der Schriftsteller, Kritiker und gro&#223;e &#220;bersetzer <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=johannes+guenther">Johannes von Guenther</a> (1886 – 1973) schreibt, er habe den Dienst quittiert; in der sozialistischen Literaturgeschichte hei&#223;t es, er sei zur besonderen Verf&#252;gung des Gouverneurs nach Moskau gesandt worden. Was auch immer richtig sein mag, es begann f&#252;r ihn eine Zeit intensiven Schreibens.</p>
<p>Schon in seiner Nishni Nowgoroder Zeit hatte er damit angefangen; er schrieb – wahrscheinlich seiner Stellung als Beamter wegen – unter dem Pseudonym <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=melnikow-petscherski">Petscherski </a>und viele seiner ersten Erz&#228;hlungen fielen der Zensur zum Opfer. In den Jahren 1857 bis 1859 &#8211; also nach dem Tod von Nikolaus I. unter dem damals liberalen Alexander II. &#8211; wurde dann eine ganze Reihe von Erz&#228;hlungen ver&#246;ffentlicht, darunter <em><strong>„Gro&#223;mutters Erz&#228;hlungen“</strong></em> (auch: <em><strong>„Gro&#223;mutters Plaudereien“</strong></em>), <strong><em>„Pojarkow“</em></strong>, <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=melnikow&#038;title=namenstagspastete">„Die Namenstagspastete“</a></em></strong>, <strong><em>„Der st&#228;ndige Beisitzer“</em></strong>, <strong><em>„Ein B&#228;renlager“</em></strong> und <a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?author=melnikow&amp;title=alten+zeiten"><strong><em>„Alte Zeiten“</em></strong> (auch: <strong><em>„In alten Zeiten“</em></strong>)</a>.</p>
<div class="bildlinks">
<img src="http://blog.zvab.com/wp-content/In%20alten%20Zeiten.jpg" width="119" height="200" alt="" title="" /></div>
<p>In <em>„Alte Zeiten“</em> erz&#228;hlt Melnikow vom ausschweifenden und selbstherrlichen Leben des F&#252;rsten Alexej Jurjewitsch und davon, wie er letztendlich dann doch zur Rechenschaft gezogen wurde; in <em>„Pojarkow“</em> erz&#228;hlt ein gel&#228;uterter „Titularrat im Abschied“ von den Schandtaten, die er &#8211; wie alle seinesgleichen &#8211; in seiner Zeit als Sekret&#228;r des Landgerichts, Schriftf&#252;hrer der Stadtverwaltung und Landkommiss&#228;r begangen hat; in <em>„Die Namenstagspastete“</em> beschreibt ein Beamter aus St. Petersburg einen liebedienerischen Speichellecker aus der Provinz, den er selbst erlebt hat; <em>„Der st&#228;ndige Beisitzer“</em> ist begl&#252;ckt, dass er die abgelegte (schwangere) Maitresse seines Vorgesetzten, einer Exzellenz, heiraten darf und ahnt, beschr&#228;nkt wie er ist, nicht einmal, dass die Heirat nur den Zweck hat, dass die Exzellenz weiter die Vorz&#252;ge der Maitresse genie&#223;en kann; in <em>„Gro&#223;mutters Plaudereien“</em> erz&#228;hlt die fast hundertj&#228;hrige Gro&#223;mutter ihrem Enkel von den „guten alten Zeiten“ unter Katharina der Gro&#223;en (18. Jahrhundert), als eine grausame, gewissenlose Oberschicht glaubte, sich alles erlauben zu k&#246;nnen und dabei noch lustig und kokett war.</p>
<p>All diese Erz&#228;hlungen sind voll von prallem Lebensgef&#252;hl, virtuos erz&#228;hlt – und damit, wie man so sagt, „von hohem Unterhaltungswert“. Sie zeigen aber auch, dass <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=pawel melnikow">Pawel Melnikow</a></strong> durchaus nicht ein so gehorsamer, unkritischer hoher Beamter war, wie es seiner Dienststellung entsprochen h&#228;tte. Die Erz&#228;hlungen sind denen eines <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=saltykow">Saltykow-Schtschedrin</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=leskow">Leskow</a>, ja <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=tschechow">Tschechow </a>durchaus ebenb&#252;rtig.</p>
<p>W&#228;hrend seiner Dienstzeit reiste Melnikow viel an die Ufer der Wolga und der Kama, wo viele Altgl&#228;ubige lebten. Er sollte dort das Leben der Altgl&#228;ubigen kennenlernen und dienstlich „durchleuchten“, um danach zu berichten und im Sinn seines Herrschers zu handeln. Er begann seine Aufgabe als Feind der Altgl&#228;ubigen und war bei ihnen gef&#252;rchtet. Dies &#228;nderte sich jedoch nach und nach, denn er fing an, die Altgl&#228;ubigen zu verstehen. Er erkannte, dass bei ihnen die positiven Grundz&#252;ge des russischen Nationalcharakters unverf&#228;lschter erhalten geblieben waren als in anderen Schichten und dass ihnen in Russlands Zukunft eine bedeutende Rolle zukommen w&#252;rde. 1866 schrieb er: <em>„Die Hauptst&#252;tze des zuk&#252;nftigen Russlands sehe ich (trotz manchen anderen) in den Altgl&#228;ubigen“</em>. Und damit sollte er recht behalten, denn noch heute ist der russische Nationalcharakter, die russische Mentalit&#228;t, stark von der Orthodoxie und – besonders in dem Hang, &#220;berliefertes zu bewahren – von den Altgl&#228;ubigen gepr&#228;gt (was man wissen muss, wenn man heute manche uns auf den ersten Blick unverst&#228;ndliche Reaktionen „der Russen“ beurteilt).<br />
Aus dem Feind war also ein Freund geworden, jedoch kein unkritischer, eher ein wohlwollender.</p>
<p>Schon 1859 hat sich Melnikow dem Thema Altgl&#228;ubige dann auch schriftstellerisch zugewandt; in der von ihm redigierten Zeitschrift <em>Russkij dnevnik</em> erschienen unter dem Titel <em><strong>Die Leute jenseits der Uzola</strong></em> sechs Kapitel eines Romans &#252;ber das Leben der Altgl&#228;ubigen. 1868 erschien ein zweiter Roman, <em><strong>Jenseits der Wolga</strong></em>, den er in der Zeit von 1871 bis 1874 unter dem Titel <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=melnikow&#038;title=waeldern">In den W&#228;ldern</a></strong></em> (russ. <em>V lesach</em>) in der Zeitschrift <em>Russkij vestnik</em> fortsetzte. Schlie&#223;lich fasste er 1875 beide Romane zu einem zusammen und ver&#246;ffentlichte ihn unter dem Titel <em>In den W&#228;ldern</em>. Gleich anschlie&#223;end, in den Jahren 1875 bis 1881, schrieb er seinen weiteren gro&#223;en Roman zu diesem Thema, der leider nie auf Deutsch erschienen ist: <em>In den Bergen</em> (russ. <em>Na gorach</em>). Jeder dieser beiden gro&#223;en Roman enth&#228;lt vier B&#228;nde; insgesamt umfassen sie in der Originalausgabe 2400 Seiten. </p>
<p>Sein wirklich einzigartiges Wissen &#252;ber die Altgl&#228;ubigen hatte Melnikow w&#228;hrend seiner Dienstzeit in Aufzeichnungen niedergelegt, die jetzt zur Grundlage f&#252;r sein schriftstellerisches Arbeiten wurden. Und so ist zu erkl&#228;ren, dass seine Romane zugleich von einzigartiger und unsch&#228;tzbarer kultur- und religionshistorischer Bedeutung sind; es gibt zu diesem Thema vor und nach ihm auf der Welt nichts von solcher Bedeutung und alle nach ihm beziehen sich auf ihn. Es handelt sich also um kulturhistorische Dokumente von allerh&#246;chstem Rang.</p>
<p>Literarisch gesehen sind diese beiden im doppelten Wortsinn gro&#223;en realistischen Romane streng genommen ein gro&#223;es Epos, das man getrost mit den ber&#252;hmten Romanen <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=fjodor+dostojewski">Dostojewskis</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lew+tolstoi">Tolstois</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=gontscharow">Gontscharows</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=turgenjew">Turgenjews </a>– also jenen aller Gr&#246;&#223;en seiner Zeit – auf eine Stufe stellen kann; auch der Vergleich mit <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=thomas+mann">Thomas Manns</a> <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=thomas+mann&#038;title=buddenbrooks"><em>Buddenbrooks </em></a>ist durchaus angebracht.</p>
<p>Die Romane beschreiben das Leben der Altgl&#228;ubigen in den Jahren 1849 bis 1853 unter Zar Nikolaus I., das – wen nimmt es Wunder, wenn er diesen Namen h&#246;rt – f&#252;r sie wieder einmal ein recht unerquickliches war. Der historische Hintergrund: 1849 versuchten die russischen Altgl&#228;ubigen, Beziehungen zu den nach &#214;sterreich gefl&#252;chteten Altgl&#228;ubigen aufzunehmen, denn in Russland gab es keine altgl&#228;ubigen Bisch&#246;fe und damit auch keine Priester, da diese ja von Bisch&#246;fen geweiht werden m&#252;ssen. (Aus diesem Sachverhalt heraus entstand sogar eine bis heute existierende Gruppe der Altgl&#228;ubigen, die der Priesterlosen.) Es gab nur die Priester, die von den Rechtgl&#228;ubigen zu den Altgl&#228;ubigen &#252;bergewechselt waren: ein gef&#228;hrliches Unterfangen, denn sie wurden gejagt und hingerichtet. In &#214;sterreich wurden die vielen gefl&#252;chteten Altgl&#228;ubigen nicht verfolgt; somit gab es dort auch Bisch&#246;fe, und man erhoffte sich in Russland Priester von dort.<br />
1853 lie&#223; Nikolaus I. gro&#223;e Kl&#246;ster der Altgl&#228;ubigen brutaliter zerst&#246;ren und die M&#246;nche, soweit man ihrer habhaft werden konnte, hinrichten.</p>
<div class="bildrechts">
<img src="http://blog.zvab.com/wp-content/In%20den%20W%C3%A4ldern.jpg" width="109" height="180" alt="" title="" /></div>
<p>In <em>In den W&#228;ldern</em> beschreibt Melnikow die Altgl&#228;ubigen realistisch, mit all ihren St&#228;rken und Schw&#228;chen, mit ihren S&#252;nden und Tugenden, ihren Gewissensn&#246;ten und ihren Mogeleien, um weltliche W&#252;nsche mit geistlichen Regeln in Einklang zu bringen. Man erlebt sie bei ihrem Versuch, sich vor Verfolgungen zu sch&#252;tzen und doch ein normales Leben zu f&#252;hren. Der Roman enth&#228;lt fesselnd gezeichnete Charaktere und, wie das Leben, teilweise deftige Handlungen. Den Alltag der Kaufmannschaft, in der es viele und auch sehr ber&#252;hmt gewordene Altgl&#228;ubige gab – wie Chludov (altrussische Manuskripte, Rubljows Ikonen), Tretjakow (Kunstsammlung), Morosow (Textilmanufaktur, Kunstsammlungen), Soldatenkow (Krankenh&#228;user, Ikonensammlungen), Kusnezow (Porzellanmanufaktur), um nur einige zu nennen –, zeichnet er ebenso differenziert nach wie das Leben in einem altgl&#228;ubigen Frauenkloster, in dem die Novizinnen den weltlichen Verlockungen durchaus nicht abhold sind und die &#196;btissin, um des Erhalts ihres Klosters willen, immer wieder Kompromisse mit ihren „Wohlt&#228;tern“ – den reichen Spendern aus der Kaufmannschaft – eingehen muss.<br />
Man erkennt, wie stark das weltliche Leben im Allgemeinen und das der Kaufmannschaft im Besonderen mit dem religi&#246;sen Leben ganz selbstverst&#228;ndlich verzahnt, ja eins war.</p>
<p>Die von <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=pawel+melnikow">Pawel Melnikow</a></strong> geschilderte Welt erscheint uns heute erfundener, ausgedachter als manch ein moderner Science-Fiction-Roman, und doch war sie so real wie heute unser t&#228;glicher Bummel durch die Stadt. Von ihr sind unterschiedlich starke Spuren auch im heutigen Russland zu finden und tats&#228;chlich gibt es sie noch in manchen Winkeln Sibiriens – in den W&#228;ldern.</p>
<p>Die 700 Seiten des Romans (in deutscher Ausgabe) schrecken wom&#246;glich manchen Leser ab; er f&#252;rchtet vielleicht, solch ausgedehnte Lekt&#252;re k&#246;nne erm&#252;den, was jedoch &#252;berhaupt nicht der Fall ist: In den W&#228;ldern ist von der ersten bis zur letzten Zeile packend. Melnikow reichert den Handlungsablauf, der haupts&#228;chlich von den beiden Protagonisten, dem sehr reichen patriarchalischen Kaufmann Patap Maksimytsch Tschapurin und seiner Schwester, der &#196;btissin Manefa, bestimmt wird, mit so vielen einzelne Begebenheiten an, dass man immer wieder aufs Neue gefesselt ist. Es ist die herausragende literarische Leistung Melnikows, viele einzelne Erz&#228;hlungen nahtlos in ein Gesamtgeschehen einzubinden, ohne dass man das Gef&#252;hl bek&#228;me, einzelne Erz&#228;hlungen zu lesen, wie es bei nicht minder gro&#223;en Schriftstellern, aber weniger begabten Romanautoren manchmal der Fall ist; und das stellt ihn auf eine Stufe mit z. B. Dostojewski und vielleicht noch &#252;ber Tolstoi. </p>
<p>Und jetzt kommt das Erstaunliche: Schon zu seiner Zeit wurde Melnikow kaum gelesen und Anfang des 20. Jahrhunderts war er vollkommen in der Versenkung verschwunden. Es war ausgerechnet der sozialistische Moskauer Staatsverlag f&#252;r k&#252;nstlerische Literatur, der Melnikows Werk mit seiner eindeutig religi&#246;sen Thematik 1955 neu herausbrachte – und das in einer gewaltigen Auflage: In den W&#228;ldern mit 300.000 und das un&#252;bersetzte In den Bergen gar mit 450.000 Exemplaren! Und wieder einmal ein Gl&#252;cksfall f&#252;r die Literatur: In der DDR f&#252;hlte man sich als „kleiner Bruder“ selbstverst&#228;ndlich verpflichtet, etwas von Melnikow ins Deutsche zu &#252;bersetzen – In den W&#228;ldern g&#228;be es sonst nicht in deutscher Sprache.</p>
<p>Zu Melnikows Lebzeiten waren die Werke von kitzeliger Thematik. Bei Schriftstellerkollegen wie <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=biely">Biely</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=remisow">Remisow</a>, und sp&#228;ter <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=maxim+gorki">Gorki </a>und anderen war er sehr gesch&#228;tzt, doch der Leser wollte damit wenig zu tun haben, denn es roch verd&#228;chtig nach Kritik am Herrschertum. Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts war bei der herrschenden Schicht das mond&#228;ne k.u.k.-Leben angesagt, die einen tanzten Walzer, die anderen marschierten; die, die am meisten lasen, waren Frauen, und f&#252;r die war das Thema uninteressant – Helden waren in der Literatur gefragt.<br />
Die Leser aus anderen Schichten hatten andere Probleme, was interessierten sie die Probleme der Altgl&#228;ubigen! Und nach der Revolution 1917/18 und erst recht unter Stalin war das Thema verp&#246;nt und h&#246;chst gef&#228;hrlich.<br />
Nach Stalins Tod war Kritik an der Religion – am „Opium f&#252;r das Volk“ – selbstverst&#228;ndlich weiterhin angesagt und anscheinend hatte man Melnikows Werk etwas oberfl&#228;chlich gelesen und nur die Schilderung „schlimmer“ Zust&#228;nde gesehen, und die glaubte man f&#252;r antireligi&#246;se (und versp&#228;tete antizaristische) Propaganda benutzen zu k&#246;nnen. Wieder einmal kannten die Herrscher ihre Untertanen schlecht und verrannten sich in ihrer Ideologie.</p>
<p>Dass Melnikow im Westen kein Interesse weckte (ausgenommen bei Johannes von Guenther), ist kaum erstaunlich: Von der russischen Orthodoxie hatte man keine Ahnung und glaubte sie unter dem Kommunismus praktisch verschwunden; das Wort „Altgl&#228;ubige“ konnte man noch nicht einmal buchstabieren und alle Literatur, die nicht von Dissidenten kam, war uninteressant bis suspekt. Nur die ganz gro&#223;en Namen hatten G&#252;ltigkeit – &#252;ber die schrieb man sich die Finger wund.</p>
<p>Im Teich der Literatur, dort, wo das Wasser tr&#252;be ist, schlummert noch eine Perle. Sie gilt es zu heben. Vielleicht ist das Wasser durch diesen Essay etwas aufgewirbelt und die Perle sichtbar geworden. </p>
<p>Wer will sie herausfischen?</p>
<div class="dialog">
<div class="hd">
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</div>
<div class="bd">
<div class="c">
<div class="s">
<h3>Literatur:</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=melnikow&#038;title=alten+zeiten&amp;anyWords=guenther">Pawel Melnikow:Die alten Zeiten</a> (1962), herausgegeben von Johannes von Guenther (<em>Marginalien zur russischen Prosa des 19. Jahrhunderts</em>, <em>Die alten Zeiten</em>, <em>Pojarkow</em>, <em>Die Namenstagspastete</em>, <em>Der st&#228;ndige Beisitzer</em>, <em>Gro&#223;mutters Plaudereien</em>)</p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=pawel+melnikow">Pawel Iwanowitsch Melnikow:</a> <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=melnikow&#038;title=waeldern">In den W&#228;ldern</a> (2 Bd.)</p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hauptmann&#038;title=altglaeubige">Peter Hauptmann:Ru&#223;lands Altgl&#228;ubige</a></p>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=hauptmann&#038;title=altrussischer+glaube">Peter Hauptmann:Altrussischer Glaube</a></div>
</div>
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<div class="ft">
<div class="c"></div>
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		</item>
		<item>
		<title>„Eine kluge Frau hat Millionen Feinde – alle dummen M&#228;nner.“ Marie von Ebner-Eschenbach als poetische Vorbotin der Gleichberechtigung.</title>
		<link>http://blog.zvab.com/2009/03/26/eine-kluge-frau-hat-millionen-feinde-alle-dummen-maenner-marie-von-ebner-eschenbach-als-poetische-vorbotin-der-gleichberechtigung/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Mar 2009 08:25:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Carsten Tergast</dc:creator>
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		<category><![CDATA[soziale Realität]]></category>
		<category><![CDATA[Wien]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Riesenreich des Kaisers Franz-Joseph wuchs sie nach ihrer Geburt1830 vorwiegend im m&#228;hrischen Teil auf, verbrachte jedoch auch einen Teil der Kindheit im Zentrum der habsburgischen Monarchie, in Wien. Die fr&#252;hen Jahre von Marie von Ebner-Eschenbach spielten sich zwischen zwei Sprachpolen ab: Franz&#246;sisch war die Sprache ihrer Familie, Tschechisch die von Amme, Kinderfrau und Gesinde, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/EbnerE1.jpg" width="117" height="150" alt="" title="" /></div>
<p>Im Riesenreich des Kaisers Franz-Joseph wuchs sie nach ihrer Geburt1830 vorwiegend im m&#228;hrischen Teil auf, verbrachte jedoch auch einen Teil der Kindheit im Zentrum der habsburgischen Monarchie, in Wien. Die fr&#252;hen Jahre von <strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach+marie">Marie von Ebner-Eschenbach </a></strong>spielten sich zwischen zwei Sprachpolen ab: Franz&#246;sisch war die Sprache ihrer Familie, Tschechisch die von Amme, Kinderfrau und Gesinde, die f&#252;r ihr Aufwachsen nicht ohne Bedeutung waren. Nachdem die Mutter kurz nach der Geburt gestorben war und Marie mit nur sieben Jahren auch die erste Stiefmutter verlor, war die Gro&#223;mutter die zentrale Konstante im Leben des jungen M&#228;dchens, das sich fr&#252;h f&#252;r <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=corneille+pierre">Corneille </a>begeisterte und infolgedessen die <em>„gr&#246;&#223;te Schriftstellerin“</em> werden wollte. Einer der ersten poetischen Gehversuche, eine „Ode à Napoléon“, findet vor dem 15 Jahre &#228;lteren Vetter Moritz Freiherr von Ebner-Eschenbach, der sie zuf&#228;llig liest, keine Gnade. Vor allem die Anbiederung ans Franz&#246;sische st&#246;rt in jener Zeit; er empfiehlt ihr: <em>„Was deutsch du denkst, hab deutsch zu sagen auch den Mut!“</em><br />
<span id="more-1976"></span><br />
Marie von Ebner-Eschenbach folgt diesem Ratschlag und es entstehen bereits fr&#252;h ganze Dramen. Als sie 17 Jahre alt ist, legt ihre zweite Stiefmutter dem gro&#223;en <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=franz+grillparzer">Franz Grillparzer</a> einige St&#252;cke vor und dieser lobt die Qualit&#228;t des Geschriebenen vorsichtig, indem er von <em>„unverkennbaren Spuren eines Talents“</em> spricht, die er erkennen k&#246;nne. Trotz dieser Einsch&#228;tzung erweist sich in der Folge, dass das Talent der jungen Dichterin wohl weniger im Verfassen von B&#252;hnenst&#252;cken liegt. Nach einer Auff&#252;hrung des Lustspiels <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=waldfraeulein">Das Waldfr&#228;ulein</a></em></strong> spart sie nicht mit Selbstkritik: <em>„Die letzten zwei Aufz&#252;ge versagen v&#246;llig.“</em> B&#246;se Kritik folgt, so dass Marie sich 1875 bereits am Ende ihrer schriftstellerischen Karriere angekommen w&#228;hnt. Was sie noch nicht ahnt: Nun erst, mit dem Scheitern als Theaterschriftstellerin, sollte ihre gro&#223;e Zeit beginnen.</p>
<div class="bildlinks"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/EbnerE3ExLibris.jpg" width="190" height="280" alt="" title="" /><br /><small>Exlibris</small></div>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=lew+tolstoi">Tolstoi</a>, <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=turgenjew">Turgenjew </a>und <a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=gottfried+keller">Gottfried Keller</a> d&#252;rfen als Ahnherren f&#252;r ihren Prosastil gelten. Ebner-Eschenbachs Erz&#228;hlungen und Romane sind von einer ungleich h&#246;heren Qualit&#228;t als ihre B&#252;hnenst&#252;cke; sie beschreiben die soziale Realit&#228;t der zweiten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts mit feiner Beobachtungsgabe. In den <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=dorf+schlossgeschichten">Dorf- und Schlo&#223;geschichten</a></em></strong>, deren bekannteste die Hundegeschichte <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=krambambuli">„Krambambuli“</a></strong></em> ist, sind alle gesellschaftlichen Schichten zu finden. Doch ist es kein Zufall, dass im Titel das „Dorf“ vor dem „Schlo&#223;“ genannt wird, war es der Dichterin doch wichtig, den Fokus auf die kleinen Leute zu lenken. Zwar kommen Adelige, Beamte, &#196;rzte, Pfarrer und Lehrer in ihren Geschichten vor, genauso jedoch Bauern, Knechte, uneheliche M&#252;tter, Vagabunden und Verbrecher. Die Integration Letzterer in ihr Werk brachte ihr den Beinamen <em>„Plutarch der Unber&#252;hmten“</em> ein. In der Beschreibung des sozialen Elends und der Ungerechtigkeit liegt die St&#228;rke von Ebner-Eschenbachs Prosa, wenngleich die Hoffnung auf eine L&#246;sung der Probleme durch die Besinnung der Oberschicht auf ihre Pflichten etwas zu romantisch anmutet. <em>„Es g&#228;be keine soziale Frage, wenn die Reichen von jeher Menschenfreunde gewesen w&#228;ren“</em>, war ihre &#220;berzeugung, die die bittere Erkenntnis, dass der Mensch von jeher eher des Menschen Wolf ist, geflissentlich ausblendet.</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/EbnerE4Bozena.jpg" width="179" height="174" alt="" title="" /></div>
<p>Marie von Ebner-Eschenbachs Sprache ist kultiviert und poetisch, jedoch von einer sch&#246;nen Schlichtheit und gepr&#228;t von einem volkst&#252;mlichen Unterton, der ihr Werk so angenehm lesbar macht. Ob es die Stilisierung einer treuen tschechischen Dienstmagd hin zum Sinnbild von M&#252;tterlichkeit in <strong><em><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=bozena">Božena </a></em></strong>ist oder die Besch&#228;ftigung mit dem Ostjudentum in der Arztgeschichte <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=jakob">„Jakob Szela“</a></strong></em>: Die Schriftstellerin nutzt die poetischen M&#246;glichkeiten ihrer Zeit. Auch der Entwicklungsroman <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=gemeindekind">Das Gemeindekind</a></strong></em> zeigt sie auf der H&#246;he eines kritischen Realismus. Einen biografischen Hintergrund hat – nebenbei bemerkt – die Erz&#228;hlung <em><strong><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=lotti">Lotti, die Uhrmacherin</a></strong></em>. Marie von Ebner-Eschenbach hat das Uhrmacherhandwerk erlernt, und noch heute kann man ihre umfangreiche Uhrensammlung in einem eigenen Wiener Museum bewundern. Die ganze Uhrmacherinnung der Stadt folgte nach ihrem Tod dem Sarg der „Kollegin“.</p>
<p>Verheiratet war sie seit ihrem 18. Lebensjahr mit eben jenem Vetter, der sie zum Schreiben in deutscher Sprache ermahnt hatte. Moritz Freiherr von Ebner-Eschenbach war Physiker, Techniker, Erfinder und Kapit&#228;nleutnant zugleich und ein Mann, der die weibliche Selbst&#228;ndigkeit zu achten gew&#246;hnt war. Er war ein Liberaler im besten Sinne, und nichts kr&#228;nkte seine Frau mehr als sein erzwungener Ruhestand im Jahre 1873, dem politische Intrigen auf Grund seiner Anschauungen vorangegangen waren.</p>
<p>Die Poetin war sich sehr bewusst dar&#252;ber, dass Frauen im Ansehen der Allgemeinheit eine niedere Stellung einnahmen und klagte dar&#252;ber ausf&#252;hrlich in einem Brief: In Deutschland <em>„ist die Frau an und f&#252;r sich nichts, sie kann nur etwas werden durch den Mann, dem sie in Liebe angeh&#246;rt, dem sie sich in Demut unterwirft, in dessen Leben das ihre aufgeht. Ein so unvollkommenes Wesen besitzt selbstredend kein Talent. Seine Bestrebungen, ein solches auszubilden, haben etwas Unn&#246;tiges und Verkehrtes, das im besten Falle Mitleid, im schlimmsten Abscheu erweckt.“</em></p>
<p>Auf den Punkt bringt Marie von Ebner-Eschenbach, die 1916 in Wien stirbt, diese Erkenntnis mit dem sch&#246;nen Satz: <em>„Eine kluge Frau hat Millionen geborener Feinde – alle dummen M&#228;nner!“</em> Alice Schwarzer w&#228;re stolz auf sie gewesen…</p>
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<h3>Marie von Ebner-Eschenbach im ZVAB</h3>
<p><a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=franzensbad">Aus Franzensbad</a>, 1858 (Episteln)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=banalien">Die Prinzessin von Banalien</a>, 1872 (M&#228;rchen)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=waldfraeulein">Das Waldfr&#228;ulein</a>, 1873 (Lustspiel)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=bozena">Božena</a>, 1876 (Erz&#228;hlung)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=gemperlein">Die Freiherren von Gemperlein</a>, 1878 (Novelle)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=lotti">Lotti, die Uhrmacherin</a>, 1880 (Erz&#228;hlung, zuerst erschienen in der <em>Deutschen Rundschau</em>)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=aphorismen">Aphorismen</a>, 1880<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=dorf+schlossgeschichten">Dorf- und Schlo&#223;geschichten</a>, 1883 (Erz&#228;hlungen, u.a. <em>Der Kreisphysikus</em>, <em>Jacob Szela</em>, <em>Krambambuli</em>, <em>Die Resel</em>, <em>Die Poesie des Unbewu&#223;ten</em>)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=komtessen">Zwei Komtessen</a>, 1885 (Erz&#228;hlung)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=neue+schlossgeschichten">Neue Dorf- und Schlo&#223;geschichten</a>, 1886 (Erz&#228;hlungen, u.a. <em>Die Unverstandene auf dem Dorfe</em>, <em>Er la&#223;t die Hand k&#252;ssen</em>, <em>Der gute Mond</em>)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=gemeindekind">Das Gemeindekind</a>, 1887 (Roman)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=unsuehnbar">Uns&#252;hnbar</a>, 1890 (Erz&#228;hlung)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=drei+novellen">Drei Novellen</a>, 1892 (u.a. <em>Oversberg</em>)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=glaubenslos">Glaubenslos?</a>, 1893 (Erz&#228;hlung)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=schaedliche+todtenwacht">Das Sch&#228;dliche. Die Todtenwacht. Zwei Erz&#228;hlungen</a>, 1894<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=rittmeister+vogelweid">Rittmeister Brand. Bertram Vogelweid. Zwei Erz&#228;hlungen</a>, 1896<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=alte+schule">Alte Schule</a>, 1897 (Erz&#228;hlungen, u.a. <em>Ein Verbot</em>, <em>Der Fink</em>, <em>Eine Vision</em>, <em>Schattenleben</em>, <em>Verschollen</em>)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=ende">Am Ende</a>, 1897 (Szene)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=spaetherbsttagen">Aus Sp&#228;therbsttagen</a>, 1901 (Erz&#228;hlungen, u.a. <em>Der Vorzugssch&#252;ler</em>, <em>Maslans Frau</em>, <em>Fr&#228;ulein Susannens Weihnachtsabend</em>, <em>Uner&#246;ffnet zu verbrennen</em>, <em>Die Reisegef&#228;hrten</em>, Die Spitzin, <em>In letzter Stunde</em>, <em>Ein Original</em>, <em>Die Visite</em>)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=agave">Agave</a>, 1903 (Roman)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=arme+kleine">Die arme Kleine</a>, 1903 (Erz&#228;hlung)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=unbesiegbare">Die unbesiegbare Macht. Zwei Erz&#228;hlungen</a>, 1905<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=kinderjahre">Meine Kinderjahre</a>, 1906 (autobiografische Skizzen)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=altweibersommer">Altweibersommer</a>, 1909 (Erz&#228;hlungen und Skizzen)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=genrebilder">Genrebilder</a>, 1910 (Erz&#228;hlungen)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=stille+welt">Stille Welt</a>, 1915 (Erz&#228;hlungen)<br />
<a href="http://www.zvab.com/basicSearch.do?author=ebner-eschenbach&#038;title=grillparzer">Meine Erinnerungen an Grillparzer</a>, 1916
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