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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Kafka am Strand

von Nicola Bardola

Leider erfährt die schwierige Zielgruppe 14+ nur selten, dass es Bücher gibt, die nicht bei MTV, in der Yam oder sonst einer Teeny-Zeitschrift und auch nicht in der Schule erwähnt werden, die nicht in den Jugendbuchabteilungen der Bibliotheken und Buchhandlungen stehen und die trotzdem ein perfektes Mittel gegen die gefährliche Lesefaulheit in der Pubertät sind. Die Hauptursache für diese „Unsichtbarkeit“ ist banal: Diese Bücher erscheinen nicht in Jugendbuchverlagen.
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24. August 2010

Sex auf Distanz

von Jaromir Konecny

„Ich war ein verlogenes Kind, das kam vom Lesen“, schrieb Isaak Babel. Klar ist übersprudelnde Phantasie auch eine schwere Last für den Fabulierer, bis er sich für seine Lügnereien ein hübsches Alibi zurechtgelegt hat – man schreibt einen Roman! Ab da ist man nicht mehr Lügner, man ist der Herr Schriftsteller. Das gelingt nicht jedem. Die meisten Bafler werden keine Schriftsteller, sie müssen sich weiter direkt von Mensch zu Mensch in ihren Weltrausch reden und nicht in einem Roman, sie brauchen den Zauber der direkten Rede. Wenn du einen Bafler in der Kneipe triffst, erzählt er dir gleich unbändig Geschichten, in denen er alles verdreht und maßlos übertreibt. Der Bafler will deine Burg aus anerzogener Distanz stürmen, dich ganz für seine Geschichte einnehmen! Der Bafler sucht „Körpernähe“, möchte dich zum Schwitzen bringen. Ein Lügner will dich betrügen, um für sich irgendwelche Vorteile zu ergattern, ein Bafler will dich staunen lassen. Und aus dem Staunen kommt die Freude! Ein Bafler beglückt dich also. Zum Beispiel mein Freund Pepino in Mähren, der mal erzählte, wie er den Hamster seiner Freundin aus dem 9. Stock eines Plattenbaus mit einem kleinen Fallschirm habe runter springen lassen.
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9. August 2010

Nachwort zu Iwan Turgenjew

von Hanns-Martin Wietek

und eine kleine Geschichte der erotischen Literatur und der Sitten

Um zu verstehen, warum die Rolle des Mannes in Turgenjews und in Werken anderer Schriftsteller seiner Zeit sehr häufig die eines “Leidenden, der oft bis zum bitteren Ende entsagt – durch Selbstmord, durch Herausforderung einer Situation, die ihn ums Leben bringt, oder ganz einfach durch qualvolles und stumpfsinniges Dahinsiechen bis zur Erlösung im Tode” ist (vgl. Iwan Sergejewitsch Turgenjew – Sein literarisches Schaffen, Romane II), muss man einen Blick zurück in die Geschichte werfen und die allmähliche Veränderung der Beziehung zwischen Mann und Frau betrachten. Auch wenn es interessant wäre, damit im wahrsten Sinn des Wortes bei Adam und Eva zu beginnen, soll der Einstieg hier im endenden Mittelalter erfolgen, und was eigentlich Bände füllen würde, kann nur skizziert werden – es wird auch so schon eine lange “Geschichte”. Bei der Darstellung geht es um eine Grundlinie; Abweichungen in verschiedene Richtungen müssen vernachlässigt werden. Außerdem kann größtenteils nur die gesellschaftliche Oberschicht betrachtet werden, aber die hatte auch bei diesem Thema das alleinige Sagen und wirkte so oder so meinungsbildend auf die Unterschichten.
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3. August 2010

Großereignisse und ein neurotischer Buchmarkt: Über die Rezeption südafrikanischer Kriminalliteratur

von litprom

Krimi-Kolumne von Thomas Wörtche

Großereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft sind de facto gigantische Multiplikatoren. Ein paar Aufmerksamkeitssplitter bleiben auch für die Kultur, davon ein paar für die Literatur und von diesen wiederum ein paar für die Kriminal- literatur. Im Falle Südafrikas sogar ganz speziell für die Kriminalliteratur. Denn ohne die globale Bedeutung von literarischen Schwergewichten wie Nadine Gordimer, André Brink und J. M. Coetzee schmälern zu wollen – Kriminalautoren wie Deon Meyer (vgl. auch unsere Interview-Kolumne Deon Meyer: ein Mann mit Leidenschaft) und in dessen Erfolgssog Roger Smith, Andrew Brown oder Margie Orford haben binnen einiger Jahre einen mindestens analogen Bekanntheitsstatus bei einem breiteren internationalen Publikum erreicht. (Weiterlesen …)

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27. Juli 2010

Iwan Sergejewitsch Turgenjew – Sein literarisches Schaffen, Romane II

von Hanns-Martin Wietek

So wünschenswert es wäre, jeden einzelnen von Iwan Turgenjews hochklassigen Romanen ausführlich zu besprechen – hier ist dafür weder Zeit noch Raum. Stichwortartige Notizen über die Handlung und die persönlichen Bezüge müssen genügen, um Lust auf mehr zu machen. Wer sich den höchst interessanten literaturwissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Analysen zuwenden will, die Turgenjews Romanwerk nach sich gezogen hat, wird in den Literaturangaben am Ende dieses Textes viel Lesenswertes finden. (Weiterlesen …)

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20. Juli 2010

Broken Hero

von Nicola Bardola

„Race Evarts versteckte seine neuesten Schuhe immer im alten Pumpenhaus. Er kam auf dem Heimweg vom Lauftraining daran vorbei; es lag ganz hinten an der Weide und war vom Haus der Smithons aus nicht zu sehen.“ So beginnt der Roman. Race versteckt viele Schuhe im Pumpenhaus. Vor allem teure, nagelneue Laufschuhe. Diebesbeute. Race klaut auch Klamotten. Er nimmt die Bestellungen seiner Freunde auf und erfüllt seinen Kumpels und Freundinnen ihre Wünsche. Frauenfüße sind ihm wichtig, nicht nur das adäquat schmückende Schuhwerk dazu, auch beim Liebesspiel. Manchmal bleibt es dem Leser überlassen, sich auszumalen, was sich Race bei seltsamen Ereignissen so denkt. Manchmal kommen später erklärende Puzzleteile hinzu. (Weiterlesen …)

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12. Juli 2010

Wesensnahe Lebenskünstlerinnen

von Jaromir Konecny
Für Zuzy
*

Ich schlenderte über den Viktualienmarkt und betrieb Frühlingsforschung. Zum Glück war alles bei altem geblieben: Die Frühlingsfrauen bei ihrer bombastischen Bein-Bauch-Brust-Stabreimparade. In diesem Jahr gab es keinen Kirchentag in der Stadt, die Bienen blümelten und die Vögel vögelten – es herrschte Frühling. Drei braunbusige Prinzessinnen aus Bora Bora mit Goldkettchen an nackten Fußknöcheln, an denen kleine Arschherzchen hingen, lutschten beim Pferdemetzger an heißen Knackern rum – Poesie pur! Nicht einmal mit seinen 2010 Jahren war das Christentum unserer Natur gewachsen. Wie waren sinnlich geblieben!
„Jaromir?“ Die Sonne hatte sich nackt ausgezogen, doch der Mann steckte in einem dunklen Anzug – als wollte er bei der Regierung für die Hypo Real Estate etwas Geld schnorren. „Bist du’s?“, sagte er auf Tschechisch.
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6. Juli 2010

Kai aus der Kiste

von LesArtige
Wolf Durian - Kai aus der Kiste

Kais Geschichte spielt im Berlin der 20er Jahre. Seine Familie ist sehr arm, denn ist ist die Zeit der großen Inflation in Deutschland. Am liebsten verbringt der Junge seine Zeit mit seiner Bande „Die schwarze Hand“ auf der Straße. Eines Tages erfährt er von einem Freund, der in einem großen, teuren Hotel arbeitet, dass ein Hotelgast, der Amerikaner Mr Mac Allen, einen „Reklamekönig“ sucht, also jemanden, der besonders gute Werbung machen kann. Dieser „Reklamekönig“ soll die Schokolade in Deutschland vermarkten, die Mr Mac Allen herstellt. (Weiterlesen …)

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28. Juni 2010

Iwan Sergejewitsch Turgenjew – Sein literarisches Schaffen, Romane I

von Hanns-Martin Wietek

   Iwan Turgenjew

Schon vor – und ganz besonders nach – dem Erscheinen der Aufzeichnungen eines Jägers (1852), die ihn berühmt gemacht hatten, hatte sich Iwan Turgenjew überlegt, ein umfassenderes episches Werk, einen Roman zu schreiben. Auch seine Freunde forderten ihn recht eindringlich dazu auf. Im Russischen gab es dieses Genre bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht (Die toten Seelen von Gogol sind ein Einzelfall) und auch im westeuropäischen Raum war der Roman im heutigen Sinn noch recht jung; erste Vertreter waren Alexandre Dumas der Ältere (*1802, †1870) mit seinen pseudohistorischen Abenteuerromanen wie z. B. Die drei Musketiere (1844), Der Graf von Monte Christo (1846) und Das Halsband der Königin (1850) und Alexandre Dumas der Jüngere (*1824, †1895) mit seinen Sittenromanen Die Kameliendame (1848), Diane de Lys (1853) und Halbwelt (1855), dazu George Sand (*1804, †1876) als Schriftstellerin sozial-psychologischer (im weitesten Sinne) Romane, die erheblichen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben Westeuropas hatten, Eugénie Tour (auch: Evgenija Tur, *1815, †1892) sowie zuvor schon Antoine-François (genannt L’Abbé) Prévost (*1697, †1763) mit seiner Manon Lescaut und Jacques-Henri Bernadin de Saint-Pierre (*1737, †1814) mit Paul et Virginie. (Weiterlesen …)

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21. Juni 2010

Erzählt es euren Kindern

von Nicola Bardola

In Schweden war das Jugendbuch Erzählt es euren Kindern – Der Holocaust in Europa (ab 12 Jahre) das auflagenstärkste der gesamten 1990er-Jahre. Verfasst haben es der schwedische Historiker Stéphane Bruchfeld und sein lange schon in Stockholm lebender amerikanischer Kollege Paul Levine – im Auftrag der Schwedischen Regierung. Ein solche Initiative wäre auch in Deutschland fällig; die Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander äußert sich besorgt darüber, dass in den letzten Jahren immer weniger Bücher zum Thema Holocaust erscheinen. Aber dass eine deutsche Regierung Experten beauftragt, ein historisch wichtiges Jugendbuch zu schreiben, ist bislang leider undenkbar. (Weiterlesen …)

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14. Juni 2010

Alles andere als ein Durchschnittstalent: der vielschichtige Literat Walter Hasenclever

von Carsten Tergast

Als 1912 die Einrichtung des Kleistpreises beschlossen wurde, entschied man sich bewusst gegen eine Mehrheitsentscheidung bei der Preisvergabe. Ein einzelner „Vertrauensmann“ sollte den Preisträger benennen, zur Begründung dieses Vorgehens hieß es:

Der Kleistpreis soll neue und ungewöhnliche Begabungen unterstützen. Mehrheiten entscheiden sich für das Durchschnittstalent, das es allen recht macht. Nur ein einzelner kann sich rücksichtslos für das Außerordentliche einsetzen.

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7. Juni 2010

Ausgang auf Afrikanisch

von Jaromir Konecny

Bimbo lernte ich vor 24 Jahren in einem Flüchtlingslager bei Vilsbiburg kennen. Jeder ist auf etwas stolz. Der schwarze Afrikaner Bimbo war Philosoph und somit stolz auf seinen Spitznamen. Dazu zitierte er immer gern Lao Tse: „Wer seine Glorie kennt und dennoch in Schande weilt, der ist das Vorbild der Welt.“
Wir hatten in Bayern politisches Asyl beantragt, und der bayerische Staat steckte uns in ein heruntergekommenes Kloster in einem winzigen niederbayerischen Dorf, damit wir dort Sozialmissbrauch betreiben konnten. Ohne Pass und Arbeitserlaubnis lagen wir Schmarotzer auf der faulen Haut und warteten auf die 50 Mark, die wir jeweils am Monatsanfang bekamen. Zwischen diesen Geldtagen träumten Bimbo und ich vom wilden Nachtleben in der Stadt. Deswegen waren nach Deutschland gekommen. Um das „Saturday Night Fever“ im Westen zu genießen! Leider durften wir nicht hin! Wenn uns die Polizei außerhalb des Lagereinzugsgebietes erwischt hätte, wäre es vorbei gewesen mit dem Asyl. Zwar war Bimbo im Dunkeln schwer auszumachen, doch in Bayern gibt’s keine dunklen Ecken mehr. Einmal hatte Gott gesagt, „es werde Licht!“, und seitdem scheint und strahlt und glänzt und gleißt und blinkt und blitzt hier alles. In Bayern kannst du dich als Schwarzer nirgendwo verstecken, in Bayern bist du als Schwarzer eine weiße Krähe, verdammt! Bayern leuchtet!
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31. Mai 2010

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