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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Klassenspiele

von Nicola Bardola

Celia Rees’ zweiter Roman Klassenspiel (1994) gehört bis heute zu ihren besten und meist kopierten - aber nie erreichten. Die englische Autorin arbeitete als Lehrerin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie weiß also, was in Klassenzimmern und auf Schulhöfen geschehen kann. In Klassenspiel schildert sie, was dazu geführt hat, dass sich die Mutter der Romanfigur Lauren heftigen verbalen Angriffen ausgesetzt sieht:

„Ihr seid an allem schuld!“, schrie Lauren quer durchs Zimmer ihre Mutter an. „Du und Dad! Das alles wäre nicht passiert, wenn wir nicht hierher gezogen wären. Der Umzug war seine Idee und du hast nachgegeben. Ihr habt behauptet, dass alles ganz toll werden würde. Vor allem Dad hat uns dauernd vorgeschwärmt. Und seit wir hier sind, bekommen wir ihn überhaupt nicht mehr zu sehen. Er ist immer weg oder in Eile oder irgendwo unterwegs, und wenn er wirklich mal da ist, zofft ihr euch nur und hackt aufeinander rum. Das hasse ich! Ich will zurück. Ich will nach Hause, nach Australien. Du doch auch! Und wenn du jetzt sagst, dass du nicht zurückwillst, dann – dann bist du eine verlogene Heuchlerin!“
Lauren lehnte sich im Sessel zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie war kreidebleich im Gesicht. Sie wusste, dass sie zu weit gegangen war.

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Nicola Bardola 7. Oktober 2008

Sharon Creech und ihr bester Hund

von Nicola Bardola

Ich will nicht.
Jungs schreiben
keine Gedichte.

Diese ersten Zeilen aus dem Roman Der beste Hund der Welt von Sharon Creech definieren die Probleme des Schülers Jack auf klassisch-griechische Weise. Sie stehen nämlich in unausgesprochener Verbindung mit dem Paradoxon des Epimenides, dessen Aussage „Ein Kreter behauptet: ‚Alle Kreter lügen’” sich selbst ebenso ad absurdum führt wie die oben zitierten Sätze, die in Versform von einem Jungen verfasst sind; Sätze, die - wie das Buch demonstrieren wird - selbst bereits ein Gedicht bilden. (Weiterlesen …)

Nicola Bardola 1. September 2008

Angela Nanetti: Mein Großvater war ein Kirschbaum

von Nicola Bardola

In Italien gibt es seit Italo Calvinos Baron auf den Bäumen eine Tradition, existentielle Fragen in luftigen Höhen abzuhandeln.

Ich sah, dass Mama sich Sorgen machte.
„Tonino, bitte …“
„Ich steige nicht ab, weil sie den Baum absägen wollen“, wiederholte ich. Und je öfter ich es wiederholte, desto mehr spürte ich, dass es richtig war.
Also stiegen die Feuerwehrleute in ihr Auto und fuhren die Leiter aus. Einer kletterte daran hoch. Ich wartete, bis er sich meinem Ast genähert hatte. Als er sich streckte, rutschte ich auf einen anderen Ast. Ich hörte Großvaters Stimme: „Du musst denken, du wärst ein Vogel oder eine Katze, du musst daran denken, dass der Kirschbaum dein Freund ist.“
Und so kletterte ich rauf und runter und die Feuerwehrleute drehten ihre Leiter in alle Richtungen, aber sie erwischten mich nicht. Schließlich war ich ganz oben in der Baumkrone.

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Nicola Bardola 28. Juli 2008

Ein Job für Wittilda

von LesArtige
Was Jugendliche über das Buch denken:

Leseeindrücke von Kiril Dimova (12 Jahre) Wittilda hat 47 Katzen und muss sie alle füttern. Deshalb braucht Wittilda einen Job. Zum Glück findet sie in Tante Barts Haar-Studio eine Arbeit. Leider wird sie sofort wieder entlassen, weil sie einer Dame, eine Frisur wie ein Spinnennetz macht. Sie findet einen Job bei Dingaling Pizza und kommt am Abend mit Katze Nr. 48 und Pizza für alle nach Hause.
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LesArtige 7. Juli 2008

Die verzauberte Ella

von Nicola Bardola

„Mandy schnitt den Kuchen an, gab mir das erste Stück und sagte, ohne zu denken: ‚Iss.’
Der erste Bissen schmeckte wundervoll und ich aß das Kuchenstück freudig auf. Als der Teller leer war, schnitt Mandy mir ein zweites Stück ab. Bei diesem Stück wurde es schon schwieriger, doch ich aß auch dieses auf. Danach gab mir niemand mehr ein neues, aber ich wusste, dass ich weiteressen musste. Ich spießte meine Gabel in das große Kuchenstück.
‚Ella, was tust du da?’, fragte Mutter.
‚Kleines Ferkel.’ Mandy lachte. ‚Aber heute ist ihr Geburtstag, Lady. Heute darf sie so viel essen, wie sie mag.’ Und sie legte mir ein drittes Stück auf den Teller.
Mir war schlecht und ich hatte Angst. Warum konnte ich bloß nicht aufhören zu essen?
Das Schlucken war ein Kampf. Jeder Bissen lag mir schwer auf der Zunge und fühlte sich an wie zäher, klebriger Leim, während ich darum rang, ihn hinunterzuwürgen. Ich begann zu weinen, während ich aß.
Mutter merkte es als Erste. ‚Hör auf zu essen, Ella!’, befahl sie.
Und ich hörte auf.
Jeder konnte mich mit einem Befehl beherrschen.“

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Nicola Bardola 17. Juni 2008

Jutta Richter: Hechtsommer

von Nicola Bardola

Zwei Brüder, Daniel und Lukas, und ihre etwas ältere Freundin Anna leben schon so lange sie sich erinnern können gemeinsam in einem Wasserschloss abseits vom Dorf. Anna mit ihrer Mutter, die Brüder mit ihren Eltern Gisela und Peter. Heimlich lernen die Jungen an den freien Sommernachmittagen fachgerechtes Angeln, um später einmal den stolz dahingleitenden Hecht im Schlossgraben zu fangen, obwohl Fischen dort streng verboten ist. Dieses grünsilbrig schimmernde, wild und gefährlich aussehende Tier ist eine Herausforderung für die Brüder. Den Hecht zu fangen erfordert Mut und Geschick. Sie kaufen eine Ausrüstung und üben ausdauernd mit Kescher und Leine. Die Ich-Erzählerin Anna allerdings macht nur halbherzig mit, denn sie hält Angeln für Tierquälerei. „Als wir an diesem Mittag aus der Schule kamen, waren die Rapsknospen aufgeplatzt. Schon von weitem sahen wir das Feld leuchten. (…) ,Da wird man fröhlich vom Hingucken!’, hatte Lukas einmal gesagt. Und das stimmte. Aber heute war es anders, denn ich musste an Giselas Haare denken und ich fürchtete mich.“ (Weiterlesen …)

Nicola Bardola 19. Mai 2008

Carmen Martin Gaites märchenhaftes New York: Rotkäppchen in Manhattan

von Nicola Bardola

Wer in diesen dollarschwachen Zeiten das Shoppingparadies New York besuchen will, sollte den Kaufrausch mit einer zauberhaften Prosa begleiten: Die kleine Sarah Allen im roten Regenmantel mit Kapuze und am Arm den mit einer karierten Serviette bedeckten Henkelkorb, ist am Tag ihres zehnten Geburtstages in einer U-Bahn-Station nähe Central Park auf Hilfe angewiesen. Geträumt hat sie schon lange von Manhattan, jener „Insel in der Form eines Schinkens mit einem Spinatkuchen in der Mitte, der Central Park heißt.“ Es ist Sarahs erster selbständiger Ausflug zu ihrer Großmutter nach Manhattan von Brooklyn aus, wo sie allzu behütet im 14. Stockwerk eines Hochhauses wohnt.
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Nicola Bardola 7. April 2008

Käthi Bhend: Wenn Risikobücher zu Longsellern werden. “Die Nacht im Zauberwald”

von Nicola Bardola

Vor zwanzig Jahren erschien erstmals das Bilderbuch „Im Traum kann ich fliegen“ mit einem Text der Schweizer Autorin Eveline Hasler und Bildern von Käthi Bhend. Die Redaktion übernahm Gisela Stottele für Ravensburger. Es ist ein mutiges Bilderbuch - allein schon wegen der fünf Protagonisten: zwei Würmer, ein Käfer, ein Engerling und eine Raupe. Auch der Schauplatz ist ungewöhnlich: Fast die gesamte Geschichte ereignet sich unter der Erde. Gänge treiben in Wort und Bild die Handlung voran und entfachen die Neugier der Leser.
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Nicola Bardola 6. März 2008

Scott O’Dell: Doppelter Bruch mit der Erzähltradition

von Nicola Bardola

Wer ist der Mann, der 1959 den Klassiker “Insel der blauen Delphine” schrieb, ein Roman, der bis heute Kinder und Erwachsene gleichermaßen fasziniert?

Scott O’Dell wurde als Odell Gabriel Scott 1898 in Los Angeles geboren, studierte Psychologie, Philosophie, Geschichte und Englisch, lektorierte danach Drehbücher und veröffentlichte 1924 eine Aufsatzsammlung über erfolgreiche Stummfilm-Scripts, worauf er von Paramount Pictures engagiert wurde. Er arbeitete in Hollywood auch als Kameramann, u.a. bei den Filmaufnahmen zu Ben Hur in Rom. Italien gefiel ihm so gut, dass er ein Jahr lang dort lebte und einen Roman schrieb, den er jedoch verbrannte. 1934 erschien “Woman of Spain” und nach dem Zweiten Weltkrieg zwei weitere Romane für Erwachsene. Von 1947 bis 1955 arbeitete er als Redakteur für die „Los Angeles Daily News“.
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Nicola Bardola 28. Januar 2008

Günter Ohnemus: Der Fänger in Deutschland

von Nicola Bardola

Der Tiger auf deiner Schulter

“Es gibt dich und Karen, und das darf niemand zerstören. Das könnt ihr beide vielleicht kaputtmachen, aber sonst hat niemand das Recht dazu.”
Welcher Teenager wünscht sich nicht so eine Mutter, die ihrem Sohn das Auto leiht und Tipps gibt für die Suche nach seiner Freundin! Damit endet dieser preisgekrönte moderne Klassiker.

Vincent, genannt Gogo, heißt der Sohn, der sich auch mit seinem Vater gut versteht. Die Konflikte liegen woanders: Vincent sehnt sich nach Ehrlichkeit, liebt Literatur, philosophiert gerne. Er liebt Karen, muss aber feststellen, dass diese Beziehung von den Erwachsenen torpediert wird. “Alligators all around” warnt sie ihn. Während eines High-School-Jahres in Amerika hatte er sich in Tiffany verliebt, doch deren Eltern unterbanden die Beziehung. Dieser doppelte Konflikt bildet den Kern des Romans. Niemand schildert verletzte Gerechtigkeitsliebe in der Adoleszenz besser als Ohnemus. (Weiterlesen …)

Nicola Bardola 24. Oktober 2007

Edwin A. Abbott: Flächenland - Ein mehrdimensionaler Roman

von Nicola Bardola

Es war der letzte Tag des Jahres 1999 … Ich saß neben meiner Frau und dachte über die Ereignisse des vergangenen Jahres nach und über die Aussichten des kommenden, über das kommende Jahrhundert und über das kommende Jahrtausend … Nur wenig Sand war noch in dem Halbstundenglas übrig. Ich erhob mich aus meinen Gedanken und drehte die Sanduhr zum letzten Mal im alten Jahrtausend nach Norden …
Edwin A. Abbotts Quadrat hat sich in der Sylvesternacht auf den Weg durch fremde Welten gemacht. Der Traum vom Linienland und die Reise durch das Punkt- und das Raumland gehören zu den faszinierendsten Leseerlebnissen für Jung und Alt. Abbotts „Flatland. A Romance of Many Dimensions“ erschien erstmals in England im Jahr 1884. Doch das ist nicht der Hauptgrund für die überraschende Ausdrucksweise des Ich-Erzählers, eines alten Quadrates, das die nur einmal alle tausend Jahre wiederkehrende Chance erhält, eine neue Dimension kennen zu lernen. Seine Welt, die nur Länge und Breite, also nur die ersten beiden, jedoch nicht die Höhe, die dritte Dimension, kennt, ist der Grund dafür, dass das Stundenglas nicht auf den Kopf gestellt werden kann. Sein Land ist flach wie ein Blatt Papier. Darauf leben Linien, Kreise, Dreiecke und viele andere zweidimensionale Figuren wie Schatten, unfähig aufzusteigen oder abzutauchen. Doch sie ahnen nichts von diesem Mangel und können sich weder Höhe noch Tiefe vorstellen. (Weiterlesen …)

Nicola Bardola 1. Oktober 2007

Ralf Isau: Museum der Erinnerungen

von Nicola Bardola

Die Götterskulpturen im Pergamonmuseum in Berlin geben in Ralf Isaus vor zehn Jahren erschienen Roman Das Museum der gestohlenen Erinnerungen Rätsel auf: “… und so könnte ich dir noch viele Beispiele nennen. Ob es dabei um die Archäomagnetik oder irgendeine andere Methode geht. Die Wissenschaft ist niemals objektiv und schon gar nicht fehlbar gewesen – das widerspräche sogar ihrer wahren Natur. Leider haben viele Menschen sie zu einem Glaubensbekenntnis gemacht, um eigenes, sehr subjektives Handeln zu rechtfertigen. So verhält es sich auch mit Marduks Schicksalstafeln … “, heißt es gegen Ende dieses fesselnden Abenteuers, das nicht Fantasy nach angloamerikanischem Muster ist, sondern ein Versuch des Autors, mit Geschichten und Geschichte das Denken der Leser zu schärfen, flexibler zu gestalten und zudem über viele faszinierende historische Ereignisse oder philosophische Betrachtungen zu informieren. (Weiterlesen …)

Nicola Bardola 3. September 2007

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