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	<title>ZVABlog &#187; Altpapiergeschichten</title>
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	<description>das offizielle Blog des ZVAB rund um antiquarische und vergriffene Bücher - Literatur, Kolumnen, Lesetipps und Autoren-Nachrufe.</description>
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		<title>Italienisch f&#252;r Machos</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 08:54:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Altpapiergeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
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In einer Ehe kriegst du schnell raus, wer das Sagen hat. Vor allem, wenn du dreimal weniger als deine Frau verdienst. Fr&#252;her aber, Mann, fr&#252;her hatte ich vor Karin den wilden Burschen aus M&#228;hren gespielt, den Macho! Das Einzige an gesunder Ern&#228;hrung, das ich zu mir nahm, war Bier! Nix Broccoli! Ich futterte nur Leberk&#228;se [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><a href="http://www.zvab.com/advancedSearch.do?title=Italienisch+f%FCr+B%FCffelmuffel"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/italienisch.jpg" width="118" height="180" alt="" title="" /></a></div>
<p>In einer Ehe kriegst du schnell raus, wer das Sagen hat. Vor allem, wenn du dreimal weniger als deine Frau verdienst. Fr&#252;her aber, Mann, fr&#252;her hatte ich vor Karin den wilden Burschen aus M&#228;hren gespielt, den Macho! Das Einzige an gesunder Ern&#228;hrung, das ich zu mir nahm, war Bier! Nix Broccoli! Ich futterte nur Leberk&#228;se und Wei&#223;w&#252;rste, bekleckerte mich mit Senf wo und wann auch immer ich wollte, und wenn mir danach war, auch mit Ketchup! Gepinkelt habe ich damals nur im Stehen! Die Spuren meines Mannesdaseins markierten die Welt! Wo sind nur diese herrlichen Zeiten meiner Selbstverwirklichung als Mann geblieben?<br />
<span id="more-3648"></span><br />
Wenn Kinder kommen, kannst du die dir von der Evolution zugewiesene Rolle vergessen! Erz&#228;hle mal deinem kleinen Sohn: „Ich kann dir nicht die Windeln wechseln, Pauli! Ich bin der Macho!“ Das Baby schreit trotzdem weiter! Au&#223;erdem verlierst du als Mann auch deine wichtigste und letzte Funktion in der Ehe: die Frau zu unterhalten. Daf&#252;r hat sich die Frau die Kinder angeschafft! Nur tragen kann Karin die Kinder nicht! Zehn Kilo unb&#228;ndige Masse in den Armen waren f&#252;r sie zu viel. Diese wichtige Funktion konnte nur ein gestandener Mann &#252;bernehmen. Mein Ansehen in der Familie stieg dadurch enorm. Unser Paul zum Beispiel schlief nur beim Tragen ein. Tag f&#252;r Tag f&#252;nf Stunden lang Paul in den Schlaf tragen! Nach vier Stunden erlahmte langsam Pauls Entdeckerdurst, er musste nicht mehr aus dem Fenster im Schlafzimmer gucken, gleich danach den Sch&#252;sselbund am Haken in der K&#252;che anfassen, um mich anschlie&#223;end wie einen Packesel ins Wohnzimmer zu treiben und schreien: „Pajme! Pajme!“ Ja, Pauli! Dort steht die die gro&#223;e Palme! Mamas Lieblingspflanze! Siehst du? Bl&#228;-tter! Die kannst du jetzt sch&#246;n rupfen, wenn Mama nicht da ist. Mama wird sich sicher freuen dr&#252;ber!“ Endlich! Paul legte sein K&#246;pfchen auf meine Schulter. Nach einer weiteren halben Stunde streichelte sein Atem mein Ohr im Takt eines Wiegenlieds. Jetzt ihn nur langsam und vorsichtig ins Bettchen legen, so… und… die zum Schlafen unnat&#252;rliche Liegelage im Bett riss Paul sofort aus dem Schlummer. Weitere zwei Stunden Laufen, von einem Zimmer ins andere, mit Paul in den Armen! Weil ich Paul so exzessiv getragen habe, wurde ich seine wichtigste Bezugperson. Er sagte, „Mama“, zu mir. </p>
<p>„Ich nicht Mama, Pauli!“, sagte ich. „Dort Mama! Siehst du? Mama liest, Papa tr&#228;gt!“<br />
„Mama tlagen!“, sagte Pauli. Irgendwie konnte ich ihm die Geschlechterrollen nicht klar machen. Die vollst&#228;ndige Kapitulation und die Selbstaufgabe als Mann belasteten mich aber zunehmend. Wie konnte ich wieder zu dem Macho werden, der ich fr&#252;her mal gewesen war? Und dann sah ich in der Glotze Eros Ramazotti! Sofort entschloss ich mich, heimlich italienisch zu lernen. Wenn ich bei unserem n&#228;chsten Urlaub in der Toskana mit dem Kellner in der Pizzeria auf Italienisch zu palavern anfange, wird Karin vor lauter Bewunderung vom Stuhl fallen und mich wieder als das wahrnehmen, was ich in meinem Wesen bin: Ein Mann, verdammt! Die St&#252;tze der Frau! Macho, aber lieb!</p>
<p>In drei Monaten hatte ich das ganze <em>Italienisch f&#252;r B&#252;ffelmuffel</em> durch. Mann! War ich stolz auf mich! Und dann kam endlich unser erstes Urlaubsabendessen in Principina. Karin staunte nicht schlecht, als ich f&#252;r uns auf Italienisch Pizza bestellte und mit dem Kellner ein paar frauenfeindliche Witze riss. Sah ich da einen Hauch von Bewunderung in ihren Augen? Nach dem Essen wollte Karin auf der Terrasse unserer Mietwohnung lesen. Ich ging mit den Jungs zum Strand. Wahnsinn! Nach Jahren als Schlappschwanz f&#252;hlte ich mich wieder wie ein Macho vor Gott!</p>
<p>„He, Adam! Hol mir ein Capuccino vom Kiosk! Subito presto!“ Paul stand auch von seiner Sandbaustelle auf! „N&#246;! Du gehst nicht mit, Pauli! Du kannst weiter buddeln! Aber nur in die Tiefe, damit du nicht verloren gehst. He, he, he!.. Wie? Du willst einen Schnuller? So ein gro&#223;er Mann von zwei Jahren? Warte, bis Adam zur&#252;ck ist, dann bekommst du etwas von dem Capuccinoschaum! Das beruhigt auch!“ Unweit von uns guckten zwei h&#252;bsche italienische Damen dem Sonnenuntergang zu. Paul warf seinen Gummiball direkt unter ihre Liegen. „Buona sera!“, sagte ich zu den Damen. „Mio ballo!“<br />
„Parlo tedesco!“, sagte eine der Damen.<br />
„Ach, Sie verstehen Deutsch?“<br />
„Ja, ich habe mal in Hamburg gearbeitet!“, sagte die Sch&#246;ne. Wie gef&#228;llt Ihnen der Urlaub bei uns?“<br />
Und da packte mich der Gr&#246;&#223;enwahn! „Ich bin nicht im Urlaub!“, sagte ich. „Ich schreibe hier eine Reportage!“<br />
„&#220;ber uns Italiener?“<br />
„&#220;ber die italienischen M&#228;nner!“, sagte ich. „In meiner Zeitung bringt man eine Serie &#252;ber die heutigen Geschlechterrollen. ‚Du bist doch auch so ein Macho, Jaromir!’, hat mein Chefredakteur gesagt. „Fahr nach Italien und schreibe etwas &#252;ber die italienischen M&#228;nner!“<br />
„Sind Sie wirklich ein Macho?“, fragte die Dame. „Ich dachte, die deutschen M&#228;nner k&#228;mpfen eher f&#252;r die Gleichberechtigung der Frau!“<br />
„Ich bin Tscheche!“, sagte ich.</p>
<p>„Setzen Sie sich doch zu uns!“, sagte sie. Mann, oh, Mann! Ich wusste es! Als Macho kannst du die Frauen immer beeindrucken! Ich warf einen Blick auf Paul. Nanu? Hoffentlich kein Stress in Anmarsch! An Paul vorbei lief eine Katze. Verdammt! Gott! Lass Paul die Katze nicht entdecken! Als Stadtkind hatte Paul eine irre Angst vor freilaufenden Katzen und Hunden. Aber da br&#252;llte Paul schon und lief zu mir. „Keine Angst, Pauli!“, rief ich. „Die Katze mag auch nur Milch!“ Aber Paul rannte, als ob ihn ein Rudel W&#246;lfe verfolgen w&#252;rde. „Mama!“, kreischte er. „Mama!“</p>
<p>Die zwei Signoras kriegten einen Lachanfall! „Mama?“, riefen sie und zeigten auf mich. „Mama! Macho! Hehehe!“ So endete meine glorreiche aber kurze Karriere als Macho. Doch wenn Paul mal gro&#223; ist, Mann, wenn Paul gro&#223; ist, lasse ich noch mal die Macho-Sau raus! Und bis dahin versuche ich, etwas mehr italienisch zu lernen.</p>
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		<title>Elvis lebt</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Feb 2010 09:54:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Altpapiergeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
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Im Fasching zeigt auch der katholischste Mitb&#252;rger gern seine wilde Seite – er klebt sich eine Pappnase ins Gesicht, l&#228;sst seinen Spirit statt mit Spiritualit&#228;t mit Spirituosen fluten und ruft: „Ich verstehe Spa&#223; – ich bin ein Narr!“ Zu diesen Zeiten meide ich die Stadt, da ich ein Menschenfreund bin und mir diese Lebenseinstellung auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/elvis_presley.jpg" width="210" height="292" alt="Elvis Presley" title="Elvis Presley" /></div>
<p>Im Fasching zeigt auch der katholischste Mitb&#252;rger gern seine wilde Seite – er klebt sich eine Pappnase ins Gesicht, l&#228;sst seinen Spirit statt mit Spiritualit&#228;t mit Spirituosen fluten und ruft: „Ich verstehe Spa&#223; – ich bin ein Narr!“ Zu diesen Zeiten meide ich die Stadt, da ich ein Menschenfreund bin und mir diese Lebenseinstellung auch bewahren m&#246;chte. Au&#223;erdem komme ich aus M&#228;hren, dort hast du dich nicht verkleiden m&#252;ssen, um zu saufen – in M&#228;hren ist schon das morgendliche Aufstehen Grund zum Saufen genug.<br />
<span id="more-3456"></span><br />
Am Faschingsdienstag im letzten Jahr musste ich einen schwulen Freund im Glockenbachviertel besuchen. Die Narren blieben mir zum Gl&#252;ck weitgehend vom Leib, und so freute ich mich des Lebens in unserem ruhigen M&#252;nchen. Wir sind eine Stadt mit Herz…</p>
<p>„Hilfe!“ Oh, Gott! Eine Frauenstimme! Vergewaltigung? Und das in unserer braven Stadt? Wo bist du, du Frauensch&#228;nder, du? Dass ich dir die Ohren toupiere! Und vor allem! Bist du klein genug, damit ich keine Angst vor meiner eigenen Zivilcourage bekomme?</p>
<p>Zum Gl&#252;ck k&#228;mpfte die Frau nur mit einem dreibeinigen Monstrum. „Kannst du mir mit dem Kamerastativ helfen?“, rief sie. Die Frau steckte in schwarzem Leder. Diverse Schmuckringe klimperten in ihrem Gesicht.<br />
„Sind die nicht zu schwer?“, fragte ich.<br />
„Was?“<br />
„Na, die Ringe!“<br />
„Ach die! Die trage ich am ganzen K&#246;rper!“<br />
„Echt? Hast du keine Angst vor ’nem Blitzschlag?“<br />
„He?“</p>
<p>In dem erleuchteten Schaufenster eines CD-Ladens vor uns thronten &#252;ber einem St&#228;nder mit CDs, Kasetten und Schellacks zwei gro&#223;e Fotos: Kurt Cobain und Elvis. Darunter die frisch erschienene Best-Of-Compilation von Nirvana und zwei neue CDs des Kings: <em>The Country Side of Elvis</em> und <em>30 No. 1 Hits</em>. Von den anderen Covern und Bildern grinsten weitere tote Popgr&#246;&#223;en: George Harrison mit der Nachlass-Sammlung <em>Brainwashed</em>, Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin, Marc Bolan, John Bonham. „Als h&#228;tten die noch was zum Lachen?“, sagte ich und zeigte auf die Fotos mit den grinsenden toten Popstars.</p>
<p>„Die sind doch gar nicht tot!“, sagte die Frau. „Alles Schwindel!“ Sie fing an, das Schaufenster zu knipsen.<br />
„He?“, sagte jetzt ich. Klar hab ich noch einige andere Spr&#252;che auf Lager, wollte aber nicht das ganze Pulver auf einmal verschie&#223;en.<br />
„Elvis lebt!“, sagte die Gepiercte. „Und die anderen vermeintlich toten Popstars auch. Sie werden nur von den Plattenfirmen versteckt gehalten. Findest du‘s normal, dass pl&#246;tzlich massiv Platten von toten Musikern erscheinen und die Charts st&#252;rmen? Die h&#228;tten w&#228;hrend ihres Lebens nie so viele Platten verkauft wie jetzt nach ihrem vermeintlichen Tod. Schau! Better Dayz von 2Pac. Das ist schon seine sechste posthume CD. Zu seinen Lebzeiten hat er es auf nur vier Platten gebracht!“</p>
<p>„Und die waren schon genug“, murmelte ich. „Was macht aber der hier?“ Ich zeigte auf das neue Album von Paul McCartney. Der ist doch nicht einmal vermeintlich tot! Und f&#252;r sein Rentenalter gemeingef&#228;hrlich produktiv!“</p>
<p>„McCartney ist der einzige echte Tote in dieser Ausstellung!“, sagte sie. „Den wahren Paul spielt schon seit Jahren ein Doppelg&#228;nger! Hast du das Cover von Sgt. Pepper gesehen? Paul tr&#228;gt dort einen Aufn&#228;her mit der Aufschrift OPD – das ist ein kanadisches Akronym f&#252;r „officialy pronounced dead“. Und der ebenfalls auf dem Cover abgebildete VW-K&#228;fer hat das Nummernschild 28 IF – genau das Alter, das McCartney damals erreicht h&#228;tte, w&#228;re er noch am Leben gewesen. Hast du Revolution Number Nine von Beatles geh&#246;rt? R&#252;ckw&#228;rts abgespielt ergibt der Refrain die Worte „Get me out! Get me out!““</p>
<p>„Wahnsinn!“, sagte ich. „Wer nimmt jetzt aber alle seine Songs auf?“<br />
„Na, der John!“ sagte sie. „John Lennon lebt! Sie haben schon damals ihre Stimmen getauscht!“<br />
„Und Falco?“, fragte ich.<br />
„Falco lebt getarnt als Betreiber einer Tauchschule in der Dominikanischen Republik“, sagte sie. „Elvis wechselt oft seine Aufenthaltsorte. Ist zu bekannt. Zur Zeit arbeitet er bei McDonald‘s irgendwo in Michigan. Seine Plattenfirma beutet ihn aus. Eine Freundin von mir sagt zwar, Elvis sei von Au&#223;erirdischen entf&#252;hrt worden, doch die ist reif f&#252;r die Klapse. Wer glaubt schon heutzutage an Au&#223;erirdische?“</p>
<p>Eine interessante Frau, das musste ich zugeben. Zwar mit einer kleinen Macke behaftet, aber wer ist schon ganz normal heutzutage? Sogar mein Friseur hat mir letztes Mal erz&#228;hlt, da&#223; er mit Hilfe seines Handys Nierensteine zertr&#252;mmere. Dabei wetzte er sein Rasiermesser und murmelte, „das haben wir gleich!“ Ein Freund schl&#228;ft unter einer Drahtpyramide, und ein anderer wickelt vorm Schlafengehen seinen Penis in Alufolie ein, damit die b&#246;sen Gedanken seiner Exfrau bei ihm keine Erektionsprobleme verursachen. Im Vergleich dazu ist ein lebender 2Pac eine fast normale Sache, und immerhin glaubw&#252;rdiger als das, was uns zum Beispiel seit 2000 Jahren der Papst und die katholische Kirche auftischen</p>
<p>Sie fing an, ihre Kamera einzupacken. „Kommst du noch nach oben zu mir?“, fragte sie und nickte zu den Fenstern &#252;ber dem Plattenladen. „Ich mach dir ’nen <em>Roibusch</em>.“</p>
<p>Mann! Sie w&#252;rde mir den <em>Roibusch</em> machen? Keine Ahnung wie der <em>Roibusch</em> ging! Dabei hatte ich beim Abitur in Sexstellungen einen Einser gekriegt! Sie l&#228;chelte mich an. Ihre Ringe glitzerten im Schein des Schaufensters. Eine kleine Schatzinsel in M&#252;nchen! Ach, was soll’s! Bis sie diese ganzen Ringe ablegt, ist die halbe Nacht rum! „Elvis ist tot!“, wollte ich rufen. „Kurt Cobain ist tot und Jim Morrison auch! Diese lebenden Toten gibt es nicht! Es gibt nur uns!“ Und dann w&#252;rde ich sie einfach k&#252;ssen, damit sie erwacht aus ihrem Dornr&#246;schenschlaf. Leider bin ich kein Prinz. Lauter Proleten in unserer Familie. „Mach’s gut“, sagte ich und ging meinen schwulen Freund besuchen.</p>
<p>F&#252;r die Heimfahrt in der tiefen Nacht musste ich die vollgekotzte Faschings-U-Bahn nehmen. Die Narren kotzten sich das gro&#223;e Abenteuer aus dem Leib und puppten sich langsam wieder in ihre grauen Alltagskleider ein. Das Wildeste aber habe ich am n&#228;chsten Tag in den Perlacher Einkaufspassagen erlebt – den King pers&#246;nlich! Elvis hockte in seinem wei&#223;en Rock’n’Roll-Kost&#252;m auf der Treppe zur Showb&#252;hne des PEP, umgeben von Opa, Oma und Kind, stopfte sich Pommes von <em>Vinzenz Murr</em> in den Hals und wartete auf seinen Auftritt im Himmel. So wie wir alle! Wohl muss ich wieder mal ins Glockenbachviertel fahren und der Herrin der Ringe Bescheid geben!</p>
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		<title>Ich m&#246;chte mit dir Sex haben</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jan 2010 12:57:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Altpapiergeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Blume]]></category>
		<category><![CDATA[Jaromir Konecny]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftsteller]]></category>
		<category><![CDATA[Tom Waits]]></category>
		<category><![CDATA[Tscheche]]></category>

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		<description><![CDATA[F&#252;r Simone

Manon ist eine Blume vom Land. Vielleicht aus der Provence, vielleicht von einem Meer mit einem Fisch darin, der jeden Fischer mit Geschichten &#252;ber Manon vollquatscht, statt ihm seine drei W&#252;nsche zu erf&#252;llen! Diese Fischer suchen dann nach Manon, finden sie nicht, weil Manon nun mal wie jede kluge Frau nie dort ist, wo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div align="center"><em>F&#252;r Simone</em></div>
<p></p>
<p>Manon ist eine Blume vom Land. Vielleicht aus der Provence, vielleicht von einem Meer mit einem Fisch darin, der jeden Fischer mit Geschichten &#252;ber Manon vollquatscht, statt ihm seine drei W&#252;nsche zu erf&#252;llen! Diese Fischer suchen dann nach Manon, finden sie nicht, weil Manon nun mal wie jede kluge Frau nie dort ist, wo man sie sucht. Die Fischer sind so ungl&#252;cklich dar&#252;ber, dass sie Drogen nehmen m&#252;ssen! Manon ist eine Wildblume &#8211; wenn du sie pfl&#252;ckst und in eine Vase auf einen Tisch zwischen Beton und Beton steckst, verwelkt sie. Zum Leben braucht Manon die Musik der weiten Wiese! Wenn am Abend die Singzikadenm&#228;nnchen ihre Melodien zirpen, um Weibchen anzulocken, malt Manon diese Sehnsucht auf ihre bunten Bl&#252;tenbl&#228;tter, um sie in der Nacht f&#252;r die Nachtfalter zu entfalten. Manons Bilderbl&#252;tenbuch! Manon mag es, eine Nachtblume zu sein. Doch am sch&#246;nsten bl&#252;ht Manon an der Sonne auf. Manon ist eine Sonnenblume und eine Nachtblume! Manchmal freilich auch die Prinzessin aus Paris. Wenn ihr das Landleben auf den Geist geht. Mal so, und mal so!<br />
<span id="more-3287"></span></p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/tom_waits.jpg" width="145" height="220" alt="Tom Waits" title="Tom Waits" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tom Waits<br />&nbsp;&nbsp;&nbsp;(Foto: Anna Wittenberg)</small></div>
<p>Ich konnte mir nicht vorstellen, mit Manon Sex zu haben. Wohl weil ich in Manon verliebt bin. Ma &#8211; non! Meine Nonne!.. Nein! Eine Nonne ist Manon sicher nicht! Manon dient keinem Gott! Manon ist eine G&#246;ttin! Die Unschuld und das G&#246;ttliche in einem K&#246;rper vereint. Jungfrau und Maria! Keine Nonne aber! Am Amazonas w&#228;re Manon eine Orchidee: Mit exotischen Formen und Farben bannt sie den Blick des bunten Schmetterlings, der um ihre Bl&#252;tenbl&#228;tter balzt! Kann eine Blume nicht nur sanft best&#228;ubt werden? Der Schmetterling flattert von einem Bl&#252;tenbl&#228;ttchen zum anderen, saugt ein bisschen hie und ein bisschen da, l&#228;sst nur etwas Bl&#252;tenstaub von einer anderen Blume zur&#252;ck, leicht und fein! Ich musste ganz vorsichtig sein bei Manon.</p>
<p>Manon und ich haben uns bei einer Ausstellung kennen gelernt, bei der die Bilder dank Manon Musik spielten. Zum zweiten Mal trafen Manon und ich uns in der Bar ‚Zum gebrochenen Herzen’. Ich guckte Manon zu, wie sie mit ihrer Zigarette Rauchbilder in die Luft malte. Aus den Boxen sang Tom Waits:</p>
<blockquote><p>A good man is hard to find<br />
Only strangers sleep in my bed<br />
My favorite words are good-bye<br />
And my favorite color is red,</p></blockquote>
<p>und gleich wurden Manons Rauchkringel zu Herzen! Es gibt nur wenige Orte, wo Manon ihrer Leidenschaft, dem Rauchen, noch fr&#246;nen kann. Komischerweise macht das Rauchen Manon noch sch&#246;ner und gesunder. Bei uns gew&#246;hnlichen Menschen sind die Lungen bereits nach ein paar Jahren Rauchen mit einer dicken Asphaltschicht &#252;berzogen, du sp&#252;rst nur etwas, wenn du mit einem Lastwagen dr&#252;ber f&#228;hrst, mit Gauloise schwarz oder so, doch Manons Lunge ist rein und kr&#228;ftig geblieben. Womit k&#246;nnte ich bei Manon ihr sch&#246;nes L&#228;cheln herbeizaubern, womit k&#246;nnte ich sie beeindrucken?</p>
<p>„Ich bin Tscheche!“, sagte ich.</p>
<p>„Ist es eine schwere B&#252;rde, ein Tscheche zu sein?“, fragte sie und blies mir ein Monsterherz ins rechte Nasenloch bis meine Nasenfl&#252;gel vor Freude flatterten. Ich zog tief ein &#8211; als ein Exraucher musst du jeden legalen Weg nutzen, deinem Hirn etwas Nikotins&#228;ure zuzuf&#252;hren. Und ein Rauchherz direkt aus der Lunge von Manon!.. Wow! Diese Symbolik! Waren wir beiden H&#252;bschen nicht f&#252;r einander bestimmt? Oh, Mann! Frag sie einfach, ob sie dich heiraten w&#252;rde! Du kannst es ja ganz poetisch sagen! Zum Beispiel: Manon, m&#246;chtest du irgendwann im demselben Grab wie ich liegen? W&#228;re es echt nicht an der Zeit, eine Kiste mit Manon zu starten? Wir hatten uns ja schon einmal gesehen. Gekannt haben wir uns also genug! Vielleicht sollte ich sie einfach an der Hand fassen! Dann versteht sie mich! Doch Manon zu ber&#252;hren, traute ich mich immer noch nicht. Trotzdem lief mein innerer Monolog weiter auf Hochtouren: „Fass sie endlich an der Hand!“, br&#252;llte eine Stimme in meinem Hirn. „Pack sie wie Cary Grant seine Eva Marie in „Der unsichtbare Dritte“! K&#252;ss sie! Du warst doch der Walzerk&#246;nig in der Tanzschule! Du bist der Kussk&#246;nig, Mann! Ein Weiberheld!“ </p>
<p>„Ein Verbalheld!“, sagte eine andere Stimme in meinem Kopf, und ich beugte mich den Tatsachen. Dann quatschen wir halt ein bisschen und kl&#228;ren die Fronten. „Die Tschechen m&#252;ssen mit Frauen &#252;ber den Sex reden!“, sagte ich. „Das ist eine schwere B&#252;rde. Ich mag dieses Sexgelaber nicht, aber was kann ich da machen? Ich muss! Also wenn ich dir zu nah komme…“</p>
<p>„Ich habe keine Angst vor den Tschechen!“, sagte Manon und holte ein kleines Notizbuch aus der Tasche. „Kannst du mir auf Tschechisch hinein schreiben: ‚Ich m&#246;chte mit dir Sex haben!’“</p>
<p>„Ich m&#246;chte mit dir Sex haben?“, wiederholte ich laut.</p>
<p>„Aber bitte nicht hier!“, sagte der vorbeilaufende Kellner. Zumindest den hab ich beeindruckt!</p>
<p>Ich schrieb in Manons Notizbuch auf Tschechisch: „Ich m&#246;chte mit dir Sex haben“. So hat Manon die zweitwichtigste tschechische Phrase in ihrem Merkbuch festgehalten. Die wichtigste tschechische Phrase ist: „Bitte, ein Bier!“. Manche Tschechen lassen aber das „bitte“ aus! Vor allem die Tschechen, die keine Stabreime m&#246;gen. „Wozu brauchst du das?“, fragte ich, doch Manon lachte nur. Mit Lachen beantwortet Manon bl&#246;de Fragen.</p>
<p>Zu noch bl&#246;deren Fragen peitschten mich die Stimmen in meinem Hirn: Warum bist du bei Manon so sch&#252;chtern? Sag ihr einfach, dass sie keinen besseren als dich findet! Wo denn, bei diesen ganzen Luschen um dich herum? Sag ihr: „Manon, ich m&#246;chte dich zur Freundin haben!“ Da wird sie sicher nicht „nein“ sagen! Du bist doch der Weltmeister des Wortes, Mann! Der Dichtergro&#223;f&#252;rst Jaromir! Das Sexgeschichtengenie! Reif f&#252;r den Sexliteraturnobelpreis! F&#252;r den Sex-Bambi! Der tschechische Liebespapst, der zeigt, wo der Mauli seine L&#246;cher gr&#228;bt, der Pan Tau – die B&#252;hnensau! Der Luca Toni der Stabreimbundesliga! Die Umlautkanone! Frauen werfen ihre H&#246;schen nach dir, wenn du nur „&#228;“, „&#246;“ oder „&#252;“ sagst! Der Dompteur der „W(&#246;/e)lfe, B(&#228;/e)ren und F(&#252;/i)chse“! Na, los, Mensch! Sag Manon, dass du sie zur Freundin haben willst! Also sagte ich, „Manon, ich m&#246;chte dich…“ Da z&#246;gerte ich aber pl&#246;tzlich.</p>
<p>„Ja?“, sagte Manon. </p>
<p>Und hier bekam ich, der Verbal-Champion, der Schaumschl&#228;ger vor Gott, einen Anfall von Sch&#252;chternheit, den ich seit der Pubert&#228;t nicht erlebt hatte. Vielleicht war’s doch zu schnell, Manon gleich beim zweiten Treff eine Beziehung anzubieten! Was sollte ich jetzt aber hinzuf&#252;gen, verdammt, wenn ich den Satz schon so bl&#246;d angebissen hatte: „Ich m&#246;chte dich…“? Was sollte ich sagen statt „zur Freundin haben“! Sag zum Beispiel „malen“, Mann! Ja! Du sagst einfach: „Manon, ich m&#246;chte dich malen“? Ach, n&#246;&#246;! Du kannst ja gar nicht malen, du Depp! Du kannst nur Geschichten schreiben! Zum Beispiel wie ein Hamster aus dem 9. Stock eines Plattenbaus mit ’nem Fallschirm runtergesprungen ist. Soll ich also sagen, „ich m&#246;chte dich mit meinem Hamster bekannt machen“? Nee! Das ist nicht tiefsinnig genug! Sag ihr besser… aber was, verdammt? Und so sagte ich einfach doch: „Ich m&#246;chte dich zur Freundin haben“, gab aber der Feigheit nach und f&#252;gte mit zitternder Stimme hinzu. „Aber ich glaube, du willst nicht, oder?“</p>
<p>„Ich bin Manon!“, sagte Manon. „Und nicht das, was du glauben willst!“ Und dann wurde sie ganz streng mit mir und hielt mir einen kleinen Vortrag dar&#252;ber, dass sie ein Mensch sei und nicht irgendein Bild in meinem Kopf, ein Gedicht, das ich dichten, ein Roman, den ich schreiben m&#246;chte. Wahnsinn! Ist die Frau klug! Und m&#228;chtig! Wie sie mich so sch&#246;n zur Sau machte. Noch vor f&#252;nf Minuten f&#252;hlte ich mich wie der Schiri beim Frauenfu&#223;ballspiel, und jetzt guckte ich bl&#246;d drein: Ein kleiner Junge, den die Lehrerin zurechtstutzt. Kein Ritter der Prinzessin aus Paris mehr, sondern der Page der galaktischen K&#246;nigin! Manon! Du bist die Gewalt eines Quasars! Vor dir w&#252;rde sich Darth Vader vor Angst in seine schwarze R&#252;stung schei&#223;en! Boah! Ich war so eingesch&#252;chtert durch Manon, dass ich statt Bier glatt hei&#223;e Schokolade bestellte. Zum Gl&#252;ck durfte ich Manon nach ihrer kleinen Rede tschechische Witze erz&#228;hlen und so wurde sie wieder sanft und mild zu mir.</p>
<p>Ein paar Stunden sp&#228;ter tanzte Manon aus der Bar „Zum gebrochenen Herzen“ heraus. Ich hinter ihr im Salsaschritt. Ich hatte nach der hei&#223;en Schokolade einiges an Bier getankt, und so war ich wieder Don Juan, Zoro und Cassanova in einem, der Tschechentarzan, voll auf Stabreim, der Megamacho! In meinem Kopfkino spulte sich jetzt ein noch wilderer Film ab! Warum hatte sie gewollt, dass ich in ihr Notizbuch auf Tschechisch schreibe, „Ich m&#246;chte mit dir Sex haben!“? He! Warum, denn? Manon blieb stehen und guckte mich an! Ach was „guckte“! Sie lachte mich an! Die sanfte G&#246;ttin der Liebe! Sie griff in ihre Handtasche! Krass! Suchte sie nach ihrem Notizblock? Ich konnte mein Gl&#252;ck nicht fassen! W&#252;rde sie mir jetzt auf Tschechisch meinen Sex-Satz vorlesen, und dann mit mir eine verr&#252;ckte Nacht ohne Tabus verbringen? Die Sexstory unseres Lebens? Und anschlie&#223;end mit mir den Lebenstrubel zusammen meistern? Die Bundeslade unter den Beziehungskisten! Manon holte tats&#228;chlich ihren Notizblock heraus! Boah! Baby! Sie bl&#228;tterte ihr B&#252;chlein auf der Suche nach meinem sch&#246;nen tschechischen Satz durch: „Ich m&#246;chte mit dir Sex haben!“ Die Nacht explodierte zum Tag im Paradies! Endlich! Manon fand die Seite und trug langsam auf Tschechisch vor:</p>
<p>„Do-bro-u noc!“ (Gute Nacht!)</p>
<p>„He?“</p>
<p>Zu meinem verdutzten Gesicht sagte sie: „Da staunst du, was? Das hat mir eine tschechische Freundin hingeschrieben!“ Schei&#223;e! Und jetzt wird sie ihrer tschechischen Freundin meinen sch&#246;nen Sex-Satz vorlesen, was? Manon hockte sich ins Taxi. Ach, was soll’s! Im Leben musst du ja lernen, nicht alle H&#252;rden &#252;berwinden zu wollen, oder? Die Taxit&#252;r flog wieder auf. „Warte!“, rief sie. Sie kam zu mir und verpasste mir einen Zungenkuss!.. Na, ja… ein Zungenkuss war’s grade nicht, eher ein K&#252;sschen auf die Backe, aber es f&#252;hlte sich auf jeden Fall sehr hei&#223; an. „Bis zum n&#228;chsten Mal!“, sagte Manon und stieg wieder ins Auto. Das Taxi, zum Bersten mit Poesie geladen, fuhr davon. Irgendwie war’s vielleicht doch an der Zeit, taoistische Entliebungstechniken zu praktizieren. Wenn du das Leben zur Poesie machst und die Poesie zum Leben, kann dich die Poesie ja auch umbringen. Ich holte aus der Tasche meinen Kompass heraus und versuchte, mich durchs n&#228;chtliche M&#252;nchen Richtung S&#252;dost durchzuschlagen. Nach Neuperlach, in das Tal, in dem Hoffnungen bl&#252;hen wie der Wahnsinn eines Traumt&#228;nzers, der sich mit einem L&#228;cheln im Gesicht zum Tode tanzt. Als ich an der Isar angelangt war, hat mir Manon einen Textfetzen aus „Proud Mary“ gesimst:</p>
<blockquote><p>Big wheel keep on turning<br />
Proud Mary keeps on burning<br />
Rolling, rolling, rolling on a river.</p></blockquote>
<p>So kann sich nur Manon verabschieden, die kleine Telepathin: Rolling on a river! Bis zum n&#228;chsten Mal also!</p>
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		<title>Die s&#252;&#223;e T&#252;te des Vergessens</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Dec 2009 08:48:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Altpapiergeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Alfons]]></category>
		<category><![CDATA[Hamster]]></category>
		<category><![CDATA[Jaromir Konecny]]></category>
		<category><![CDATA[Mähren]]></category>
		<category><![CDATA[Polizei]]></category>

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		<description><![CDATA[„Mann!“, sagte Alfons. „Heute hat mich meine Alte wieder verdroschen!“ Die Wirtin stellte frische Pilsner Urquell vor uns. Die Pilsner trugen sch&#246;ne wei&#223;e M&#252;tzen und luden unsere Nasen zum Schmusen ein.
„Warum wehrst du dich nicht?“, fragte ich.
„Das w&#228;re nicht fair, meint meine Frau!“, sagte Alfons. „Ich sei st&#228;rker als sie, deswegen d&#252;rfe nur sie mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Mann!“, sagte Alfons. „Heute hat mich meine Alte wieder verdroschen!“ Die Wirtin stellte frische Pilsner Urquell vor uns. Die Pilsner trugen sch&#246;ne wei&#223;e M&#252;tzen und luden unsere Nasen zum Schmusen ein.<br />
„Warum wehrst du dich nicht?“, fragte ich.<br />
„Das w&#228;re nicht fair, meint meine Frau!“, sagte Alfons. „Ich sei st&#228;rker als sie, deswegen d&#252;rfe nur sie mich schlagen! Ich will nicht &#252;ber mein Schicksal jammern, ein Philosoph kann erst im Leiden wachsen. Warum muss ich aber auch beim Biertrinken st&#228;ndig dran denken, dass auf mich zu Hause eine Furie wartet, die mir das Denken austreiben will? Ich nehme doch Drogen, um zu vergessen, verdammt!“<br />
<span id="more-3128"></span><br />
Die Kneipent&#252;r flog auf. Mit wirrem Blick st&#252;rmte Pepino herein. Als ob er sich grade aus einem brennenden Haschschober gerettet h&#228;tte. Erwartungsvoll blickten wir ihm entgegen. Seit uns Pepino erz&#228;hlt hatte, wie er mal den Hamster seiner Freundin aus dem 9. Stock eines Plattenbaus mit einem Fallschirm hatte runter springen lassen, galt er hier in Schamberg als der Mann f&#252;r andere Wirklichkeiten schlechthin. „Bring mir einen Kaffee!“, rief Pepino zur Wirtin und hockte sich zu uns. „Aber schnell. Man wartet auf mich!“<br />
„Was ist denn los?“, fragte ich<br />
„Meine Herren!“, sagte Pepino. „Was mir heute passiert ist, das glaubt ihr mir nicht!“<br />
„Da magst du Recht haben!“, sagte Alfons.</p>
<p>„Ich hab doch in den Beskiden Gras angebaut“, sagte Pepino. „Das Feld liegt sch&#246;n in den W&#228;ldern versteckt. Die Pflanzen hat mir ein Freund aus Holland gebracht. F&#252;r die Ernte hab ich mir einen Lastwagen ausleihen m&#252;ssen. Ich fahre also mit ’nem Laster voll Haschballen nach Hause, wie der King of the Road aus Marokko. Gl&#252;cklich, dass alles so sauber &#252;ber die B&#252;hne gegangen ist, drehe ich mir einen Joint, z&#252;nde den an und… boah, gleich surfe ich ins Paradies &#8211; als ob mir in der Birne nackte Weiber tanzen w&#252;rden! Shit von Gottes Gnaden!“ Die Wirtin t&#228;nzelte mit dem Kaffee f&#252;r Pepino heran. „Ich also in einem Lastwagen voll Hanf“, erz&#228;hlte Pepino weiter. „Gl&#252;cksbrisen jagen durch meine Lungen, und ich lache wie ein Bl&#246;der. Doch pl&#246;tzlich schei&#223;e ich mir fast in die Hose: Ein Bullenauto vor mir. Zwei Bullen winken mich an den Stra&#223;enrand. So ein Schei&#223;zufall! Vielleicht bin ich nur high, denke ich mir, und habe Halluzinationen. Ein Hammerstoff, Mann! Zur Sicherheit mach ich den Joint aber aus, kurbele beide Fenster runter, l&#252;fte und halte an. Und Mann, oh, Mann! Die Bullen sind echt! Schon stehen sie an der Fahrert&#252;r. Ich l&#228;chle sie an, will fragen, ob alles in Ordnung ist, pl&#246;tzlich f&#228;llt mir aber ein, wie die beiden Clowns bl&#246;d gucken w&#252;rden, wenn sie mich blasen lassen, weil ich wie besoffen ausschaue. Das find ich so komisch, dass ich glatt ’nen Lachanfall kriege und vor lauter Lachen fast aus dem Fenster falle. Bekifft wie ein Chinese im Opiumkrieg, in einem Laster, der voll beladen mit Haschballen ist. Na, wenn das gut ausgeht… Doch die Bullen lachen auch. ‚Entschuldigung, dass wir sie bel&#228;stigen!’, sagt der eine, ‚aber unser Keilriemen ist im Eimer. K&#246;nnten Sie uns am Seil nach Schamberg schleppen?’ ‚Klar!’, sag ich. Mann! Ich schleppe die Bullen in die Stadt und bin so gl&#252;cklich, dass ich mir glatt noch einen neuen bauen muss. Der Stoff ist echt die Rakete, der knallt mir ’ne krasse Amnesie ins Hirn! Ich wei&#223;t nichts anders mehr, als dass ich ’nen Laster voll Hanf nach Hause bringen muss, ich werfe ’nen Blick in den R&#252;ckspiegel… und Schock! Mann! Ich werde von Bullen verfolgt! Schon ganz knapp hinter mir sind die. Und ich bekifft wie der &#214;tzi in einem Auto aus Hanf! ‚Mich kriegt ihr nicht, Arschl&#246;cher!’, br&#252;ll ich und trete voll das Gas durch! Mann, ich schneide mit dem LKW die Kurven wie Niki Lauda, aber die Bullen immer noch hinter mir. Keine Chance die abzusch&#252;tteln. Eine Viertelstunde lang rase ich also durch die Serpentinen in den Beskiden, bis ich vor ’ner Bahnschranke anlange. Sie ist runter, das Licht rot. Ach! Was soll’s! Irgendwie geht mir der Stress pl&#246;tzlich auf den Sack. Soll’n die mich doch in den Knast stecken. Ich fahre an den Rand, steige aus dem Auto und gehe mich ergeben. Und Mann, oh, Mann! Erst als ich hinten ankomme, f&#228;llt mir ein, dass ich einen Bullenwagen hinter mir schleppe. Ja! Schei&#223;e! Ich wurde gar nicht verfolgt! Die Bullen im Auto starren nur vor sich hin, erst f&#252;nf Minuten sp&#228;ter bekomme ich ein vern&#252;nftiges Wort aus ihnen. Die Serpentinen waren ihnen nicht gut bekommen. Verdammt! Vielleicht hab ich den mythischen Hasch angebaut, der dich alles Schlechte vergessen l&#228;sst. Mich hat der Stoff auf jeden Fall vergessen lassen, dass ich mit einem Laster voll Hanf Bullen zur Bullenstation schleppe.“</p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/800px-Mercedes_kh_l_3_sst.jpg" width="192" height="144" alt="Fotograf: Sven Storbeck" title="Fotograf: Sven Storbeck" /></div>
<p>„Ich glaube dir kein Wort!“, sagte Alfons. „Ich hab dir schon den Bl&#246;dsinn nicht abgekauft, wie du den Hamster deiner Freundin am Fallschirm hattest springen lassen. Solchen Shit gibt’s nicht, der dir schlechte Sachen ganz aus dem Kopf radiert!“<br />
„Du machst mich irgendwie nerv&#246;s mit deiner negativen Lebenseinstellung, Alfons!“, sagte Pepino. „Ich muss mir noch ’ne T&#252;te drehen.“ Die Wirtin brachte Pepinos Kaffee. Pepino baute sich einen und inhalierte gen&#252;sslich. Doch nach kurzer Zeit trieb der Schwaden auch die Wirtin auf den Plan. „Ja, spinnst du?“, kreischte sie. „Mach das sofort aus! Ich m&#246;chte nicht, dass mir hier die Bullen rein und raus gehen!“ Da flog die Kneipent&#252;r noch mal auf, und in die Kneipe kamen tats&#228;chlich zwei Bullen.<br />
„Schei&#223;e!“, sagte Pepino, haute den Joint unter den Tisch und versuchte, ihn zu zertreten. „Was machen die Arschl&#246;cher hier? Ich hab Taschen voll Hasch. Vom Laster drau&#223;en gar nicht zu reden!“<br />
Die Bullen marschierten direkt zu uns. „Ja, wie lange wird’s noch dauern?“, fragte der eine. „Sie wollten doch nur einen Kaffee trinken und uns dann zur Dienststelle weiter schleppen.“<br />
„He?“, sagte Pepino. Wohl hat ihm der Hasch eine zweite Amnesie am Tag beschert.<br />
„Jetzt glaube ich dir!“, sagte Alfons.<br />
„Du schleppst ihr Auto am Seil!“, versuchte ich, Pepino auf die Spr&#252;nge zu helfen.<br />
„Echt?“, fragte er.<br />
„Wir warten drau&#223;en!“, sagte der andere Bulle zu Pepino.<br />
Sein Kollege schnupperte an Pepinos Kaffee. „Vielleicht sollten wir Sie doch blasen lassen!“, sagte er, worauf sich die beiden Bullen vor Lachen sch&#252;ttelten, als h&#228;tten sie einen gro&#223;artigen Witz gerissen.<br />
Als sie weg waren, kl&#228;rten wir Pepino schnell auf. „Ach, du Schei&#223;e!“, sagte er. „Was f&#252;r Shit!“<br />
„Kannst Du mir etwas davon da lassen?“, fragte Alfons. Pepino schob ihm einen Stoffbeutel zu und brach auf.<br />
„Aber kiffen tust du drau&#223;en!“, rief die Wirtin von der Theke. Alfons hob sich und bretterte zur T&#252;r. Nach einer halben Stunde kam er zur&#252;ck. Bekanntlich dauert bei den Kiffern alles etwas l&#228;nger.<br />
„Na?“, fragte ich. „Hast du deine Frau vergessen?“<br />
„He?“, fragte er. „Bin ich verheiratet?“<br />
Guter Stoff eben! Die s&#252;&#223;e T&#252;te des Vergessens! Sollte ich mir auch eine genehmigen? Ach, was! Besser trinke ich weiter mein Bier. Wenn ich alles Schlechte vergessen w&#252;rde, w&#228;re das Leben wohl nur halb so lustig, wie es ist.</p>
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		<title>Tschechensport</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Nov 2009 08:35:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Eishockey]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich war schon zehn, aber noch nie hatte mir eine Frau so viel bedeutet wie Natascha! Leider lebten wir einige Tausend Kilometer voneinander entfernt. Ich in einem St&#228;dtchen in M&#228;hren, Natascha in einem Dorf bei Leningrad. Ihre Adresse hatte mir unsere Russisch-Lehrerin gegeben, damit ich mit einer Genossin aus der Sowjetunion „ДРУЖБА“ &#8211; Freundschaft pflegte.


Nataschas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich war schon zehn, aber noch nie hatte mir eine Frau so viel bedeutet wie Natascha! Leider lebten wir einige Tausend Kilometer voneinander entfernt. Ich in einem St&#228;dtchen in M&#228;hren, Natascha in einem Dorf bei Leningrad. Ihre Adresse hatte mir unsere Russisch-Lehrerin gegeben, damit ich mit einer Genossin aus der Sowjetunion „ДРУЖБА“ &#8211; Freundschaft pflegte.<br />
<span id="more-2944"></span></p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/eishockey.jpg" width="220" height="165" alt="" title="" /></div>
<p>Nataschas Briefe flatterten regelm&#228;&#223;ig herein &#8211; wie die Friedenstauben auf den Plakaten sozialistischer Feiertage. Als sie mir mit 11 ihr Foto schickte, stellte ich’s auf meinen Schreibtisch und baute drum herum aus Gablonzer Glasbijouterie einen kleiner Altar der Liebe: Das klug-sch&#246;ne Gesicht in einem barocken Rahmen aus ihren langen Z&#246;pfen und bunten Perlen aus Glas. Ich liebte sie! Auch wenn sie dachte, dass die sowjetische Eishockey-Mannschaft die beste der ganzen Welt sei! Wie gerne h&#228;tte ich Nataschas Eishockey-Weltbild ersch&#252;ttert! Aber wie? Die Tschechoslowaken hatten bis dahin jedes Spiel gegen die sowjetische Sbornaja verloren! Dabei ist das Eishockey der tschechische Nationalsport schlechthin. Aus Nationaltrotz gegen die &#246;sterreichische Herrschaft entstanden! Schon 1908 traten die Tschechen der internationalen Eishockeyf&#246;deration bei, um die &#246;sterreichischen Beh&#246;rden zu &#228;rgern. Obwohl kein Tscheche Eishockey spielen konnte. Doch jeder Tscheche kennt den Schlachtruf der Hussiten: „Vor den Feinden schrecket nicht, ihre Anzahl beachtet nicht!“ Die Tschechen stellten eine Mannschaft auf und fuhren zu einem internationalen Eishockey-Turnier nach Frankreich. Bei ihrer Ankunft in Chamonix sahen die frisch gebackenen Eishockey-Spieler zum ersten Mal richtige Schl&#228;ger, Schlittschuhe und einen Puck und waren ganz &#252;berrascht, dass die Tore nicht am Feldrand standen wie beim Fu&#223;ball sondern mitten auf dem Eisfeld. Die Tschechen verloren alle Spiele und erklommen m&#252;hsam den letzten Platz. Doch schon im Jahr 1911 wurden wir in Berlin Europameister!</p>
<p>Oh, Natascha! Eishockey ist der Stolz unseres Landes! Unser Schicksal! 1938 musste sich die Tschechoslowakei auf dem Eis gegen Hitlers Hetzkampagne wehren. Mit einem 3:0 Sieg &#252;ber Deutschland. 1948 im Jahr des kommunistischen Putsches in Prag starb die H&#228;lfte der tschechischen Eishockeymannschaft bei einem Flugzeugabsturz. Im Jahr 1950 wanderte unser ganzes Nationalteam statt zur WM nach London in den Knast. Nach einem konstruierten Spionageprozess. Die kommunistischen Machthaber hatten Angst, dass die ganze Mannschaft in London in der Emigration bleiben w&#252;rde.</p>
<p>Am 21. August 1968 besetzten die Armeen des Warschauer Paktes angef&#252;hrt von der Sowjet Union die Tschechoslowakei und zerschlugen unseren Traum von Eishockey mit menschlichem Gesicht. Daragaja Natascha, patschemu? Eine sinnlose Frage! Natascha hat keinen Brief mehr von mir beantwortet.</p>
<p>1976, im Jahr der Eishockey-WM in Katowitz, warst du, Natascha, Dank deiner Briefe, die nicht kamen, nur eine wage Erinnerung in meinem Kopf. Ich war 20 und somit ein vollendeter tschechischer Held, der seine K&#228;mpfe vor der Glotze austrug. In der Grundgruppe siegten wir &#252;ber die Russen 3:2. Die besetzte Tschechoslowakei tobte.<br />
W&#228;hrend des Finalspiels zwischen uns und der Sowjet Union war ich mit ein paar Freunden beim Schifahren in der Slowakei! Vor der Glotze in unserem gro&#223;en Berghotelrestaurant versammelten sich etwa hundert fanatische Zuschauer. Davon etwa drei&#223;ig Russen. Sicher wussten die russischen Winterurlauber nicht, dass wir sie nicht als Br&#252;der sondern als Okkupanten ansahen. Das Hotel kochte. Etwa in der Mitte des Restaurants hockte ein Behinderter, der sich jeden Abend auf seinen Kr&#252;cken m&#252;hsam zum Biertrinken schleppte. Er lie&#223; sich schwerf&#228;llig in seinen Stuhl plumpsen und stellte erst dann seine Kr&#252;cken am Tisch ab. Heute jedoch h&#252;pfte er bei jeder Attacke der tschechischen St&#252;rmer von seinem Stuhl wie ein Hecht, der aus dem Wasser nach einer Fliege schnappt. Leider immer daneben! Nur ein M&#228;dchen, etwa so alt wie ich, an einem Tisch der Russen schien dem Eishockey nicht viel abzugewinnen. Sie sah aus, als w&#252;rde sie lieber ein Buch lesen. Lange guckte sie mich an, doch ich riss mich brutal von ihrem Blick los und glotzte in die Flimmerkiste. Wie in die Augen der Kobra. Auch beim Bierholen lie&#223; mich die Glotze nicht los. Als ich mich mit den sch&#228;umenden Kr&#252;gen am Tisch der Russen vorbei zu unserem Tisch dr&#228;ngte, blieb ich bei dem M&#228;dchen jedoch kurz stehen. Aus den abgestorbenen Gehirnleitungen, die fr&#252;her mal f&#252;r Natascha gegl&#252;ht hatten, kratzte ich ein paar russische W&#246;rter heraus. „Kak tjebja zavut?“, fragte ich sie.</p>
<p>Das M&#228;dchen guckte mich lange an, l&#228;chelte, wohl etwas belustigt &#252;ber meinen tschechischen Zungenschlag. „Natascha“, sagte sie. Bumm! Ein russischer St&#252;rmer knallte mir seinen Puck gegen die Stirn und brachte eine Erinnerungsbombe zur Explosion. Natascha?.. Bin wieder 12, kurz vor dem sowjetischen Einmarsch: Ich stehe an unserem Gartentor und warte auf den Brieftr&#228;ger! G&#252;tiger Gott der Atheisten! Bist du meine Natascha? Sicher gab’s Hunderttausende Nataschas in der Sowjet Union, aber die da war die echte, das sp&#252;rte ich. Den Rest des Spiels guckte ich Natascha von unserem Tisch aus in ihre tiefbraunen sibirischen Augen. Statt die tschechische Mannschaft in der Glotze zu unterst&#252;tzen, ich Schuft, ich Verr&#228;ter! So gewannen die Russen die erste Runde 3:1. Die Tschechen in der Kneipe wurden ganz still und lie&#223;en sich von den mitschauenden Russen gro&#223;br&#252;derlich auf die Schultern klopfen. In der zweiten Runde schoss Martinec aber gewaltig den Puck in das russische Tor und dadurch die Kneipe in den Himmel der Tschechen: Nur noch 3:2 f&#252;r die Sowjets – die Hoffnung bl&#252;hte auf wie ein sp&#228;t gekommener Fr&#252;hling. Ich riss meinen Blick von Natascha und kreischte mit den anderen Tschechen antirussische Parolen. „Was bedeutet ‚Jetzt hauen wir der Sowjetunion den Arsch wund!’“, fragte mich in der Pause auf Russisch der Nachbar von Natascha.</p>
<p>„Mit der Sowjetunion auf ewige Zeiten!“, sagte ich. Natascha l&#228;chelte mich dankbar an. Als in der dritten Runde Novak den Puck f&#252;r die Tschechen zum dritten Mal ins russische Tor schob, damit das Unentschieden erk&#228;mpfte und den Weltmeistertitel f&#252;r die Tschechen, wurde die Kneipe von einem Erdbeben jenseits der Richterskala ersch&#252;ttert. Das Hotel schaukelte hin und her wie ein Schiff auf st&#252;rmischer See! Der Behinderte sprang vom Stuhl auf, h&#252;pfte pl&#246;tzlich wie ein junger Hirsch herum, packte seine Kr&#252;cke und zerschlug vor lauter Freunde alle Biergl&#228;ser auf den benachbarten Tischen. Ein Wunder! Sein Pilgergang nach Lourdes hatte ihn geheilt &#8211; die Erscheinung des heiligen Eishockeys. Auf dieser konterrevolution&#228;ren Basis fing die gro&#223;e tschechisch-russische Sauferei in der Kneipe an.</p>
<p>Natascha stand auf, packte mich mit ihrem Blick und schleppte mich aus dem Glotzensaal. Eine halbe Stunde sp&#228;ter, in meinem Hotelzimmer, durfte ich endlich entdecken, was der wahre Tschechensport war. Von unten rauschte die russisch-tschechische V&#246;lkerschlacht zwischen Wodka und Bier. Ich beugte mich &#252;ber Nataschas nackten Nabel, doch bevor ich ihre Haut k&#252;sste, fl&#252;sterte ich ihr auf Russisch das gefl&#252;gelte Wort von Karl Marx ins Ohr: „Die Religion ist das Opium f&#252;rs Volk!“</p>
<p>„Charascho!“, sagte Natascha. „Nur werden die Religionen unserer Tage nicht durch die Bibel und die Pfaffen an uns herangetragen sondern durch die Sportstadien und die Glotze!“ Dann sagte sie nichts mehr, die kleine russische Philosophin. Und ich? Ich war geheilt vom Eishockey. Warum sollte ich auch den tschechischen Helden vor der Glotze spielen, wenn ich den Puck selbst ins Torchen schieben konnte? Seitdem habe ich mir kein Eishockeyspiel mehr angeschaut. Nur manchmal tr&#228;ume ich von Nataschas puckgro&#223;en braunen Augen!</p>
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		<title>Ich sammle Joghurtdeckel</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 09:13:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#160;&#160;Bild von: Svik
Wenn mein Aluminiumdeckelsammelplastikeimer voll ist, trage ich ihn zum Aluminiumsammelcontainer und sch&#252;tte eine Handvoll Joghurtdeckel nach der anderen hinein. Ach! Ist das nicht sch&#246;n? Jaromir &#8211; der Joghurtdeckeli-Umweltretter! Der Umwelts&#252;nderterminator! Der Aluminator! Leider kann ich gar nicht so viel Joghurt fressen, wie viel Umwelt ich retten m&#246;chte. Joghurt! Das klingt so nach… Frische! [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/yoghurt_Svik.jpg" width="150" height="230" alt="" title="" /><br />&nbsp;&nbsp;<small>Bild von: Svik</small></div>
<p>Wenn mein Aluminiumdeckelsammelplastikeimer voll ist, trage ich ihn zum Aluminiumsammelcontainer und sch&#252;tte eine Handvoll Joghurtdeckel nach der anderen hinein. Ach! Ist das nicht sch&#246;n? Jaromir &#8211; der Joghurtdeckeli-Umweltretter! Der Umwelts&#252;nderterminator! Der Aluminator! Leider kann ich gar nicht so viel Joghurt fressen, wie viel Umwelt ich retten m&#246;chte. Joghurt! Das klingt so nach… Frische! Wenn eine Firma Schei&#223;e baut, kommt ein Joghurtdeckel drauf, und schon schmeckt Schei&#223;e wie Frischfrucht. Frische Schei&#223;e mit einem Joghurtdeckel mit Lasche und einem Bio-Siegel. Denn Schei&#223;e ist auch ein Naturprodukt!<br />
<span id="more-2816"></span><br />
Ich sammle Joghurtdeckel aus Aluminium! Auch wenn die Lobby gegen das Joghurtdeckelsammeln zu vertuschen versucht, dass die Gewinnung von Aluminium aus den Rohstoffen sehr viel Energie kostet! Die verfluchten Lobbyisten wollen keine Joghurtdeckelrecyclinganlagen bauen, doch ich f&#252;rchte mich nicht vor den Joghurtdeckelverschw&#246;rern, ich sage frei heraus und &#252;berall: F&#252;r den Treibhauseffekt sind die Joghurtdeckel verantwortlich, verdammt! Deswegen sammle ich sie! Ich sammle alles aus Aluminium: Alufolien, Alutuben und die h&#252;bschen Aludosen mit der schlanken Taille in der Mitte und fettreduzierten W&#252;rstchen darin. Wenn schon die W&#252;rstchendose eine solch schlanke Taille tr&#228;gt, musst du dich doch an ihren fettreduzierten W&#252;rstchen schlank fressen. „Geniale Haptik f&#252;r bewusste Ern&#228;hrung!“, sagt Karin dazu. Sie ist in der Werbebranche t&#228;tig! Sicher hat sie auch die taillierten Dosen erfunden. Als Ersatzbefriedigung f&#252;r… mich! Weil die Dosen Taillen wie junge Frauen haben. Du streichelst sie und dr&#252;ckst sie &#8211; wie du willst! Eine Dose kritisiert nicht deine Liebesk&#252;nste, eine Dose schnauzt dich nicht an! „Sanfter!“ „Fester!“ „Das kratzt!“ „Das kitzelt!“ Bei Karin im Bett kannst du leicht frigide werden! Bei einer sch&#246;n taillierten Aludose aber bist du der tolle Hecht! Ohne traumatische Folgen kannst du dich an ihren W&#252;rstchen in den Schlaf k&#252;ssen! Eine Dose ist verst&#228;ndnisvoll und tolerant. Weil ihr einfach schei&#223;egal ist, wie du sie anfasst!</p>
<p>„Besonders effektvoll ist diese Taillenform f&#252;r die Suppen und Fertiggerichte der Marke „Waistline“ im Einsatz“, sagt Karin. „Denn der Markenname findet in der Form der Dose die perfekte Unterst&#252;tzung!“. So stellt mich Karin am Abend mit einer sch&#246;n taillierten Dose ruhig und schl&#252;pft ins Bett, wo sie sich neue Werbestrategien ausdenkt. Ich fresse fettreduzierte W&#252;rstchen und lasse die Dose meine Leidenschaft sp&#252;ren. Nach dem H&#246;hepunkt werfe ich die Dose in meinen Aluminiumsammeleimer und gehe schlafen. Taillierte Dosen sind einfach genial! Sie schauen noch nach dem Verfallsdatum super aus und schweigen!</p>
<p>Am liebsten sammle ich aber Joghurtdeckel. Auch weil sie ihre h&#252;bschen Laschen haben. Du ziehst an der Lasche und entkleidest sanft die Joghurtjungfrau. Manchmal spritzt sie dich mit ihrem wei&#223;en Saft voll. Die Ungeduldige! Und der joghurtschwangere Deckel! Oh! Wenn du ihn ableckst! Zum Heulen sch&#246;n! Nur der Deckelrand zeigt manchmal Z&#228;hne. Einmal hat mich die scharfe Joghurtbraut in die Zunge gebissen! Blut tropfte auf ihren wei&#223; sahnigen K&#246;rper…</p>
<p>„Bist du jetzt ganz durchgeknallt?“, schrie Karin. „Joghurtdeckel abzulecken? Du blutest doch!“<br />
„Ich bringe nur ein Opfer auf dem Altar der Liebe!“, sagte ich. „Wei&#223;t du, wo das Desinfektionsmittel ist?“<br />
„Das musst du wissen! Du hast dich doch schon gestern an der Aludose mit den fettreduzierten W&#252;rstchen geschnitten! Und die Wunde desinfiziert!“<br />
„Ich hab vergessen, wo ich’s hingetan habe!“<br />
„Kein Wunder, dass du alles vergisst! Wenn du st&#228;ndig an den Aluminiumdeckeln herumleckst! Auch die Gehirne von verstorbenen Alzheimer-Patienten weisen hohe Konzentrationen von Aluminium auf.“ Sie zeigte auf den Plastikeimer mit meiner Aluminiumsammlung und rezitierte wie eine wahre Poetry-Slam-Dichterin:</p>
<p>„In dem Eimer<br />
hockt Alzheimer!<br />
Sch&#252;tze vor ihm deine Birne,<br />
sonst hockt er dir bald im Hirne!“</p>
<p>„In der Natur gibt’s nichts Sinnloses!“, sagte ich. „Auch der Morbus Alzheimer wird seinen Sinn haben. Vielleicht als der Retter der einsamen Herzen. Damit sie vergessen, wie es mal fr&#252;her gewesen war. Als wir noch keine Joghurtdeckel gesammelt haben.“ Karin seufzte und schl&#252;pfte ins Bett. Ich tauchte meine blutende Zunge in die sahnige Haut der Joghurtbraut und begann mit dem Ritual!</p>
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		<title>Wer zu fr&#252;h kommt, den bestraft das Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Aug 2009 07:49:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Altpapiergeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Bier]]></category>
		<category><![CDATA[Jaromir Konecny]]></category>
		<category><![CDATA[Kneipe]]></category>

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Das Restaurant „Zur Erdachse“ im m&#228;hrischen Schamberg ist eine Oase inmitten der W&#252;ste der Wirtschaftskrise, ein aufgeschlagener Stammtischgedichtband, ein Traktat der Kneipenphilosophie &#8211; kurzum der Heilige Brunnen der Illusion!
„Lada ist reif f&#252;r die Klapse!“, sagte Arnošt und nickte zu der h&#252;bschen Kellnerin Lada, die gerade Bier an die Durstenden verteilte. „Sie hat irgendeinen bescheuerten Workshop [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/bier.jpg" width="180" height="155" alt="" title="" /></div>
<p>Das Restaurant „Zur Erdachse“ im m&#228;hrischen Schamberg ist eine Oase inmitten der W&#252;ste der Wirtschaftskrise, ein aufgeschlagener Stammtischgedichtband, ein Traktat der Kneipenphilosophie &#8211; kurzum der Heilige Brunnen der Illusion!</p>
<p>„Lada ist reif f&#252;r die Klapse!“, sagte Arnošt und nickte zu der h&#252;bschen Kellnerin Lada, die gerade Bier an die Durstenden verteilte. „Sie hat irgendeinen bescheuerten Workshop f&#252;r angehende Geistheiler und Geistheilerinnen besucht &#8211; um politisch korrekt zu bleiben -, und jetzt will sie mir st&#228;ndig einreden, dass ich krank bin und mich von ihr behandeln lassen muss.“ Arnošt unterbrach seine Tirade, da Lada unseren Tisch angesteuert hatte. „Das Pilsner Urquell schmeckt heute wie Gurkenwasser“, sagte er und reichte ihr sein halb geleertes Bierglas! Bring mir besser auch Radegast!“<br />
<span id="more-2516"></span><br />
„Vielleicht hast du die Zuckerkrankheit!“, sagte Lada. „Da schmeckt man nicht richtig!“</p>
<p>„Na, wenn du S&#252;&#223;es magst, kannst du mich ja…“, sagte Arnošt, aber bevor er seine ungeheuere Beleidigung loswerden konnte, jagte Lada schon zum Ausschank. „Von wegen Zuckerkrankheit!“, sagte er. „Ein ganzes Fass Pilsner Urquell kann ich doch nicht in zwei Tagen allein schaffen. Ihr Proleten trinkt das billige Radegastbier, und das gute Pilsner Urquell versauert. Wo bleibt Lada so lange damit? Meine Alte wartet auf mich!“</p>
<p>„Donnerstag ist der Liebestag, oder?“, sagte Pepa. „Heute musst du wohl deine Ehepflichten erf&#252;llen?“<br />
„Bei Arnošt gibt’s Bescherung nur an Weihnachten!“, sagte Jenda.<br />
„Quatsch!“, sagte Arnošt. „Heute lassen wir’s im Bett krachen! Wenn ich mich ausziehe, betet mich meine Frau an wie den jungen Adonis!“<br />
„Wie kannst du deine Ehepflichten erf&#252;llen, wenn du dich hier vorher so zus&#228;ufst?“, fragte Milena.<br />
„Im n&#252;chternen Zustand leide ich an <em>ejaculatio precox</em>!“, sagte Arnošt. „Doch wer zu fr&#252;h kommt, den bestraft das Leben! Meine Frau hat mich deswegen immer Liegest&#252;tze machen lassen. Bis ich festgestellt habe, dass der Alkohol das beste Orgasmusverz&#246;gerungsmittel ist, das es gibt! Um meine Frau zu befriedigen, muss ich mir halt immer etwas Verz&#246;gerung ansaufen!“<br />
„Ach, ihr M&#228;nner!“, sagte Milena. „Als wir Frauen uns im Paradies an den sch&#246;nen &#196;pfeln der Erkenntnis von Gut und B&#246;se vergangen hatten, hat uns Gott zu hart bestraft: Er hat uns unsere Nacktheit erkennen lassen und somit auch unsere Lust am Sex!“<br />
„Na, das ist doch keine Strafe!“, sagte Arnošt. „Sex ist was Gutes!“<br />
„Das h&#228;ngt von dem Partner ab!“, sagte Milena. „Uns hat Gott den Mann zugeteilt, damit er uns befriedigt. Das ist, wie wenn man aus einem Tauben einen Musiker machen m&#246;chte. Der Mann als Sexpartner war die wahre Strafe Gottes f&#252;r unser Vergehen!“<br />
„Das gilt nur f&#252;r die Abstinenzler!“, sagte Arnošt. „Der Alkohol ist nicht nur gut gegen den vorzeitigen Samenerguss, sondern auch das einzige Aphrodisiakum, das wirklich funktioniert! Wenn ich aus der Kneipe heim komme, l&#228;uft meine Frau nur im verf&#252;hrerischen Negligé rum. Sie wei&#223;, was f&#252;r sie gut ist. Kleine Menge Alkohol erh&#246;hen den Testosteronspiegel, und das Hormon Testosteron ist f&#252;r unseren Sexualtrieb verantwortlich!“<br />
„Was sind aber die kleinen Mengen?“, fragte ich.<br />
„Bei mir sechs Halbe!“, sagte Arnošt.<br />
„Nach sechs Halben kriegst du nicht mal die Hand hoch, du Sexperte“, sagte Milada. „Ganz zu schweigen von den anderen Organen.“<br />
„Die optimale Alkoholmenge ist bei jedem anders“, sagte Arnošt. „Und eine recht knifflige Sache! Dein eigener Promillelustbereich! Du musst halt so viel saufen, dass du erst nach zwei Stunden kommst, aber so wenig, dass dein Ding die ganzen zwei Stunden auch durchh&#228;lt. Nach zwei Stunden im Bett am St&#252;ck wird meine Alte so rasend, dass sie dabei Gedichte von Else Lasker-Sch&#252;ler rezitiert:</p>
<p>„J&#252;x! Wollen uns im Schilfrohr<br />
Mit Binsen aneinander binden<br />
Und mit der Morgenr&#246;te Fr&#252;hlicht<br />
Den S&#252;den unserer Liebe ergr&#252;nden!“</p>
<p>„Meine Frau ist noch schlimmer!“, sagte Jenda. „Ihr wisst, sie ist Deutsche! Auf ihrem H&#246;hepunkt f&#228;ngt sie immer an, ein Lied von diesem deutschen Pops&#228;nger zu singen, wie hei&#223;t der nur… ah, Herbert Gr&#246;nemeyer! Ist das nicht pervers?“<br />
„Das ist normal!“, sagte ich. „Dass eine Frau dabei Lieder von Gr&#246;nemeyer singt &#8211; holl&#228;ndische Wissenschaftler haben unl&#228;ngst herausgefunden, dass Frauen w&#228;hrend des Orgasmus weite Teile ihres Gehirns ausschalten.“<br />
„Und M&#228;nner nicht?“, Milena.<br />
„Beim Mann kann man das gar nicht messen“, sagte ich, „weil sein Orgasmus zu kurz ist!“<br />
„Dann ist alles klar“, sagte Arnošt. Ungl&#252;cklicherweise gerade als Lada ihm sein Bier brachte. „Weil der Orgasmus bei der Frau viel l&#228;nger dauert als beim Mann, braucht sie ihn nicht so oft.“<br />
„Du alter Chauvi!“, sagte Lada und kippte ihm die H&#228;lfte seines neuen Biers in den Schoss.<br />
„’tschuldigung!“, sagte sie und l&#228;chelte verz&#252;ckt.<br />
„Verdammt!“, sagte Arnošt. „Und direkt in den Schritt! Das war Absicht, meine Dame! Jetzt kann ich doch nicht nach Hause gehen. Sonst denkt meine Alte, ich h&#228;tte mich vollgepisst. Bis die Hose eintrocknet, muss ich in der Kneipe bleiben und Bier trinken. Na ja nach acht Halben kann ich die ganze Nacht. Da wird meine Frau heute einen kosmischen Orgasmus kriegen. Die Tantraflut!“<br />
„Arnošt!“, br&#252;llte pl&#246;tzlich eine weibliche aber brutale Stimme vom Eingang. In der darauf folgenden Stille konnte man einen Tropfen Bier vom Zapfhahn bei seiner Begegnung mit der Blechtheke h&#246;ren – patsch! „Ja, spinnst du?“, kreischte Arnošts Frau weiter. „Ich hab dir doch gesagt, du musst heute Abend auf unsere Enkelkinder aufpassen! Hast du vergessen, dass ich zu meiner Mutter fahre? Ich bin schon unterwegs zum Bus, und der alte Trottel hockt in der Kneipe!“<br />
„Ich gehe schon, Sch&#228;tzchen!“, rief Arnošt, h&#252;pfte hoch, schob Lada einen Geldschein zu und lief davon. Etwas verdutzt guckten wir ihm nach. Von drau&#223;en kam durchs Fenster der Rest der Schimpfkanonade: „Mein Gott! Hast du dir wieder in die Hose gemacht? Du solltest zum Arzt gehen und dir ein neues Ventil machen lassen!“<br />
„Lada hat mir Bier auf die Hose gesch&#252;ttet!“<br />
„Immer diese L&#252;gen!“, kreischte Arnošts Frau, ihre Stimme aber wurde leiser und leiser.<br />
„Doch kein Sex f&#252;r Arnošt heute!“, sagte Pepa. „Babysitting! Schade!“<br />
„Habt ihr gesehen wie er torkelte?“, sagte Lada. „Der hat keinen Gleichgewichtssinn mehr. Das ist sicher Schilddr&#252;sen&#252;berfunktion! Den muss ich mir mal angucken!“<br />
„Eher Suff&#252;berfunktion!“, sagte Milena.<br />
„Wohl beides!“, sagte Lada. „Wollt ihr noch eine Runde?“<br />
„Klar!“, sagten wir einstimmig. Nach Hause wollten wir noch nicht. Die Zeit war ja noch nicht reif daf&#252;r. Wer zu fr&#252;h kommt, den bestraft das Leben.</p>
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		<title>Der Mensch und die Wunder der Technik</title>
		<link>http://blog.zvab.com/2009/07/06/der-mensch-und-die-wunder-der-technik/</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Jul 2009 09:23:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Altpapiergeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Aberglaube]]></category>
		<category><![CDATA[Geldautomat]]></category>
		<category><![CDATA[Jaromir Konecny]]></category>

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		<description><![CDATA[Yogi ist erst mit zehn Jahren nach Neuperlach aus Kroatien zugezogen. In der Schule hat er nur das Kiffen gelernt und jede andere Bildung erfolgreich abgewehrt. Seine Wissenschaft- und Technikkenntnisse stammen aus Krieg der Sterne, Matrix und Terminator. Ich bewundere ihn f&#252;r seine naive Art, nur manchmal geht er mir auf den Sack damit. So [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Yogi ist erst mit zehn Jahren nach Neuperlach aus Kroatien zugezogen. In der Schule hat er nur das Kiffen gelernt und jede andere Bildung erfolgreich abgewehrt. Seine Wissenschaft- und Technikkenntnisse stammen aus Krieg der Sterne, Matrix und Terminator. Ich bewundere ihn f&#252;r seine naive Art, nur manchmal geht er mir auf den Sack damit. So wie am letzten Samstagabend. Als Yogi und ich Bier trinken wollten. Zuerst stellte sich Yogi an einen Geldautomaten. Nach ihm wollte ich Geld abheben.<br />
<span id="more-2423"></span></p>
<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/geldautomat.jpg" width="220" height="231" alt="Geldautomat" title="Geldautomat" /></div>
<p>„Du bist aber heute gut zu mir, gell?“, sagte Yogi.<br />
„Na, klar!“, sagte ich.<br />
„Ich rede nicht mit dir!“, sagte Yogi.<br />
Ich guckte mich um, au&#223;er uns beiden stand keiner da. „Und mit wem redest du?“, fragte ich.<br />
„Na, mit dem Geldautomat!“<br />
„Mit ’nem schei&#223; Automaten redet man nicht!“<br />
„Etwas Respekt, bitte!“, sagte Yogi und drehte mir wieder den R&#252;cken zu. „Das hat er nicht so gemeint!“, sagte er zu dem Automaten, tippte seine Pin ein und hob das Geld ab. „Siehst du?“, sagte er jetzt wieder zu mir. „Wenn du zu ihm nett bist, bekommst du immer etwas Geld von ihm!“<br />
„Du bekommst von ihm Geld, auch wenn du nicht nett zu ihm bist!“, sagte ich. „Das ist ein Automat, verdammt noch mal! Der kann nicht denken!“<br />
„Von wegen!“, sagte Yogi. „Einmal hab ich vergessen, ihn zu gr&#252;ssen und gleich meldete er: ‚Heute sind leider keine Auszahlungen m&#246;glich. Wir bitten um Ihr Verst&#228;ndnis!’“<br />
„Das war ein Zufall! Das hat der Automat an dem Tag wohl jedem gesagt. Egal ob mit Gru&#223; oder ohne Gru&#223;!“<br />
„Du hast keine Ahnung, Mann!“, sagte Yogi. „Der redet mit mir, und du willst mir klar machen, dass er nicht denken kann. Ja, bin ich bl&#246;d, oder was?“<br />
„Da magst du recht haben!“, sagte ich.<br />
„Letztes Mal bin ich hier ausgerutscht“, sagte Yogi, „hab nur ‚Schei&#223;e’ gesagt und gleich hat er gemeldet: ‚Konto nicht gedeckt!’“<br />
„Da hat er nicht dein Konto gemeint, sondern das Konto der Bank!“, sagte ich. „Die sind heutzutage ziemlich oft leer!“ Ich haute Yogi auf die Schulter. „Jetzt zeige ich dir, wie man mit diesem bl&#246;den Ding redet!“ Breitbeinig wie Billy the Kid stellte ich mich vor den Geldautomaten, z&#252;ckte aus der Tasche meine EC-Karte, stach sie in den Schlitz, tippte meine Pin ein, klickte 100 Euro an und sagte: „R&#252;ck die Kohle raus, Arschloch!“<br />
„Um Gottes willen!“, sagte Yogi.<br />
„Maximaler Geldbetrag 300 Euro“, meldete der Automat. „Bitte korrigieren Sie Ihre Summe!“<br />
„Ich hab doch nur 100 Euro gewollt!“, sagte ich.<br />
„Siehst du?“, sagte Yogi.<br />
Ich lie&#223; die Karte raus fahren, steckte sie noch mal in den Schlitz und tippte 50 Euro ein.<br />
„Wir haben heute schon verf&#252;gt!“, meldete der Automat. „Ja, verdammt!“, rief ich. „Ich hab doch nur in der Fr&#252;h 50 Euro f&#252;r Eink&#228;ufe abgehoben. Und die sind jetzt weg! Was soll das: ‚Wir haben heute schon verf&#252;gt’, he? Welcher Depp hat sich so ’ne bl&#246;de Meldung wohl ausgedacht?“<br />
„Du musst ihn sch&#246;n gr&#252;&#223;en und um etwas Geld bitten!“, sagte Yogi.<br />
„Einen Schei&#223;dreck werde ich!“, sagte ich. „Jetzt stecke ich die Karte noch mal rein, und wenn’s nicht klappt, gehen wir zu einem anderen Automaten!“<br />
„Pass auf, dass er nicht sauer wird!“, sagte Yogi.<br />
„Der kann mich am Arsch lecken!“, sagte ich und steckte die EC-Karte zum dritten Mal ein! „Ihre Karte wurde aus Sicherheitsgr&#252;nden eingezogen!“, meldete der Automat.<br />
„Du bist echt stur!“, sagte Yogi.<br />
„Kannst du mir etwas Geld leihen?“, sagte ich.<br />
„Nur wenn du sagst, dass Geldautomaten denken k&#246;nnen!“, sagte Yogi.<br />
„Ja, verdammt!“, sagte ich. „Geldautomaten k&#246;nnen denken!“ Was blieb mir auch anderes &#252;brig, wenn ich Bier trinken wollte. Am Samstagabend sind ja alle Banken zu. Seitdem w&#252;nsche ich dem Geldautomaten immer einen guten Tag, bevor ich Geld abhebe. Klar glaube ich nicht, dass das bl&#246;de Ding denken kann, doch ein Gru&#223; kostet nichts, oder? Sicher ist sicher!</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die sch&#246;nen Seiten der Globalisierung</title>
		<link>http://blog.zvab.com/2009/06/02/die-schoenen-seiten-der-globalisierung/</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Jun 2009 08:20:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Altpapiergeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Jaromir Konecny]]></category>
		<category><![CDATA[tschechien]]></category>
		<category><![CDATA[Vegetarier]]></category>
		<category><![CDATA[Wurstsalat]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blog.zvab.com/?p=2263</guid>
		<description><![CDATA[&#160;&#160;Foto: Reinhard He&#223;l&#246;hl
Gott ist allm&#228;chtig und allwissend und somit wusste er, wozu der Mensch evolvieren w&#252;rde: Zum globalisierten Vegetarier! Um das &#246;kologische Gleichgewicht zwischen Pflanze und Tier, zwischen Beute und J&#228;ger, auf Erden zu halten, hat sich Gott etwas ganz Ausgefallenes ausgedacht: Wurstsalat! Immer, wenn ich Vegetarier werden will, denke ich nur kurz daran, auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="bildrechts"><img src="http://blog.zvab.com/wp-content/wurstsalat2.jpg" width="230" height="173" alt="Wurstsalat" title="Wurstsalat" /><br /><small>&nbsp;&nbsp;Foto: Reinhard He&#223;l&#246;hl</small></div>
<p>Gott ist allm&#228;chtig und allwissend und somit wusste er, wozu der Mensch evolvieren w&#252;rde: Zum globalisierten Vegetarier! Um das &#246;kologische Gleichgewicht zwischen Pflanze und Tier, zwischen Beute und J&#228;ger, auf Erden zu halten, hat sich Gott etwas ganz Ausgefallenes ausgedacht: Wurstsalat! Immer, wenn ich Vegetarier werden will, denke ich nur kurz daran, auf Wurstsalat verzichten zu m&#252;ssen und bekomme Panik! Ein Wurstsalatschmaus ist das K&#246;rper-und-Geist-Erlebnis schlechthin – die Wurstwellness!<br />
<span id="more-2263"></span><br />
Reinhard von der Br&#252;cke/Most-Stiftung in Freiburg ist ein Mensch von einem Mann, ein Badener von einem Mensch und ein Wurstsalatkenner vor Gott. Dies l&#228;sst schon seine imposante Statur erahnen. Bei den diesj&#228;hrigen Tschechischen Kulturtagen in Freiburg holten er und die grandiose badische Lehrerin Judith mich am Bahnhof ab. Gleich auf dem Bahnsteig gab Reinhard unseren Gespr&#228;chen in Freiburg eine politische Richtung: „Der Wurschtsalat ischt das letzte Bollwerk gegen die Ausw&#252;chse der Globalisierung“, sagte er in seinem sch&#246;nen Badisch.</p>
<p>„Der bayerische Wurschtsalat?“, fragte ich. Bin zwar urspr&#252;nglich Tscheche, aber hab mittlerweile mehr Jahre in Bayern verbracht als in Tschechien.</p>
<p>„In den bayerischen Wurschtsalat schneidet man Regenschburger in Scheiben rein!“, sagte Reinhard. „In einem guten Wurschtsalat muss die Wurscht aber fein geschnitten sein! Damit sie eine sehr gro&#223;e Oberfl&#228;che bekommt und m&#246;glichst viel Sud ansammeln kann! Der Sud ischt das Fruchtwasser, in dem die Wurscht gedeiht!“</p>
<p>Judith lachte und reichte mir den Schl&#252;ssel von ihrer Wohnung. „Auf dem Tisch in der K&#252;che findet ihr eine Sch&#252;ssel Wurschtsalat, ihr Wurschtexschperten!“, sagte sie.</p>
<p>„Wollen wir morgen Abend zusammen den Pepa Pop vom Zug abholen?“, fragte Reinhard unterwegs zu Judiths Wohnung. „Er bringt sicher Pilsner Urquell mit!“ Pepa Pop spielt tschechische Heavy-Metal-Polka. Volksmusik auf die AC/DC-Art.</p>
<p>„Bier ist unser tschechischer Beitrag zur Globalisierung!“, sagte ich.<br />
„Bier und Wurschtsalat geh&#246;ren zusammen“, sagte Reinhard. </p>
<p>„Der bayerische Liedermacher Tiger Willi ist in einem seiner Songs in der Nacht unterwegs“, sagte ich. „er wird pl&#246;tzlich von einem solchen ‚Gluscht’ &#252;berw&#228;ltigt, dass er an eine Haust&#252;r klopfen muss, wo ein paar Frauen wohnen. Auf macht ihm eine hei&#223;e Tante im Negligé. Sie l&#228;chelt ihn an und fragt ihn, worauf er jetzt Lust h&#228;tte, und er singt, ‚Mach mir ’nen Wurschtsalat, gib mir a Coca Cola…’!“</p>
<p>„Der versteht was von Frauen!“, sagte Reinhard. „Nur das Coca Cola zeigt, dass die Bayern den Kampf gegen die Schattenseiten der Globalisierung schon verloren haben. Letzte Woche hab ich hier in einem Restaurant einen Els&#228;sser Wurschtsalat bestellt. Der ist mit K&#228;se. Statt Emmentaler hat der Koch aber Butterk&#228;se reingetan und Oliven&#246;l! Ein Wurschtsalat mit Oliven&#246;lgeschmack! Der Koch kam aus Marokko!“</p>
<p>Doch auch in der Wohnung der waschechten Badnerin Judith erwartete uns ein Kulturschock. „Was ischt das?“, fragte Reinhard fassungslos und zeigte mit der Gabel auf schwarze Fr&#252;chte in Judiths Wurstsalat.</p>
<p>„Die Globalisierung!“, sagte ich.</p>
<p>„Was?“</p>
<p>„Oliven!“, sagte ich.</p>
<p>„Oliven in einem badischen Wurschtsalat?“, sagte Reinhard. „Ja, wo sind wir denn? In der Toscana?“</p>
<p>Am n&#228;chsten Tag trafen wir uns vor einem Restaurant mit badischer K&#252;che namens Mamas Krapfen. Ein etwas zu erotischer Name f&#252;r einen Wurstsalattempel. Auch innen kam mir der Laden komisch vor: &#220;berall Weingl&#228;ser und andere schwule Utensilien. Die meisten G&#228;ste hatten Teller vor sich stehen, die dank ihres Inhalts wie Pflanzent&#246;pfe ausschauten. Wir bestellten Els&#228;sser Wurstsalat, den mit dem K&#228;se, der in M&#252;nchen als Schweizer Wurstsalat bekannt ist. Kurz darauf stellte die Kellnerin zwei gro&#223;e Teller vor uns ab. Auf jedem lag ein Haufen Bratkartoffeln, ein Haufen geriebene Karotten, ein Haufen Kraut, Salatbl&#228;tter, Tomaten und ganz am Rande des Tellers ein elendes H&#228;ufchen geriebener K&#228;se. „Wir haben Wurstsalat bestellt!“, sagte ich zu der Frau.</p>
<p>„Hier ischt der Wurschtsalat!“, sagte die H&#252;bsche.</p>
<p>„Wo?“, fragte ich.</p>
<p>„Na, hier!“, sagte sie, packte meine Gabel und hob die paar mickrigen K&#228;sestreifen an. Und tats&#228;chlich: Unter diesem peinlichen H&#228;ufchen versteckten sich noch ein paar Streifen Wurst!“</p>
<p>„Das ischt der so genannte vegetarische Wurschtsalat!“, sagte Reinhard. </p>
<p>Eine Stunde sp&#228;ter warteten wir am Bahnhof auf Pepa Pop. Arg hungrig! „Wollen wir was essen gehen?“, fragte ich Pepa gleich nach seiner Ankunft. „Mein Bauch besteht nur aus Hohlr&#228;umen, durch die m&#228;chtige Winde wehen! Das kommt von dem vegetarischen Wurschtsalat!“</p>
<p>„Ich hab was f&#252;r euch!“, sagte Pepa. Gleich an der Hotelrezeption machte er seinen gro&#223;en Koffer auf. In jedes Kleidungsst&#252;ck war ein Bier eingewickelt. Eine Flasche steckte in einem BH. Die franz&#246;sische Politikstudentin an der Rezeption guckte Pepa interessiert zu. „Der BH geh&#246;rt meiner Freundin!“, sagte Pepa ihr zutraulich. „Polstert recht gut!“</p>
<p>„Ich brauche keine Polsterung!“, sagte die kleine Franz&#246;sin und streckte uns ihre brisanten Br&#252;ste entgegen.</p>
<p>„Kannst du das Bier kurz in die Gefrierbox stecken?“, fragte Pepa sie. „Und ein paar Teller auftreiben?“ Im Zimmer holte Pepa aus seinem Koffer ein verschlossenes F&#252;nflitergurkenglas.</p>
<p>„Und was ist das?“, fragte Reinhard.</p>
<p>„Utopence!“, sagte ich. „Auf Deutsch ‚die Ertr&#228;nkten’ oder ‚die Geschlitzten’!“</p>
<p>Die h&#252;bsche Franz&#246;sin tauchte mit vier Tellern auf. Pepa holte aus dem Glas gro&#223;e aufgeschlitzte W&#252;rste heraus, die sch&#246;n mit Zwiebelringen gestopft waren.</p>
<p>„Na, das ischt Wurschtsalat am St&#252;ck!“, sagte Reinhard. „Leider bleib an einer so kleinen Oberfl&#228;che nicht so viel Sud h&#228;ngen!“</p>
<p>„Die liegen zwei Wochen eingelegt“, sagte Pepa. „Die bestehen nur aus Sud!“</p>
<p>„Grob aber gut!“, sagte Reinhard beim Essen und kl&#228;rte die franz&#246;sische Politikstudentin &#252;ber die verschiedenen Wurstsalatsorten auf. „Ich k&#246;nnte &#252;ber die geographischen Unterschiede in der Beschaffenheit von Wurstsalat eine Magisterarbeit schreiben!“, sagte die Franz&#246;sin. „Je entwickelter die Demokratie, umso feiner der Wurstsalat. Die Ost-West-Verfeinerungsachse: Tschechien – Wurstsalat am St&#252;ck, weiter westlich Bayern – Wurstsalat in Scheiben, weiter westlich Baden – Wurstsalat in schmalen Streifen. Und noch weiter westlich, bei uns in Frankreisch, machen wir aus Wurst Pastete!“</p>
<p>„Alles klar!“, sagte der alte Rocker Pepa Pop. „Je westlicher, umso schwuler!“</p>
<p>„Zur Strafe spielst du auf deiner Gitarre ein paar Chansons!“, sagte die Franz&#246;sin.</p>
<p>„Ich spiele nur Heavy-Metal-Polka!“, sagte Pepa. „Die Tschechen m&#246;gen’s halt grob!“</p>
<p>So hockten eine Franz&#246;sin, ein Badener, ein Tscheche und ein Berufstscheche in Baden bei tschechischem Bier und tschechischem Wurstsalat am St&#252;ck und lie&#223;en sich von Hard-Core-Tschechenpolka berieseln. „Die Globalisierung hat eben auch ihre sch&#246;nen Seiten!“, sagte Reinhard und l&#228;chelte gl&#252;cklich. Und darauf stie&#223;en wir an!</p>
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		<title>Omas Hahn am Tag der Arbeit</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 07:33:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jaromir Konecny</dc:creator>
				<category><![CDATA[Altpapiergeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Hahn]]></category>
		<category><![CDATA[Jaromir Konecny]]></category>
		<category><![CDATA[Mähren]]></category>
		<category><![CDATA[sozialismus]]></category>

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Auch im Urlaub auf einem Dorf in M&#228;hren musst du erfahren, dass wir l&#228;ngst unsere alte Welt f&#252;r die neue, virtuelle ausgetauscht haben. „Unser dreij&#228;hriger Sohn Adam, das Stadtkind, flitzte aus dem H&#252;hnerstall, hielt ein Ei hoch und br&#252;llte: „Papa, die Eier macht man nicht in der Fabrik!“
„Nein!“, sagte ich. „Die werden von den Hennen [...]]]></description>
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<p>Auch im Urlaub auf einem Dorf in M&#228;hren musst du erfahren, dass wir l&#228;ngst unsere alte Welt f&#252;r die neue, virtuelle ausgetauscht haben. „Unser dreij&#228;hriger Sohn Adam, das Stadtkind, flitzte aus dem H&#252;hnerstall, hielt ein Ei hoch und br&#252;llte: „Papa, die Eier macht man nicht in der Fabrik!“<br />
„Nein!“, sagte ich. „Die werden von den Hennen gelegt!“<br />
„Von der da?“, fragte Adam und zeigte auf den Hahn, der auf dem Misthaufen herumstolzierte.<br />
„Nein! Das ist der Hahn! Der legt keine Eier!“<br />
„Und was macht der Hahn?“, fragte Adam. Tja! Was macht eigentlich der Hahn? Ich ging in die Felder hinter den H&#228;usern, kletterte auf einen Strohschober und dachte an die alten Zeiten im sozialistischen M&#228;hren. Als noch allen Kindern auf der Welt klar war, wozu der Hahn gut sei.<br />
<span id="more-2162"></span><br />
Omas Hahn war ein Prachtexemplar der Gattung Mann. Wenn seine zwanzig Hennen m&#252;de waren, poppte er die Enten. Vor allem stand er aber auf blonde Hennen. Wegen einer Blonden w&#252;rde Omas Hahn &#252;ber einen zwei Meter hohen Zaun klettern. Deswegen durften Omas Hennen alle m&#246;glichen Farben tragen nur nicht wei&#223;. „Ein guter Hahn kr&#228;ht &#252;berall!“, sagte Oma. Und so bestieg Omas Hahn alles! Einmal sogar einen Sch&#228;ferhund, der in unserem Hof Beute machen wollte. Omas Hahn sprang dem Sch&#228;ferhund auf den R&#252;cken und wollte loslegen. Die Hundebestie bellte besch&#228;mt und lief davon.</p>
<p>Am 1. Mai, am Tag der Arbeit, wachten wir Kinder statt in M&#228;hren im roten Himmel der Kommunisten auf, in einer Galaxis aus f&#252;nfzackigen Sternen. Hammer und Sichel &#252;berall, gro&#223;e Poster mit Marx-, Engels- und Leninportr&#228;ts, rote Nelken in Knopfl&#246;chern der billigen Festanz&#252;ge: der Tag der Arbeit als Fest der Phrasen, Parolen und Spruchb&#228;nder: <em>Mit der sozialistischen Arbeit in die strahlende Zukunft.</em></p>
<p>Meine Oma war zu alt, um an dem feierlichen Umzug teilnehmen zu m&#252;ssen, ich zu jung. Mit anderen Rentnern und Kindern winkten wir mit unseren bunten Winkelementen den vorbeiziehenden Helden der Arbeit zu. Nur ein St&#252;ck weiter, auf der Trib&#252;ne, winkten die Parteibonzen im Roboterrhythmus der Revolutionsm&#228;rsche. Gleich w&#252;rden sie ihre Arbeitsfestreden schwingen. „Keiner von denen hat je gearbeitet!“, sagte Oma zu einer Nachbarin.</p>
<p>Als letzter Teil des Umzugs tauchte ein allegorischer Wagen unserer Kolchose auf. Drum herum alle Genossenschaftsbauern in geb&#252;gelter Arbeitskleidung. Mit einer Gipskuh auf dem Wagen, gro&#223;en Milchkannen und ein paar Strohballen, auf deren Gipfel in einem gro&#223;en Korb eine lebendige Henne hockte. Wei&#223; strahlend wie die Friedenstauben, die jedes sozialistische Fest schm&#252;ckten, ein Prachtst&#252;ck einer Henne, eine Hennenfunktion&#228;rin!</p>
<p>Hinter unserem R&#252;cken kr&#228;hte es pl&#246;tzlich, ich drehte mich um und sah, wie Omas Hahn versuchte, &#252;ber den Hofzaun zu klettern. Auch Oma warf einen Blick hin, dr&#252;ckte mir aber nur die Hand und guckte wieder dem Umzug zu, der vor der Trib&#252;ne zum Stehen kam. Und dort holte Omas Hahn den allegorischen Wagen der Kolchose mit seiner blonden Traumfrau auch ein. Gerade wollte der Vorsitzende der kommunistischen Partei den Redemarathon feierlich er&#246;ffnen, als Omas Hahn das Wort &#252;bernahm. Er kr&#228;hte aufgeregt, h&#252;pfte auf den Wagen und die Strohballen, sprang auf die wei&#223;e Henne, und schon poppte er sie! Ach, was! Der Hahn rammelte die Henne, das Symbol der sozialistischen Landwirtschaft, bis ihre wei&#223;en Federn flogen. Die Blaskapelle h&#246;rte auf zu spielen, das arbeitende Volk johlte und spornte Omas Hahn an. Nur die kommunistischen Funktion&#228;re guckten mit versteinerten Mienen zu, wie ein geiler Hahn das Fest der Arbeit zugrunde poppte und ihnen damit einen Spiegel vorhielt. Zum Schluss h&#252;pfte der Hahn von der Henne runter, schmetterte ein siegestrunkenes Kikeriki, und jagte zu Omas Hof, um sich dort ein Sch&#228;ferst&#252;ndchen zu g&#246;nnen. Durch dieses glorreiche Beispiel angespornt, st&#252;rmte das Volk, die Helden der Arbeit, die Dorfkneipen und lie&#223;en die verdutzten Bonzen auf der Trib&#252;ne allein stehen.</p>
<p>Am n&#228;chsten Tag besuchten der Parteivorsitzende und der Direktor der Kolchose meine Oma. „Eine Sabotage war das!“, br&#252;llte der Vorsitzende. Der Hahn m&#252;sse geschlachtet oder zumindest f&#252;r immer eingesperrt werden, damit er sich nicht mehr &#252;ber unseren Sozialismus lustig machen k&#246;nne.<br />
„Wenn du den Hahn einsperrst, geht die Sonne doch auf!“, sagte Oma, als k&#246;nnte sie in die Zukunft blicken, und begleitete die Genossen aus ihrem Hof.</p>
<p>Nun lebe ich im postmodernen Kapitalismus, in M&#252;nchen, weit und breit kein Hahn, der den M&#228;nnern auf den hiesigen Trib&#252;nen ihre Eitelkeiten verleiden und sie an ihre wahre Natur erinnern k&#246;nnte. Sicher passt es den macht- und geldgierigen S&#228;cken, dass wir jetzt Chim&#228;ren in unseren sch&#246;nen neuen virtuellen Welten nachjagen, nachdem die Versprechung des Himmels ausgedient hat. Statt sich mit H&#252;hnern aus Fleisch und Blut zu besch&#228;ftigen, ballern unsere Kinder virtuelle H&#252;hner ab, die „cosmic chicken invaders“ hei&#223;en. Ob uns die „cosmic chicken“ aber den geilen Hahn auf dem stinkenden Misthaufen auf die Dauer zu ersetzen verm&#246;gen, wage ich zu bezweifeln.</p>
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