Italienisch für Machos
von Jaromir KonecnyIn einer Ehe kriegst du schnell raus, wer das Sagen hat. Vor allem, wenn du dreimal weniger als deine Frau verdienst. Früher aber, Mann, früher hatte ich vor Karin den wilden Burschen aus Mähren gespielt, den Macho! Das Einzige an gesunder Ernährung, das ich zu mir nahm, war Bier! Nix Broccoli! Ich futterte nur Leberkäse und Weißwürste, bekleckerte mich mit Senf wo und wann auch immer ich wollte, und wenn mir danach war, auch mit Ketchup! Gepinkelt habe ich damals nur im Stehen! Die Spuren meines Mannesdaseins markierten die Welt! Wo sind nur diese herrlichen Zeiten meiner Selbstverwirklichung als Mann geblieben?
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Elvis lebt
von Jaromir Konecny
Im Fasching zeigt auch der katholischste Mitbürger gern seine wilde Seite – er klebt sich eine Pappnase ins Gesicht, lässt seinen Spirit statt mit Spiritualität mit Spirituosen fluten und ruft: „Ich verstehe Spaß – ich bin ein Narr!“ Zu diesen Zeiten meide ich die Stadt, da ich ein Menschenfreund bin und mir diese Lebenseinstellung auch bewahren möchte. Außerdem komme ich aus Mähren, dort hast du dich nicht verkleiden müssen, um zu saufen – in Mähren ist schon das morgendliche Aufstehen Grund zum Saufen genug.
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Ich möchte mit dir Sex haben
von Jaromir KonecnyManon ist eine Blume vom Land. Vielleicht aus der Provence, vielleicht von einem Meer mit einem Fisch darin, der jeden Fischer mit Geschichten über Manon vollquatscht, statt ihm seine drei Wünsche zu erfüllen! Diese Fischer suchen dann nach Manon, finden sie nicht, weil Manon nun mal wie jede kluge Frau nie dort ist, wo man sie sucht. Die Fischer sind so unglücklich darüber, dass sie Drogen nehmen müssen! Manon ist eine Wildblume – wenn du sie pflückst und in eine Vase auf einen Tisch zwischen Beton und Beton steckst, verwelkt sie. Zum Leben braucht Manon die Musik der weiten Wiese! Wenn am Abend die Singzikadenmännchen ihre Melodien zirpen, um Weibchen anzulocken, malt Manon diese Sehnsucht auf ihre bunten Blütenblätter, um sie in der Nacht für die Nachtfalter zu entfalten. Manons Bilderblütenbuch! Manon mag es, eine Nachtblume zu sein. Doch am schönsten blüht Manon an der Sonne auf. Manon ist eine Sonnenblume und eine Nachtblume! Manchmal freilich auch die Prinzessin aus Paris. Wenn ihr das Landleben auf den Geist geht. Mal so, und mal so!
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Die süße Tüte des Vergessens
von Jaromir Konecny„Mann!“, sagte Alfons. „Heute hat mich meine Alte wieder verdroschen!“ Die Wirtin stellte frische Pilsner Urquell vor uns. Die Pilsner trugen schöne weiße Mützen und luden unsere Nasen zum Schmusen ein.
„Warum wehrst du dich nicht?“, fragte ich.
„Das wäre nicht fair, meint meine Frau!“, sagte Alfons. „Ich sei stärker als sie, deswegen dürfe nur sie mich schlagen! Ich will nicht über mein Schicksal jammern, ein Philosoph kann erst im Leiden wachsen. Warum muss ich aber auch beim Biertrinken ständig dran denken, dass auf mich zu Hause eine Furie wartet, die mir das Denken austreiben will? Ich nehme doch Drogen, um zu vergessen, verdammt!“
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Tschechensport
von Jaromir KonecnyIch war schon zehn, aber noch nie hatte mir eine Frau so viel bedeutet wie Natascha! Leider lebten wir einige Tausend Kilometer voneinander entfernt. Ich in einem Städtchen in Mähren, Natascha in einem Dorf bei Leningrad. Ihre Adresse hatte mir unsere Russisch-Lehrerin gegeben, damit ich mit einer Genossin aus der Sowjetunion „ДРУЖБА“ – Freundschaft pflegte.
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Ich sammle Joghurtdeckel
von Jaromir Konecny
Bild von: Svik
Wenn mein Aluminiumdeckelsammelplastikeimer voll ist, trage ich ihn zum Aluminiumsammelcontainer und schütte eine Handvoll Joghurtdeckel nach der anderen hinein. Ach! Ist das nicht schön? Jaromir – der Joghurtdeckeli-Umweltretter! Der Umweltsünderterminator! Der Aluminator! Leider kann ich gar nicht so viel Joghurt fressen, wie viel Umwelt ich retten möchte. Joghurt! Das klingt so nach… Frische! Wenn eine Firma Scheiße baut, kommt ein Joghurtdeckel drauf, und schon schmeckt Scheiße wie Frischfrucht. Frische Scheiße mit einem Joghurtdeckel mit Lasche und einem Bio-Siegel. Denn Scheiße ist auch ein Naturprodukt!
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Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben
von Jaromir Konecny
Das Restaurant „Zur Erdachse“ im mährischen Schamberg ist eine Oase inmitten der Wüste der Wirtschaftskrise, ein aufgeschlagener Stammtischgedichtband, ein Traktat der Kneipenphilosophie – kurzum der Heilige Brunnen der Illusion!
„Lada ist reif für die Klapse!“, sagte Arnošt und nickte zu der hübschen Kellnerin Lada, die gerade Bier an die Durstenden verteilte. „Sie hat irgendeinen bescheuerten Workshop für angehende Geistheiler und Geistheilerinnen besucht – um politisch korrekt zu bleiben -, und jetzt will sie mir ständig einreden, dass ich krank bin und mich von ihr behandeln lassen muss.“ Arnošt unterbrach seine Tirade, da Lada unseren Tisch angesteuert hatte. „Das Pilsner Urquell schmeckt heute wie Gurkenwasser“, sagte er und reichte ihr sein halb geleertes Bierglas! Bring mir besser auch Radegast!“
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Der Mensch und die Wunder der Technik
von Jaromir KonecnyYogi ist erst mit zehn Jahren nach Neuperlach aus Kroatien zugezogen. In der Schule hat er nur das Kiffen gelernt und jede andere Bildung erfolgreich abgewehrt. Seine Wissenschaft- und Technikkenntnisse stammen aus Krieg der Sterne, Matrix und Terminator. Ich bewundere ihn für seine naive Art, nur manchmal geht er mir auf den Sack damit. So wie am letzten Samstagabend. Als Yogi und ich Bier trinken wollten. Zuerst stellte sich Yogi an einen Geldautomaten. Nach ihm wollte ich Geld abheben.
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Die schönen Seiten der Globalisierung
von Jaromir Konecny
Foto: Reinhard Heßlöhl
Gott ist allmächtig und allwissend und somit wusste er, wozu der Mensch evolvieren würde: Zum globalisierten Vegetarier! Um das ökologische Gleichgewicht zwischen Pflanze und Tier, zwischen Beute und Jäger, auf Erden zu halten, hat sich Gott etwas ganz Ausgefallenes ausgedacht: Wurstsalat! Immer, wenn ich Vegetarier werden will, denke ich nur kurz daran, auf Wurstsalat verzichten zu müssen und bekomme Panik! Ein Wurstsalatschmaus ist das Körper-und-Geist-Erlebnis schlechthin – die Wurstwellness!
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Omas Hahn am Tag der Arbeit
von Jaromir Konecny
Auch im Urlaub auf einem Dorf in Mähren musst du erfahren, dass wir längst unsere alte Welt für die neue, virtuelle ausgetauscht haben. „Unser dreijähriger Sohn Adam, das Stadtkind, flitzte aus dem Hühnerstall, hielt ein Ei hoch und brüllte: „Papa, die Eier macht man nicht in der Fabrik!“
„Nein!“, sagte ich. „Die werden von den Hennen gelegt!“
„Von der da?“, fragte Adam und zeigte auf den Hahn, der auf dem Misthaufen herumstolzierte.
„Nein! Das ist der Hahn! Der legt keine Eier!“
„Und was macht der Hahn?“, fragte Adam. Tja! Was macht eigentlich der Hahn? Ich ging in die Felder hinter den Häusern, kletterte auf einen Strohschober und dachte an die alten Zeiten im sozialistischen Mähren. Als noch allen Kindern auf der Welt klar war, wozu der Hahn gut sei.
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Männer auf der Kirmes
von Jaromir KonecnyDer Mann ist ein erfinderisches Geschöpf, wenn’s darum geht, geistige Sachen mittels geistiger Getränke in geistlose Abgründe zu führen. Der Fastenschank zum Beispiel, der letzte Ausschank von Alkohol, hat früher die christliche Fastenzeit eingeleitet, die den Körper fürs Spirituelle reinigen sollte. Die Fastenzeit und das Spirituelle spart man sich mittlerweile, der Fastenschank aber ist uns als Fasching erhalten geblieben, eine jetzt grundlose Sauferei, die jeder Spiritualität spottet. Jahr für Jahr artet somit eine christliche Tradition zu einem mittels Alkohol enthemmten heidnischen Fest aus.
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Eine Frau mit Buch
von Jaromir KonecnyEine Frau mit Buch macht mich an. Wenn ich eine Frau mit Buch sehe, muss ich am Abend kein Bier trinken. Nach einer Frau mit Buch brauche ich keine anderen Drogen. Wegen einer Frau mit Buch streune ich wie ein Wahnsinniger durch Buchhandlungen, Buchmessen und Bibliotheken. Das Schlimmste für mich wäre wohl, wenn Männer wieder zu lesen anfangen und Frauen aus den Buchhandlungen verschwinden würden. Aus der U-Bahn ist eine Frau mit Buch bereits verschwunden. Leider nimmt dich eine Frau mit Buch gar nicht wahr – sie hat an ihrem Buch ja Ersatzbefriedigung genug. Damit mich eine Frau mit Buch wahrnimmt, bin ich Schriftsteller geworden. 20 Jahre lang hab ich mit diesem Scheißschreiben verbracht, bis mir klar wurde, dass für eine Frau mit Buch nur ein berühmter Schriftsteller von Interesse ist. Eine Frau mit Buch liest ja keine Bücher unbekannter Autoren, wie du einer bist. Eine Frau mit Buch nimmt nur das große Ding von Philip Roth oder John Irving oder Günter Grass in die Hand, und nicht dein Mickriges, an dem kein Bestsellerorden hängt, du Versager, du!..
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