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Reklamemarken: Kleine Kunstwerke der Werbegrafik

Reklamemarken als Sammelgebiet

Gedacht waren sie zunächst als Verschlussmittel von Firmenbriefen doch schon bald wurden sie in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg auch intensiv gesammelt: Reklamemarken.

Und natürlich sollten sie als Blickfang auf dem Briefumschlag den Namen oder das Produkt der herausgebenden Firma bekannt machen. Den Sammeltrieb unterstützten die Unternehmen durch die Auflage von umfangreichen Serien. Aber es gab auch viele Einzelmarken. Da sie häufig einen gezackten Rand hatten, erhielten die bunten Aufkleber den Namen „Marke“.

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Einige sind wahre Kunstwerke, deren Schönheit und Detailgenauigkeit sich manchmal erst unter der Lupe offenbart. Heute beschäftigen sich selbst Kunsthistoriker mit den kleinen Werbeplakaten, denn nicht selten wurden sie von bekannten Künstlern gestaltet.

Als Werbemedium trugen die Reklamemarken immer den Firmennamen, manchmal auch den Ort und einen Hinweis auf die Produktpalette. Die speziell für Sammler hergestellten Marken zeigten häufig allgemeine Motive wie Vögel, Trachten, Kunstwerke, Blumen, Autos, Flugzeuge, Städte und vieles mehr. Manchmal erleichterte dem Sammler eine Nummerierung innerhalb der Serie diese gezielt zu vervollständigen.

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Die Reklamemarken-Bildchen ähneln zwar stark den populären Sammelbildern (Kaufmannsbilder, Liebigbilder), es gab jedoch meist keine speziellen Sammelalben. Und so wurden die Reklamemarken häufig in Poesiealben oder Schreibheften gesammelt – sprich eingeklebt. Solche Sammelhefte sind heute echte Schatztruhen für Sammler und daher entsprechend teuer (sofern man überhaupt noch welche findet).

Wer aus einem solchen Heft nur einzelne Marken seiner Sammlung hinzufügen möchte, kann beruhigt zugreifen. Denn obwohl die Marken geklebt wurden: der damals verwendete Kleber lässt sich meist mit Wasser auflösen und die kleinen Kunstwerke mit etwas Fingerspitzengefühl unbeschädigt vom Papier abheben.

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Während bei den Zigaretten- und Sammelbildern unter anderem Tiere, Film, Sport und Technik eine große Rolle spielten, warben die Reklamemarken häufig für aktuelle Ereignisse wie Ausstellungen, Flugtage, Feste und natürlich Firmenjubiläen.

Wann genau die Reklamemarke erfunden wurde, lässt sich heute nicht mehr exakt datieren. Es wird aber wohl etliche Jahre vor 1900 gewesen sein, da es bereits zur Weltausstellung in Paris (die in diesem Jahr stattfand) Serien von 1500 Stück (!) gab. In den Gebrauchsmusterrollen werden Reklamemarken erstmals 1914 erwähnt.

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Reklamemarken waren Massenartikel, die möglichst preisgünstig hergestellt wurden. Gedruckt wurden sie daher meist im Buchdruck oder als Lithographie mit wenigen Farben. Anschließend liefen die Bögen durch eine Perforationsmaschine, damit man die einzelnen Marken schnell abtrennen konnte. Die Marken gab es dann häufig kostenlos als Zugabeartikel beim Kaufmann um die Ecke oder man konnte gleich ganze Bögen für einige Pfennige kaufen.

Auch Fremdenverkehrsvereine nutzen die Kleinplakate gern, um für die Vorzüge ihres Ortes zu werben. Diese Marken sind heute bei Sammlern sehr beliebt. Sammler sollten sich möglichst früh spezialisieren, da die Mengen an Marken es unmöglich macht, eine umfassende Generalsammlung aufzubauen.

So wäre der Aufbau einer Heimatsammlung oder einer Motivsammlung (spezielle Produkte, Tiere, Verkehr, Kinder usw.) denkbar. Heute ist es durch das Internet recht einfach geworden, eine umfangreiche Sammlung zusammenzutragen. Und die Preise sind auch noch moderat: eine Einzelmarke ist oft schon für 1 bis 3 Euro zu bekommen, komplette Serien gibt es auch bereits ab 10 Euro. Besonders große, gesuchte Serien können aber auch schon mal mehrere hundert Euro kosten.

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Eine Beschädigung der Zähnung ist bei Reklamemarken nicht so gravierend wie bei Briefmarken. Häufig wurden sie nicht besonders sorgfältig getrennt. Eine Marke mit einem oder zwei fehlenden Zähnen ist also immer noch sammelwürdig. Marken mit Einrissen oder Fehlstellen in den Ecken sollte man aber nur in die Sammlung aufnehmen, wenn es sich um ein besonders seltenes Stück handelt .

Historische Rechnungen als Sammelgebiet

Gedruckte Firmenbriefköpfe und besonders aufwendig gestaltete Rechnungsformulare kamen in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf. Mit dem Beginn der industriellen Fertigung mussten immer neue Absatzmärkte erschlossen werden und dies führte zu einem sprunghaften Anstieg des geschäftlichen Schriftverkehrs.

Vorgedruckte Briefbögen, die immer wiederkehrende Informationen enthielten, stellten eine erhebliche Arbeitserleichterung gegenüber den bisher üblichen komplett handschriftlichen Briefen und Rechnungen dar. Und schon damals erkannten die Unternehmer, wie wichtig es war, bei potentiellen neuen Kunden den Erstkontakt für eine positive Wirkung zu nutzen.

Gustav Neumann. Spirituosen-, Weinessig-, Senf- und Liquer-Fabrik. 1871

Würzburg – Gustav Neumann. Spirituosen-, Weinessig-, Senf- und Liquer-Fabrik. 1871

Die ersten Briefköpfe aus der Zeit von 1820 bis etwa 1845 trugen meist noch kleine, aber dekorative Firmenvignetten. Diese Stücke werden heute aufgrund ihres Alters und der Seltenheit bei Sammlern besonders gesucht und geschätzt. Die neuen technischen Möglichkeiten der Lithographie in der Drucktechnik führten zu immer größeren und detailreicheren Schmuckansichten, die manchmal sogar mehr als die Hälfte des Briefbogens füllten. Es gab damals sogar eine Kampgne gegen “Schriftenverwilderung und Ornamentensucht”, die erfolgreich gegen die teilweise doch sehr verworrene und überbordende Gestaltung ankämpfte.

Zwickau - Oswald Saalberg. Mineralöl- und Cement-Grosshandlung. 1938

Zwickau – Oswald Saalberg. Mineralöl- und Cement-Grosshandlung. 1938

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden besonders aufwendige und schmuckreiche Briefbögen gestaltet, die manchmal sogar mehrfarbig gedruckt wurden. Neben allgemeinen Schriftinformationen wie Firmenname, Anschrift, Branche, Bankverbindung, Telegrammadresse und besonderen Produkten enthielten sie Schmuckelemente wie Arabesken, Ornamente, Medaillen und Bilder.

Besonders beliebt war bei Industrieunternehmen die Fabrikansicht (häufig mit belebten Straßenszenen und qualmenden Schornsteinen), die Größe, Besitz und Wohlstand repäsentierte. Manchmal bieten auch Innenansichten einen Einblick in die Produktion.

Die Leistungsfähigkeit des Unternehmens und die Qualität der Produkte wurde mit der Abbildung von Preismedaillen gezeigt, die damals auf den zahlreichen Industriemessen und Gewerbeschauen fast inflationär verliehen wurden. Allegorien und Symbolbilder standen für Tüchtigkeit, Tradition, Fortschritt und Erfolg und wurden ebenfalls gern für die Gestaltung der Rechnungsbögen verwendet.

Würzburg - Wilhelm Stein. Weinessig- und Weinessigsprit-Fabrik. 1908

Würzburg – Wilhelm Stein. Weinessig- und Weinessigsprit-Fabrik. 1908

Die Lithographie wurde das überwiegende Druckverfahren für den kommerziellen Druck von Briefköpfen. In alten Musterbüchern von Lithographischen Anstalten finden sich sehr häufig Briefköpfe von Indsutrieunternehmen. Kein Wunder, waren diese doch die sichersten Aufträge, die viel Geld in die Kassen der Druckereien brachten. Häufig findet man den Namen der ausführenden Lithografischen Anstalt auf den Rechnungen und Briefbögen am Rand vermerkt.

Im Adressbuch Deutscher Exportfirmen aus dem Jahre 1897 findet sich beispielsweise eine Anzeige der Firma Trommer & Grundmann aus Leipzig. Sie empfiehlt sich dort für die “mustergültige, hochfeine und künstlerische Ausführung von Brief- und Rechnungsköpfen”.

Mit Beginn des ersten Weltkrieges werden die Briefköpfe und Rechnungsformulare zunehmend schlichter, heute beschränkt sich die Gestaltung meist darauf, das Firmenlogo abzudrucken.

Umso schöner und begehrter sind die alten Firmendrucksachen heute bei Sammlern. Häufig sind die Firmenansichten auf den Rechnungen die einzigen Bildzeugnisse einer längst verschwundenen Firma und damit besonders interessant für Heimatsammler. Die Abbildungen und Hinweise z.B. auf das Produktionsprogramm lassen für Wirtschaftshistoriker Rückschlüsse auf die Firmenentwicklung und die Industriegeschichte einer Region oder eines Landes zu.

Elberfeld (Wuppertal) - F.A. Isserstedt. Bergisch-Märkische Margarine-Werke. 1913

Elberfeld (Wuppertal) – F.A. Isserstedt. Bergisch-Märkische Margarine-Werke. 1913

Sammler von Briefköpfen und historischen Rechnungen sind heute neben Museen auch Historiker, Firmenarchive und vor allen Dingen Privatpersonen. Manchmal werden sie zur Ergänzungen anderern Kollektionen zusammengetragen oder dokumentieren die eigene Familien- oder Firmengeschichte. Sie eignen sich auch hervorrgend als besonderes Präsent: mit einer Rechnung aus dem Geburtsjahr, ein alter Geschäftsbrief der Firma, in der der Jubilar gearbeitet hat oder vom Geschäft des Großvaters. Das ganze geschmackvoll gerahmt oder im Passepartout. Es gibt kaum ein persönlicheres, geschichtsträchtigeres Geschenk!

Wer nun gezielt historische Rechnungen sammeln möchte, der sollte sich einfach dem Teilgebiet widmen, das ihm am besten gefällt. Hier eine kleine Auswahl der möglichen Sammelgebiete:

  • nach Ort (Sitz der Firma)
  • nach Region (alle Briefköpfe aus dem Weserbergland)
  • nach Branche (beliebt sind z.B. Brauereien und Tabakfabriken)
  • nach Art der Abbildung (Fabrikgebäude, Transportmittel, Allegorien, Werkzeuge)
  • nach Namen (z.B. alle Firmen mit “Müller” im Namen)
  • nach Erscheinungsjahren (alle Rechnungen eines bestimmten Zeitraums)
  • nach der Lithographischen Anstalt / Druckerei
  • nach der Drucktechnik (Lithographie, Buchdruck, Xylographie, Stahlstich usw.)
  • Rechnungen heute noch existierender Firmen
  • Rechnungen aus der Inflationszeit

Sicherlich gib es noch viele andere Motive für den Aufbau einer Sammlung – schließlich muss diese nur einem gefallen: dem Sammler!

Und wer jetzt Lust bekommen hat, sich diesem faszinierenden Sammelgebiet zu widmen, der sollte einfach einmal beim ZVAB stöbern!

Historische Rechnungen beim ZVAB

Zitate über Bücher und Lesen

Sortiert ist diese kleine Auswahl – die übrigens ständigt erweitert wird – nach dem Nachnamen des Urhebers.

  • Du öffnest die Bücher und sie öffnen dich.
    Tschingis Aitmatov
  • Ein Buch ist ein Garten, den man in der Tasche trägt.
    arabisches Sprichwort
  • Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen.
    Francis Bacon
  • Wir wollen anders aus dem Buche heraustreten, als wir in das Buch eingekehrt sind. Wir wollen verwandelt sein, wir wollen bereichert sein, wir wollen das Gefuehl haben, wir sind gewachsen, wir haben selber an Wert zugenommen, oder, wie es viel einfacher heisst, das Buch hat uns etwas gegeben. Ja, ein Buch muss etwas geben. Ein Buch kann auch etwas geben, indem es uns etwas nimmt.
    Johannes R. Becher
  • Das beste Buch ist das, welches dem Leser seinen eigenen Reichtum fühlbar macht.
    Waldemar Bonsels
  • Alles, was die Menschheit getan, gedacht, erlangt hat oder gewesen ist, es liegt wie in zauberartiger Erhaltung in den Blättern der Bücher aufbewahrt.
    Thomas Carlyle
  • In Büchern liegt die Seele aller vergangenen Zeiten.
    Thomas Carlyle
  • Ein Wort, ein Buch, ein Autor sind nichts als einzelne Wassertropfen. Alle zusammen ergeben den Strom, der alles hinwegreisst und den keine Kraft zurueckfliessen lassen kann.
    Adalbert de Chamisso
  • Klassiker sind Dichter, die man loben kann, ohne sie gelesen zu haben.
    Gilbert Keith Chesterton
  • Jedesmal, wenn man ein Buch öffnet, lernt man etwas.
    chinesisches Sprichwort
  • Bücher sind fliegende Teppiche ins Reich der Phantasie.
    James Daniel
  • Es ist die Pflicht eines jeden Menschen, die Buecher zu ehren. Man achte streng darauf, daß Buecher sich nicht in einem Zimmer befinden, in dem sich Mann und Frau vereinigen; es sei denn, daß die Buecher hinter einem Vorhang stehen oder das Bett von einem Vorhang verdeckt ist.
    Alexander Eliasberg
  • Es geht uns mit den Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber wenige erwählen wir zu unseren Freunden.
    Ludwig Feuerbach
  • Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht mehr zurück.
    Theodor Fontane
  • Die vollkommene Dame wird darauf achten, daß in den Buecherregalen die Werke maennlicher und weiblicher Autoren streng getrennt stehen. Mann sollte sie nur dann zusammenstellen, wenn die Verfasser miteinander verheiratet sind.
    Gough
  • Wahrhaftig, der Umgang mit schlechten Büchern ist oft gefährlicher als mit schlechten Menschen.
    Wilhelm Hauff
  • Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.
    Hermann Hesse
  • Von den vielen Welten, die der Mensch nicht von der Natur geschenkt bekam, sondern sich aus eigenem Geiste erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte.
    Hermann Hesse
  • Die Erfindung des Buchdruckes ist das größte Ereignis der Weltgeschichte.
    Victor Hugo
  • Für den Bibliothekar besteht die lebenslange Misere darin, daß er dürstend an den Quellen sitzt.
    Horst Kunze
  • Die Zukunft der Literatur liegt im Aphorismus. Den kann man nicht verfilmen.
    Gabriel Laub
  • Für den Bibliothekar besteht die lebenslange Misere darin, daß er dürstend an den Quellen sitzt.
    Horst Kunze
  • Einer der Hauptnachteile mancher Bücher ist die zu große Entfernung zwischen Titel- und Rückseite.
    Robert Lembke
  • Richtiges Lesen ist Bürsten gegen den Strich.
    Doris Lessing
  • Bücher sind die Hüllen der Weisheit, bestickt mit den Perlen der Worte.
    Mosche Ibn Esra
  • Ein Buch das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muß es besitzen.
    Nietzsche
  • Die besten Bücher sind die, von denen jeder Leser meint, er hätte sie selbst machen können.
    Blaise Pascal
  • Ein Buch ist dem Verfasser, was den Schönen ihr Bild im Spiegel ist.
    Jean Paul (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter)
  • Solange ein Mensch ein Buch schreibt, kann er nicht unglücklich sein.
    Jean Paul (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter)
  • Freunde sind Leute, die meine Bücher entleihen und nasse Gläser draufstellen.
    Edwin Arlington Robinson
  • Nicht diejenigen haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in ihren Schränken aufheben, sondern sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.
    Erasmus von Rotterdam
  • Schnelligkeit ist notwendig, um Flöhe zu fangen, aber nicht, um Bücher zu schreiben.
    Michail A. Scholochow
  • Es wäre gut Bücher kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte, aber man verwechselt meistens den Ankauf der Bücher mit dem Aneignen ihres Inhalts.
    Arthur Schopenhauer
  • Ein Buch sogleich nach dem Erwachen: eine aufregende Sache.
    Sei Shonagon
  • Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann.
    Mark Twain (eigentlich: Clemens, Samuel Langhorne)
  • Was ist ein Antiquar? Ein Händler, der Bücher, von denen er nichts versteht, an Leute verkauft, die davon nichts verstehen, zu Preisen, die niemand versteht.
    unbekannt (und natürlich nicht ernst gemeint)
  • Was ist paradox? Wenn ein Kunde ins Antiquariat kommt und fragt: “Gibt’s was Neues?”.
    unbekannt

 

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Alte Fotografien sammeln

Vermutlich war der junge Fotograf Louis Dodéro aus Marseille der erste seines Berufsstandes, der ein kleines Porträtfoto auf seine Visitenkarte klebte, um für sein Geschäft Werbung zu machen. Kleinere Formate kosten weniger und würden sich besser verkaufen lassen, so seine Überlegungen.

Kabinettfoto, um 1895. Fotograf: Globus Atelier, Berlin.

Kabinettfoto, um 1895. Fotograf: Globus Atelier, Berlin.

Eine Kamera mit vier Objektiven machte gleichzeitig acht Aufnahmen

Diese bahnbrechende Idee setzte aber ein anderer Franzose in wirtschaftlichen Erfolg um: der bis zu diesem Zeitpunkt nur mäßig erfolgreiche Porträtfotograf Adolphe Eugéne Disdéri (1819-1890). Am 27. November 1854 wurde seine speziell für billige Kleinporträts konstruierte Nassplattenkamera patentiert. Die mit vier Objektiven bestückte Kamera nahm auf einer Kollodiumplatte gleichzeitig acht Aufnahmen auf. Dadurch senkte er die Kosten für das einzelne Bild drastisch und machte Porträtfotos auch für den kleinen Mann bezahlbar. Er klebte die Bilder, die eine Größe von etwa 6 x 9,5 cm hatten, auf Kartons von 6,5 x 10,5 cm. Sie erhielten dadurch das Format einer damaligen Visitenkarten und hießen ab sofort nur noch Carte-de-Visite-Fotos.

Napoleon III. sorgte für Millionen Porträtfotografien

Allerdings dauerte es dann noch einige Zeit, bis die neuen Fotos vom Publikum auch angenommen wurden. Disdéri wartete in seinem Atelier in Paris meist vergeblich auf Kundschaft. Erst 1859 änderte sich dies schlagartig: Kaiser Napoléon III. ließ sich von Disdéri porträtieren. Und über Nacht war der Fotograf in aller Munde und die neue Technik trat ihren Siegeszug an.

Kabinettfoto, um 1895. Fotograf: Louis Frohwein, Strassburg i.E.

Carte-de-Visite, 1895. Fotograf: Louis Frohwein, Strassburg i.E.

Millionen Menschen liessen sich in den Fotoateliers in ganz Europa, in den Vereinigten Staaten und in Russland ablichten. Die Fotos wurden leidenschaftlich zwischen Familienangehörigen und Freunden geteilt. Man gab sein Carte-de-Visite-Foto bei Besuchen ab und verteilte sie bei Feiern und an Festtagen. So entstand das Erinnerungsbuch oder Familienalbum, das man stolz seinen Besuchern zeigte. Die Fotos wurden einfach in die dafür vorgesehenen Schlitze hinter ein Passpartout gesteckt. Damit entfiel das bisherige mühsame Aufkleben der Bilder.

Zum Foto das passende Album – Carte-de-Visite-Alben überschwemmten den Markt

Der Markt wurde mit Carte-de-Visite-Alben schnell förmlich überschwemmt. Es gab einfache Ausführungen, die sich jeder Haushalt leisten konnte und regelrecht Luxusexemplare aus Leder, Plüsch, Stoffen oder Samt mit kostbaren Schließen und Verzierungen aus Bein, Perlmutt, oder sogar Edelsteinen. Viele dieser Alben haben die Zeiten überdauert und sind heute gesuchte Sammlerobjekte. Es gibt sogar Stücke mit eingebauten Spieldosen oder Uhren.

Kabinettfoto, um 1900. Fotograf: Atelier Pohl, Chemnitz.

Kabinettfoto, um 1900. Fotograf: Atelier Pohl, Chemnitz.

Werbewirksame Rückseiten – kunstvolle Reklame für Fotografen

Die geschäftstüchtigen Fotografen entdeckten schnell die Reklamewirksamkeit der Rückseiten der Carte-de-Visite-Fotos und verwendeten sie schon bald als Werbefläche für ihre Eigenwerbung. Anfangs wurden nur einfach Stempel verwendet, doch schon bald wetteiferten die Lichtbildkünstler um die prachtvollsten Aufdrucke. Der Ateliername wurde mit Blumenranken geschmückt, umrahmt mit Vögeln, Putten und Ornamenten oder auch mit Abbildungen von Kameras und dem Fotografen bei der Arbeit.

Werberückseite, um 1895. Fotograf: A. Jandorf & Co., Berlin.

Werberückseite, um 1895.
Fotograf: A. Jandorf & Co., Berlin.

Man prahlte mit errungenen Auszeichnungen, Medaillen und adeliger Kundschaft. Damals war Deutschland ja noch in zahlreiche kleine Länder, Fürstentümer und Staaten zersplittert und so gab es manchen Hof-Fotografen. Diese überaus kitschig bis kunstvoll gestalteten Rückseiten sind oft interessanter als die Porträt-Fotografie auf der Bildseite. Und viele Carte-de-Visite-Fotos werden heute gerade wegen ihrer Rückseiten gesammelt, die viele Rückschlüsse auf die Fotografiegeschichte zulassen.

Sammlerpreise für Carte-de-Visite-Fotos und -Alben

Die Preise für Carte-de-Visite-Fotos hängen sehr stark vom abgebildeten Motiv, dem Fotografen und der gestalteten Rückseite ab. Das Spektrum reicht von unter 5 Euro bis zu etwa 100 Euro. Spitzenstücke erzielen auch höhere Preise. Bei den Alben (ohne Fotos) bewegen sich die Preise zwischen 20 bis weit über 1.000 Euro. Gerade bei den Alben sollten Sie auf den Erhaltungszustand achten. Häufig sind die Papp-Stege, die die Bilder halten, eingerissen oder fehlen sogar ganz. Beim Einstecken der Fotos sollte man sehr vorsichtig sein, da diese schmalen Papp-Stege sehr empfindlich sind.

Kabinettfoto, um 1900. Fotograf: Ernst Rost, Dresden.

Kabinettfoto, um 1900. Fotograf: Ernst Rost, Dresden.

Es gibt noch zahllose Carte-de-Visite-Fotos auf Flohmärkten, im Handel und bei Online-Auktionen. Eine Spezialisierung auf ein Gebiet ist sinnvoll, da man sonst von der Vielzahl an Material förmlich erschlagen wird. Sammeln Sie doch Fotos von Fotografen aus Ihrer Heimat oder nur Bilder von Uniformierten oder von Männern mit Vollbärten. Ihr Geldbeutel wird es Ihnen danken.

Die Fotosammlung des Münchner Stadtmuseums

Die Sammlung Fotografie im Münchner Stadtmuseum hat eine große Sammlung zum Thema Carte-de-Visite-Fotografie. Neben über 2.500 Alben umfaßt die Sammlung zahllose Carte-de-Visite-Fotos und andere Belege zum Thema.

Einkaufsquellen für Sammler

Im ZVAB gibt es zahlreiche alte Original-Fotografien zu entdecken. Weitere Bezugsquellen sind natürlich Flohmärkte und die bekannten Online-Auktionshäuser. Hier kann man noch manchmal Schnäppchen machen, wenn man ganze Konvolute kauft. Übrigens werden in Kleinanzeigen oder auch bei ebay Carte-de-Visite-Fotos gern mit CDV abgekürzt. Kontakt zu anderen Sammlern können Sie über das SammlerNet.de knüpfen. Hier finden Sie bestimmt auch den einen oder anderen Tauschpartner.

Buch in Fraktur, ein Mängelexemplar?

Da schickt mir doch heute ein Kunde ein bestelltes Buch wieder zurück und beschwert sich, wie ich es denn wagen könnte, “unlesbare Bücher” zu verkaufen. Es handelte sich um eine zweibändige Ausgabe von Gustav Freytags “Die Ahnen” aus den 1930er Jahren. Und “unlesbar” war die Ausgabe für den Kunden, weil sie in Fraktur gedruckt war.

Es war übrigens nicht der erste Fall dieser Art. Daher schreibe ich schon seit vielen Jahren in die Beschreibung eines solchen Buches den Hinweis “Schrift: Fraktur (Alt-Deutsch)”. Das “Alt-Deutsch” ist zwar typografisch nicht ganz korrekt, wird aber von den meisten verstanden. Wer also Fraktur nicht lesen kann, sollte zumindest meine Artikelbeschreibungen aufmerksam lesen und dann von einer Bestellung Abstand nehmen (oder eine andere, für ihn “lesbare” Ausgabe kaufen).

Nun habe ich mir aber gedacht, ich nehme diese Rücksendung zum Anlaß, um hier und jetzt ein wenig über Fraktur- und Sütterlin-Schrift zu plaudern.

Frakturschrift

Frakturschrift

 

Entwickler der leicht verspielten und doch etwas kantigen Sütterlin-Schrift war der Grafiker Ludwig Sütterlin (1865-1917). Im Auftrag des preussischen Kultusministeriums schuf er 1911 diese Schreibschrift-Variante der damals gebräuchlichen Fraktur-Druckschrift.

Sütterlin-Schrift

Sütterlin-Schrift

 

Ab 1924 bis 1941 lernten alle deutschen Lese- und Schreibanfänger die nach ihrem Erfinder benannte Sütterlin-Schrift statt der zuvor üblichen Kurrent-Schrift.

Kurrent-Schrift

Kurrent-Schrift

 

Im Dritten Reich förderte man zunächst die Verwendung der sogenannten gebrochenen Schriften Fraktur, Kurrent und Sütterlin als deutsche Schriften. 1941 wurden diese Schriften aber dann plötzlich durch einen Erlass Martin Bormanns als Judenlettern in allen deutschen Schulen verboten. Fortan lernten die Schüler die Deutsche Normalschrift, eine lateinische Schriftvariante.

Deutsche Normalschrift

Deutsche Normalschrift

 

Nach dem Krieg entdeckte man die Schnörkelbuchstaben der Sütterlin wieder: in der DDR benutzte man die Schrift bis in die 1960er Jahre. Und westdeutsche Schüler lernten Sütterlin in einigen Bundesländern noch bis in die 1970er Jahre hinein – allerdings nur zusätzlich zur heute gebräuchlichen lateinischen Schreibschrift.

Wer sich eingehender über diese alten deutschen Schriften informieren möchte, dem empfehle ich die Seite des Bundes für deutsche Schrift und Sprache e.V.. Im dortigen Netzladen gibt es sehr nützliche Übersichtstafeln, die beim Lesen- und Schreibenlernen sehr hilfreich sind.

Ich hatte übrigens in der Grundschule (1966 bis 1969) “Schönschreiben” als Unterrichtsfach – dort lernte ich noch in Sütterlin zu schreiben. Das habe ich allerdings fast wieder verlernt – lesen kann ich es heute nur noch mit Mühe. Fraktur-Schrift dagegen kann ich fließend lesen.

Wie sieht das bei Ihnen aus? Was können Sie lesen – Sütterlin oder Fraktur? Oder beides nicht? Ist für Sie ein in Fraktur gedrucktes antiquarisches Buch auch ein “Mängel-Exemplar”, dass Sie zurückschicken würden?

Was sind eigentlich Schreibmeisterbücher?

Schreibmeisterbücher enthalten Schriftmuster, erklären die Behandlung der Schreibfedern, die Herstellung von Tinten und vermitteln allerhand nützliches Wissen rund um das Schreiben.

Durch die Reformation nahm auch das Schulwesen in Europa einen enormen Aufschwung. So blieb das Lesen und Schreiben kein Privileg der Klöster und des Adels mehr. Nahezu jeder konnte es nun lernen.

Die Kanzlisten der Höfe traten die Nachfolge der Schriftkünstler des Mittelaters an und lehrten als “Schreibmeister” in öffentlichen und privaten Schulen die Schreibkunst, meist zusammen mit der Rechenkunst. Zu Anschauungs- und Lehrzwecken gaben einige von ihnen Schriftvorlagen heraus, die sogenannten “Schreibmeisterbücher”.

Zwischen 1500 und 1800 erschienen etwas 800 Schreibmeisterbücher, die heute meist äußerst selten geworden sind. Da sie zu Lehrzwecken eingesetzt wurden, unterlagen sie einem starken Verschleiß und haben nur vereinzelt bis heute “überlebt”.

Die schönsten Exemplare erschienen im 16. und 17. Jahrhundert. Das erste deutsche Schreibmeisterbuch entstammt der Feder des vermutlich bedeutendsten Schreibmeisters Johann Neudörffer der Ältere (* Oktober 1497 in Nürnberg; † 12. November 1563 in Nürnberg). Es erschien 1519 unter dem Titel “Fundament … seinen schülern zu einer unterweysung gemacht”.

Neudörffers Hauptwerk ist eine Weiterentwicklung dieses Buches. Es heißt “Ein gute Ordnung vnnd Kurtze vnnterricht der fürnembsten grunde aus denen die Jungen Zierlichs schreibens begirlich mit besonnderer, kunst vnd behendig-kait unterwisen vnd geubt mogen werden Durch Johan[n] Neudorffer Burger vnd Rechenmaister Zu Nurmberg, seinen schulern zu mererm verstandt geordnet Jm Jar der geburt Jesu Christi vnsers herrn vnd seligmachers” und kam 1538 heraus. Ein Exemplar dieses Buches befindet sich in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.

Johann Neudörffer: Eine gute Ordnung und kurzer Unterricht, Nürnberg 1538; Titelblatt (Radierung; Wiedergabe nach dem seitenverkehrten Originaldruck des Exemplars im Besitz des Germanischen National-Museums Nürnberg).

Im 18. Jahrhundert werden mit der aufkommenden Kupferstichtechnik immer kühner geschwungene Formen entwickelt, deren Qualität aber immer mehr nachlässt. Sammelnswert sind aber auch diese Schreibmeisterbücher – vor allen Dingen, weil die raren Ausgaben aus dem 16. und 17. Jahrhundert entweder meist in festen Händen von Museen und Bibliotheken sind oder für den “normalen” Bücherliebhaber schlicht unbezahlbar.

Bibliografisch wird dieses Gebiet der Buchkunst noch recht stiefmütterlich behandelt – es gibt lediglich einen Titel von Werner Doede: Bibliographie deutscher Schreibmeisterbücher von Neudörffer bis 1800. Dieses Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich und kostet je nach Erhaltungszustand derzeit etwa 65 bis 150 Euro.

Alte Osterpostkarten sammeln

Leider ist es heute ja etwas außer Mode gekommen, seinen Familienangehörigen oder Freunden zu Ostern oder anderen Festtagen „echte“ Glückwunschkarten zu schicken. In unserem Multimediazeitalter beherrschen E-Cards und SMS die Glückwunschszene. Scheinbar bedauert der eine oder andere diese Entwicklung doch sehr und sammelt deshalb die phantasievollen, oft auch kitschigen Karten.

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Glückwunschkarten werden in speziellen Sammelalben gesammelt

Damals wie heute werden die Glückwunschkarten in eigens dafür geschaffenen Postkartenalben gesammelt. Um 1900 gab es für diesen Zweck prachtvolle, ja teilweise sogar pompös gestaltete Alben. Heute liebt es der Sammler etwas schlichter. Es gibt aber natürlich auch Sammler, die ganz stilecht Ihre Sammlung auch in Alben aus der Zeit präsentieren.

Die Einführung der Postkarte im Jahr 1870 durch den Generalpostdirektor des Norddeutschen Bundes Heinrich Stephan schuf die Voraussetzungen für die Entstehung der Sammelleidenschaft. Wenig später erschienen die ersten Karten mit einem Bild auf der Rückseite. Dies führte zu einem regelrechten Boom beim Schreiben und beim Sammeln – in jeder Familie gab es mindestens einen Postkartensammler.

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Glückwunschkarten gibt es schon seit dem Mittelalter

Die Glückwunschkarte hat allerdings eine wesentlich ältere Tradition – allerdings nicht in Form einer Postkarte. Bereits im 15. Jahrhundert gab es sogenannte Einblattdrucke mit Osterglückwünschen. Es waren einseitig bedruckte und handcolorierte Holzschnitte, die mit allerlei Ornamenten, Glücksbringern und Fruchtbarkeitssymbolen verziert waren.

Diese frühen Drucke aus dem Mittelalter sind heute auf dem Sammlermarkt kaum noch zu finden. Falls es doch einmal ein Stück gibt, dann muss der Sammler tief in den Geldbeutel greifen: Preise weit über tausend Euro sind keine Seltenheit.

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Moderne Drucktechniken ermöglichten die Massenproduktion von Osterkarten

Zum Glück machte aber die Erfindung der Postkarte und die Entwicklung preiswerter Farbdrucktechniken die Massenherstellung von Glückwunschkarten möglich. Die Sammelleidenschaft sorgte für eine regelrechte Schwemme an Glückwunschkarten, von denen viele bis in die heutige Zeit „überlebt“ haben.

Die Gestaltung der Karten wurde immer fantasievoller und auch immer aufwändiger. Die Karten wurden zum Teil mit Seide, Prägungen, Glitter, Vergoldungen oder sogar Stickereien ausgestattet. Es gab Karten mit ausgeklügelten Faltmechanismen und welche mit eingesteckten Teilen zum Herausziehen. Und einige Karten waren sogar mit echtem Haar verziert.

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Diese Karten waren schon damals recht teuer und sind es auch heute noch. Gerade von den besonders gestalteten Karten gab es meist nur kleinere Auflagen. Und die teilweise empfindlichen Mechanismen haben nur selten die Jahrzehnte überdauert.

Das Sammeln von Osterkarten – Spezialisierung ist empfehlenswert

Wer sich für das Sammeln von Glückwunschkarten zu Ostern interessiert, der sollte sich von Anfang an auf eine Gebiet spezialisieren, um nicht an der schieren Menge der Motive zu verzweifeln.

Gerade bei den Osterkarten gibt es einige Motivgebiete, die besonders witzig aber auch kitschig sind. Hier eine kleine Auswahl typischer Ostermotive, die häufig auf alten Osterkarten zu finden sind:

  • Osterengel
  • Osterhasen
  • Osterküken
  • Ostereier
  • Osterlämmer und Schafe
  • Osternester
  • Frühlingsblumen
  • Weidenkätzchen
  • Hühner und Enten
  • Christliche Motive

Besonders gesucht werden auch Karten mit vermenschlichten Tieren: Osterhasen als Lehrer in einer Hasenschule, Enten mit Sonnenschirmen, Frösche, die in einem Orchester Musikinstrumente spielen.

Oder Sie sammeln nur Karten mit Glitter-Verzierungen oder solche mit Klappmechanismus. Hauptsache, Ihnen gefallen die Karten. Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann es in diesem Sammelgebiet nicht geben – zu umfangreich war die Produktion der früheren Kartenverlage.

Sammlerpreise von Glückwunschkarten zu Ostern

Auf Flohmärkten kann man aber auch heute noch echt Schnäppchen machen: selbst ganze Alben aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg mit Dutzenden von Glückwunschkarten kann man mit etwas Glück noch immer für 30 bis 50 Euro ergattern.

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Und einzelne Karten gibt es schon für etwa einen Euro. Die meisten Karten kosten aber – einen guten Erhaltungszustand vorausgesetzt – zwischen 3 bis 5 Euro. Gut erhalten heißt: keine Einrisse oder sogar Fehlstellen, keine Knicke und keine Stockflecken. Postalisch gelaufen oder unbenutzt ist reine Geschmacksache – es wirkt sich in der Regel nicht auf dem Sammlerpreis aus. Viele Sammler bevorzugen aber von der Post beförderte Karten. Zum einen läßt sich anhand des Poststempels das ungefähre Alter der Karte feststellen und zum anderen ist es sehr amüsant, die Nachrichten von damals zu lesen.

Verein für Sammler von Ansichtskarten

Natürlich gibt es auch für das Sammelgebiet Ansichtskarten einen Verein: die AnsichtsKarten-Interessen-Gemeinschaft (kurz AK-IG) im BDPh e.V. Dort sind auch Sammler von Glückwunschkarten herzlich willkommen.

Beim ZVAB gibt es auch viele Osterpostkarten zu entdecken:

>> Stöbern Sie im Angebot

Die Schildbachsche Xylothek

Was ist eine Xylothek? Das Wort stammt aus dem Griechischen und besteht aus den Begriffen „xylon“ für Holz und „theke“ für Aufbewahrungsort. Es bezeichnet eine naturkundliche Sammlung von Holz und anderen Bestandteilen eines Baumes. Dabei sind die einzelnen Exponate in Buchform gestaltet und jeder Band besteht aus den Bestandteilen einer einzelnen Baumart.

Herbarien waren die ersten Pflanzensammlungen

Die ersten Pflanzensammlungen wurden bereits im Mittelalter zusammengetragen. Meist waren es Mönche, die in den Klöstern umfangreiche Herbarien anlegten. Die ersten reinen Holzsammlungen sind aus dem 18. Jahrhundert belegt. Diese sogenannten Holz-Cabinette waren reine Sammlerstücke, die noch keinem wissenschaftlichen Zwecken dienten. Als zur Zeit der Aufklärung das Interesse an der Natur wuchs, ging man systematischer vor: Ab etwa 1771 begann Carl Schildbach mit der Anfertigung seiner „Sammlung von Holzarten, so Hessenland von Natur hervorbringt“.

Die Schildbachsche Xylothek ist die schönste Holzsammlung

Die Schildbachsche Xylothek gilt als schönste und bedeutendste noch erhaltene Holzsammlung. Zahlreiche später entstandene Xylotheken nahmen sich die Sammlung Schildbachs als Vorbild, erreichten aber nie die gleiche Qualität. Die 530 Bände umfassende Sammlung von Scheinbüchern gehört heute zum Bestand des Naturkundemuseums Kassel.

Die Schildbachsche Xylothek

Die Schildbachsche Xylothek – Foto: © Naturkundemuseum Kassel

Schildbach stellte seine Holzbücher in drei Größen her: große, mittlere und einige kleine Bände. Die meisten haben ein Format von etwa 18 x 14 Zentimetern, die kleinsten sind gerade einmal 10 Zentimeter hoch.

Scheinbücher ganz aus Baumbestandteilen

Das Äußere eines jeden Bandes ist ein Kästchen mit Schubdeckel in Buchform, das aus dem Holz des beschriebenen Baumes besteht. Dieses Kästchen lässt sich wie ein Buch aufstellen und hat natürlich auch einen Buchrücken. Der Rückendeckel ist mit einem Rindenstück beklebt und mit einem aufgeklebten Schild in Golddruck beschriftet.

Innenansicht eines Holzbandes

Innenansicht eines Holzbandes – Foto: © Naturkundemuseum Kassel

Nimmt man einen Band in die Hand und öffnet die Deckel, dann findet man weitere, nach einem einheitlichen System angeordnete Teile des Baumes: getrocknete Blüten, Blätter, Samen, Früchte, Knospen, Zweige. Die verderblichen Teile wie Birnen oder Äpfel sind aus Wachs modelliert, bei den übrigen Exponaten handelt es sich meist um originale Pflanzenteile. Das Buchinnere zeigt den gesamten Lebenszyklus des Baumes vom Samen bis zur Frucht. Auf den hinteren Buchschnitt klebte Schildbach jeweils einen verkohlten Holzwürfel mit Brennwertangaben des Holzes. Ein weiterer Würfel misst genau einen Kubikzoll und ist mit Informationen zur Schwere des Holzes beschriftet. Ja sogar Teile typischer Rindenpilze sind hier zu finden. Handschriftliche Fakten komplettieren die Buchrückseite.

Jeder Band ist ein handwerkliches Meisterwerk

Die Bände sind wunderbar anzusehen und mit einer erstaunlichen Genauigkeit gearbeitet. Man spürt die Liebe zum Detail, die Carl Schildbach bei der Herstellung antrieb. Es gibt kaum Verformungen, Unebenheiten oder Risse. Dies spricht dafür, dass das Holz vor der Verarbeitung sehr sorgfältig getrocknet wurde. Vermutlich hat Schildbach alle Bände selbst gebaut. Ob er dabei Hilfe hatte, ist unbekannt. Die unglaubliche Schönheit der Bände lässt den Betrachter staunen.

Carl Schildbach – Naturforscher aus Leidenschaft

Wer war dieser Carl Schildbach, der dieses Meisterwerk schuf? Leider wissen wir nur sehr wenig über diesen „Hobby-Naturforscher“, der das Material für seine Xylothek zum großen Teil im Bergpark Wilhelmshöhe fand. Geboren wurde er 1730 in Sachsen. 1771 wurde er Tiergartenaufseher beim Landgrafen Friedrich II. und zwei Jahre später Menagerieverwalter in der Karlsaue. Wilhelm IX. ernannte ihn zum Verwalter und später zum Oeconomiedirektor auf Gut Weißenstein. Etwa zu dieser Zeit begann er vermutlich mit der Herstellung seiner ersten Baumbücher.

Mehrere Bände der Schildbachschen Xylothek

Mehrere Bände der Schildbachschen Xylothek – Foto: © Naturkundemuseum Kassel

Der Dichter Joachim Heinrich Campe schrieb über Schildbach:

„Dieser mir merkwürdige Mann hat weder Erziehung, noch gelehrte Kenntnisse von irgendeiner Art gehabt, und doch hat er sich in der Naturgeschichte und in der Naturlehre ganz durch eigenen Fleiß und ohne alle Hülfsmittel Kenntnisse und Geschicklichkeit zu erwerben gewußt, welche einem Gelehrten Ehre machen würde. Er ist dabei ein geborener Künstler, ohne soviel ich weiß – eine Kunst von andern gelernt oder berufsmäßig betrieben zu haben. Alles, was seine lebhafte Einbildungskraft ihm vormalt, das weiß er auch auf irgendeine Art künstlich darzustellen.“ Carl Schildbach starb 1817.

Wertvoll schon zu Schildbachs Lebzeiten

Bereits zu Schildbachs Lebzeiten war seine Xylothek sehr wertvoll. Dies erkannte auch die russische Zarin Katharina II. Sie wollte die Bände für 2.000 Goldtaler kaufen, Schildbach lehnte jedoch ab. 1799 konnte Landgraf Wilhelm IX. die Baumbibliothek für sein Naturalienkabinett erwerben. Schildbach erwies sich als geschickter Verhandler und erhielt eine jährliche Leibrente von 450 Talern. Bis zu seinem Tod kassierte er so 7.200 Taler – eine für damalige Verhältnisse enorme Summe.

Und wer jetzt neugierig geworden ist, der sollte der Schildbachschen Xylothek unbedingt einmal einen Besuch abstatten: Naturkundemuseum im Ottoneum, Steinweg 2, 34117 Kassel

Quellen und weiterführende Informationen:

Fotonutzung mit freundlicher Genehmigung des Naturkundemuseums Kassel.

Kleines Biblio-Lexikon

Biblio ist ein Wort, das ursprünglich aus dem Griechischen stammt: βιβλίον, dieses von Βύβλος. Es bedeutet Buch oder Bücher, ursprünglich hergeleitet von der phönizischen Stadt Byblos, aus der Papyrus importiert wurde.

Bibliognosie
Bücherkunde oder Bücherkenntnis.

Bibliograf
Jemand, der eine Bibliografie bearbeitet hat.

Bibliografie
Katalog oder Verzeichnis von Buchtiteln und anderen Veröffentlichungen, zusammengestellt und geordnet nach bestimmten Gesichtspunkten.

Biblioklast
Jemand, der aus reiner Sammelwut (meist fremde) Bücher zerstört, indem er bestimmte Seiten herausreißt.

Bibliolatrie
Übertriebene Verehrung meist heiliger Bücher, besonders der Bibel.

Bibliolithen
Antike Handschriften, die bei Vulkanausbrüchen teilweise verkohlt sind und dadurch das Aussehen von Steinen erhalten haben.

Bibliologie
Die wissenschaftliche Erforschung des Buchwesens. Dieser Begriff hat sich im deutschen Sprachraum aber nicht wirklich durchgesetzt.

Bibliomanie
Krankhaft übertriebenes Sammeln und Horten von Büchern. Ein Bibliomane zieht seine Befriedigung aus der schieren Menge an Büchern, die Inhalte interessieren ihn meist nicht.

Bibliomantie
Das Weissagen aus zufällig aufgeschlagenen Seiten eines Buches, insbesondere aus Bibelstellen.

Bibliometrie
Ein Verfahren, das statistische und mathematische Methoden auf Bibliotheken anwendet, um empirische Gesetzmäßigkeiten aufzudecken, die für die Herstellung und Nutzung von Büchern praktische Bedeutung haben können.

Bibliophagie
Die Zwangserkrankung, Bücher aufessen zu müssen.

Bibliophilie
Die Liebe zu besonders seltene und wertvollen Bücher. Oder die Liebe zu Büchern überhaupt.

Bibliophobie
Abneigung gegen Bücher oder Angst vor Büchern. Ein Bibliophobe haßt Bücher, er ist ein regelrechter Bücherfeind.

Bibliotaph
Jemand, der seine Bücherschätze verheimlicht, versteckt und niemals verleiht. Bibliotaph heißt wörtlich übersetzt “Büchergrab”.

Bibliothek
Büchersammlung, die nach bestimmten Ordnungsprinzipien angelegt und oft in einem eigenen Gebäude oder Gebäudeteil untergebracht ist.

Bibliothekar
Berufsbezeichnung für das ausgebildete Fachpersonal einer Bibliothek.

Bibliotherapie
Eine Psychotherapiemethode, bei der vom Therapeuten ausgewählter Lesestoff in den Heilplan einbezogen wird.

Kennen Sie weitere Biblio-Worte? Dann immer her damit: einfach als Kommentar hinterlassen. Ich würde mich sehr freuen!

TERRA Utopische Romane – eine interessante Heftromanreihe

terrasonderband
Die Heftromanreihe “TERRA – Utopische Romane” erschien von 1957 bis 1968 im Moewig-Verlag München. Die ersten hundert Hefte dieser Science Fiction-Reihe waren Nachdrucke von Leihbüchern. Insgesamt gab es 555 Hefte.

Danach erschienen dann recht hochwertige, spannende Romane von Kurt Mahr und Hans Kneifel, die zum Genre Abenteuer-Science Fiction gehören. Auch deutsche Nachwuchsautoren wurden gefördert und natürlich auch gedruckt.

Bekannte englischsprachige Science Fiction-Autoren wie Jack Vance, William Voltz und Robert A. Heinlein bereicherten die auch heute noch wirklich lesenswerte Heftreihe.

Die Hefte sind im Antiquariatshandel noch recht häufig und so kann man mit relativ geringem finanziellen Aufwand eine komplette Sammlung aufbauen. In gutem Zustand kostet ein TERRA-Heft etwa 1-2 Euro. Einzelne, besonders gesuchte Ausgaben wie zum Beispiel die Nr. 546 von Hans Kneifel “Der Kampf um das Vulkan-System” kommen etwas teurer (5 bis 8 Euro).

Und wer die Hefte “nur” lesen möchte kann zu schlechter erhaltenen Ausgaben greifen, die es schon für 10 bis 50 Cents gibt. Ein wirklich hochwertiges und preiswertes Lesevergnügen für jeden Science Fiction-Fan!

Ergänzt wurde die TERRA-Reihe durch zwei Subreihen: TERRA Sonderband und TERRA Extra. Die TERRA Sonderbände waren die Vorläufer der später erscheinenden TERRA-Taschenbücher. Ab 1958 erschien monatlich ein kleineres Heft mit 96 Seiten. Insgesamt gab es 99 TERRA Sonderbände. 1965 wurde mit der Nummer 100 das TERRA Taschenbuch aus der Taufe gehoben.

TERRA Extra erschien ab 1962 als Nachdruckreihe – ersichtlich durch den Untertitel “SF-Bestseller in Neuauflage”. Mit dem Ende der TERRA-Reihe 1968 wurde auch TERRA Extra nach 182 Ausgaben eingestellt.

Auch TERRA Sonderband und TERRA Extra sind aufgrund der damaligen doch recht hohen Auflage noch oft im Antiquariatshandel und auf Flohmärkten zu finden. Preislich bewegen sie sich im gleichen Rahmen wie die TERRA-Hefte. Viel Lesespaß für wenig Geld – gerade Liebhaber klassischer Science Fiction sollten sich das eine oder andere oder auch alle Hefte zur Lektüre vormerken.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, findet beim ZVAB eine große Auswahl der diversen TERRA-Reihen.

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