Jaromir Konecny

Veröffentlichungen in:
Die Zeit, Titanic, Süddeutsche Zeitung, Stuttgarter Zeitung und zahlreichen anderen Zeitungen und Literaturzeitschriften, auch Fachblättern wie Journal of Molecular Evolution, Journal of Theoretical Biology.
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Bücher:
Zurück nach Europa, Erzählungen im Ariel-Verlag, Riedstadt
Mährische Rhapsodie, Roman im Ariel-Verlag, Riedstadt
slam stories, Erzählungen im Ariel Verlag, Riedstadt
Das Geschlechtsleben der Emigranten, Erzählungen im Ariel Verlag, Riedstadt
Das traurige Ende des Märchenkönigs und andere Sexgeschichten, Erzählungen im Ventil Verlag, Mainz
In Karin, Roman im Ariel-Verlag, Riedstadt (Dezember 2004)
Hip und Hop und Trauermarsch, Roman für alle ab 14 bei cbt/C. Bertelsmann
CDs:
In Karin - live, Verlag der gesunde Menschenversand, Luzern (Oktober 2004)
Endlich daheim, Ariel-Verlag, Riedstadt
Hip und Hop und Trauermarsch - das Bühnenprogramm, C. Bertelsmann-Hörbuchverlag
Preise und Auszeichnungen:
Fritz-Hüser-Preis 1995, Werkkreis Literatur der Arbeitswelt.
Haidhauser Literaturpreis 1998 (Prosa, Münchner Literaturbüro).
Über 60 gewonnene Poetry Slams in Deutschland. Vicemeister beim National Poetry Slam 1999 in Weimar. Vicemeister beim National Poetry Slam 2000 in Düsseldorf.
Doktorspieleneu
Alle Artikel von Jaromir Konecny
Die süße Tüte des Vergessens
„Mann!“, sagte Alfons. „Heute hat mich meine Alte wieder verdroschen!“ Die Wirtin stellte frische Pilsner Urquell vor uns. Die Pilsner trugen schöne weiße Mützen und luden unsere Nasen zum Schmusen ein.
„Warum wehrst du dich nicht?“, fragte ich.
„Das wäre nicht fair, meint meine Frau!“, sagte Alfons. „Ich sei stärker als sie, deswegen dürfe nur sie mich schlagen! Ich will nicht über mein Schicksal jammern, ein Philosoph kann erst im Leiden wachsen. Warum muss ich aber auch beim Biertrinken ständig dran denken, dass auf mich zu Hause eine Furie wartet, die mir das Denken austreiben will? Ich nehme doch Drogen, um zu vergessen, verdammt!“
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Tschechensport
Ich war schon zehn, aber noch nie hatte mir eine Frau so viel bedeutet wie Natascha! Leider lebten wir einige Tausend Kilometer voneinander entfernt. Ich in einem Städtchen in Mähren, Natascha in einem Dorf bei Leningrad. Ihre Adresse hatte mir unsere Russisch-Lehrerin gegeben, damit ich mit einer Genossin aus der Sowjetunion „ДРУЖБА“ – Freundschaft pflegte.
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Ich sammle Joghurtdeckel

Bild von: Svik
Wenn mein Aluminiumdeckelsammelplastikeimer voll ist, trage ich ihn zum Aluminiumsammelcontainer und schütte eine Handvoll Joghurtdeckel nach der anderen hinein. Ach! Ist das nicht schön? Jaromir – der Joghurtdeckeli-Umweltretter! Der Umweltsünderterminator! Der Aluminator! Leider kann ich gar nicht so viel Joghurt fressen, wie viel Umwelt ich retten möchte. Joghurt! Das klingt so nach… Frische! Wenn eine Firma Scheiße baut, kommt ein Joghurtdeckel drauf, und schon schmeckt Scheiße wie Frischfrucht. Frische Scheiße mit einem Joghurtdeckel mit Lasche und einem Bio-Siegel. Denn Scheiße ist auch ein Naturprodukt!
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Urbane Legenden
Die alten Erzähler begannen ihre Märchen mit dem Satz „Es war einmal…“. Die heutigen Ammenmärchen beginnen mit: „Ein Freund hat mir erzählt, dass ein Freund von ihm…“ oder „Dem Freund eines Freundes von mir ist folgendes passiert…“. High-Tech-gerecht wird in diesen modernen friend-of-a-friend-tales das Lebkuchenhaus durch die Mikrowelle ersetzt, die Handlung vom Land in die Stadt verlegt, und schon ist eine neue urbane Legende geboren. Zum Beispiel die nordamerikanische Sage über eine alte Frau, die ihre vom Regen nasse Katze immer in der Bratröhre ihres Elektroherds bei milder Hitze trocknete. Der Herd hatte irgendwann ausgedient und die Frau bekam eine Mikrowelle. Als sie die Katze zum Trocknen in die Mikrowelle steckte, explodierte die Katze. Die Frau verklagte den Mikrowellenherdhersteller auf Schadensersatz. Seitdem werden Mikrowellen in den USA mit dem Warnhinweis versehen, dass sie zum Trocknen von Haustieren nicht geeignet seien.
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Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben

Das Restaurant „Zur Erdachse“ im mährischen Schamberg ist eine Oase inmitten der Wüste der Wirtschaftskrise, ein aufgeschlagener Stammtischgedichtband, ein Traktat der Kneipenphilosophie – kurzum der Heilige Brunnen der Illusion!
„Lada ist reif für die Klapse!“, sagte Arnošt und nickte zu der hübschen Kellnerin Lada, die gerade Bier an die Durstenden verteilte. „Sie hat irgendeinen bescheuerten Workshop für angehende Geistheiler und Geistheilerinnen besucht – um politisch korrekt zu bleiben -, und jetzt will sie mir ständig einreden, dass ich krank bin und mich von ihr behandeln lassen muss.“ Arnošt unterbrach seine Tirade, da Lada unseren Tisch angesteuert hatte. „Das Pilsner Urquell schmeckt heute wie Gurkenwasser“, sagte er und reichte ihr sein halb geleertes Bierglas! Bring mir besser auch Radegast!“
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Der Mensch und die Wunder der Technik
Yogi ist erst mit zehn Jahren nach Neuperlach aus Kroatien zugezogen. In der Schule hat er nur das Kiffen gelernt und jede andere Bildung erfolgreich abgewehrt. Seine Wissenschaft- und Technikkenntnisse stammen aus Krieg der Sterne, Matrix und Terminator. Ich bewundere ihn für seine naive Art, nur manchmal geht er mir auf den Sack damit. So wie am letzten Samstagabend. Als Yogi und ich Bier trinken wollten. Zuerst stellte sich Yogi an einen Geldautomaten. Nach ihm wollte ich Geld abheben.
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Die schönen Seiten der Globalisierung

Foto: Reinhard Heßlöhl
Gott ist allmächtig und allwissend und somit wusste er, wozu der Mensch evolvieren würde: Zum globalisierten Vegetarier! Um das ökologische Gleichgewicht zwischen Pflanze und Tier, zwischen Beute und Jäger, auf Erden zu halten, hat sich Gott etwas ganz Ausgefallenes ausgedacht: Wurstsalat! Immer, wenn ich Vegetarier werden will, denke ich nur kurz daran, auf Wurstsalat verzichten zu müssen und bekomme Panik! Ein Wurstsalatschmaus ist das Körper-und-Geist-Erlebnis schlechthin – die Wurstwellness!
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Omas Hahn am Tag der Arbeit

Auch im Urlaub auf einem Dorf in Mähren musst du erfahren, dass wir längst unsere alte Welt für die neue, virtuelle ausgetauscht haben. „Unser dreijähriger Sohn Adam, das Stadtkind, flitzte aus dem Hühnerstall, hielt ein Ei hoch und brüllte: „Papa, die Eier macht man nicht in der Fabrik!“
„Nein!“, sagte ich. „Die werden von den Hennen gelegt!“
„Von der da?“, fragte Adam und zeigte auf den Hahn, der auf dem Misthaufen herumstolzierte.
„Nein! Das ist der Hahn! Der legt keine Eier!“
„Und was macht der Hahn?“, fragte Adam. Tja! Was macht eigentlich der Hahn? Ich ging in die Felder hinter den Häusern, kletterte auf einen Strohschober und dachte an die alten Zeiten im sozialistischen Mähren. Als noch allen Kindern auf der Welt klar war, wozu der Hahn gut sei.
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Männer auf der Kirmes
Der Mann ist ein erfinderisches Geschöpf, wenn’s darum geht, geistige Sachen mittels geistiger Getränke in geistlose Abgründe zu führen. Der Fastenschank zum Beispiel, der letzte Ausschank von Alkohol, hat früher die christliche Fastenzeit eingeleitet, die den Körper fürs Spirituelle reinigen sollte. Die Fastenzeit und das Spirituelle spart man sich mittlerweile, der Fastenschank aber ist uns als Fasching erhalten geblieben, eine jetzt grundlose Sauferei, die jeder Spiritualität spottet. Jahr für Jahr artet somit eine christliche Tradition zu einem mittels Alkohol enthemmten heidnischen Fest aus.
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Eine Frau mit Buch
Eine Frau mit Buch macht mich an. Wenn ich eine Frau mit Buch sehe, muss ich am Abend kein Bier trinken. Nach einer Frau mit Buch brauche ich keine anderen Drogen. Wegen einer Frau mit Buch streune ich wie ein Wahnsinniger durch Buchhandlungen, Buchmessen und Bibliotheken. Das Schlimmste für mich wäre wohl, wenn Männer wieder zu lesen anfangen und Frauen aus den Buchhandlungen verschwinden würden. Aus der U-Bahn ist eine Frau mit Buch bereits verschwunden. Leider nimmt dich eine Frau mit Buch gar nicht wahr – sie hat an ihrem Buch ja Ersatzbefriedigung genug. Damit mich eine Frau mit Buch wahrnimmt, bin ich Schriftsteller geworden. 20 Jahre lang hab ich mit diesem Scheißschreiben verbracht, bis mir klar wurde, dass für eine Frau mit Buch nur ein berühmter Schriftsteller von Interesse ist. Eine Frau mit Buch liest ja keine Bücher unbekannter Autoren, wie du einer bist. Eine Frau mit Buch nimmt nur das große Ding von Philip Roth oder John Irving oder Günter Grass in die Hand, und nicht dein Mickriges, an dem kein Bestsellerorden hängt, du Versager, du!..
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Mein Irrglaube an den Janoschik

Den Reichen zu nehmen, um die Armen zu beschenken, empfand die Volksseele noch im ausgehenden Feudalismus als eine vornehme Tat. Räuber wie Robin Hood, den Slowaken Jánošík oder sogar den Schinderhannes verehrte das Volk wie Helden. Gegen diesen Irrglauben musste sich der anbrechende Kapitalismus wehren: Das Eigentum eines Milliardärs ist unantastbar! Und muss hemmungslos weiter wuchern! Wie sollte man aber die ehemaligen Untertanen schröpfen, nachdem sie sich einiges an Menschenrechten erkämpft hatten? Eine legale Großraubinstitution musste her! Und so entstand die Börse. Immer, wenn die Leute etwas Geld einsammeln, wird mittels Börse das mühsam Ersparte geschoren. Das heißt dann der Börsenkrach. Dieser leitet eine grandiose Ausbeutung breiter Bevölkerungsschichten ein – die Finanz- und die Wirtschaftskrise. Gerade im letzten Jahr hat mir meine Bank meinen Dispokredit aberkannt. “Ihre Bonität hat sich geändert, Herr Konecny!”, hat mir damals der Bankberater mit einem Lächeln gesagt. Wie stolz war ich gleich in diesem Jahr, dass ich mit Hilfe der Regierung der Bank selbst etwas Geld leihen konnte. Obwohl sich ihre Bonität auch krass geändert hatte.
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Der freie Wille der Kneipenphilosophen
Eine Weihnachtsgeschichte

Die alte Linde ächzt unter Zentnern von Schnee. Eine Schar Kinder schiebt ihre Schlitten die Straße hinauf zur Kapelle des Heiligen Johann, um eine Viertelstunde später wieder nach unten zu rasen, bis zum eingefrorenen Fluss. Hier streut man erst, wenn die Kinder den ersten Schönschnee zu Eis gefahren haben. Sogar ein Schellenschlitten kündigt sich mit seinem Läuten an. Hoffentlich rückt nicht wieder mal der Großvater Frost aus Russland an, um das Jesuskind aus der Stillen Nacht zu prügeln. Nein! Jetzt waltet der Winter in Mähren, nicht der Prager Frühling! Keiner nimmt dir dein Weihnachtsglück! Deine neue Heimat Deutschland liegt weit weg – München hockt auf dem Gipfel der gezuckerten Zugspitze. Du bist zu Hause! Durch das Fenster deiner alten Stammkneipe beguckst du die Schönheit der mährischen Weihnacht und erweiterst dein Bewusstsein mit Bier der Marke Radegast – nach einem Slawengott benannt. In Mähren ist jedes Glas Bier eine Opfergabe an Gott! Ja! Hier sind auch Götter Biertrinker, saufen öffentlich und aus Freude und nicht heimlich und vor lauter Frust über ihre Schäfchen wie der Gott der Katholiken, zu dem die Leute in Mähren auch gehören. Dass unser katholischer Gott hin und wieder besoffen irgendwo rum liegt, ist wohl klar – sonst ist manches in der Welt nicht zu erklären. Heiliger Abend am Vormittag in Mähren!
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