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Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher

Nicola Bardola

Lic. Phil. Nicola Bardola, geboren 1959 in Zürich, studierte Germanistik, italienische Literatur und Philosophie in Bern, München und Zürich. Seit 1984 lebt und arbeitet er in München. Nach Stationen als Bibliothekslektor, als Verlagslektor und als Redakteur, ist er heute als Autor, als Journalist und als Übersetzer aus dem Englischen und aus dem Italienischen tätig. Er ist ständiger Mitarbeiter bei zahlreichen Branchenmedien. Seit 1985 verfolgt Nicola Bardola die Entwicklung des Kinder- und Jugendbuchmarktes und setzt sich aktiv für die Leseförderung ein.

Nicola Bardola moderiert Buchpräsentationen, spricht im Rahmen seines Kanons "Lies doch mal!" mit prominenten Buchliebhabern über ihre Lieblingslektüre oder berichtet bei Schreib-Seminaren über seine Arbeit. Er liest aus seinen Büchern und diskutiert u.a. mit Autoren, Buchhändlern und anderen Fachleuten über Leseförderung. Seine "Lies doch mal!"-Lesungen, in denen gute Jugendbücher vorgestellt werden, sind für Kinder ab 12 Jahren geeignet.

Alle Artikel von Nicola Bardola

Sharon Creech und ihr bester Hund

Ich will nicht.
Jungs schreiben
keine Gedichte.

Diese ersten Zeilen aus dem Roman Der beste Hund der Welt von Sharon Creech definieren die Probleme des Schülers Jack auf klassisch-griechische Weise. Sie stehen nämlich in unausgesprochener Verbindung mit dem Paradoxon des Epimenides, dessen Aussage „Ein Kreter behauptet: ‚Alle Kreter lügen’” sich selbst ebenso ad absurdum führt wie die oben zitierten Sätze, die in Versform von einem Jungen verfasst sind; Sätze, die - wie das Buch demonstrieren wird - selbst bereits ein Gedicht bilden. (Weiterlesen …)

Angela Nanetti: Mein Großvater war ein Kirschbaum

In Italien gibt es seit Italo Calvinos Baron auf den Bäumen eine Tradition, existentielle Fragen in luftigen Höhen abzuhandeln.

Ich sah, dass Mama sich Sorgen machte.
„Tonino, bitte …“
„Ich steige nicht ab, weil sie den Baum absägen wollen“, wiederholte ich. Und je öfter ich es wiederholte, desto mehr spürte ich, dass es richtig war.
Also stiegen die Feuerwehrleute in ihr Auto und fuhren die Leiter aus. Einer kletterte daran hoch. Ich wartete, bis er sich meinem Ast genähert hatte. Als er sich streckte, rutschte ich auf einen anderen Ast. Ich hörte Großvaters Stimme: „Du musst denken, du wärst ein Vogel oder eine Katze, du musst daran denken, dass der Kirschbaum dein Freund ist.“
Und so kletterte ich rauf und runter und die Feuerwehrleute drehten ihre Leiter in alle Richtungen, aber sie erwischten mich nicht. Schließlich war ich ganz oben in der Baumkrone.

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Die verzauberte Ella

„Mandy schnitt den Kuchen an, gab mir das erste Stück und sagte, ohne zu denken: ‚Iss.’
Der erste Bissen schmeckte wundervoll und ich aß das Kuchenstück freudig auf. Als der Teller leer war, schnitt Mandy mir ein zweites Stück ab. Bei diesem Stück wurde es schon schwieriger, doch ich aß auch dieses auf. Danach gab mir niemand mehr ein neues, aber ich wusste, dass ich weiteressen musste. Ich spießte meine Gabel in das große Kuchenstück.
‚Ella, was tust du da?’, fragte Mutter.
‚Kleines Ferkel.’ Mandy lachte. ‚Aber heute ist ihr Geburtstag, Lady. Heute darf sie so viel essen, wie sie mag.’ Und sie legte mir ein drittes Stück auf den Teller.
Mir war schlecht und ich hatte Angst. Warum konnte ich bloß nicht aufhören zu essen?
Das Schlucken war ein Kampf. Jeder Bissen lag mir schwer auf der Zunge und fühlte sich an wie zäher, klebriger Leim, während ich darum rang, ihn hinunterzuwürgen. Ich begann zu weinen, während ich aß.
Mutter merkte es als Erste. ‚Hör auf zu essen, Ella!’, befahl sie.
Und ich hörte auf.
Jeder konnte mich mit einem Befehl beherrschen.“

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Jutta Richter: Hechtsommer

Zwei Brüder, Daniel und Lukas, und ihre etwas ältere Freundin Anna leben schon so lange sie sich erinnern können gemeinsam in einem Wasserschloss abseits vom Dorf. Anna mit ihrer Mutter, die Brüder mit ihren Eltern Gisela und Peter. Heimlich lernen die Jungen an den freien Sommernachmittagen fachgerechtes Angeln, um später einmal den stolz dahingleitenden Hecht im Schlossgraben zu fangen, obwohl Fischen dort streng verboten ist. Dieses grünsilbrig schimmernde, wild und gefährlich aussehende Tier ist eine Herausforderung für die Brüder. Den Hecht zu fangen erfordert Mut und Geschick. Sie kaufen eine Ausrüstung und üben ausdauernd mit Kescher und Leine. Die Ich-Erzählerin Anna allerdings macht nur halbherzig mit, denn sie hält Angeln für Tierquälerei. „Als wir an diesem Mittag aus der Schule kamen, waren die Rapsknospen aufgeplatzt. Schon von weitem sahen wir das Feld leuchten. (…) ,Da wird man fröhlich vom Hingucken!’, hatte Lukas einmal gesagt. Und das stimmte. Aber heute war es anders, denn ich musste an Giselas Haare denken und ich fürchtete mich.“ (Weiterlesen …)

Carmen Martin Gaites märchenhaftes New York: Rotkäppchen in Manhattan

Wer in diesen dollarschwachen Zeiten das Shoppingparadies New York besuchen will, sollte den Kaufrausch mit einer zauberhaften Prosa begleiten: Die kleine Sarah Allen im roten Regenmantel mit Kapuze und am Arm den mit einer karierten Serviette bedeckten Henkelkorb, ist am Tag ihres zehnten Geburtstages in einer U-Bahn-Station nähe Central Park auf Hilfe angewiesen. Geträumt hat sie schon lange von Manhattan, jener „Insel in der Form eines Schinkens mit einem Spinatkuchen in der Mitte, der Central Park heißt.“ Es ist Sarahs erster selbständiger Ausflug zu ihrer Großmutter nach Manhattan von Brooklyn aus, wo sie allzu behütet im 14. Stockwerk eines Hochhauses wohnt.
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Käthi Bhend: Wenn Risikobücher zu Longsellern werden. “Die Nacht im Zauberwald”

Vor zwanzig Jahren erschien erstmals das Bilderbuch „Im Traum kann ich fliegen“ mit einem Text der Schweizer Autorin Eveline Hasler und Bildern von Käthi Bhend. Die Redaktion übernahm Gisela Stottele für Ravensburger. Es ist ein mutiges Bilderbuch - allein schon wegen der fünf Protagonisten: zwei Würmer, ein Käfer, ein Engerling und eine Raupe. Auch der Schauplatz ist ungewöhnlich: Fast die gesamte Geschichte ereignet sich unter der Erde. Gänge treiben in Wort und Bild die Handlung voran und entfachen die Neugier der Leser.
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Scott O’Dell: Doppelter Bruch mit der Erzähltradition

Wer ist der Mann, der 1959 den Klassiker “Insel der blauen Delphine” schrieb, ein Roman, der bis heute Kinder und Erwachsene gleichermaßen fasziniert?

Scott O’Dell wurde als Odell Gabriel Scott 1898 in Los Angeles geboren, studierte Psychologie, Philosophie, Geschichte und Englisch, lektorierte danach Drehbücher und veröffentlichte 1924 eine Aufsatzsammlung über erfolgreiche Stummfilm-Scripts, worauf er von Paramount Pictures engagiert wurde. Er arbeitete in Hollywood auch als Kameramann, u.a. bei den Filmaufnahmen zu Ben Hur in Rom. Italien gefiel ihm so gut, dass er ein Jahr lang dort lebte und einen Roman schrieb, den er jedoch verbrannte. 1934 erschien “Woman of Spain” und nach dem Zweiten Weltkrieg zwei weitere Romane für Erwachsene. Von 1947 bis 1955 arbeitete er als Redakteur für die „Los Angeles Daily News“.
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Dan McCalls Familienbuch: Jack der Bär

Viele Liebhaber von Adoleszenzromanen behaupten, der Roman “Jack der Bär” sei besser als “Der Fänger im Roggen”. Jedenfalls ist “Jack der Bär” ein Geheimtipp. Eher unbekannt ist auch der Autor Dan McCall. Er wurde 1940 in Kalifornien geboren und ist inzwischen emeritierter Professor für Amerikanistik an der Cornell University in Ithaca, an der u.a. Pearl S. Buck, Vladimir Nabokov, Toni Morrison, Thomas Pynchon, Kurt Vonnegut oder John Naisbitt studierten oder unterrichteten. Dan McCall hat etwa ein Dutzend Bücher veröffentlicht, auch zu literaturwissenschaftlichen Themen. McCall gilt als einer der besten Kenner von F. Scott Fitzgeralds Werk. Von McCalls sieben Romanen wurden nur zwei - jeweils von Harry Rowohlt - ins Deutsche übersetzt.

In “Jack der Bär” lässt Dan McCall seinen Protagonisten Jack, der rasender Reporter für die Schülerzeitschrift ist und später Journalist werden will, über erste Rauscherfahrungen, Liebesabenteuer und viele Enttäuschungen mit Erwachsenen erzählen. Ein wildes Weltbild entsteht. Eine zornige Abrechnung mit der Heuchelei einer Wohlstandsgesellschaft, an der Jacks Dad zu zerbrechen droht.
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Günter Ohnemus: Der Fänger in Deutschland

Der Tiger auf deiner Schulter

“Es gibt dich und Karen, und das darf niemand zerstören. Das könnt ihr beide vielleicht kaputtmachen, aber sonst hat niemand das Recht dazu.”
Welcher Teenager wünscht sich nicht so eine Mutter, die ihrem Sohn das Auto leiht und Tipps gibt für die Suche nach seiner Freundin! Damit endet dieser preisgekrönte moderne Klassiker.

Vincent, genannt Gogo, heißt der Sohn, der sich auch mit seinem Vater gut versteht. Die Konflikte liegen woanders: Vincent sehnt sich nach Ehrlichkeit, liebt Literatur, philosophiert gerne. Er liebt Karen, muss aber feststellen, dass diese Beziehung von den Erwachsenen torpediert wird. “Alligators all around” warnt sie ihn. Während eines High-School-Jahres in Amerika hatte er sich in Tiffany verliebt, doch deren Eltern unterbanden die Beziehung. Dieser doppelte Konflikt bildet den Kern des Romans. Niemand schildert verletzte Gerechtigkeitsliebe in der Adoleszenz besser als Ohnemus. (Weiterlesen …)

Edwin A. Abbott: Flächenland - Ein mehrdimensionaler Roman

Es war der letzte Tag des Jahres 1999 … Ich saß neben meiner Frau und dachte über die Ereignisse des vergangenen Jahres nach und über die Aussichten des kommenden, über das kommende Jahrhundert und über das kommende Jahrtausend … Nur wenig Sand war noch in dem Halbstundenglas übrig. Ich erhob mich aus meinen Gedanken und drehte die Sanduhr zum letzten Mal im alten Jahrtausend nach Norden …
Edwin A. Abbotts Quadrat hat sich in der Sylvesternacht auf den Weg durch fremde Welten gemacht. Der Traum vom Linienland und die Reise durch das Punkt- und das Raumland gehören zu den faszinierendsten Leseerlebnissen für Jung und Alt. Abbotts „Flatland. A Romance of Many Dimensions“ erschien erstmals in England im Jahr 1884. Doch das ist nicht der Hauptgrund für die überraschende Ausdrucksweise des Ich-Erzählers, eines alten Quadrates, das die nur einmal alle tausend Jahre wiederkehrende Chance erhält, eine neue Dimension kennen zu lernen. Seine Welt, die nur Länge und Breite, also nur die ersten beiden, jedoch nicht die Höhe, die dritte Dimension, kennt, ist der Grund dafür, dass das Stundenglas nicht auf den Kopf gestellt werden kann. Sein Land ist flach wie ein Blatt Papier. Darauf leben Linien, Kreise, Dreiecke und viele andere zweidimensionale Figuren wie Schatten, unfähig aufzusteigen oder abzutauchen. Doch sie ahnen nichts von diesem Mangel und können sich weder Höhe noch Tiefe vorstellen. (Weiterlesen …)

Ralf Isau: Museum der Erinnerungen

Die Götterskulpturen im Pergamonmuseum in Berlin geben in Ralf Isaus vor zehn Jahren erschienen Roman Das Museum der gestohlenen Erinnerungen Rätsel auf: “… und so könnte ich dir noch viele Beispiele nennen. Ob es dabei um die Archäomagnetik oder irgendeine andere Methode geht. Die Wissenschaft ist niemals objektiv und schon gar nicht fehlbar gewesen – das widerspräche sogar ihrer wahren Natur. Leider haben viele Menschen sie zu einem Glaubensbekenntnis gemacht, um eigenes, sehr subjektives Handeln zu rechtfertigen. So verhält es sich auch mit Marduks Schicksalstafeln … “, heißt es gegen Ende dieses fesselnden Abenteuers, das nicht Fantasy nach angloamerikanischem Muster ist, sondern ein Versuch des Autors, mit Geschichten und Geschichte das Denken der Leser zu schärfen, flexibler zu gestalten und zudem über viele faszinierende historische Ereignisse oder philosophische Betrachtungen zu informieren. (Weiterlesen …)

Joachim Ringelnatz - Frech und herzbetrunken

Mit Joachim Ringelnatz kann man nicht früh genug beginnen. Schon für Kinder ab fünf Jahren bieten seine Gedichte viel Stoff zum Nachdenken und Lachen. Manchmal sind die Texte so erfrischend für den Nachwuchs, aber so grausam zum Alter, dass die beste Lösung für peinlich berührte Erzieher und noch nicht alphabetisierte Kinder eine Hör-CD ist.

 

Lieber Gott mit Christussohn,
Ach schenk mir doch ein Grammofon.
Ich bin ein ungezog’nes Kind,
Weil meine Eltern Säufer sind.
Verzeih mir, dass ich gähne.
Beschütze mich in aller Not,
Mach meine Eltern noch nicht tot
Und schenk der Oma Zähne.

 
(Weiterlesen …)

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