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ZVAB Veranstaltungstipp: KUNST SALON Berlin 01

von Larissa Dawirs

Kunstliebhaber, Sammler und solche, die es werden wollen, sind vom 27. Mai – 3. Juni, in die Berliner Galerie Luzán zum KUNST SALON eingeladen.

Ähnlich, wie die literarischen Salons vergangener Jahrhunderte, bietet das Projekt KUNST SALON der Galerien KUNKEL FINE ART (München), GALERIE LUZÁN (Berlin), THOLE ROTERMUND KUNSTHANDEL (Hamburg) und STOCKEBRAND + UEKERMANN (Berlin) eine neue Möglichkeit zu Diskussion und Ideenaustausch und vereint kurzzeitig vier Kunsthändler unter einem Dach.

Kunst und Sammler brauchen Orte der Begegnung. KUNST SALON schafft die Gelegenheit dazu. (…) KUNST SALON ist ein neues Format: mobil, in elegantem Ambiente und mit künstlerischen Positionen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Die Aussteller zählen auf ihrem Gebiet zu den führenden Kunsthändlern der ‘Next Generation‘ in Deutschland. Ihr hoher Anspruch spiegelt sich in der Qualität ihrer Exponate. Zum KUNST SALON Berlin 01 erscheint ein kleiner, aber feiner Gemeinschaftskatalog, in dem die vier Aussteller mit je drei für sie typischen Kunstwerken das Profil ihrer Galerien illustrieren.” (Pressemitteilung KUNST SALON)

Die Galerie KUNKEL FINE ARTS wird unter anderem die Zeichnung “Dornschwanzhörnchen” von Wilhelm Kuhnert ausstellen:

"Dornschwanzhoernchen" von Wilhelm Kuhnert angeboten von Kunkel Fine Arts

Das Programm vom KUNST SALON Berlin 01
Von Samstag, den 27. Mai, bis Samstag, 3. Juni, ist der KUNST SALON Berlin 01 täglich zwischen 11 und 19h geöffnet.
Am Dienstag, den 30. Mai findet am frühen Abend ein Art Talk zum Thema “Konkurrenzdenken oder Teamgeist? Über Allianzen und Schulterschlüsse im jungen Kunsthandel” statt (als  Podiumsgäste sind geladen Dr. Lisa Zeitz (Chefredeakteurin WELTKUNST), der Galerist Klaus Gerrit Friese und der Kunsthändler Thole Rotermund).
Im Anschluss bitten die KUNST SALON-Macher Vertreter der Presse sowie Gäste zu Drinks in die GALERIE LUZÁN Fasanenstr. 68.

Der nächste Termin
Vom 7. bis 10. September 2017 findet der KUNST SALON München 02 in den Räumen des Kunsthandels KUNKEL FINE ART  statt. Die Ausstellung geht der HIGHLIGHTS – Internationale Kunstmesse München (25. bis 29. Oktober 2017) voraus, auf der KUNKEL FINE ART, GALERIE LUZÁN, THOLE ROTERMUND KUNSTHANDEL und STOCKEBRAND + UEKERMANN ebenfalls vertreten sein werden.

Weitere Infomationen finden Sie unter: http://www.kunst-salon.net/.

23. May 2017

Signierte Bücher, Widmungsexemplare und Autographen

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Signierte Bücher und Autographen sind besonders beliebte Sammelgebiete von Bücherfreunden. Es ist ja auch etwas ganz besonderes, wenn man ein Exemplar seines Lieblingsbuches mit einer Original-Unterschrift des Autors besitzt.

Signierte Bücher

Aber was ist überhaupt ein signiertes Buch? Ein signiertes Exemplar ist ein Buch, das die Original-Unterschrift oder eine kurze handschriftliche Widmung (meist ebenfalls mit Unterschrift) trägt. Die Signatur oder Widmung findet sich oft auf dem Vorsatzblatt oder dem Schmutztitel (auch Vortitel genannt), meist jedoch auf dem Titelblatt.

Titelblatt von Magnus Collund mit Widmung und Signatur der Autorin Bernhardine Schulze-Smidt (oben) und von Freiherr Börries von Münchhausen (unten)

Titelblatt von “Magnus Collund” mit Widmung und Signatur der Autorin Bernhardine Schulze-Smidt (oben) und von Freiherr Börries von Münchhausen (unten)

Im Rahmen von Lesungen signieren viele zeitgenössische Autoren ihre Bücher. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Titel noch lebender Autoren preiswerter zu haben sind als die von bereits verstorbenen Schriftstellern. Auch in diesem Sammelgebiet regeln sich die Preise nach Angebot und Nachfrage – ein Goethe-Autograph ist natürlich seltener und teurer als ein signiertes Buch des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass.

Widmungsexemplare

Widmungsexemplare sind vom Autor signierte und mit einer persönlichen Widmung versehene Exemplare, die von ihm oder auch seinem Verleger aus persönlichen oder verkaufsfördernden Gründen verschenkt werden.

Unterschrift von Walter Kempowski

Unterschrift von Walter Kempowski

Werke mit Künstlersignatur

Gerade bei illustrierten Büchern ist es die Unterschrift oder Widmung des bildenden Künstlers, die das Werk zum besonderen Sammelobjekt machen. Besonders bei nummerierten und limitierten Auflagen findet sich häufig eine Unterschrift des Illustrators oder des Herausgebers als zusätzliches “Echtheitsbeweis” im Impressum oder in der Nähe der Nummerierung.

Beispiel einer Herausgeber-Signatur unter der handschriftlichen Nummerierung (Wilhelm hansen (Hrsg.): Anekdoten um Goethe (1947)

Beispiel einer Herausgeber-Signatur unter der handschriftlichen Nummerierung: Wilhelm Hansen (Hrsg.): Anekdoten um Goethe (1947)

Weitere wertsteigernde Signaturen

Aber nicht nur die Unterschriften von Autoren und/oder Illustratoren können ein Buch zu etwas Besonderem machen – auch die Unterschrift einer anderen Person, die einen sonstigen Bezug zum Werk haben. Bei einer Biografie kann dies zum Beispiel die Unterschrift der porträtierten Person sein oder bei einer Literaturverfilmung die Unterschrift des Hauptdarstellers. Auch das Autogramm eines Konzernchefs in der Jubiläumsschrift einer großen Firma kann für einen Sammler von großem Interesse sein.

Autographen

Noch seltener sind Autographen, handschriftliche Schriftstücke einer bekannten Persönlichkeit. Dabei kann es sich um Notizen, Briefe, Urkunden oder ganze Manuskripte handeln. Sind diese dann auch noch vom Verfasser unterschrieben, dann werden sie als echte Raritäten besonders gesucht und auch entsprechend teuer gehandelt.

Haben Sie signierte Bücher in ihrem Bücherregal? Nehmen Sie von einer Autorenlesung immer ein vom Autor unterschriebenes Buch mit nach Hause?

 

26. April 2017

Werner Klemke: Der Illustrator mit dem kleinen schwarzen Kater

von Larissa Dawirs

Am 12. März 1917 wurde der Berliner Zeichner und Illustrator Werner Klemke geboren. Zu Lebzeiten verfasste er die Rekordzahl von 423 Coverbildern für die damals ostdeutsche Zeitschrift DAS MAGAZIN. Sein Markenzeichen wurde der kleine schwarze Kater, der auf allen Titelbildern des Magazins auftaucht. Heute sind insbesondere komplette Jahrgänge mit den Titelbildern von Werner Klemke beliebt bei Sammlern von Grafiken und Papierantiquitäten.
 


 

 
Darüberhinaus sind seine Kinderbücher Das Wolkenschaf oder Hirsch Heinrich und seine Illustrationen der Grimm’schen Märchen weithin bekannt.

 


 

 

Auch Werke von Theodor Storm, Denis Diderot, Kurt Tucholsky oder Thomas Mann wurden von ihm gestaltet. Nicht selten wurden seine Editionen mit dem Preis für das “Schönste Buch” ausgezeichnet.

 


 

 

Das Lebenswerk von Werner Klemke beläuft sich neben seiner Arbeit für Zeitschriften auf insgesamt 835 Bücher, die er mit Illustrationen versah und teilweise auch komplett gestaltete. Bis heute prägen das Klemkesche Rotkäppchen und andere Charaktäre aus seiner Feder unsere Vorstellung von Geschichten großer Autoren.

10. March 2017

Reklamemarken: Kleine Kunstwerke der Werbegrafik

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Reklamemarken als Sammelgebiet

Gedacht waren sie zunächst als Verschlussmittel von Firmenbriefen doch schon bald wurden sie in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg auch intensiv gesammelt: Reklamemarken.

Und natürlich sollten sie als Blickfang auf dem Briefumschlag den Namen oder das Produkt der herausgebenden Firma bekannt machen. Den Sammeltrieb unterstützten die Unternehmen durch die Auflage von umfangreichen Serien. Aber es gab auch viele Einzelmarken. Da sie häufig einen gezackten Rand hatten, erhielten die bunten Aufkleber den Namen „Marke“.

stadtwappen

Einige sind wahre Kunstwerke, deren Schönheit und Detailgenauigkeit sich manchmal erst unter der Lupe offenbart. Heute beschäftigen sich selbst Kunsthistoriker mit den kleinen Werbeplakaten, denn nicht selten wurden sie von bekannten Künstlern gestaltet.

Als Werbemedium trugen die Reklamemarken immer den Firmennamen, manchmal auch den Ort und einen Hinweis auf die Produktpalette. Die speziell für Sammler hergestellten Marken zeigten häufig allgemeine Motive wie Vögel, Trachten, Kunstwerke, Blumen, Autos, Flugzeuge, Städte und vieles mehr. Manchmal erleichterte dem Sammler eine Nummerierung innerhalb der Serie diese gezielt zu vervollständigen.

blendol

Die Reklamemarken-Bildchen ähneln zwar stark den populären Sammelbildern (Kaufmannsbilder, Liebigbilder), es gab jedoch meist keine speziellen Sammelalben. Und so wurden die Reklamemarken häufig in Poesiealben oder Schreibheften gesammelt – sprich eingeklebt. Solche Sammelhefte sind heute echte Schatztruhen für Sammler und daher entsprechend teuer (sofern man überhaupt noch welche findet).

Wer aus einem solchen Heft nur einzelne Marken seiner Sammlung hinzufügen möchte, kann beruhigt zugreifen. Denn obwohl die Marken geklebt wurden: der damals verwendete Kleber lässt sich meist mit Wasser auflösen und die kleinen Kunstwerke mit etwas Fingerspitzengefühl unbeschädigt vom Papier abheben.

wolfram

Während bei den Zigaretten- und Sammelbildern unter anderem Tiere, Film, Sport und Technik eine große Rolle spielten, warben die Reklamemarken häufig für aktuelle Ereignisse wie Ausstellungen, Flugtage, Feste und natürlich Firmenjubiläen.

Wann genau die Reklamemarke erfunden wurde, lässt sich heute nicht mehr exakt datieren. Es wird aber wohl etliche Jahre vor 1900 gewesen sein, da es bereits zur Weltausstellung in Paris (die in diesem Jahr stattfand) Serien von 1500 Stück (!) gab. In den Gebrauchsmusterrollen werden Reklamemarken erstmals 1914 erwähnt.

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Reklamemarken waren Massenartikel, die möglichst preisgünstig hergestellt wurden. Gedruckt wurden sie daher meist im Buchdruck oder als Lithographie mit wenigen Farben. Anschließend liefen die Bögen durch eine Perforationsmaschine, damit man die einzelnen Marken schnell abtrennen konnte. Die Marken gab es dann häufig kostenlos als Zugabeartikel beim Kaufmann um die Ecke oder man konnte gleich ganze Bögen für einige Pfennige kaufen.

Auch Fremdenverkehrsvereine nutzen die Kleinplakate gern, um für die Vorzüge ihres Ortes zu werben. Diese Marken sind heute bei Sammlern sehr beliebt. Sammler sollten sich möglichst früh spezialisieren, da die Mengen an Marken es unmöglich macht, eine umfassende Generalsammlung aufzubauen.

So wäre der Aufbau einer Heimatsammlung oder einer Motivsammlung (spezielle Produkte, Tiere, Verkehr, Kinder usw.) denkbar. Heute ist es durch das Internet recht einfach geworden, eine umfangreiche Sammlung zusammenzutragen. Und die Preise sind auch noch moderat: eine Einzelmarke ist oft schon für 1 bis 3 Euro zu bekommen, komplette Serien gibt es auch bereits ab 10 Euro. Besonders große, gesuchte Serien können aber auch schon mal mehrere hundert Euro kosten.

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Eine Beschädigung der Zähnung ist bei Reklamemarken nicht so gravierend wie bei Briefmarken. Häufig wurden sie nicht besonders sorgfältig getrennt. Eine Marke mit einem oder zwei fehlenden Zähnen ist also immer noch sammelwürdig. Marken mit Einrissen oder Fehlstellen in den Ecken sollte man aber nur in die Sammlung aufnehmen, wenn es sich um ein besonders seltenes Stück handelt .

2. January 2017

Veranstaltungstipp: Stuttgarter Ansichtskartenbörse am 26. November

von Kristina Krämer

postcardsPostkartensammler und Liebhaber handgeschriebener Grüße sollten für das kommende Wochenende einen Abstecher nach Stuttgart einplanen: Im Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle im Herzen von Stuttgart findet zwischen 9 und 15 Uhr die Stuttgarter Ansichtskartenbörse statt. Frühaufsteher können mit dem Early Bird-Ticket sogar schon ab 7 Uhr im Angebot stöbern.

Mit über 60 Ausstellern mit 200 Tischen ist die Stuttgarter Ansichtskartenbörse eine der größten Postkartenmessen Europas. Dank Ausstellern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, England, Israel, Holland, Dänemark, Belgien, Italien, Tschechische Republik und Litauen sind dort auch internationale Schätze zu finden. Neben den über 1 Million historischen Ansichtskarten lassen auch Sammelbilder, alte Aktien, Heiligenbildchen, alte Rechnungen und Belege, Reklamemarken, Notgeld und andere historische Dokumente und Papierraritäten aller Art die Sammlerherzen höherschlagen.

Stuttgarter Ansichtskartenbörse
Sa. 26. Nov. 2016
9 bis 15 Uhr (mit dem Early Bird-Ticket ab 7 Uhr)
Kultur- und Kongresszentrum LIEDERHALLE
Berliner Platz 1
70174 Stuttgart

21. November 2016

Eine Reise in die Vergangenheit: „Die Nordseebäder Schleswig-Holsteins“

von Larissa Dawirs

 

Ein Reiseführer ist bei fast jedem Reisenden im Gepäck zu finden. Egal ob Kurztrip oder Fernreise – man ist gern gut und aktuell informiert über das nächste Reiseziel. Wie würde sich allerdings eine Reiseplanung mit einem vor 100 Jahren verfassten Reiseführer gestalten?

Diese Frage fanden wir so interessant, dass wir einen Praxistest machen wollten. Reiseziel sollte die Nordsee werden. Gesucht und gefunden wurde „Die Nordseebäder Schleswig-Holsteins“ von Erwin Volckmann aus dem Jahr 1896.

Das Inhaltsverzeichnis reicht von Amrum bis Wyk auf Föhr und umfasst alle Badeorte, die um die Jahrhundertwende bekannt waren – und es zum Großteil auch heute noch sind. Besonders hübsch sind außerdem die zahlreichen, ausfaltbaren Karten und Ortspläne sowie Illustrationen örtlicher Wahrzeichen.

Allerdings reichte es uns nicht, den antiquarischen Reiseführer nur zu lesen und in den Händen zu halten, sondern wir wollten auch vor Ort heute und gestern vergleichen. Die Bloggerin Elke Weiler vom Meerblog ist deshalb für uns in die Fußstapfen der Reisenden vor 110 Jahren getreten. Ihre Reiseberichte zu Helgoland sowie Romo und Sylt erläutern die Erfahrungen von damaligen Reisenden aus heutigem Blickwinkel. In einem kleinen Interview haben wir über die Inspiration, Erwartungen und Erfahrungen des Projekts gesprochen:

ZVAB: Was hat Sie an der Idee „Reisen mit einem historischen Reiseführer” inspiriert? Haben Sie sofort an die Nordseebäder gedacht, oder sind Sie eher zufällig darüber gestolpert?

Als Kunsthistorikerin faszinieren mich Vergleiche unterschiedlicher Zeiten immer und die Idee mit einem historischen Reiseführer auf Tour zu gehen, hat mich sofort inspiriert. Die Nordseebäder habe ich ausgewählt, weil ich hier seit einigen Jahren wohne und daher sowohl die Sicht von außen als auch von innen habe. Ich war bereits auf historische Postkarten gestoßen oder hatte andernorts die Geschichte über die Entstehung der Pfahlbauten in St. Peter gelesen, das aber Ende des 19. Jahrhunderts nicht im Ansatz die Bedeutung von heute hatte.

ZVAB: Wie haben Sie sich einen Reiseführer von 1896 vorgestellt? Was waren beim ersten Durchblättern die größten Überraschungen?

Ich hatte einmal eine Art historischen Reiseführer von Fernando Pessoa über Lissabon gelesen und mir daher vor allem Beschreibungen und weniger konkrete Tipps in einem historischen Reiseführer vorgestellt. Auch hatte ich weniger Abbildungen, Illustrationen und Karten erwartet, mit denen dieses Buch reichlich ausgestattet ist. Was man in einem aktuellen Reiseführer auch nicht vorfinden würde, ist eine Charakterisierung der Bevölkerung vor Ort, als wären die Nordseebäder Schleswig-Holsteins gar etwas Exotisches. In einem Reiseführer von heute würde maximal stehen, dass man hier mit „Moin“ den ganzen Tag über grüßt und woher der Ausdruck stammt. Es wäre nie die Rede von „einem reckenhaften, wetterharten, blauäugigen Menschenschlag“.

ZVAB: Welche Inseln/Badeorte haben in den letzten 100 Jahren die größte Veränderung durchgemacht? Oder welche haben ihren damaligen Charakter behalten?

Ein bisschen von ihrem damaligen Charakter haben sich gewiss alle Inseln behalten. Einige Badeorte waren noch in der Entstehung wie etwa St. Peter, andere schon als Badeort voll entwickelt wie Westerland. Doch so eine Art Grundgeist der Inseln bleibt ja über Jahrhunderte bestehen. So sind Amrum und Röm auch heute noch eher Anlaufstellen für Naturliebhaber, während man auf Sylt auch den Trubel findet. Natürlich gibt es es auf Sylt genug Raum für stille Momente inmitten der Natur, vor allem an der Odde und am Ellenbogen. Oder im Winter, der für den Autor Volckmann gar kein Thema ist. Vor mehr als hundert Jahren fuhr man vor allem zu heutigen Hauptsaisonzeiten an die Nordsee. Vielfach wegen der guten Luft. Und als größter Sport galt vermutlich die Jagd, daher zeigte sich die Tierbevölkerung der Inseln früher geschrumpft, während Trottellummen und Seehunde heute das Bild Helgolands mitbestimmen.

ZVAB: Konnte der Reiseführer auch heute noch einen Beitrag zur Reiseplanung leisten?

Zur Planung eher nicht, da sich Transportmittel, Gaststätten und Unterkünfte geändert haben. Das heißt, Volckmanns konkrete Tipps sind nach über 100 Jahren natürlich nicht mehr buchbar. Wohl aber dient der Reiseführer als interessante bis amüsante Lektüre, die den Leser in eine andere Zeit zurückführt. Und manchmal habe ich sogar gedacht, die Unterschiede zu heute könnten wesentlich größer sein. So als wären 100 Jahre nichts. Ich hätte zum Beispiel nicht erwartet, dass Westerland Ende des 19. Jahrhunderts touristisch schon so weit entwickelt war. Auch nicht, dass es so international war, denn heutzutage finden sich in Nordfriesland ja hauptsächlich Urlauber aus Deutschland.

ZVAB: Vor ein paar Wochen ging die erste Reise nach Helgoland – wie war der Gesamteindruck der modernen Reise im Vergleich zu den historischen Informationen? Wurden Ihre Erwartungen getroffen oder gab es viele Überraschungen?

Das Helgoland von heute ist vermutlich von allen beschriebenen Orten am meisten von den Erfahrungen Volckmanns entfernt. Allein durch den letzten Weltkrieg hat sich neben der Architektur sogar die Form der Insel verändert, fast wäre sie komplett zerstört worden. Was Unterschiede beim Urlauben betrifft, zählt für mich zu den größten Überraschungen, dass Naturschutz vor über 100 Jahren quasi kein Thema war. Robben und Seehunde sind heute eine Riesenattraktion auf Helgoland, damals gab es kaum welche. Robbenjagd schien ein beliebtes Freizeitvergnügen zu sein, das zum Beispiel auf Föhr mit Erfolg praktiziert wurde. Von dort unternahm man Jagdausflüge zum „Seesand, dem Gefilde der Seehunde“.

ZVAB: Der aktuelle Blogpost beschreibt die Reise über Röm nach Sylt, ist es heute noch wirklich möglich in die Fußstapfen von damals zu treten? Gab es einen Ort, den Erwin Volckmanns Worte heute noch genauso gut beschreiben können wie früher?

Ich denke, Volckmann hat Sylt in seinem Wesen sehr gut erfasst, jenes Großartige und auch die Unterschiede zu den anderen Inseln. Er hat genau bemerkt, dass es nur hier diese ständige Brandung gibt. Von dem Gefühl, dass der Autor beschreibt, ist immer noch viel vorzufinden, dennoch hat Sylt im Vergleich zu früher davon auch erheblich verloren. Sei es durch die Abtragungen von Sand und Dünen, sei es durch die starke touristische Nutzung. Und doch erfreut es sich ungebrochener Beliebtheit. Röm hat sich seit über 100 Jahren unter dem touristischen Aspekt stark verändert, aber viel von seiner Ursprünglichkeit behalten. Vermutlich weil – ähnlich wie bei Amrum – der Schwerpunkt hier auf Weite und Natur liegt.

ZVAB: Würden Sie einen antiquarischen Reiseführer in Zukunft  auch mal auf andere Reisen mitnehmen?

Unbedingt. Der Reiseführer als historisches Dokument, als Einblick in eine andere Zeit. Es macht wohl am meisten dort Sinn, wo man sich schon ein wenig auskennt. Dann kann es geradezu erheiternd sein und den Blickwinkel in neue Richtungen lenken. Der Leser zieht automatisch Vergleiche mit seiner eigenen Welt, ordnet ein und versucht zu verstehen. Letzten Endes beginnt man, seine eigene Zeit in einem anderen Licht zu sehen. Mit neuem Abstand. Reisen mit einem historischen Reiseführer ist immer ein Perspektivwechsel.

ZVAB: Haben Sie eine Lieblingsinsel von damals und heute?

Meine Lieblingsinsel ist Amrum. Interessanterweise genau aus den Gründen, die den Autor Volckmann etwa Sylt vorziehen lassen. Auf Amrum dreht sich alles um Meer, Dünen und Kniepsand. Es herrscht nicht die Zerstreuung oder Abwechslung wie auf Sylt, das sich schon zum Ende des 19. Jahrhunderts als mondänes Seebad mit internationalem Flair etablierte. Vielleicht suchen wir heute mehr die Abgeschiedenheit, das Weite und Einfache, weil uns die Welt zu eng und laut geworden ist? Amrum ist für mich so etwas wie die Essenz von Nordfriesland auf einer Insel. Es fällt so leicht, die Kraft der Elemente zu spüren und sich klein und unbedeutend wie ein Sandkorn im Wind zu fühlen. Und wer weiß, hätte ich damals gelebt, wäre meine Wahl vielleicht auch auf Sylt gefallen.

 

7. October 2016

Historische Rechnungen als Sammelgebiet

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Gedruckte Firmenbriefköpfe und besonders aufwendig gestaltete Rechnungsformulare kamen in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf. Mit dem Beginn der industriellen Fertigung mussten immer neue Absatzmärkte erschlossen werden und dies führte zu einem sprunghaften Anstieg des geschäftlichen Schriftverkehrs.

Vorgedruckte Briefbögen, die immer wiederkehrende Informationen enthielten, stellten eine erhebliche Arbeitserleichterung gegenüber den bisher üblichen komplett handschriftlichen Briefen und Rechnungen dar. Und schon damals erkannten die Unternehmer, wie wichtig es war, bei potentiellen neuen Kunden den Erstkontakt für eine positive Wirkung zu nutzen.

Gustav Neumann. Spirituosen-, Weinessig-, Senf- und Liquer-Fabrik. 1871

Würzburg – Gustav Neumann. Spirituosen-, Weinessig-, Senf- und Liquer-Fabrik. 1871

Die ersten Briefköpfe aus der Zeit von 1820 bis etwa 1845 trugen meist noch kleine, aber dekorative Firmenvignetten. Diese Stücke werden heute aufgrund ihres Alters und der Seltenheit bei Sammlern besonders gesucht und geschätzt. Die neuen technischen Möglichkeiten der Lithographie in der Drucktechnik führten zu immer größeren und detailreicheren Schmuckansichten, die manchmal sogar mehr als die Hälfte des Briefbogens füllten. Es gab damals sogar eine Kampgne gegen “Schriftenverwilderung und Ornamentensucht”, die erfolgreich gegen die teilweise doch sehr verworrene und überbordende Gestaltung ankämpfte.

Zwickau - Oswald Saalberg. Mineralöl- und Cement-Grosshandlung. 1938

Zwickau – Oswald Saalberg. Mineralöl- und Cement-Grosshandlung. 1938

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden besonders aufwendige und schmuckreiche Briefbögen gestaltet, die manchmal sogar mehrfarbig gedruckt wurden. Neben allgemeinen Schriftinformationen wie Firmenname, Anschrift, Branche, Bankverbindung, Telegrammadresse und besonderen Produkten enthielten sie Schmuckelemente wie Arabesken, Ornamente, Medaillen und Bilder.

Besonders beliebt war bei Industrieunternehmen die Fabrikansicht (häufig mit belebten Straßenszenen und qualmenden Schornsteinen), die Größe, Besitz und Wohlstand repäsentierte. Manchmal bieten auch Innenansichten einen Einblick in die Produktion.

Die Leistungsfähigkeit des Unternehmens und die Qualität der Produkte wurde mit der Abbildung von Preismedaillen gezeigt, die damals auf den zahlreichen Industriemessen und Gewerbeschauen fast inflationär verliehen wurden. Allegorien und Symbolbilder standen für Tüchtigkeit, Tradition, Fortschritt und Erfolg und wurden ebenfalls gern für die Gestaltung der Rechnungsbögen verwendet.

Würzburg - Wilhelm Stein. Weinessig- und Weinessigsprit-Fabrik. 1908

Würzburg – Wilhelm Stein. Weinessig- und Weinessigsprit-Fabrik. 1908

Die Lithographie wurde das überwiegende Druckverfahren für den kommerziellen Druck von Briefköpfen. In alten Musterbüchern von Lithographischen Anstalten finden sich sehr häufig Briefköpfe von Indsutrieunternehmen. Kein Wunder, waren diese doch die sichersten Aufträge, die viel Geld in die Kassen der Druckereien brachten. Häufig findet man den Namen der ausführenden Lithografischen Anstalt auf den Rechnungen und Briefbögen am Rand vermerkt.

Im Adressbuch Deutscher Exportfirmen aus dem Jahre 1897 findet sich beispielsweise eine Anzeige der Firma Trommer & Grundmann aus Leipzig. Sie empfiehlt sich dort für die “mustergültige, hochfeine und künstlerische Ausführung von Brief- und Rechnungsköpfen”.

Mit Beginn des ersten Weltkrieges werden die Briefköpfe und Rechnungsformulare zunehmend schlichter, heute beschränkt sich die Gestaltung meist darauf, das Firmenlogo abzudrucken.

Umso schöner und begehrter sind die alten Firmendrucksachen heute bei Sammlern. Häufig sind die Firmenansichten auf den Rechnungen die einzigen Bildzeugnisse einer längst verschwundenen Firma und damit besonders interessant für Heimatsammler. Die Abbildungen und Hinweise z.B. auf das Produktionsprogramm lassen für Wirtschaftshistoriker Rückschlüsse auf die Firmenentwicklung und die Industriegeschichte einer Region oder eines Landes zu.

Elberfeld (Wuppertal) - F.A. Isserstedt. Bergisch-Märkische Margarine-Werke. 1913

Elberfeld (Wuppertal) – F.A. Isserstedt. Bergisch-Märkische Margarine-Werke. 1913

Sammler von Briefköpfen und historischen Rechnungen sind heute neben Museen auch Historiker, Firmenarchive und vor allen Dingen Privatpersonen. Manchmal werden sie zur Ergänzungen anderern Kollektionen zusammengetragen oder dokumentieren die eigene Familien- oder Firmengeschichte. Sie eignen sich auch hervorrgend als besonderes Präsent: mit einer Rechnung aus dem Geburtsjahr, ein alter Geschäftsbrief der Firma, in der der Jubilar gearbeitet hat oder vom Geschäft des Großvaters. Das ganze geschmackvoll gerahmt oder im Passepartout. Es gibt kaum ein persönlicheres, geschichtsträchtigeres Geschenk!

Wer nun gezielt historische Rechnungen sammeln möchte, der sollte sich einfach dem Teilgebiet widmen, das ihm am besten gefällt. Hier eine kleine Auswahl der möglichen Sammelgebiete:

  • nach Ort (Sitz der Firma)
  • nach Region (alle Briefköpfe aus dem Weserbergland)
  • nach Branche (beliebt sind z.B. Brauereien und Tabakfabriken)
  • nach Art der Abbildung (Fabrikgebäude, Transportmittel, Allegorien, Werkzeuge)
  • nach Namen (z.B. alle Firmen mit “Müller” im Namen)
  • nach Erscheinungsjahren (alle Rechnungen eines bestimmten Zeitraums)
  • nach der Lithographischen Anstalt / Druckerei
  • nach der Drucktechnik (Lithographie, Buchdruck, Xylographie, Stahlstich usw.)
  • Rechnungen heute noch existierender Firmen
  • Rechnungen aus der Inflationszeit

Sicherlich gib es noch viele andere Motive für den Aufbau einer Sammlung – schließlich muss diese nur einem gefallen: dem Sammler!

Und wer jetzt Lust bekommen hat, sich diesem faszinierenden Sammelgebiet zu widmen, der sollte einfach einmal beim ZVAB stöbern!

Historische Rechnungen beim ZVAB

30. September 2016

ILAB Buchmesse in Budapest: Ádám Bősze im Interview

von Larissa Dawirs

Vor einigen Wochen haben wir unter dem Titel “Von Gutenberg bis Zuckerberg” die ILAB Buchmesse in Budapest  als wichtigen Termin für Buchliebhaber und Reiselustige im September dieses Jahres vorgestellt. Es ist das erste Mal, dass eine internationale antiquarische Buchmesse in der ungarischen Buchmetropole stattfindet und Sammler aus aller Welt einlädt.

Adam Bosze

Der Präsident des ungarischen Verbands der Antiquare (MAE), Ádám Bősze, ist Organisator des Events und hat dem ZVAB im Gespräch einige Fragen beantwortet. Lesen Sie in seinen Worten, was den ungarischen Antiquariatshandel ausmacht, inwiefern Facebook von Bedeutung ist und welche Raritäten in Budapest erwartet werden.

ZVAB: In diesem Jahr findet die erste Antiquariatsmesse in Budapest statt – wie groß ist der ungarische Antiquariatsmarkt und welche Schwerpunkte gibt es aus Ihrer Sicht?

Der ungarische Antiquariatsmarkt ist keineswegs klein, aber die angebotenen Artikel sind recht gemischt: die meisten Antiquare haben sowohl gebrauchte Bücher als auch Raritäten. Es gibt auch spezialisierte Sammler, die hauptsächlich Ungarn-bezogene Artikel suchen, besonders solche, die unter dem Gesichtspunkt der ungarischen Geschichte interessant sein können, oder Manuskripte und Raritäten, die mit ungarischen Künstlern in Bezug stehen.

 

ZVAB: Was zeichnet die Stadt Budapest als Buchmetropole aus?

In Budapest gibt es unzählige kleine und große Buchläden, die sich sowohl in den kleinen, versteckten Gassen als auch in großen Einkaufszentren befinden. Viele dieser Geschäfte verkaufen nagelneue, aber auch gebrauchte Bücher. Man kann jederzeit in ganz unerwarteten Ecken auf ein Buchgeschäft stoßen.

Die Liebe zu den Büchern in Ungarn kann auf eine sehr lange Tradition zurückgeführt werden, die bis heute anhält. Schon König Matthias Corvinus, der in der Renaissance lebte, war ein leidenschaftlicher Sammler. Seine Bibliothek war ein Prachtstück, er besprach persönlich deren Entwicklung und die Bestellung neuer Bücher und Handschriften mit seinen Wissenschaftlern. Für bestimmte Stücke war er bereit, jahrelang diplomatische Verhandlungen zu führen. In Buda gründete er sogar eine Werkstatt, wo Bücher für den König und die Kirche kopiert und gebunden wurden. Es entstanden auch bedeutende kirchliche und wissenschaftliche Bibliotheken, wie die des Reformierten Kollegiums von Sárospatak oder der Erzabtei von Pannonhalma und der Abtei von Zirc. Vor dem zweiten Weltkrieg befanden sich sowohl die Verlage als auch die Buchhandlungen im Privatbesitz. Viele führten schon sehr früh ein Leihsystem ein, um den Spaß des Lesens auch denen zu ermöglichen, die keine Mittel zum Kauf eines Buches hatten. Zusammenfassend kann man sagen: Wir Ungarn lesen, und unsere Schriftsteller schreiben gerne.

ZVAB: Das Motto der Messe lautet „Von Gutenberg bis Zuckerberg,“ woher stammt die Idee für diesen Slogan?

Der Slogan ist mehr als nur ein Wortspiel. Obwohl wir Papier und Bücher lieben, sind wir nicht im Mittelalter stecken geblieben, wir befürworten die permanente Entwicklung und nutzen die Vorteile der neuen Medien aus. Diese zwei Personen verbindet insbesondere ihr Pioniergeist: Sowohl Gutenberg als Erfinder des Buchdrucks als auch Zuckerberg als Gründer von Facebook haben mit ihren Ideen die Kommunikation revolutioniert und damit eine langfristige Veränderung in unserer Gesellschaft hervorgerufen. Zuckerberg hat neulich selber angekündigt, dass er sich von den Social Media ein bisschen zurückziehen und mehr Zeit dem Lesen widmen möchte. Er hat auf seiner Facebook-Seite die Fans aufgerufen, Titel zu posten, die er lesen sollte und hat dann selber einen Buchclub gegründet. So inspiriert er hoffentlich seine und auch die Nachfolgegenerationen zum Lesen.

ZVAB: Wie schätzen Sie die Bedeutung von Social Media und neuen Medien für den Antiquariatsmarkt ein?

Ich halte sie für unheimlich wichtig. Heutzutage gibt es ohne Facebook, Twitter, Online Newsletter, usw. praktisch gar nichts mehr. Auf allen Seiten des Marktes erwartet jeder Erscheinungen auf diesen Seiten, und wenn es keine gäbe, würden die Meisten denken, dass etwas  bei uns ernsthaft falsch läuft. Die Tatsache, dass Antiquare sich mit alten Manuskripten oder Buchraritäten beschäftigen, bedeutet noch lange nicht, dass sie auch im Mittelalter leben müssen. Wir versuchen, die von den neuen Medien gebotenen Möglichkeiten in jeder Hinsicht auszunutzen.

 

ZVAB: Die Ausstellung wird an einem besonderen Ort, rund um den historischen Konzert- und Ballsaal „Vigadó“ an der Donau stattfinden. Hier traten unter anderem bereits Franz Liszt, Johannes Brahms, Camille Saint-Saëns, Claude Debussy, Arthur Rubinstein, Vladimir Horowitz und Herbert von Karajan auf. Werden Sie und andere Aussteller besondere Stücke aus dem Bereich der Musik präsentieren?

An sich war das kein Schwerpunkt der Messe, aber wir freuen uns natürlich auf Überraschungen in dieser Richtung. Der Vigadó hat zwar tatsächlich einen sehr starken musikalischen Bezug, ist aber keineswegs nur ein Konzertsaal, sondern viel mehr ein wichtiger kultureller Treffpunkt.

ZVAB: Welche weiteren besonderen Raritäten erwarten die Besucher auf der Budapester Ausstellung?

Einige der Aussteller haben uns bereits Informationen über ihre Raritäten anvertraut. Wir feiern dieses Jahr das hundertste Jubiläum der Avantgarde, deswegen ist es besonders aufregend, dass das Rote Antiquariat aus Berlin ein Originalexemplar der 8-9. Ausgabe der polnischen Avantgarde-Zeitschrift Blok & Kurije (1924 in Warschau erschienen), eine wahre Seltenheit dem Publikum zeigt und auf einen neuen Besitzer hofft.

Das Antiquariat Lynge & Søn aus Kopenhagen präsentiert einen bisher unveröffentlichten, handgeschriebenen Brief von Albert Einstein, adressiert am 10. Dezember 1928 an seinen Assistenten, Herman Müntz. Der sehr wichtige Brief, der uns Einsteins Endtheorie, der einheitlichen Feldtheorie näher bringt, stammt aus der Zeit, wo Einstein an einer neuen Gravitationstheorie, an dem Fernparallelismus arbeitete und weist auf Rechnungen hin, die von Müntz gemacht worden sind.

Die Grazer Matthäus Truppe Antiquariat präsentiert eine militärische Landkarte von Budapest und Umgebung aus 1865. Wie alle Pläne des Militärgeographischen Institutes ist auch dieser von bester Lesbarkeit und Übersichtlichkeit und besticht durch seine Genauigkeit und Vielzahl an geographischen Informationen.

Dank dem Antiquariaat Brinkman aus Amsterdam können wir mehr über die heimlichen Folter- und Gerichtsmethoden aus der Zeit von Kaiserin Maria Theresia erfahren. Das mit 30 Stichen illustrierte Buch begründete ein einheitliches Straf- und Strafprozessrecht in Österreich und Böhmen, allerdings war es in Ungarn nicht gültig.

Graham York Rare Books aus Großbritannien präsentiert ein viktorianisches Photoalbum mit 85 Tierphotos von Gambier Bolton, Ottomar Anschutz, Henry Dixon und anderen unbekannten Photographen, aus ca. 1880, gebunden von Palmer & Howe. Außerdem bieten sie den Katalog der Sammlung des Barons Philipp von Stosch (1691-1757) an, angefertigt als Verkaufskatalog von Joan Joachim Winckelmann um 1760, der seinem Patron, Cardinal Albani gewidmet ist, mit Stichen von I. A. Schweickart. Das Buch beinhaltet vor dem gedruckten Text eine Kopie eines neunseitigen, handgeschriebenen Essays von Winckelmann über die Sammlung Stosch in Florenz, den er für „die Bibliothek der Schönen Wissenschaften und der Freien Künste“ geschrieben hat.

 

ZVAB: Wie viele Aussteller sind bis jetzt angemeldet? Welche deutschen Antiquariate werden dabei sein?

Bisher haben sich 33 Aussteller angemeldet, wir rechnen aber mindestens mit 40 Teilnehmern. Jeder, der Interesse hat, wird herzlichst erwartet, die Anmeldung ist noch möglich.

Aus Deutschland erwarten wir bisher das Antiquariat Turszynski und Antiquariat Daša Pahor aus München, Rotes Antiquariat aus Berlin und das Antiquariat Bachmann & Rybicki UG aus Dresden.

ZVAB: Und eine abschließende Frage: Was sollten Besucher in Budapest neben der Buchmesse in jedem Fall gesehen haben?

Ich würde ihnen vor allem einen schönen Spaziergang im Burgviertel empfehlen, da man von dort eine wunderbare Aussicht auf die ganze Stadt und auf die Donau hat. Die Donau ist ein ganz besonderer Schatz der Stadt, eine Donauschifffahrt bietet im Frühherbst auch viel Bewundernswertes. Wenn man sich nach einem erlebnisreichen Tag erholen möchte, würde ich wärmstens die höchst angenehmen und einzigartigen Ruinenkneipen empfehlen. Aber das ist wirklich nur eine kleine Auswahl der vielen Sehenswürdigkeiten von Budapest.

 
Herzlichen Dank für das Interview!

9. August 2016

Zitate über Bücher und Lesen

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Sortiert ist diese kleine Auswahl – die übrigens ständigt erweitert wird – nach dem Nachnamen des Urhebers.

  • Du öffnest die Bücher und sie öffnen dich.
    Tschingis Aitmatov
  • Ein Buch ist ein Garten, den man in der Tasche trägt.
    arabisches Sprichwort
  • Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen.
    Francis Bacon
  • Wir wollen anders aus dem Buche heraustreten, als wir in das Buch eingekehrt sind. Wir wollen verwandelt sein, wir wollen bereichert sein, wir wollen das Gefuehl haben, wir sind gewachsen, wir haben selber an Wert zugenommen, oder, wie es viel einfacher heisst, das Buch hat uns etwas gegeben. Ja, ein Buch muss etwas geben. Ein Buch kann auch etwas geben, indem es uns etwas nimmt.
    Johannes R. Becher
  • Das beste Buch ist das, welches dem Leser seinen eigenen Reichtum fühlbar macht.
    Waldemar Bonsels
  • Alles, was die Menschheit getan, gedacht, erlangt hat oder gewesen ist, es liegt wie in zauberartiger Erhaltung in den Blättern der Bücher aufbewahrt.
    Thomas Carlyle
  • In Büchern liegt die Seele aller vergangenen Zeiten.
    Thomas Carlyle
  • Ein Wort, ein Buch, ein Autor sind nichts als einzelne Wassertropfen. Alle zusammen ergeben den Strom, der alles hinwegreisst und den keine Kraft zurueckfliessen lassen kann.
    Adalbert de Chamisso
  • Klassiker sind Dichter, die man loben kann, ohne sie gelesen zu haben.
    Gilbert Keith Chesterton
  • Jedesmal, wenn man ein Buch öffnet, lernt man etwas.
    chinesisches Sprichwort
  • Bücher sind fliegende Teppiche ins Reich der Phantasie.
    James Daniel
  • Es ist die Pflicht eines jeden Menschen, die Buecher zu ehren. Man achte streng darauf, daß Buecher sich nicht in einem Zimmer befinden, in dem sich Mann und Frau vereinigen; es sei denn, daß die Buecher hinter einem Vorhang stehen oder das Bett von einem Vorhang verdeckt ist.
    Alexander Eliasberg
  • Es geht uns mit den Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber wenige erwählen wir zu unseren Freunden.
    Ludwig Feuerbach
  • Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht, kommen sie nicht mehr zurück.
    Theodor Fontane
  • Die vollkommene Dame wird darauf achten, daß in den Buecherregalen die Werke maennlicher und weiblicher Autoren streng getrennt stehen. Mann sollte sie nur dann zusammenstellen, wenn die Verfasser miteinander verheiratet sind.
    Gough
  • Wahrhaftig, der Umgang mit schlechten Büchern ist oft gefährlicher als mit schlechten Menschen.
    Wilhelm Hauff
  • Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seinen Boden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.
    Hermann Hesse
  • Von den vielen Welten, die der Mensch nicht von der Natur geschenkt bekam, sondern sich aus eigenem Geiste erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte.
    Hermann Hesse
  • Die Erfindung des Buchdruckes ist das größte Ereignis der Weltgeschichte.
    Victor Hugo
  • Für den Bibliothekar besteht die lebenslange Misere darin, daß er dürstend an den Quellen sitzt.
    Horst Kunze
  • Die Zukunft der Literatur liegt im Aphorismus. Den kann man nicht verfilmen.
    Gabriel Laub
  • Für den Bibliothekar besteht die lebenslange Misere darin, daß er dürstend an den Quellen sitzt.
    Horst Kunze
  • Einer der Hauptnachteile mancher Bücher ist die zu große Entfernung zwischen Titel- und Rückseite.
    Robert Lembke
  • Richtiges Lesen ist Bürsten gegen den Strich.
    Doris Lessing
  • Bücher sind die Hüllen der Weisheit, bestickt mit den Perlen der Worte.
    Mosche Ibn Esra
  • Ein Buch das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muß es besitzen.
    Nietzsche
  • Die besten Bücher sind die, von denen jeder Leser meint, er hätte sie selbst machen können.
    Blaise Pascal
  • Ein Buch ist dem Verfasser, was den Schönen ihr Bild im Spiegel ist.
    Jean Paul (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter)
  • Solange ein Mensch ein Buch schreibt, kann er nicht unglücklich sein.
    Jean Paul (eigentlich: Johann Paul Friedrich Richter)
  • Freunde sind Leute, die meine Bücher entleihen und nasse Gläser draufstellen.
    Edwin Arlington Robinson
  • Nicht diejenigen haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in ihren Schränken aufheben, sondern sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.
    Erasmus von Rotterdam
  • Schnelligkeit ist notwendig, um Flöhe zu fangen, aber nicht, um Bücher zu schreiben.
    Michail A. Scholochow
  • Es wäre gut Bücher kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte, aber man verwechselt meistens den Ankauf der Bücher mit dem Aneignen ihres Inhalts.
    Arthur Schopenhauer
  • Ein Buch sogleich nach dem Erwachen: eine aufregende Sache.
    Sei Shonagon
  • Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann.
    Mark Twain (eigentlich: Clemens, Samuel Langhorne)
  • Was ist ein Antiquar? Ein Händler, der Bücher, von denen er nichts versteht, an Leute verkauft, die davon nichts verstehen, zu Preisen, die niemand versteht.
    unbekannt (und natürlich nicht ernst gemeint)
  • Was ist paradox? Wenn ein Kunde ins Antiquariat kommt und fragt: “Gibt’s was Neues?”.
    unbekannt

 

Fallen Ihnen noch weitere Zitate rund ums Buch ein? Schreiben Sie uns einen Kommentar. 

2. August 2016

Erzabtei Beuron: Die Klosterbibliothek beim ZVAB

von Larissa Dawirs

Seit mehr als 15 Jahren gehört die Bibliothek der Erzabtei St. Martin in Beuron zu den ZVAB-Partnern – beinahe seit den Anfängen in den 1990ern. Das Angebot umfasst eine breite Auswahl aus den Bereichen Spiritualität und Theologie, aber auch Kunst und Geschichte.

Die Erzabtei wurde ursprünglich im Jahr 1077 als Augustiner-Chorherrenstift gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude durch die Benediktiner wiederbesiedelt.

Die Bibliothek des früheren Augustiner-Chorherrenstiftes ging bei der Säkularisation verloren, die jetzige Sammlung wurde ab der Neugründung 1863 nach und nach aufgebaut. In den 20er Jahren fand eine Reorganisation statt: das Magazin wurde neu gebaut, die Aufstellung neu geordnet und die Bestände neu katalogisiert. Seitdem wurde die Bibliothek mehrfach erweitert. Heute umfasst sie ca. 405.000 Bände, davon 165 Inkunabeln, 236 Handschriften, 169 Musikhandschriften und ca. 500 laufende Zeitschriften.

Buchgeschenke oder -spenden führen immer wieder zu Dubletten im Bestand. Aus diesem Grund hat die Erzabtei von einigen Wochen zum ersten Mal einen Bücherflohmarkt ausgerichtet. Wir nehmen dieses Event zum Anlass, einen unserer außergewöhnlichsten Händler vorzustellen. Bruder Petrus Dischler, einer der beiden Bibliothekare, hat dem ZVAB daher ein paar Fragen beantwortet:

Die Bibliothek ist die größte Privatbibliothek des Landes, wie hoch ist der Aufwand für die Betreuung? Gibt es auch Mitarbeiter von außen?

Wir sind 2 Brüder für die Betreuung der Bibliothek –  allerdings haben wir auch noch andere Aufgaben im Hause Gottes. Die finanziellen Mittel kommen aus der Klosterkasse und evtl. aus Spenden. Für Personal haben wir keine Aufwendungen.

Welche Besonderheiten gibt es gegenüber öffentlichen Stadt- oder Universitätsbibliotheken?

Anders als in öffentlichen Einrichtungen ist eine Benutzung durch Personen von außen nur nach Voranmeldung möglich. Unser Scriptorium ist dennoch regelmäßig gut gefüllt.

 

Welche Sammelschwerpunkte verfolgen Sie?

Theologie. Im speziellen Patrologie, Liturgie, Exegese. Außerdem interessieren uns auch die Themen Kunst und Geschichte, speziell die Kirchengeschichte und monastische Geschichte.

Und welches ist das bedeutendste Stück in Ihrer Sammlung?

Die „Vita Liudgeri“ ist eine Besonderheit –  das ist eine seltene Handschrift aus der Zeit vor 1000 n. Chr.

Ungefähr 200 Bände der Bibliothek des früheren Augustiner-Chorherrenstiftes sind im Laufe der Zeit wieder Teil der Bibliothek geworden. Gibt es ein besonderes Stück in dieser Sammlung?

Dieser Bestand ist in sich wertvoll. Da kann man keinen bestimmten Band benennen.

Woher stammt die Idee einen gemeinnützigen Bücherflohmarkt auszurichten?

Da wir immer wieder Büchergeschenke erhalten, gibt es auch immer wieder Dubletten. Wir versuchen diese in unserer Buchhandlung und im Gästebereich an den „Mann“ und die „Frau“ zu bringen. Da die Flut aber doch etwas größer ist, haben wir auch schon an unserem „Klosterfest“, das alle zwei Jahre stattfindet, einen Büchertisch präsentiert. Danach ist die Idee aufgekommen, in dem Jahr dazwischen die Bücher einem interessierten Publikum zu präsentieren und den Erlös für einen guten Zweck im lokalen Umfeld zur Verfügung zustellen. In diesem Jahr haben wir uns für die „Obdachlosenhilfe in Sigmaringen“ entschieden.

Wird der Flohmarkt nun ein wiederkehrendes Event werden?

Das wird sich zeigen, aber wir haben diese Möglichkeit schon in Erwägung gezogen…

 

Herzlichen Dank für das Interview!

12. July 2016

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