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Die Vogelkopf-Haggada – Ein ungelöstes Rätsel

von ZVAB
Doppelblatt aus dem Faksimile-Band

Doppelblatt aus dem Faksimile-Band

Die 1967 in Jerusalem in einer einmaligen und nummerierten Auflage erschienene Faksimile-Ausgabe beleuchtet wie ein geheimnisvoller Lichtstrahl die bis heute umrätselte sogenannte Vogelkopf-Haggada. Der Name ist inspiriert von der Darstellung der abgebildeten Juden als Wesen mit menschlichen Körpern und Vogelköpfen. Dafür galt über Jahrzehnte das religiöse Bilderverbot im Judentum als Erklärung. In den letzten Jahren sind jedoch noch weitere Theorien von Kunsthistorikern und Judaistik-Gelehrten aufgestellt worden, die aufzeigen, wieviel Forschungsarbeit diese Haggada noch erfordert.

Als Haggada wird das  jüdische Gebetbuch bezeichnet, das am Vorabend des Pessach-Festes im Kreise der Familie gelesen wird, um vom  Auszug aus Ägypten zu erzählen. Zumeist wurden und werden Haggada-Ausgaben reich illustriert, um dem zentralen Epos der wundersamen vierzigjährigen Reise der Israeliten ins Gelobte Land einen eindrucksvollen bilderreichen Rahmen zu schaffen.

Die mittelalterliche hebräische Original-Handschrift, nach der das Faksimile in einem aufwendigen Prozess produziert wurde, befindet sich im Besitz des Israel-Museums in Jerusalem und gilt als eines der berühmtesten Kernstücke der Exponate alter jüdischer Buchkunst. Die Faksimile-Ausgabe besteht aus zwei Bänden, wobei der erste Band die auf dickem Pergament illuminierte Original-Handschrift kunstvoll abbildet. Der zweite Band enthält spannende Informationen zur abenteuerlichen Provenienz des Originals, das aus dem nationalsozialistischen Deutschland über die Schweiz nach Jerusalem gerettet werden konnte, wo es 1946 noch vor der Staatsgründung Israels durch private Spender vom damaligen Bezalel National Art Museum erworben wurde.

Dieser Einführungsband gibt auch Erklärungen zum Originaltext  der in Süddeutschland ca. 1320 entstandenden Handschrift, die als älteste illuminierte Haggada aus dem deutschsprachigen Raum gilt. Die Illustrationen sind ausführlich erläutert und stehen mit 52 Illustrationen anderer Handschriften der Zeit im ikonographischen Vergleich.

Verfasst von Malka Pollak, M.Pollak Antiquariat, Tel-Aviv

Zu diesem Titel beim Antiquariat M. Pollak
Weitere Faksimiles beim ZVAB

17. October 2013

2 Kommentare

  1. Dr. Helga Barb schrieb am January 30, 2014:

    interessant! Gruß an das Antiquariat Pollak, bei dem ich früher in Köln auf der Messe oft fündig wurde.Insel-Verlag) H. Barb Leipzig

  2. Malka Pollak schrieb am February 3, 2014:

    Vielen Dank für den netten Gruss

    Malka Pollak


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