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Gewinner der zweiten Runde: "Verlorene Bücher mit Geschichte"

von zvab

Der Gewinner der zweiten Runde des Preisausschreibens „Verlorene Bücher mit Geschichte“ von lesenswert.de und ZVAB.com steht fest: Norina Schenker aus Baden hat mit ihrer Kurzgeschichte „Zauber der Sonnenblume“ die Jury überzeugt und darf sich darüber freuen, ihr verlorenes Buch – „Ottilie Zauberlilie“ von Eveline Hasler – bald wieder in den Händen zu halten.

Zauber der Sonnenblume

Von der Arbeit müde gehe ich nach Hause. Auf dem Weg begegnet mir ein Kind, das auf einem Spielplatz spielt. Es strahlt über das ganze Gesicht, wackelt zu mir hin und zeigt mit dem kleinen Finger in die Richtung eines grossen Gartens.
„Na, was willst du mir denn zeigen?“ frage ich neugierig und suche nach etwas Großartigem.
„Blume“ sagt das Mädchen und beginnt voller Begeisterung zu lachen. Richtig, da steht eine einzelne, grosse Sonnenblume, die ihren Kopf den letzten Sonnenstrahlen des Tages zuneigt. Nun zeichnet sich auch auf meinem Gesicht ein Lächeln ab. Wie schön die Blume doch ist. Die letzten Tage muss ich an ihr vorbeigegangen sein, ohne sie im Geringsten zu bemerken. Das kleine Kind ist bereits wieder davon gesprungen und spielt weiter im Sandkasten.
Mein Lächeln, das nehme ich mit nach Hause und mir fällt auf, dass es auf dem Weg von vielen Menschen erwidert wird. Wieso kommt mir das nur so bekannt vor? Irgendwie scheine ich eine Erinnerung an eine Geschichte zu haben, die ich scheinbar lange Zeit vergessen hatte. Oder doch nicht?
Da fällt mir ein Name ein – Ottilie Zauberlilie. Ja genau, das war doch mein erstes Buch, das ich alleine lesen konnte. Ottilie Zauberlilie, die kleine Hexe, die nach über hundert Jahren wieder unter die Menschen kommt. Mit ihren tollen Dingen in der Tasche, wie ein Streichholz, das so hell brennt, dass man auch in der Nacht noch die Zeitung lesen kann. Ich erinnere mich immer mehr an die Geschichte. Da war auch noch eine Büchse oder so etwas in der Art, mit der man um die ganze Welt telefonieren kann. Leider wird die Hexe von allen Leuten ausgelacht, da es heutzutage ja Telefone und Straßenlaternen gibt. Die kleine Hexe ist sehr traurig und trifft auf einen Jungen und ein Mädchen, die auch ziemlich niedergeschlagen sind, da sie immer Streit mit Erwachsenen haben.
Ottilie Zauberlilie hat nur noch einen Zaubertrick übrig, den sie den zwei kleinen Kindern schenkt. Es ist ein Samen, den die Geschwister in die Erde stecken. Nach einer Zeit wächst daraus eine grosse Sonnenblume. Die Kinder betrachten die Blume und haben danach dieses allerliebste Lächeln im Gesicht, so dass ihnen die Erwachsenen nicht mehr böse sein können. Sie stecken die Erwachsenen sogar damit an und diese sind gleich viel zufriedener und fröhlicher. Das scheint ein Trick zu sein, der niemals veralten wird. Die Geschichte hat ein wunderbares Happy End und ich habe damals als Kind versucht, dieses Lächeln ebenfalls weiterzugeben.
Heute habe ich dieses Lächeln bei dem kleinen Mädchen auf dem Spielplatz wiedergefunden, ob das Buch noch irgendwo ist, weiss ich nicht. Die Geschichte habe ich jedoch nicht vergessen und jedes Mal, wenn ich nun einer Sonnenblume begegne, werde ich an mein Lächeln erinnert.

Norina Schenker

18. December 2009

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