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Die Räuber vom Liang-Schan-Moor. Aus dem Regal hervorgeholt von Eva Massingue

von litprom

Der Traum der roten Kammer (eine Sittengeschichte im weitesten Sinne des 18. Jahrhunderts), Die Reise nach Westen (ein Bericht über die Reise eines buddhis- tischen Mönches nach Indien), Die Geschichte der Drei Reiche (ein Mammutgeschichtsroman in mindestens 10 Bänden) und Die Räuber vom Liang-Schan-Moor sind die vier klassischen Romane der chinesischen Literatur. Die Räuber vom Liang-Schan-Moor ist dabei mein absoluter Favorit. Es handelt sich um einen echten Volksroman, in Umgangssprache geschrieben, eine Robin-Hood-Geschichte um Song Jian und seine Gefolgsleute, die gegen korrupte kaiserliche Beamte kämpfen und den Armen geben, was sie den Reichen stehlen. Shi Nai’an und Luo Guanzhong werden als diejenigen genannt, die die verschiedenen Versionen um den historischen Volkshelden gesammelt und zusammengeschrieben haben, erschienen sind sie zum ersten Mal im 13. Jahrhundert unter dem Titel Shui Hu Zhuan (Wasserufergeschichte). Der historische Song Jian hat im 12. Jahrhundert gelebt.

Als ehrenhafter Mann kann Song Jian Gewalt und Willkür des korrupten Beamtenapparates nicht mehr ertragen, wegen seiner Kritik wird er zum Tode verurteilt. Ein Räuber aus dem Liang-Schan-Moor rettet ihn und Song Jian schließt sich dessen Bande an. Im Volksmund heißt es, die Räuber seien die wiedererwachten Seelen von 108 historischen Kämpfern, so kommen weitere Verfolgte und Geächtete dazu: Bauern, Fischer, aber auch Kaufleute, Beamte, ehemalige Soldaten, Mönche und Kämpferinnen. Der Rebellenarmee, die sich im Sumpfgebiet um den Liang-Schan-Berg in der heutigen Provinz Shandong verschanzt, gelingt es sogar, kaiserliche Heere zu besiegen. Die „Wasserufergeschichte“ beschreibt ausführlich das Leben der 36 Anführer und 72 Unterführer: Jeder hat seine eigenen Gründe, sich den Rebellen anzuschließen, jeder hat ein besonderes Aussehen und eine ganz besondere Kampftechnik, die ihn oder sie einzigartig macht.

Bestechend ist die Fülle der Einzelheiten. Die Helden helfen den Guten, begehen aber auch Taten von blutrünstiger Grausamkeit: Da wird nicht nur der Feind getötet, dessen gesamte Familie sowie zufällig Anwesende werden gleich mit beseitigt. Es gibt Geschichten um Liebe und Eifersucht, Intrigen und Ehre, wilde Schlachten, Kampf und Tod. Außerdem wird sehr viel gegessen und noch mehr getrunken.Der Held Wu Song säuft gleich 18 große Becher Schnaps, was ihn nicht davon abhält, anschließend noch einen Tiger zu töten.

Da es nicht gelingt, die Räuber zu besiegen, werden sie mit Begnadigung geködert und zur Bekämpfung anderer Rebellen eingesetzt. Trotz dieses staatstragenden Endes war die Geschichte um die Räuberarmee in der Qing- Dynastie verboten. Franz Kuhn hat diesen und auch viele andere chinesische(n) Klassiker ins Deutsche übersetzt. An seinen Sprachstil muss man sich jedoch erst gewöhnen, er schreibt von Jungfern, Poemen und recht häufig von Unge- mach. (Mit der Übersetzungsarbeit u.a. Franz Kuhns beschäftigt sich der Artikel Der Traum der roten Kammer in den LiteraturNachrichten 98,
S. 8 und 9)

Wer sich nicht so gerne durch mehrere hundert Seiten Literatur in Dünndruck hindurcharbeitet, kann sich auch eine Verfilmung in chinesisch-japanischer Koproduktion auf DVD ansehen, 26 Folgen à 50 Minuten, die 1980 unter dem Titel Die Rebellen vom Liang Shan Po auch im deutschen Fernsehen liefen.

Die Besprechung von Eva Massingue entstammt der Herbstausgabe 2009 der LiteraturNachrichten, die litprom im Oktober 2009 unter www.litprom.de veröffentlicht hat.

26. October 2009

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