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Klassenspiele

von bardola

Celia Rees’ zweiter Roman Klassenspiel (1994) gehört bis heute zu ihren besten und meist kopierten – aber nie erreichten. Die englische Autorin arbeitete als Lehrerin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Sie weiß also, was in Klassenzimmern und auf Schulhöfen geschehen kann. In Klassenspiel schildert sie, was dazu geführt hat, dass sich die Mutter der Romanfigur Lauren heftigen verbalen Angriffen ausgesetzt sieht:

„Ihr seid an allem schuld!“, schrie Lauren quer durchs Zimmer ihre Mutter an. „Du und Dad! Das alles wäre nicht passiert, wenn wir nicht hierher gezogen wären. Der Umzug war seine Idee und du hast nachgegeben. Ihr habt behauptet, dass alles ganz toll werden würde. Vor allem Dad hat uns dauernd vorgeschwärmt. Und seit wir hier sind, bekommen wir ihn überhaupt nicht mehr zu sehen. Er ist immer weg oder in Eile oder irgendwo unterwegs, und wenn er wirklich mal da ist, zofft ihr euch nur und hackt aufeinander rum. Das hasse ich! Ich will zurück. Ich will nach Hause, nach Australien. Du doch auch! Und wenn du jetzt sagst, dass du nicht zurückwillst, dann – dann bist du eine verlogene Heuchlerin!“
Lauren lehnte sich im Sessel zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie war kreidebleich im Gesicht. Sie wusste, dass sie zu weit gegangen war.

Wiederkehrende Muster lösen – egal auf welcher Altersstufe – Ketten von Konfliktsituation in Familien und zwischen Kindern und Jugendlichen aus. Lauren, die „Neue aus Australien“, wird von den einheimischen Schülern abgelehnt. Angst vor Fremden und Vorurteile überwiegen gegenüber der unvoreingenommenen Neugier auf Unbekanntes. Ein wenig Getuschel, eine fiese Stichelei über ihr Aussehen, ein verständnisloses Grinsen wegen ihres Akzents – so geht es los. Lauren hat Australien ungern verlassen. In England wird sie von den Mitschülern in der siebten Klasse von Anfang an ausgegrenzt. Lauren versucht, die Anfeindungen zu ignorieren, und zieht sich immer mehr zurück. Doch die Situation verschärft sich.

Die Protagonistin von Klassenspiel ist allerdings nicht Lauren, sondern Alex. Sie hat schon einmal tatenlos zugeschaut, wie Kinder auf Kosten anderer stark erscheinen wollten, war eine zu allem schweigende Mitläuferin gewesen.
Damals hatten die Bridge-Boys, eine Clique um die eingebildete Klassenschönheit Sandi und den Grobian und leidenschaftlichen BMX-Fahrer Greg, die geschickt dafür sorgt, dass ihre Opfer schweigen und die Erwachsenen eher den Tätern vertrauen, den Mitschüler und Einzelgänger Michael Bailey im Visier gehabt. Michael wehrte sich nicht und konnte – und das ist der heikelste und gefährlichste Punkt in solchen Situationen – mit niemandem über seine Qualen sprechen. Sein Schweigen ermöglichte den Fortgang der Übergriffe, und was mit Hänseleien begann, steigerte sich zu Erpressung und Gewalt. Am Ende hätte sich der Junge beinahe das Leben genommen.

Alex plagen Schuldgefühle und Albträume. Und das „Bailey-Spiel“ (The Bailey Game lautet der Originaltitel) könnte von vorne beginnen. Diesmal könnte Lauren das Opfer sein.

Alex versucht, sich der abweisenden Lauren zu nähern, was wegen der schroffen Art der Australierin nicht leicht ist. Lauren lehnt Alex’ Unterstützung zunächst ab. Doch zaghaft entsteht eine anfangs noch zerbrechliche Freundschaft. Als Alex versucht, den Rädelsführern und den kichernden Jasagern in der Klasse die Stirn zu bieten, steht sie selbst plötzlich im Abseits und wird ebenfalls zum Mobbing-Opfer. Unversehens wird aus Spiel und Kinderstreit einmal mehr erschreckender Ernst; und Schritt für Schritt wird die Grausamkeit der Kinder deutlich. Greg droht damit, sich Laurens kleine Schwester vorzunehmen, falls Alex und Lauren nicht Schutzgeld bezahlen. Doch Unterdrückung, Erpressung und körperliche Angriffe führen diesmal nicht an den Abgrund, sondern dazu, dass die Mädchen Alex Mutter einschalten und gegen die Angreifer Front machen.

Das Buch ist, verglichen mit ähnlichen Romanen, besonders auch für jüngere Kinder geeignet, für die solche Stoffe – so hervorragend behandelt ohnehin – Mangelware sind. Dabei fehlt es nicht an drastischen Szenen. Alex schildert ihren Freundinnen voller Grauen den sich scheinbar endlos in die Länge ziehenden Moment, als Michael am Brückenrand stand und die Bridge Boys „Spring, spring, spring!“ riefen.

„Dann kam ein Mann herbei. Er hielt Michael am anderen Arm fest, und zusammen mit ihm konnte Mr. Derby ihn wieder hochziehen“, sagte sie. Damit war die Geschichte zu Ende. Alex brach unvermittelt ab.
„Dann war also alles wieder gut?“, fragte jemand.
Alex gab keine Antwort. War alles wieder gut? Sie sah vor sich, wie sie sich vorgebeugt und ihm die Hand hingehalten hatte. Den Ausdruck in seinen Augen konnte sie nicht beschreiben, obwohl sie sich genau daran erinnerte. Er hatte die schönsten Augen, die sie je gesehen hatte, groß und von einem strahlenden Schieferblau, das in Lila überging. Und ein entsetzliches Flehen lag in ihnen. Nicht um Rettung. Das war es nicht, was er wollte. Er flehte darum, dass sie ihren Griff lockerten, ihn abstürzen ließen. Dieser Ausdruck würde sie ihr Leben lang verfolgen. Und auch das Wissen um die Ursachen, die ihn so weit getrieben hatten.

Auf der vorletzten Seite des Romans erzählt Alex, wie sie nach zwei Jahren Michael Bailey zufällig wiedersieht:

„Daran hab ich ihn erkannt.“ Daran und an dem Blick, mit dem er sie ansah, als er sie erkannt hatte. Ein verhaltener, müder Blick, in dem Erschöpfung lag. Aber davon wollte sie Lauren nichts erzählen und auch nicht von der Scham, die sie empfunden hatte, als ihr klar wurde, dass sie die Auslöserin dieser Reaktion war.


   Celia Rees

Celia Rees verbindet die zwei Jahre zurückliegenden Ereignisse um Michael mit dem gegenwärtigen Geschehen zu einem Lehrstück über Lagerbildung und Gruppenzwang. Sie schildert ungewöhnlich genau die subtilen Vorgänge, die zunächst neutral eingestellte Kinder zu Tätern oder zu Opfern machen. Erstaunlich schnell bildet sich eine Mehrheit von Mitläufern, die den aggressiven Rädelsführern folgen, nur um dazuzugehören. Manche Kinder versuchen, die Augen zu verschließen und sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Nur eine kleine Minderheit mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn begehrt gegen Gewalt und Diskriminierung auf. Bei alledem pflegt die Autorin ein hohes Tempo: Eine Handlung jagt die nächste und beim Lesen hat man eher den Eindruck, hier habe eine großartige Erzählerin, die raffiniert aus wechselnden Perspektiven die Ereignisse betrachtet und gekonnt mit Vorahnungen arbeitet, einen Kinderkrimi und nicht etwa ein Problembuch geschrieben.

Das Happy End, das eher einem Wunschtraum als der Realität nahe kommt, ist im Hinblick auf die junge Zielgruppe gerechtfertigt. Die Erfahrung zeigt zudem, dass es manchmal – wie in diesem Roman –
tatsächlich genügt, die Rädelsführer zu trennen und in anderen Schulen unterzubringen, um den Rest der Klasse mit Hilfe klärender Gespräche dauerhaft zur Vernunft zu bringen. Klassenspiel ist ein Psychogramm für Kinder in der Vorpubertät. Es regt zum Nachdenken an, weckt heftige Emotionen, Wut und Lust, den Opfern im Roman und deshalb vielleicht später auch im Leben zu helfen und in ähnlichen Situationen frühzeitig einzugreifen.

7. October 2008

7 Kommentare

  1. iljas schrieb am February 10, 2009:

    wir machen nie klassen spiele das ist voll blöd

  2. mr.x schrieb am May 7, 2009:

    ich muss die personen bessen wissen weil ich morgen eine arbeit schreiben muss über das buch klassenspiel das buch muss kürzer verfast werden muss

  3. Birgit schrieb am February 19, 2010:

    also dieser eintrag von iljas ist echt ein wahnsinn…
    Hast du das buch oder den inhalt dieser seite nicht gelesen???
    und du findest es doof das ihr in der klasse solche sachen nicht macht???
    das sollte man mal mit dia machen dann sagst du so einen blödsinn niewieder!!!

  4. fredy schrieb am January 8, 2011:

    ich finde das buch interesant

  5. sasia schrieb am May 13, 2011:

    ist michel bailey tot btte zurück schreiben ich hab nen referat in kürzester zeit bitte ,,,,wieso heißt es klassenspiel

  6. Nicola schrieb am May 17, 2011:

    vielleicht das buch ganz lesen?

  7. hi schrieb am June 15, 2014:

    ich mag das buch


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