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Die Dekabristen – Revolutionäre für Russland

von wietek

   Peter der Große

Teil II: Die geistigen und geschichtlichen Hintergründe, die revolutionären Forderungen, die Literatur

Wenn man über Revolutionäre für Russland spricht, kommt man an einem Mann nicht vorbei, und das ist – so paradox es klingt – Zar Peter der Große (*1672, Regierungszeit 1682 bis †1725). Er schuf die Grundlage für alles, was später geschah. Er „prügelte“ die russische Gesellschaft brutaliter aus ihrer oblomowschen Trägheit: Er schnitt alte Zöpfe und Bärte ab – auch im wahrsten Sinn des Wortes und eigenhändig, nämlich jene der Adligen, der Bojarenfürsten. Er verordnete europäische Kleidung und bestrafte schwer, wer sich nicht daran hielt; er entmachtete die über alles bestimmende Kirche, enteignete Klöster (machte beispielsweise Krankenhäuser und Gefängnisse daraus), zwang die Mönche zur Arbeit, führte Militärreformen durch, führte in der Verwaltung Ränge ein, die es auch Nichtadligen erlaubten vorwärts zu kommen, ging gegen Korruption vor usw. Er reformierte die russische Schrift – latinisierte sie im Schriftbild, strich Buchstaben – und führte eine neue Literatursprache ein, weg vom alten Kirchenslawisch, hin zur Umgangssprache.

Peter der Große öffnete sein Land nach Westen und machte es zu einem Machtfaktor in der europäischen Völkerfamilie.
Als allmächtiger Imperator, wie er sich als erster Zar auch nennen ließ, setzte er seine Reformen mit Gewalt durch (anders war es nicht möglich!), sodass man ihn durchaus einen Revolutionär nennen könnte, einen „imperialen Revolutionär“, wenn es diese Bezeichnung denn gäbe. Er war so wenig zart besaitet wie jeder Revolutionär. Sein Ziel war es, den Staat zu modernisieren, die Gesellschaft umzukrempeln. Das Russland, das er schuf, hatte nur noch wenig mit dem alten Russland zu tun, auch wenn die feudale Ordnung weiterhin Bestand hatte.

Damit begann das 18. Jahrhundert.

In Westeuropa herrschte die Aufklärung, die zum Ziel hatte, den Menschen zu einem selbstbestimmten und vernunftbegabten Leben zu verhelfen; die „ratio“, der Verstand, war gottgleich geworden. Immanuel Kant, Voltaire, Jean-Jaques Rousseau, Gotthold Ephraim Lessing, Christoph Martin Wieland, Denis Diderot, David Hume, Friedrich II. König von Preußen und Kaiserin Maria Theresia von Österreich waren, um nur einige zu nennen, die großen Persönlichkeiten der Zeit.
Auf der Aufklärung baute der Sturm und Drang auf. Dessen Vertreter hoben die „emotio“, das Gefühl, auf ihr Schild, propagierten als letztes Mittel zur Abschaffung von Missständen auch den Tyrannenmord und redeten damit einer Revolution das Wort. Johann Gottfried Herder, Friedrich Maximilian Klinger, der junge Johann Wolfgang Goethe und, quasi als Inbegriff eines „Stürmers und Drängers“, Friedrich Schiller sind hier für Deutschland beispielhaft zu nennen.
1789 wurden aus Worten Taten, die Französische Revolution begann.
Das 18. Jahrhundert endete blutig.

In Russland blieb es in dieser Zeit vergleichsweise ruhig.

Die Schriftsteller und Dichter hier schrieben zunächst vornehmlich in Versform, man lehnte sich in Stil und Sujet stark an die westeuropäische Literatur an. Ihre soziale Stellung war Anfang des Jahrhunderts noch sehr gering; noch Wassili Trediakowskij wurde von einem Adligen ungestraft verprügelt, obwohl er ein großer Dichter seiner Zeit war. Das war nicht verwunderlich war, gab es doch kaum Druckereien, konnte doch kaum jemand lesen. Die Situation änderte sich erst durch die petrinische Bildungspolitik. Sie führte dazu, dass 1755 in Moskau auf Betreiben Michail Lomonossows die erste russische Universität eröffnet wurde (die auch seinen Namen trägt) und Nikolai Michailowitsch Karamsin am Ende des Jahrhunderts schreiben konnte: „…ohne mir in lächerlicher Weise etwas auf mein Autorenhandwerk einzubilden, kann ich mich ohne Verlegenheit in der Gesellschaft von Generälen und Ministern bewegen …“. Bis zur Stellung eines Dostojewski und Tolstoi war es allerdings noch ein weiter Weg.

Leider sind die meisten, wenn nicht gar fast alle russischen Dichter und Schriftsteller des 18. Jahrhunderts aus dem literaturgeschichtlichen Gedächtnis nahezu verschwunden. Im Sammelband Altrussische Dichtung aus dem 11. –18. Jahrhundert, erschienen im Reclam-Verlag, sind allerdings Werke von Antioch Kantemir, Wassili Trediakowski, Michail Lomonossow, Alexander Sumarokow, Nikolai Nowikow, Denis Fonwisin, Michail Tschulkow, Iwan Chemnitzer, Gawrila Dershawin, Alexander Radischtschew (auch: Radistschew)und Nikolai Karamsin aus dem 18. Jahrhundert zu finden.


   M. Lomonossow

Peter der Große legte auf Unterhaltungsliteratur wenig Wert. Ihm ging es um Bildung und Wissenschaft; so wurde Fachliteratur geschrieben und veröffentlicht. In diesem Bereich machte sich Michail Lomonossow einen großen Namen. Oden an den Herrscher (auch hier leistete Lomonossow Erstaunliches) waren selbstverständlich, woraus der Begriff der Hofdichter entstand. Gesellschaftskritische Literatur gewann erst nach und nach an Bedeutung. Antioch Kantemir hatte zwar schon Ende des 17. Anfang, des 18. Jahrhunderts Satiren geschrieben (er gilt als Erfinder der russischen Verssatire), sie handelten jedoch von menschlichen Unzulänglichkeiten und Dummheiten.

Seit Peter dem Großen schickten alle russischen Kaiser – und besonders Katharina die Große (*1729, Regierungszeit 1762 bis †1796) – ihre zukünftigen „Bildungsträger“ ins Ausland (häufig nach Deutschland), wo sie zum Nutzen des russischen Staates studieren sollten. Dort bestimmten jedoch Aufklärung und Sturm und Drang das geistige Leben – Geistesrichtungen, die den absolutistisch Regierenden gar nicht wohl gesonnen waren. Bei ihrer Rückkehr waren diese jungen, tatendurstigen Männer mit den neuen Ideen infiziert; die Satiren wurden schärfer, gesellschaftskritischer und am Ende auch zu revolutionären Schriften.

Einer von ihnen, dessen Schriften für die Dekabristen wichtig werden sollten, war Alexander Nikolajewitsch Radischtschew (auch: Radistschew; *1749, †1802). 1766 schickte ihn Katharina die Große mit einer Gruppe junger Adliger nach Leipzig zum Jurastudium; nach seiner Rückkehr sollte er an der von ihr geplanten Justizreform mitarbeiten. Als er zurückkam, war von dieser Reform keine Rede mehr. Er blieb jedoch im Staatsdienst, wurde befördert und erhielt 1790 gar den Orden des Hl. Vladimir.

1790 erschien sein Werk Reise von Petersburg nach Moskau, ein romanhaft geschriebener, sozialkritischer Reisebericht. In 24 Kapiteln, die den Poststationen auf der etwa 650 km langen Reise entsprechen, erzählt Radischtschew, was er erlebt hat. Er beschreibt Willkür und Elend, denen das einfache Volk ausgeliefert ist, und er klagt an. Er war zwar nicht der erste, der die Missstände in der Leibeigenschaft anprangerte, aber der erste, der die Leibeigenschaft als solche abschaffen wollte – eine Ungeheuerlichkeit, die an den Grundfesten des feudalen Systems rüttelte.
Ein heute nicht mehr ganz leicht zu lesendes, aber in jeder Beziehung interessantes Werk.

Katharina, die noch unter dem Schock der Französischen Revolution (1789) stand, hielt Radischtschew für „schlimmer als Pugatschow“, den Anführer des gleichnamigen Kosaken-Aufstandes (1773–1775). Sie ließ ihn in die Festung einkerkern, als Staatsverbrecher seiner Adelsrechte entkleiden und zum Tode verurteilen; diese Strafe wurde später in eine zehnjährige Verbannung umgewandelt. 1796 erlaubte ihm der Nachfolger Katharinas, Paul I. (*1754, Regierungszeit 1796 bis †1801), zurückzukehren; und dessen Nachfolger wiederum, der liberale Alexander I. (*1777, Regierungszeit 1801 bis †1825), der für die Dekabristen später eine wichtige Rolle spielen sollte, rehabilitierte ihn vollständig.


   Kataharina die Große

Da Radischtschew aber seine Ansichten nicht geändert hatte und in einer Kommission für Reformen bei seiner extremen Haltung blieb, wurde er von einflussreichen Personen bedroht und nahm sich 1802 auf grauenvolle Weise das Leben – er trank Salpetersäure. Er tat dies jedoch nicht aus Angst und Feigheit, der Selbstmord war für ihn eine heroische Konsequenz, weil er seine Grundüberzeugung nicht durchsetzen konnte.
In die westeuropäische Literaturgeschichte ist Radischtschew zwar nicht als Revolutionär eingegangen, immerhin aber als militanter Aufklärer – sozusagen eine Vorstufe zum Revolutionär. In der osteuropäischen (sozialistischen) hingegen wird er als Revolutionär gefeiert.
Die russische Schriftstellerin Olga Forsch (*1873, †1961) hat einen spannenden Roman über Radischtschew und Katharina II. geschrieben, deutscher Titel: Die Kaiserin und der Rebell.

Damit endete das 18. Jahrhundert – das 19. Jahrhundert begann.

1801 wurde Alexander I. neuer Zar von Russland, nachdem sein Vater Paul I. durch adelige Verschwörer umgebracht worden war; Alexander hatte von den Mordplänen allerding nichts gewusst.
Sein Erzieher war ein Schweizer Freimaurer gewesen, der ihn nach den Grundsätzen des Aufklärers Jean-Jaques Rousseau erzogen hatte. Demgemäß war er sehr liberal gesinnt und begann mit Reformen. Russland aber wurde in die Wirren der napoleonischen Kriege hineingezogen. Diese gipfelten im Vaterländischen Krieg (der, wie auch die Dekabristen, Thema von Lew Tolstois großem Werk Krieg und Frieden ist). Napoleon eroberte Moskau, doch es war ein Pyrrhussieg, denn die Russen hatten beim Zurückweichen alle Vorräte verbrannt und Moskau angezündet. Napoleon blieb nur die Flucht, wobei er fast seine ganze Armee verlor. Die russische Armee verfolgte ihn bis nach Paris, das sie zusammen mit ihren Verbündeten 1814 einnahm. Napoleon musste abdanken.
Erst nach dem Wiener Kongress 1815 verließ Alexander I. mit seinem Gefolge Paris.


   A. Radischtschew

In Paris lernten die jungen russischen Offiziere das freie Leben in aufgeklärtem Umfeld kennen; einen krasseren Gegensatz zum Leben in ihrer Heimat konnte es nicht geben. Zudem versprach Alexander I. auf dem Wiener Kongress, in Russland Reformen durchzuführen, schaffte im damals zu Russland gehörenden Polen und anschließend in den Ländern des Baltikums (ebenfalls zu Russland gehörend) die Leibeigenschaft ab und gab Polen eine Verfassung.
Die freiheitlich gesinnten jungen russischen Offiziere, die sich für den Kosakenaufstand unter Pugatschow (1773) sowie für die Ideen der Adelsfronde (inspiriert von Graf Nikita Iwanowitsch Panin, dem Mörder Pauls I.), des russischen Aufklärers Nikolai Iwanowitsch Nowikow (*1744, †1818) und des schon erwähnten Alexander Radischtschew begeisterten, blickten hoffnungsfroh in die Zukunft.
Entsprechend groß waren Enttäuschung und Wut, als Alexander I. nichts, was er für Russland versprochen hatte, einhielt. Im Gegenteil, die Zensur wurde wieder eingeführt und das geheime und offene Polizeiwesen wurde drastisch ausgebaut.

Die jungen, reformbegeisterten und idealistischen Offiziere gingen in den Untergrund, bildeten Geheimbünde und gaben sich reformerische oder sogar revolutionäre Programme. St. Petersburg, Tultschin (in der Ukraine) und viele andere, über ganz Zentralrussland verstreute „Filialen“ waren die Sitze dieser Geheimbünde. Philosophisch-politische Zirkel, „Freie Gesellschaften“, entstanden, und in Moskau der literarische Zirkel „Grüne Lampe“, an dem auch Puschkin bis zu seiner Verbannung teilnahm.

Die Männer der ersten Stunde waren etwa 30 progressive Adlige, meist Offiziere, die sich im Krieg gegen Napoleon ausgezeichnet hatten. Einige Namen: Oberst Pestel, Sohn des militärischen Gouverneurs von Sibirien, Gardeoffizier Nikita Murawjow, Fürst Sergej Trubezkoi, Gardeoffizier Sergej Murawjow-Apostol, General Michail Orlow, der Schriftsteller Major Rajewski, der Schriftsteller Fjodor Glinka – sie alle gehören neben einigen Anderen zu den Dekabristen der ersten Generation. Nach und nach stießen viele Jüngere hinzu, die nicht an den Befreiungskriegen teilgenommen hatten, aber durch Erzählungen und Flüsterpropaganda für die Ideale begeistert wurden – die zweite Generation.
Einig waren sich alle Revolutionäre, dass die absolutistische Monarchie gestürzt werden müsse. Doch die gemäßigten wollten eine Konstitutionelle Monarchie, die radikalen eine Republik, und über den Zeitpunkt des Umsturzes konnte man sich auch nicht einig werden.

1825 starb der überforderte, inzwischen gemütskranke Alexander I. kinderlos. Sein Bruder Konstantin Pawlowitsch (*1779, †1831), Vizekönig von Kongresspolen, wäre der rechtmäßige Nachfolger gewesen. Dieser aber hatte eine Polin geheiratet und wollte lieber in Polen leben. Im Geheimen hatte er schon 1822 gegenüber seinem Bruder Alexander I. schriftlich auf die Nachfolge verzichtet. Da dies aber niemand wusste, legte nach Alexanders Tod die Armee ihren Eid auf ihn ab, auch sein jüngerer Bruder Nikolaus Pawlowitsch (*1796, †1855), der nächste in der Thronfolge. Konstantin wollte sich nicht öffentlich erklären und gab seinen Verzicht nur Nikolaus bekannt. Bei der Armee war jedoch Konstantin beliebter und so befürchtete Nikolaus, als Usurpator dazustehen und eine Revolte zu provozieren; er zögerte, sich als rechtmäßiger Thronfolger zu präsentieren.
Diese Situation, meinten die Revolutionäre, sei der letzte mögliche Zeitpunkt für den Aufstand und schlugen am 14. Dezember 1825 los.
Nikolaus hatte jedoch von Spitzeln und Verrätern aus den Reihen der Revolutionäre von dem geplanten Putsch, der jetzt überstürzt stattfinden musste, erfahren und war gewappnet.
Wie zu erwarten war, schlug der Aufstand fehl, Nikolaus I. trat die Thronnachfolge an und bestrafte grausam. Die Dekabristen, wie sie fortan nach dem Monat ihres Aufstandes genannt wurden, verschwanden in Sibirien; die fünf Anführer wurden gehängt.

Wie bis dato üblich, haben auch die Dekabristen-Schriftsteller bevorzugt Lyrik geschrieben, Prosa – vor allem belletristische Prosa – wurde erst mit dem „späten“ Puschkin und mit Lermontow „modern“. Vor dem Aufstand 1825 haben nur wenige von ihnen überhaupt geschrieben und wenn, dann meist (wie zuvor schon Radischtschew) programmatische Schriften und Essays, die nur für Historiker und Literaturwissenschaftler noch interessant sind. Erst in der Verbannung und danach entstand der größte Teil ihrer Werke – in Versen und und in Prosa.

Einer, der sich schon frühzeitig der Belletristik zugewandt hatte, gern gelesen wurde und sogar die Zeiten überdauert hat, ist der Gardeoffizier Alexander Bestushew, ein Freund Kondratij Fjodorowitsch Rylejews (als Anführer am Galgen hingerichtet) und Mitanführer des Aufstandes. Er wurde zum Tode verurteilt, dann aber zur Verbannung begnadigt, 1829 als gemeiner Soldat in den Kaukasus versetzt (was schon damals ein Himmelfahrtskommando war), 1836 zum Fähnrich befördert. 1837 ist er bei einem Treffen gefallen.
Bestushew gehörte zum Kern der Dekabristendichter, war der erste romantische Dichter Russlands und Puschkin sah in ihm die größte Hoffnung für die russische Prosa.


   A. Bestushew (Marlinskij)

1821 schrieb er einen Bericht über seine im Jahr zuvor gemachte Reise nach Reval (heute: Talliin, Estland), das als Hauptstadt Livlands damals zu Russland gehörte. Mit Eine Reise nach Reval hatte er großen Erfolg und gehörte – gleich mit seinem ersten Werk – zu den anerkannten russischen Schriftstellern.
Das Buch ist auch heute noch – sowohl historisch, als auch literarisch – ein Kleinod russischer Literatur.
Nach dem Aufstand begann Bestushew erst 1831 wieder zu schreiben; unter dem Pseudonym Marlinskij (auch: Bestushew-Marlinski) gehörte er zu den meist gelesenen Autoren seiner Zeit.

Die Werke der meisten Dekabristen-Schriftstellern und der russischen Dichter des 19. Jahrhunderts allgemein sind, abgesehen von den ganz großen, die zur Weltliteratur gehören, heute kaum noch auffindbar.
Herausragend ist die von Gerhard Dudek herausgegebene Sammlung Die Dekabristen, Dichtungen und Dokumente mit einem umfassenden Nachwort und ausführlichsten Anmerkungen. Kaum sonst noch zu findende Lyrik und Prosa und alle wichtigen theoretischen und programmatischen Schriften der Dekabristen sind hier gesammelt.
Um die Dichter vor dem vollkommenen Vergessen zu bewahren, seien die im Buch abgedruckten auch hier aufgeführt:

Iwan Iwanowitsch Koslow (*1779, †1840)
Nikolai Iwanowitsch Gneditsch (*1784, †1833)
Fjodor Nikolajewitsch Glinka (*1786, †1880)
Michail Sergejewitsch Lunin (*1787, †1845)
Nikolai Iwanowitsch Turgenjew(*1789, †1871)
Nikolai Grigorjewitsch Zyganow (*1790, †1831)
Sergej Petrowitsch Trubezkoi (*1790, †1860)
Pawel Alexandrowitsch Katenin (*1792, †1853)
Pjotr Andrejewitsch Wjasemski (*1792, †1878)
Pawel Iwanowitsch Pestel (*1793, †1826)
Orest Michailowitsch Somow (*1793, †1833)
Alexander Dmitrijewitsch Ulybyschew (*1794, †1858)
Kondrati Fjodorowitsch Rylejew (*1795, †1826)
Alexander Sergejewitsch Gribojedow (*1795, †1829)
Wladimir Fedossejewitsch Rajewski (*1795, †1872)
Sergej Iwanowitsch Murawjow-Apostol (*1796, †1826)
Nikita Michailowitsch Murawjow(*1796, †1843)
Alexander Alexandrowitsch Bestushew (Marlinskij) (*1797, †1837)
Wilhelm Karlowitsch Küchelbecker (*1797, †1846)
Anton Antonowitsch Delwig (*1798, †1831)
Iwan Iwanowitsch Pustschin (*1798, †1859)
Jewgeni Abramowitsch Baratynski (*1800, †1844)
Alexander Iwanowitsch Odojewski (*1802, †1839)
Nikolai Michailowitsch Jasykow (*1803, †1846)
Alexander Iwanowitsch Poleshajew (*1804 oder 1805, †1838)
Dmitri Wladimirowitsch Wenewitinow (*1805, †1827)

Weiterführende Literatur im Überblick:

Altrussische Dichtung aus dem 11.-18. Jahrhundert (Sammlung)
Olga Forsch: Die Kaiserin und der Rebell (Roman)
Alexander Radischtschew: Reise von Petersburg nach Moskau (Reisebericht)
Alexander Nikolajewitsch Radischtschew (Radistschew); Stschipanow [Hrsg.]: Ausgewählte Schriften
Gerhard Dudek [Hrsg.]: Die Dekabristen, Dichtungen und Dokumente
Alexander Alexandrowitsch Bestushew (Marlinskij): Eine Reise nach Reval (Reisebericht)
Hans Lemberg: Die nationale Gedankenwelt der Dekabristen (Dissertation)
Joachim Klein: Russische Literatur im 18. Jahrhundert (Literaturgeschichte)
Orlando Figes: Nataschas Tanz (Kulturgeschichte)
Geoffrey Hosking: Russland – Nation und Imperium (Geschichte)
Reinhard Lauer: Geschichte der russischen Literatur – Von 1700 bis zur Gegenwart (Geschichte)

Mehr über die Werke Marlinskijs erfahren Sie in Hanns-Martin Wieteks nächstem Beitrag, der sich mit den revolutionären Schriftstellern nach 1825 beschäftigen und voraussichtlich am 23. Juni hier erscheinen wird.

14. May 2008

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4 Kommentare

  1. Joachim Winsmann schrieb am May 15, 2008:

    Es ist erstaunlich, dass sich außer Gerhard Dudek und Hans Lemberg kein Slavist größere Mühe gemacht hat, zum Phänomen menschlicher Größe (vor allem bei den Frauen der Dekabristen!)und Schwäche in der Generation Puschkins wissenschaftliche Grundlagenarbeit zu leisten. Jedenfalls hat es den Eindruck, wenn man zu diesem Thema recherchiert. Hoffentlich regt dieser Artikel den einen oder anderen Kollegen aus der Zunft an, darüber einmal nachzudenken. JVincey

  2. Das Erbe der Dekabristen, Teil 1 « ZVABlog schrieb am September 15, 2008:

    […] Artikel: Nikolaj Wassiljewitsch Gogol, die russische SeeleDie Dekabristen – Revolutionäre für RusslandDie Dekabristen – Revolutionäre für RusslandDer unbekannte SolschenizynAlexander Issajewitsch […]

  3. Coriolan schrieb am March 3, 2010:

    Herr Wietek – wenn es um das vorrevolutionäre Rußland geht, sollten Sie den Begriff “feudal” unbedingt vermeiden ! Das zaristische Rußland unterschied sich von den Ländern des Westens ja gerade dadurch, daß es NICHT feudalistisch war. Der Feudalismus, so gesehen, war in Westeuropa der Ursprung einer freiheitlichen Entwicklung, die “Glorious Revolution” im England des Jahres 1688 war eine feudale Konterrevolution gegen die Stuart-Könige, die einen Absolutismus nach französischem Muster in England einführen wollten. In Frankreich waren die ersten Vertreter der Aufklärung Angehörige des anti-absolutistischen Adels, der in den sog. Fronde-Aufständen einen Rest an feudaler Autonomie und Polykratie gegen den triumphiernden Zentralismus des Königtums zu retten versucht hatte. Das zaristische Rußland hingegen war, überspitzt ausgedrückt, seit seinen Anfängen die staatsförmige Negation dessen, was die 240jährige Tatarenherrschaft in Rußland an feudalen Strukturen übriggelassen hatte. Zarismus bedeutete zuallererst: Brechung feudaler Partikularmacht, wie sie zur Zeit der Thronbesteigung Ivans des Schrecklichen in den noch immer einflußreichen rurikidischen Bojarenfamilien verkörpert war. Seit der Oppritschnina Ivans des Schrecklichen waren die letzten Überreste mittelalterlicher Feudalität in Rußland geschleift und eine patrimoniale Monarchie an ihre Stelle getreten, die auch über die Reformära Peters des Großen hinaus in ihrer Grundstruktur mehr Ähnlichkeit mit orientalischen Despotien wie dem Osmanischen Reich behielt als mit westeuropäischen absoluten Monarchien.

    Ansonsten haben Sie, finde ich, die Geschichte Rußlands im frühen 19. Jahrhundert gut umrissen.

    Gruß,
    Ihr
    Coriolan

  4. Hanns-Martin Wietek schrieb am March 7, 2010:

    Salve Censor Cato alias Coriolanus!

    Sie haben mich bei einer Nachlässigkeit erwischt!
    Natürlich haben Sie Recht mit Ihrem Einwand, dass Russland spätestens seit Peter dem Großen kein Feudal- oder Ständestaat war. Ich habe das „feudal – feudalistisch“ historisch inkorrekt mehr als quidproquo – im Gegensatz zu demokratisch bürgerlich – verwenden wollen (was viele Leser wahrscheinlich leichter verstehen); imperial klingt nach imperialistisch und assoziiert den falschen Gegenpol, vielleicht verwende ich doch „absolutistisch“, ich muss den Text daraufhin noch einmal prüfen.

    Auf jeden Fall freue ich mich über Ihren Kommentar und Ihre Einschätzung meines Essays und danke dafür.

    Salutem dicit
    Johannes Martinus
    Ceterum censeo societatem esse fovendam


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