Scott O’Dell: Doppelter Bruch mit der Erzähltradition
von Nicola BardolaWer ist der Mann, der 1959 den Klassiker “Insel der blauen Delphine” schrieb, ein Roman, der bis heute Kinder und Erwachsene gleichermaßen fasziniert?
Scott O’Dell wurde als Odell Gabriel Scott 1898 in Los Angeles geboren, studierte Psychologie, Philosophie, Geschichte und Englisch, lektorierte danach Drehbücher und veröffentlichte 1924 eine Aufsatzsammlung über erfolgreiche Stummfilm-Scripts, worauf er von Paramount Pictures engagiert wurde. Er arbeitete in Hollywood auch als Kameramann, u.a. bei den Filmaufnahmen zu Ben Hur in Rom. Italien gefiel ihm so gut, dass er ein Jahr lang dort lebte und einen Roman schrieb, den er jedoch verbrannte. 1934 erschien “Woman of Spain” und nach dem Zweiten Weltkrieg zwei weitere Romane für Erwachsene. Von 1947 bis 1955 arbeitete er als Redakteur für die „Los Angeles Daily News“.
Der Auslöser für seinen Durchbruch als Romancier war Zorn. O’Dell, naturverbunden und tierliebend, wollte mit seiner Geschichte “Insel der blauen Delphine” gegen die Jäger protestieren, “die durch die Landschaft ziehen, in der ich lebe, und alles was sich bewegt abschlachten.” O’Dell hatte nicht die Absicht gehabt, ein Kinderbuch zu schreiben: Erst der Verlag sagte ihm nach Lektüre des Manuskripts, dass sie es als Kinderbuch veröffentlichen wollten. So ist einer der bedeutendsten All-Age-Titel des 20. Jahrhunderts entstanden, ein vielfach preisgekrönter und verfilmter Weltbestseller. In den darauf folgenden 29 Jahren veröffentlichte O’Dell 25 weitere Bücher, jetzt gezielt für Kinder und Jugendliche, u.a. eine Fortsetzung der „Insel der blauen Delphine“. 1984 rief er den “Scott O’Dell Award for Historical Fiction” ins Leben. Der Literaturpreis ist mit 5.000 Dollar dotiert und wird seither jährlich verliehen.
Nach O’Dells Tod 1989 wurde seine Asche von einem Schiff aus vor La Jolla in den Pazifik gestreut. Auf dem gesamten Rückweg bis zur San Diego Bay sollen die Trauernden von einem Schwarm springender und spielender Delphine begleitet worden sein.
Die Entstehungsgeschichte von O’Dells “Kinderbuch-“Debüt ist ebenso erstaunlich wie die Wirkungsgeschichte. Der historisch interessierte O’Dell fand in den 1950er Jahren bei Quellenstudien einen Bericht, in dem von einer Indianerfrau erzählt wurde, die man 1853 auf der unbewohnten Insel San Nicolas, rund fünfundsiebzig Meilen südwestlich von Los Angeles, fand. Man brachte sie in die Missionsstation Santa Barbara, wo ihre Erlebnisse so gut es ging festgehalten wurden. Die Verständigung war schwierig. Sie sprach eine Indianersprache, die niemand mehr verstand, da sie die letzte Vertreterin ihres Stammes und damit auch ihrer Sprache war. Nach einigen Jahren starb die Frau auf der Missionsstation. Sie blieb als „Die Verschollene von San Nicolas“ aktenkundig. O’Dell hat auf der Grundlage der überlieferten Erlebnisse dieser Frau “Insel der blauen Delphine” geschrieben.
In der ersten deutschen Ausgabe im Walter Verlag hieß das Buch noch vollständig: “Insel der blauen Delphine. Das Leben und die Abenteuer des Indianermädchens Karana auf einer einsamen Insel im Pazifik.” Der Geschichte des Indianermädchens Karana, genannt Won-a-pa-lei, diesem außergewöhnlichen Schicksal eines weiblichen Robinson Crusoe, spürte O’Dell auf außerordentliche Weise nach. Dabei gelangen ihm mehrere narrative Innovationen: Sowohl Pater Gonzales, der das Mädchen findet und betreut, und Won-a-pa-lei selbst treten als Ich-Erzähler auf. Das verstärkt die Authentizität suggerierende, von Joseph Conrad inspirierte Erzähl-Atmosphäre und verweist auf die historische Grundlage dieser Geschichte. Bemerkenswert: Der Roman enthält kaum Dialoge - und das aus der Feder eines Drehbuchfachmanns. Der Überlebenswille des Mädchens, sein Umgang mit den Tieren, sein Misstrauen gegenüber Fremden gepaart mit der Bereitschaft zur Freundschaft sind bei der Erstveröffentlichung 1960 in verschiedener Hinsicht Neuerungen, die bis heute überzeugen und begeistern. Nicht ein Junge, sondern ein Mädchen – das von Gonzales so genannte “Robinson-Crusoe-Mädchen“ – ist die Hauptfigur. Vor O’Dell waren Helden von Robinsonaden immer männlich.

“Die Insel der blauen Delfine”
gibt es auch als Hörbuch
Zudem steht erstmals ein Ureinwohner, nicht ein Weißer im Mittelpunkt des Geschehens. Das ist ein doppelter Bruch O’Dells mit der Erzähltradition. Der Autor schildert Won-a-pa-lei als intelligentes, ausdauerndes und kräftiges Mädchen, das damit jedem europäischen Romanhelden ebenbürtig ist. Um zu überleben, muss es sogar die Gesetze ihres Stammes missachten, muss als Frau Waffen schnitzen und jagen. In den fast 50 Jahren seit seinem Erscheinen hat der Roman “Insel der blauen Delphine” nichts von seiner Faszination verloren. Heute ist er Schullektüre und manche Eltern lachen und fiebern mit.
Scott O’Dell beim ZVAB
Abenteuer am Missouri
Black Star und Leuchtende Morgenröte
Das dunkle Kanu
Das Feuer von Assisi
Das verlassene Boot am Strand
Die schwarze Perle
Geh heim, Navaho-Mädchen
Ich heiße nicht Angelika
Ich und Poseidon
Schwertfisch voraus: Die Kreuzfahrt der “Polarstern”
Serena und der Schlangenring
Singe, wenn der Mond untergeht
Sohn des Feuers
Vogelmädchen
Vor dem Richter des Königs
Diese Kolumne erscheint außerdem im
- der Zeitschrift für Kinder- und Jugendmedien.
Stichwörter:
Kinderbücher, Klassiker, Literatur, literaturpreis, Romane, Scott O'Dell15 Kommentare
RSS-Feed für Kommentare dieses Beitrags.



Assam schrieb am 31. Januar 2008:
O´Dell du bist der beste Autor der Welt !!!
Franziska schrieb am 3. März 2008:
In meiner Klasse haben wir diesen Roman gelesen und finden ihn super
Monika schrieb am 10. März 2008:
Das buch ist sehr spannend und Schön
Anonymous schrieb am 10. März 2008:
ALLES SCHEI? BÜCHER
Katharina Kerscher schrieb am 13. März 2008:
Weil es nicht für Kinder geschrieben war und ohne den erhobenen moralischen Zeigefinger auskommt, ist es auch heute noch spannend für alle!
Hans Müller schrieb am 25. März 2008:
Dieses Buch ist unbeschreiblich
ich bin ein kleine fan schrieb am 4. April 2008:
ich finde das buch “die inseel der blauen delphine” sehr gut und spannend geschrieben!
koksschnecke schrieb am 12. April 2008:
hab mich damals in der schule durchgequält obwohl ich schon eine begeisterte leserin war. das ist in meinen augen irgendwie so ein karl may abklatsch für mädchen.
war außerdem eines der ersten beispiele für so total aufgesetze action-pädagogik das ich erlebt habe. alles in allem eine unangenehme erinnerung. aber irgendwie fühl ich mich grad trotzdem ein bisschen wohlig an meine ersten jahre am gymnasium zurückerinnert.
Lisa schrieb am 14. Mai 2008:
Es war sehr spannend!! Ich empfehle es jedem weiter!! Aber die müssen schon 12 Jahre alt sein!!
Ezgi schrieb am 30. Mai 2008:
ich habe die insel der blauen delphine gelesen. es gefällt mir sehr!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
kurdinnnnnnn schrieb am 5. Juni 2008:
oh got ich dachte erst dieses buch wird langweilig , als wir es in der klasse gelessen haben,doch es war voll spannend voll traurig und als wir damit fertig waren dachte ich oh nein so ein spannendes buch werd ich bestimmt nie wieder sehen doch dass unglaublichste ist das die geschichte war ist schade eigentlich was karans b.z.w wo-na-pa-lei so durchgemacht hat
asdcvbhjk schrieb am 13. Juni 2008:
Das 2 buch ( das verlassene boot am strand)von die insel der blauen delphine finde ich richtig traugig!
Rita schrieb am 15. Juni 2008:
das Buch ist einfach nicht zu beschreiben
lili schrieb am 15. Juni 2008:
das karana am schluss stirbt ist echt traurig
ich finde es echt schade
es konnte doch so ein tolles happy end werden
SCHADE!!!!!!
sag ich net schrieb am 25. Juni 2008:
mm das buch is eigentlich ganz cool aber es könnte beser sein ich bin jetzt 12 jahre alt und da habe ich schon ziemlich viele bücher gelesen und das buch Insel der blauen Delphine gefällt mir mit abstand net so gut