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Dank der ZVAB Antiquariate konnten viele Buchverluste wiederbeschafft werden.

von zvab

Am 24. Oktober wurde die Anna-Amalia Bibliothek wiedereröffnet. Am 2. November 2004 wurden über 50.000 Bücher durch einen verheerenden Brand schwer beschädigt – 25 Jahre wird die Restaurierung und Wiederbeschaffung dauern, meint Matthias Hageböck, Restaurierungsleiter der Bibliothek. Das ZVAB hat daher diesen Kulturauftrag mit angenommen und seinerzeit gemeinsam mit den ZVAB Mitgliedsantiquariaten eine Spendenaktion ins Leben gerufen, die stolze 23.383,50 Euro eingebracht hat. Diese Summe ist der Erlös der ZVAB Benefizaktion zugunsten der Bibliothek und entstand durch rund 40.000 Bestellungen. Das ZVAB und 551 ZVAB Mitgliedsantiquariate hatten im Zeitraum vom 20.10.04 bis zum 30.11.04 pro verkauften Artikel ab einem Wert von 10 Euro zusammengelegt und 50 Cent gespendet: 20 Cent kamen vom jeweiligen Antiquar und das ZVAB gab 30 Cent dazu. Von diesem Geld konnten diverse Bücher neu unter anderem über das ZVAB, das bald zu einer der Hauptwiederbeschaffungsquellen der Anna Amalia Bibliothek wurde, angeschafft werden.

Rund 200 Werke aus den Jahren bis ins 17. Jahrhundert im Gesamtwert von 56.000 Euro konnten über ZVAB Mitgliedsantiquariate aus der ganzen Welt angekauft werden. Eine erhebliche Zahl, wenn man bedenkt, dass gerade so alte Bücher immer einmalig sind und bei der Wiederbeschaffung auf verschiedenste Kriterien wie Zustand, Auflage, Herkunft etc. geachtet werden muss und daher nicht jeder wiedergefundene Titel ein gleichwertiger Ersatz gewesen wäre.
Zwei besondere Exemplare der über das ZVAB angeschafften Werke stellen wir Ihnen hier vor und geben Ihnen so einen virtuellen Einblick in die Regale der Bibliothek:

Ein wichtiges Werk des frühen 17. Jahrhunderts wurde von einem ZVAB Mitgliedsantiquariat aus den USA an die Bibliothek geliefert: “Le Prince” von Seigneur de Jean-Louis Guez Balzac aus dem Jahr 1631 enthält einen Brief des Autors an den Kardinal Richelieu, der den als Erneuerer der französischen Sprachen geltenden Balzac als Geschichtsschreiber am Hof eingestellt hatte. Bei dem Titel im Wert von 1.500,00 USD handelt es sich um eine Verteidigungsrede für Louis XIII. und Kardinal Richelieu; das Buch gilt als ein wichtiges geschichtliches Zeugnis aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Der ander Post Reuter” vom 19. Juli 1620, ein Pappband im Stil der Zeit, ist ein seltenes Exemplar, das in den Kontext der Glaubenskriege zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges gehört: Inhaltlich nimmt der unbekannte, wahrscheinlich geistliche Autor Bezug auf frühere, ähnliche Drucke wie etwa den aus dem Italienischen übersetzten “Postreuter” von 1620 und steht in der Tradition vergleichbarer “Postillen” wie zum Beispiel von Rollenhagens “Post Reuter”, einer Beschreibung aktueller politischer Ereignisse aus dem 16. Jahrhundert.

Der vermutlich protestantische Anonymus kritisiert in der hochinteressanten Streitschrift “Der ander Post Reuter” die Unterdrückungspolitik der Habsburger gegenüber dem aufständischen Böhmen, das weltliche Machtstreben des Papstes, die Greueltaten der Spanier in den überseeischen Kolonien und auch den Jesuitenorden. Über ein ZVAB Mitgliedsantiquariat in Nürnberg konnte dieser seltene Titel für 457 Euro angeschafft werden.

24. October 2007

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