Mats Wahls Erzählkunst
von Nicola Bardola1996 wurde Mats Wahl auf einen Schlag in Deutschland berühmt. Drei seiner Bücher waren in verschiedenen Kategorien für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Die Winterbucht, Stockholms breiter Wassergraben zwischen Arm und Reich, der Hauptschauplatz seines gleichnamigen Romans, wurde schließlich ausgezeichnet.
Erzählt wird die Geschichte von John-John, einem dunkelhäutigen, 16-jährigen Schweden aus einfachen und zerrütteten Verhältnissen. John-John muss an vielen Fronten emotional und handgreiflich kämpfen: Die zwei schlimmsten Schlachtfelder werden einerseits vom Freund seiner Mutter dominiert, der John-Johns Schwester vergewaltigt, und von seinem Freund Fighter, der ihn zu kleinkriminellen Handlungen verführt und später Neonazi wird. John-John flüchtet sich an die Schauspielschule und verliebt sich in ein Mädchen aus reichem Haus.
In diesem umfangreichen Roman vereinigt Mats Wahl seine bis heute wichtigsten Anliegen als Autor in ursprünglicher Weise: die Darstellung sozialen Gefälles, der Ursachen für Gewalt, jugendlicher Erotik und das Erzählen einer Liebesgeschichte mit witzigen und zarten Momenten. In einer schnörkellosen Sprache ohne anbiedernden Jugendjargon, geprägt von eingängigen und fesselnden Dialogen (Wahl schreibt auch Drehbücher) beschreibt er schonungslos und direkt das Lebensgefühl von Jugendlichen. Die Pubertät steht dabei im Mittelpunkt, der Lebensabschnitt also, den Wahl hinsichtlich jener Ereignisse analysiert, die oft das ganze weitere Leben bestimmen. Heute noch ist Die Winterbucht eine ideale Lektüre mit großer Sogwirkung vor allem für Jungen zwischen 12 und 16 Jahren, die eigentlich keine Lust auf Bücher haben. Und Mädchen im selben Alter erfahren hier, wie Jungen denken und fühlen.
Mats Wahl gehört zu jenen Autoren, die an einem großen Lebensbuch schreiben: Es sind packende Varianten derselben wahlschen Urgeschichte über Jugendliche in Außenseiterpositionen. Das ist durchaus auch biographisch gemeint, denn Wahls Vita ist oft verwandt mit der seiner Protagonisten und weist Ähnlichkeiten auf zu den Lebensläufen der auf sich selbst gestellten, in schnellem Wechsel mal aggressiven, mal depressiven Jugendlichen, mit denen er als Lehrer arbeitete.
1945 wurde Mats Wahl auf der Insel Gotland geboren, wo er bei seiner Großmutter aufwuchs. Mit zwölf Jahren zog er zu seiner Mutter und ihrem Mann nach Stockholm. Der Ursprung Tausender ergreifender Buchseiten verbirgt sich hinter diesen zwei Zeilen einer Vita, die eine unerschöpfliche Quelle für erzählte Leidenschaft, Ehrlichkeit und Schmerz zu sein scheint. Als Erfahrungsschatz kommen die zehn Jahre seines Lebens hinzu, die er mit schwer erziehbaren Jugendlichen verbrachte. Wenn er immer wieder Varianten ihrer Geschichten notiert, so bemüht er weder das Schicksal, noch transzendierende Erklärungen und schon gar nicht alltagspsychologische Weisheiten. Seine Bücher sind ehrlich. Sie finden keine einfachen Antworten für Kriminalität. Sie stellen aber ihre Auslöser differenziert dar, indem die Protagonisten vielschichtiger porträtiert werden als in Jugendromanen üblich. Die Leser ziehen ihre Schlüsse selbst und erspüren die Ursachen für Fehltritte, Verbrechen und Brutalität.

„Ich kümmere mich um die Story, der Leser muss sich um sich selbst kümmern“, sagt Wahl, der stilistisch stark von Hemingway beeinflusst wurde. Wahl war 16, als sich Hemingway im Sommer 1961 mit einer Schrotflinte das Leben nahm. Der künstlerisch vielseitig interessierte Junge aus Stockholm hatte bis zu jenem Zeitpunkt schon viel gelesen, aber noch keine Zeile des amerikanischen Nobelpreisträgers. Wahl begann mit A farewell to arms und wusste danach, dass er Schriftsteller werden würde. Er erkor den toten Hemingway zu seinem Lehrmeister und lernte, indem er vor allem Hemingways Kurzgeschichten las und analysierte. Wer die Prosa oder sogar die Fotos der beiden Autoren vergleicht, wird darin manchmal denselben bärbeißigen Charme, aber auch verwandte Motive entdecken: Wasser, Meer, Fischen und kämpfende (junge) Männer.
Mats Wahl studierte Literaturgeschichte, Anthropologie und Pädagogik an der Universität in Stockholm. Von 1965 bis 1983 arbeitete er als Lehrer für „traurige und aggressive“ Kinder. Er schrieb vier Sachbücher zur Pädagogik und unterrichtete als Gastdozent in der Erwachsenenbildung Psychologie und Pädagogik. Seit 1983 widmet er sich ganz dem Schreiben. Wahl hat mehr als 30 Romane und Sachbücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geschrieben. Neben Astrid Lindgren ist er wohl der international bekannteste schwedische Kinder- und Jugendbuchautor.
Wahl hat seine zentralen Themen - das Ende der Kindheit, Selbstfindung, Vertrauen und Verrat, Generationskonflikte, Gewalt, Sehnsucht nach Freundschaft, Liebe und die erwachende Sexualität – seit den 90er Jahren gerne auch in literarischen Kriminalromanen dargestellt. Vor kurzem bewies Wahl wieder mit Soap oder Leben, dass er auch abseits jugendlichen Wallanderlandes (Wahls Kriminalkommissar Fors könnte eine Figur Mankells sein) spannend und tiefgründig vom Getriebensein in der Adoleszenz erzählt.
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Stichwörter:
Bardola, Jugendliteratur, Literatur, Mats Wahl, Romane3 Kommentare
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Luise schrieb am 17. April 2008:
hey …
ich bin Luisa(16) und sitze gerade im Informatikunterricht und wir nehmen zur zeit den Roman “Der Unsichtbare” durch.
Es gefällt mir sehr und wir müssen eine Arbeit drüber schreiben …
Ich bin auf diese Seite gekommenw weil wir informationen über herrn wahl herausfinden sollen …
Bussale <3
Anonymous schrieb am 19. April 2008:
hallo, Ich bin die Natascha…Wir Lesen zur Zeit in Deutsch “Der Unsichtbare”.. und bin so auf diese seite gekommen , weil wir über Mats Wahl was rausfinden sollen und vieles mehr…
Hoffe das es noch mehere Bücher geben wird …
Mit freundlichen grüßen
Natascha__-<3
Marco schrieb am 1. Juli 2008:
Hallo,
ich bin Marco… Wir lesen in Deutsch auch gerade das Buch “Der Unsichtbare” von Mats Wahl…
Und ich bin auch nur auf diese Seite gekommen, weil wir etwas über Mats Wahl herausfinden müssen…
Viele Grüße
Maggo