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Anton Philipp Reclam – 200. Geburtstag

von zvab

Als der am 28. Juni vor 200 Jahren in Leipzig geborene Anton Philipp Reclam im November 1867 damit begann, Weltliteratur preiswert in der Reihe Reclam Universal-Bibliothek zu veröffentlichen, konnte er nicht ahnen, dass sie eine unvergleichliche verlegerische Erfolgsgeschichte im deutschen Bildungsbetrieb schreiben würde.

Preiswert waren die Lektüren von Anfang an – dank eines neuen Gesetzes. So galten ab dem 9. November des gleichen Jahres Werke, deren Autoren vor mehr als 30 Jahren verstorben waren, als gemeinfrei, so dass der Verlag weder den Autor vergüten noch Nutzungsrechte bezahlen musste. Der erste Band, der in der Universalbibliothek erschien, war – wie könnte es anders sein – der erste Teil von Goethes Faust, dem „deutschesten aller Dramen“ (Thomas Mann).

Automat am Berliner Hauptbahnhof
  Automat am Berliner Hbf
  fotografiert von Plainvanilla

Bereits 1912 beschritt man neue, für das Medium Buch ungewöhnliche Vetriebswege. Reisende konnten sich an Automaten z.B. an Bahnhöfen kurz entschlossen mit Reiselektüre eindecken, und noch heute finden sich die gelben Heftchen zur geistigen Stärkung zwischen süßen und salzigen Snacks an den einschlägigen Umsteigeplätzen der hektischen Mobilgesellschaft.

Schüler, die vermutlich größte Zielgruppe von Reclamheftchen, haben freilich ein durchaus zwiespältiges Verhältnis zu den, je nach Sprache bzw. Inhalt farblich jeweils entsprechend ummantelten, Dünnpapierkonvoluten. So haben die fein säuberlich mit einem Skalpell heraus getrennten Seiten der deutschen Ausgabe von Cäsars Gallischem Krieg oder Ciceros Reden wohl so manchem Lateinschüler zu Übersetzungsleistungen verholfen, für die die tatsächlichen Kenntnisse der Sprache der Römer mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ausgereicht hätten.

Die schlichte Covergestaltung der Reihe hat zudem Generationen von Pennälern zu mehr oder weniger kreativen künstlerischen Verzierungen der Hefte und häufig auch geistreichen Eingriffen in den Namen des Autors oder Änderungen des Titels verleitet. Dabei ließ sich mehr oder weniger subtil die ablehnende Haltung gegenüber der vom Lehrer aufoktroyierten Lektüre zum Ausdruck bringen. Ein schönes Beispiel für so einen frisierten Titel findet sich sich in Peter Habers weblog.histnet.ch. Friedrich Schillers bürgerliches Trauerspiel wird hier wahrlich durch den Kakao gezogen, denn es trägt den Titel:
Kaba und Liebe.

In meinem Bücherregal befindet sich bis heute Conrad Ferdinand Meyers Stuss von der Kanzel. Besitzen Sie selber auch noch derartige Zeugnisse oder Erinnerungen an solche, mit jugendlichem Elan verfasste, literarische Schöpfungsakte? Dann zögern Sie nicht lange, und teilen Sie sie doch bitte mit uns und unseren Lesern!

26. June 2007

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4 Kommentare

  1. Harald schrieb am June 26, 2007:

    Zu diesem Themenkomplex gab es im Jahr 2000 eine Ausstellung unter dem Titel “Kaba und Liebe”. Hier findet sich der Eröffnungsvortrag.

    Schöne Grüße
    Harald

  2. Kristina Pavlovic schrieb am June 30, 2007:

    Toll, dass man bei zvab etwas über Reclam erfährt!
    Beim Goethe-Institut gibt es auch ein interessantes Quiz zu Reclam unter: http://www.goethe.de/kennensiedie
    Dort erfährt man auch, dass Anton Philipp Reclam an öffentlichen Plätzen Bücherautomaten aufstellen ließ, wo man günstig Weltliteratur, Vorläufer der Reclam-Büchlein, erstehen konnte. Das wäre doch eine Geschäftsidee für heute!

  3. Sascha schrieb am July 1, 2007:

    “Bertelsmann” wenn mich nicht ganz täuscht ging in der Nachkriegszeit anfangs mit kleinen Autobusen von Ort zu Ort um die Leute auf dem lande weiterhin mit Büchern bzw. der guten alten Literatur zu versorgen. Das war ebensfalls eine nette Geschäftsidee 😉

  4. Peter Hastetter (Bücherinsel Brühl) schrieb am October 24, 2008:

    Die Verfremdung durch gelangweilte Schüler schlägt sich auch auf andere Bücher nieder, so auf den “Trichter ohne Henkel” von Dürrenmatt,
    in einem 60er Jahre Atlas fand ich “Muskat von Ostmann” (Maskat und Oman). Aber noch viel schöner sind die Kundenwünsche, wie “Nathan auf der Wiese” oder so ein Reclame-Heft (und die Nachfrage war das denn was kostet)


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