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Roberto Piumini – Das Geheimnis der Osterinsel

von bardola

Die Osterinsel befindet sich rund fünf Flugstunden von Tahiti und fast ebenso weit von Chile entfernt, unter dessen Herrschaftsbereich sie steht. Der italienische Kinderbuchautor Roberto Piumini hat sie bereist und sich seine Gedanken gemacht: „Die Osterinsel liegt so verlassen inmitten des Ozeans wie eine winzige Brotkrume, die dem verloren gegangen ist, der einst die Kontinente knetete …“ Die berühmten Steinkolosse auf der Insel, Zeugen aus einer anderen Welt, richten ihren Blick über die Wellen in die Ferne. Wer hat die 638, ursprünglich wohl über 1000 Moais gebaut und modelliert? Wie kam es dazu?

Motu-Iti

Volkskundler rätseln bis heute ob der mächtigen Skulpturen. Doch Piumini erzählt im Roman Motu-Iti eine einleuchtende Geschichte, deren Atem die Leser schon auf der ersten Seite auf jene Insel weht, irgendwo zwischen dem Südpazifik und der Fantasie. Die Möwen kannten das Antlitz der Menschen als etwas Bewegliches, Veränderliches, das nie zur Ruhe kommt: das Lebendigste in der ganzen Natur. Ihr scharfes Auge, das am Kräuseln der Wellen die geringste Drehung des Windes ablesen konnte, nahm selbst im Gesicht eines schlafenden Menschen eine Fülle von Bewegungen und Veränderungen wahr, in denen sich Freude oder Leid spiegelten.

Der Roman beruht auf Fakten. Bei einer jährlich stattfindenden Regatta wird entschieden, wer am geschicktesten mit dem Meer umgehen kann und wer demnach die Macht über die Insel erhält. Im Roman ist Tou-Ema immer der Schnellste und regiert gerecht über sein Volk. Nach sechs Jahren – er will gerade mit der schönen Kintea-Ni eine Familie gründen – wird er das Opfer einer Intrige, die vom ewigen zweiten Kontuac angezettelt wird. Verbannt auf die nur von Möwen besiedelte Insel Motu-Iti, die südwestlich der Osterinsel vorgelagert ist, hadert Tou-Ema mit seinem Schicksal und entdeckt gleichzeitig, dass die Möwen ihm folgen und er einen wachsenden Einfluss auf sie hat. Allmählich wird Tou-Ema von den Vögeln als Leittier gesehen – eine Macht, die er ausnutzt, um Rache zu üben: Er schickt die Möwen immer wieder zur Osterinsel, wo sie großes Unheil anrichten. Zu spät erkennt der menschliche Leitvogel Tou-Ema die Grenzen seiner Macht. Er kann die Tiere nicht nach Belieben steuern. Die Rache hat sich vervielfacht, hat schreiende Wurzeln in den Himmel geschlagen. Der Fluch wird nun beiden zum Verhängnis: Rächer und Opfer. Kontuac stirbt und Tou-Ema, zur Osterinsel zurückgekehrt, kann nichts weiter tun, als sich auf die Spitze des Vulkans zurückzuziehen und zur Warnung die Trommel schlagen, wenn die Möwen wieder angreifen.
Dieses Poem über Mut und Liebe, Neid und Hinterlist bezaubert und nimmt den Leser seltsam gefangen. Es ist auch eine Legende, die zeigt, dass die Angriffe der Möwen keine Strafe dämonischer Mächte waren. Sie schildert den Hergang der Katastrophe, den Kampf zwischen Aberglaube und Sinn für die Wirklichkeit. Piuminis poetische Kraft, seine klangvolle, wunderbar von Maria Fehringer ins Deutsche übertragene Sprache, ist reich an Metaphern und analysiert doch mit Präzision ebenso mikroskopisch kleine, gegenständliche Eigenschaften wie kaum wahrnehmbare Gemütsregungen.
Piumini erhielt viele Auszeichnungen für Motu-Iti, u.a. den Rattenfänger-Literaturpreis. Bei der Verleihung empfingen Hamelner Schüler mit fantasievoll geschmückten Masken den Dichter aus Italien. Er kam sich deswegen nicht wie eine scharfäugige und angriffslustige Möwe vor, sondern war gerührt und fühlte sich geehrt, weil die Magie seiner poetischen Lebensentwürfe, weil der Funke seines visionären Denkens weithin sichtbar und neue Kreativität auslösend auf die Kinder übergesprungen war.

Eine Welt für Madurer

Wer Ende der 80er Jahre in Italien den damals nur in romanische Sprachen übersetzten Roberto Piumini las (z.B. „Lo stralisco“, 1987, deutsch unter dem Titel Eine Welt für Madurer, 1999), konnte an den Vorbehalten deutscher Verlage gegenüber der angeblich verkitschten italienischen Kinderliteratur verzweifeln.

In weiteren Romanen wie Matti und der Großvater, eines der wesentlichsten und schönsten Kinderbücher über den Tod, oder in Die Diener der bösen Geister, zeigt sich Piuminis außerordentliche narrative Kraft, die sämtliche Vorbehalte einmal mehr Lügen straft.

Der Diener der bosen Geister

Piuminis Bücher sind für Kinder und Erwachsene gleichermaßen lesenswert, denn es gelingt ihnen, wesentliche Themen der menschlichen Existenz aus überraschenden Perspektiven und mit ungewöhnlichen Rahmenhandlungen eindringlich darzustellen.

Der Roman Motu-Iti endet gut: Kintea-Ni hält die ganze Zeit ihre Liebe zu Tou-Ema wach und entdeckt durch Zufall in Form einer kleinen Maske eine Abwehrmöglichkeit gegen die bösen Möwen. Die Masken erschrecken die Möwen, weil sie starr sind. Bald trägt jeder Inselbewohner ein zweites, ein unbewegliches Gesicht aus Rinde bei sich. Und so kam es auch zu den rätselhaften, großen Statuen, die schließlich die Insel von den aggressiven Möwen ganz befreiten.
Kintea-Ni findet gemeinsam mit Tou-Ema die Erfüllung ihrer Liebe und das Inselleben wird wieder wie früher. Der Roman schließt mit diesem Satz des Ich-Erzählers der Motu-Iti-Legende: „Denn das ist das Schreiben: ein Zeichen, ein Ruf an das Denken. Und das Lesen ist die Antwort, die das Denken gibt.“

Roberto Piumini stützt sich für seine Geschichte auf historische Erkenntnisse, u.a. auf den Vogelmannkult. Nahe einer steil abfallenden Klippe der Osterinsel befindet sich die Steinskulptur eines Mischwesens aus Mensch und Vogel, ein gut erforschtes religiöses und politisches Symbol. Und auch die Riten junger Männer, ihre Schwimm- und Ruderwettbewerbe und das Suchen von Vogeleiern sind dokumentiert. Aber nirgends ist der “Ruf an das Denkenâ€? wirkungsvoller als in Piuminis Prosa.

6. June 2007

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1 Kommentar

  1. Toni schrieb am April 4, 2008:

    Ich perönlich denke, das die Skulpturen auf den Osterinseln durch auserirdischen Leben abstammt. Wer sollte sonst, diese fieligranen Muster hergestellt haben? Das ist für mich ein Beweis,das es Aliens giebt. Viele wollen es nicht wahr haben, das es solche Wesen giebt, aber ich glaube fest daran, das es solch ein Leben vorliegt!


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