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Karl Valentin – 125 Jahre

von zvab

“Er ist ein Phänomen und spottet der Analyse. Er ist ein Gespenst und doch ein Münchner”. – Alfred Polgar

Gemeint ist der am 04. Juni 1882 in München/Au geborene Valentin Ludwig Fey, der berühmte bayerische Kabarettist, Komiker und Filmproduzent. Zu seinem Künstlernamen Karl Valentin kam er 1902, als er zum ersten Mal in Nürnberg auftrat.
Im Jahr seiner Geburt starben seine Brüder Karl (8) und Max (6) an der Diphterie, der kleine Valentin überlebte die Krankheit nur knapp. Er besuchte sieben Jahre lang die Schule, die er selbst als “Zuchthausstrafe” erlebte. Neben seiner Schreinerlehre nahm er noch Unterricht im Zitherspielen bei Ignaz Heppner. Durch sein handwerkliches Geschick baute er seine später betretenen Bühnen stets selber. Er zog sich auch gerne mal in die Werkstatt in seinem Haus in Planegg bei München zurück. 2 Jahre lang arbeitete er noch als Geselle in verschiedenen Schreinerbetrieben in München, absolvierte aber bereits kleinere Auftritte, z.B. bei Vereinsveranstaltungen. Nach dem Tod des Vaters übernahmen er und seine Mutter die Spedition “Falk & Fey”. Nebenbei baute er sein Musikinstrument: das “Lebende Orchestrion”, mit dem er sich nach dem Verkauf der Spedition auf Tournee durch verschiedene Städte begab darunter Leipzig, Bamberg, Halle an der Saale und Berlin. Obwohl diese Reise ein Misserfolg wurde, hielt sich Karl Valentin weiterhin als Zitherspieler und Komiker mit Unterstützung vom Druckereibesitzer und Komiker Franz Erlacher und dem Münchener Wirt und Künstler Ludwig Greiner über Wasser.
Der Durchbruch gelang ihm dann endlich als Komiker auf der Volksäsngerbühne des “Frankfurter Hofs” in der Schillerstraße in München.
Dort trat er regelmäßig mit großem Erfolg auf, seine finanzielle Situation verbesserte sich . Er drehte dort seinen ersten Stummfilm, die Ehe-Satire Karl Valentins Hochzeit. Valentin, begeistert von diesem neuen Unterhaltungsmedium, produzierte über 40 kurze, humoristische Streifen. Das Alpensängerterzett hieß das erste Programm (1913) mit seiner langjährigen Bühnenpartnerin (und Geliebten) Liesl Karlstadt. Während des ersten Weltkrieges gab er über 120 Lazarettvorstellungen, trat zusammen mit Karlstadt in allen wichtigen Münchener Kabaretts auf, in den 1920er Jahren auch bei Gastspielen in Berlin, Wien und Zürich sowie auf dem Oktoberfest.
Sein Film Die Erbschaft (1936) über ein Paar in großer Armut wurde von den Nazis aufgrund von “Elendstendenzen” verboten. Da Valentin in der Kriegszeit nicht mehr auftreten konnte, verarmte er zusehends und versuchte sich nach dem Krieg als Verkäufer selbst hergestellter Haushaltsartikel.
Am 9. Februar 1948 starb Karl Valentin, der große pessimistische Komiker, dessen Markenzeichen eine groteske Körpersprache und geistreiche Wortspiele waren, geschwächt von Unterernährung an einer Lungenentzündung. Das Münchener Valentin-Museum (“Lach-Musäum”) am Isartor wurde 1959 mit Teilen seines Nachlasses eröffnet.

Karl Valentin im ZVAB

Karl Valentins Hochzeit (1912 oder 1913)
Die lustigen Vagabunden (1912)
Der neue Schreibtisch (1913 oder 1914)
Die Schönheitskonkurrenz oder: Das Urteil des Paris (1921)
Der entflohene Hauptdarsteller (1921)
Mysterien eines Frisiersalons (1923)
Auf dem Oktoberfest (1923)
Der Sonderling (1929)
Der Feuerwehrtrompeter (1929)
Die verkaufte Braut (1932, erster Tonfilm)
Im Photoatelier (1932)
Orchesterprobe (1933)
Der Zithervirtuose (1934)
Es knallt (1934)
Der verhexte Scheinwerfer (1934)
Im Schallplattenladen (1934)
Der Theaterbesuch (1934)
So ein Theater! (1934)
Der Firmling (1934)
Kirschen in Nachbars Garten (1935)
Musik zu zweien (1936)
Die Erbschaft (1936)
Donner, Blitz und Sonnenschein (1936).
Strassenmusik (1936)
Ein verhängnisvolles Geigensolo (1936)
Die karierte Weste (1936)
Beim Rechtsanwalt (1936)
Kalte Füße/Beim Nervenarzt (1936)
Der Bittsteller (1936)
Ewig Dein (1937)
München (1938)
Der Antennendraht/Im Senderaum (1938)
In der Apotheke (1941)

      
        

4. June 2007

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2 Kommentare

  1. ZVAB schrieb am June 4, 2007:

    Hier der Link zu dem erwähnten Widmungsexemplar.

  2. Bernd Podmi schrieb am July 15, 2009:

    Freut mich, das so zu lesen. Könnte fast von mir sein.


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