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Der schönste erste Satz

von zvab

Alles, was man für einen guten Krimi braucht, ist ein guter Anfang.

Georges Simenon (1903-89)

Und der will erst einmal gefunden werden! Daher gilt ab sofort (und mehr denn je): Nase in die Bücher, stöbern, mailen! Denn die Initiative Deutsche Sprache und die Stiftung Lesen haben ab sofort den Startschuss zum internationalen Wettbewerb „Der schönste erste Satz“ gegeben.

Der Satz darf den verschiedensten Büchern entnommen werden: Ob Sach- oder Fachbuch, Krimi, Schmonzette oder Aufklärungsroman: Der schönste erste Satz kennt keine Grenzen. So haben auch wir uns intern auf die Suche gemacht und die heimischen Bücherregale für Sie durchstöbert. Hier eine kleine private Auswahl der ganz besonderen Lieblingssätze des ZVAB Teams:

Octavio Paz hat Rolf von Rheinbaben mit folgendem Einstieg in La estación violenta begeistert: “Der Anfang ist nach diesem Satz vorbei.”

Dirk Rühaak (Webdesign / Marketing) outet sich als kommunistischer Kafka-Kenner und -liebhaber und hat daher gleich einige Lieblingssätze:

“Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.”
Franz Kafka, Der Prozess

“Es war spät abends, als K. ankam.”
Franz Kafka, Das Schloss

“Als der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte, in dem schon langsam gewordenen Schiff in den Hafen von New York einfuhr, erblickte er die schon längst beobachtete Statue der Freiheitsgöttin wie in einem plötzlich stärker gewordenen Sonnenlicht.”
Franz Kafka, Der Verschollene

“Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.”
Karl Marx / Friedrich Engels, Das kommunistische Manifest.

Dann noch ein Dante-Zitat, mit dem Bret Easton Ellis seinen “Skandalroman” American Psycho einleitet:
“Abandon all hope ye who enter here…”

Und schließlich Holden Caulfield, der sich beeilt, den Leser wissen zu lassen, mit welcher Erzähltradition er nichts am Hut hat:
“If you really want to hear about it, the first thing you’ll probably want to know is where I was born and what my lousy childhood was like, and how my parents were occupied and all before they had me, and all that David Copperfield kind of crap, but I don’t feel like going into it, if you want to know the truth.”
J.D. Salinger, The Catcher in the Rye

Der Lieblingsanfang von Thorsten Wufka (Mitgliederservice) lautet:
“Ich begegnete ihm zuerst in Piräus.”
Nikos Kazantzakis, Alexis Sorbas

Roland Stangl (IT) bekennt sich zu französischem Esprit (und womöglich auch zu seinen Schlafgewohnheiten) indem er folgenden Anfang zum schönsten erkoren hat: “Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.” Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

“Call me Ishmael”, so zu lesen in Herman Melvilles Moby Dick befindet Samuel Tolksdorf (Mitgliederservice) als besondere Zierde unter den Anfangssätzen.

Johanna Bueß (Marketing) haben es Großmamas Enthüllungen angetan: “Dass meine Enkeltochter so schwierig ist, hängt vor allem mit Carls geringer Spermiendichte zusammen.”
Irene Dische, Großmama packt aus

Und Sascha Soheili (Webdesign / Marketing) hält es ganz klassisch mit
Goethes Faust, Der Tragödie Erster Teil:
“Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie!
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh’ ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor;”

Last but not least der folgende Satz; wenngleich er nicht der erste des Buches ist, haben wir einstimmig beschlossen, dass er außerhalb des Wettbewerbs mit einem Ehrenpreis geadelt werden sollte:

“Lo-lee-ta: the tip of the tongue taking a trip of three steps down the palate to tap, at three, on the teeth. Lo. Lee. Ta.”
Vladimir Nabokov, Lolita

Wir freuen uns auf Ihre Ergänzungen!
Ihr ZVAB Team

16. May 2007

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116 Kommentare

  1. alassir schrieb am May 16, 2007:

    Mein schönster erster Satz stammt aus “Die Stadt der träumenden Bücher” (W. Moers):

    “Hier fängt die Geschichte an.”

    Unspektakulär, aber sehr wirkungsvoll

  2. Thomas Lagally (Antiquariat Loehner) schrieb am May 17, 2007:

    “Diese Welt kennt eine andere Zeit.”
    Alan W. Watts, Kosmologie der Freude.

  3. Franz schrieb am May 18, 2007:

    “Ich bin nicht Stiller!”
    Max Frisch, Stiller

  4. Ellinor Lang, Antiquariat Der Rabe, Erlangen schrieb am May 19, 2007:

    “Tief ist der Brunnen der Vergangenheit”.
    Thomas Mann, Joseph und seine Brüder.

  5. saskia schrieb am May 21, 2007:

    Übers Wochenende habe ich auch noch ein paar Schätze ausgegraben:

    “Während die meisten jungen Schotten seines Alters Röcke lüpften, Furchen pflügten und die Saat aussäten, stellte Mungo Park dem Emir von Ludamar, Al-Hadsch’ Ali Ibn Fatoudi, seine bloßen Hinterbacken zur Schau.”
    T. C. Boyle, Wassermusik

    “Das Leben könnte so schön sein.”
    Florian Illies, Anleitung zum Unschuldigsein

    Saskia Müller, ZVAB (PR / Marketing)

  6. Frontzl schrieb am May 21, 2007:

    ja die idee ist schon sehr cool. Leider bzw auch interessanter solen die Sätze nur von deutschsprachigen Autoren komen. insofern sind beispiele wie von American Psycho etc leider hinfällig sonst wäre nmein bester erster satz:
    Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.
    dt Übersetzung, Stephen King, Schwarz

  7. Ludmilla Feuerstein schrieb am May 21, 2007:

    Wenn doch mein Vater oder meine Mutter oder eigentlich beide – denn beide waren gleichmäßig dazu verpflichtet – hübsch bedacht hätten, was sie vornahmen, als sie mich zeugten!

    L. Sterne, Tristram Shandy

  8. Ludmilla Feuerstein schrieb am May 21, 2007:

    Ich muß leider auch das englische Original einfügen – da ist der erste Satz noch weit prächtiger (der deutsche Übersetzer hat die Herausforderung nicht angenommen):

    I wish either my father or my mother, or indeed both of them, as they were in duty both equally bound to it, had minded what they were about when they begot me; had they duly consider’d how much depended upon what they were then doing; – that not only the production of a rational Being was concern’d in it, but that possibly the happy formation and temperature of his body, perhaps his genius and the very cast of his mind; – and, for aught they knew to the contrary, even the fortunes of his whole house might take their turn from the humours and dispositions which were then uppermost: – Had they duly weighed and considered all this, and proceeded accordingly, – I am verily persuaded I should have made a quite different figure in the world, from that, in which the reader is likely to see me.

    L. Sterne, Tristram Shandy

  9. Stefan schrieb am May 22, 2007:

    Gebe der Himmel, daß der Leser, kühn geworden und für den Augenblick so ausschweifend wild wie das, was er liest, seinen abschüssigen, ungebahnten Weg durch die öden Sümpfe dieser düsteren Seiten voll Gift finde, ohne sich zu verirren; sofern er nämlich nicht mit strenger Logik und einer Anspannung des Geistes an die Lektüre geht, die seinem Mißtrauen wenigstens gleichkommt, werden die tödlichen Ausdünstungen dieses Buches seine Seele durchtränken wie das Wasser den Zucker.

    “Die Gesänge des Maldoror”, Comte de Lautreamont

  10. Amadea schrieb am May 22, 2007:

    Äusserst schwierig, denn mir würden hunderte Sätze einfallen aber ganz spontan dieser:

    Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem stärkeren Dasein.

    Duineser Elegien, R.M.Rilke

  11. Christian schrieb am May 22, 2007:

    Ein Satz, den ich schon mindestens zwanzigmal gelesen habe:

    “Es war ein strahlend-kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn.”

    1984, George Orwell

  12. Elsbeth Zylla schrieb am May 22, 2007:

    Kafka bleibt eben Kafka, und Rilke ist Rilke. Aber auch Tolstoi kann gute Anfangssätze:

    “Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche aber ist auf ihre eigene Art unglücklich.”
    (Anna Karenina; Ü: Fred Ottow)

  13. Franziska schrieb am May 23, 2007:

    “Ein Fremder steht vor der Tür. Das bin ich. Genau genommen bin ich nicht nur den Menschen hinter der Tür fremd, sondern vor allem mir selber.”

    Aus: Jan Weiler, Maria, ihm schmeckt’s nicht!

  14. Edi schrieb am May 24, 2007:

    “Im Jahre 1853 kam ich als Totgeburt zur Welt”

    Aus: Carl Larsson / Die Larssons

  15. Ingrid Taudte schrieb am May 24, 2007:

    “Wenn ich den Verstand verloren habe, soll´s mir auch recht sein, dachte Moses Herzog.”

    aus: “Herzog” von Saul Bellow

  16. kulturnation.de schrieb am May 24, 2007:

    Mein schönster erste Satz, leider nicht von mir, sondern von Uwe Johnson: “Aber Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen.”

    Und nur weil dort ein Punkt steht, sind es zwei Sätze, die Robert Walsers “Räuber” einleiten: “Edith liebt ihn. Hievon nachher mehr.”

  17. Amadea schrieb am May 28, 2007:

    Kleine Zwischenfrage zum 3. Lieblingsanfangssatz des Herrn Rühaak.
    Ist dies nicht der Anfangssatz zu Kafkas Heizer/Amerika?
    Oder irre ich mich?

  18. Monika Gesing-Kiwitz schrieb am May 29, 2007:

    Mein schönster Satz lautet:

    “Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.”

    Die Bibel, Gen 1, 1

  19. Dirk Rühaak schrieb am May 29, 2007:

    @Amadea:

    Das ist richtig. Der Titel Amerika stammt allerdings von Max Brod. Kafka selbst nennt in Tagebuchaufzeichnungen und Briefen den Fragment gebliebenen Roman Der Verschollene.

    Interessant ist auch der zweite Satz, denn bei Kafka trägt die Freiheitsstatue in ihrer rechten Hand keine Fackel, sondern ein Schwert:

    Ihr Arm mit dem Schwert ragte wie neuerdings empor, und um ihre Gestalt wehten die freien Lüfte.

  20. Heiner Jahncke schrieb am May 31, 2007:

    Kleine Ergänzung zu Kommentar 18: Zum Thema schöpferisches Handeln im Allgemeinen und – sofern man das nicht als zu profan empfindet – Literatur im Besonderen passt meines Erachtens wohl kaum etwas so gut wie der Anfang des Johannes-Evangeliums: „Im Anfang war das Wort” – wobei das hier übersetzte griechische „logos” ja neben Wort auch Ausdruck, Gedanke, Geist und vieles mehr bedeuten kann, was zum Thema passt.

  21. Draugur schrieb am June 2, 2007:

    “Ihr alle kennt die wilde Schwermut, die uns bei der Erinnerung an Zeiten des Glücks ergreift.”

    Ernst Jünger, Auf den Marmorklippen

    _____

    “Uns ist in alten maeren wunders vil geseit – von helden lobebaeren, von grôzer arebeit. Von vröuden, hochgezîten, von weinen und von klagen – von küener recken strîten muget ir nu wunder hoeren sagen.”

    Anonymer Autor – Nibelungenlied, um 1200

  22. Karin Bottke schrieb am June 6, 2007:

    Als ich den Lieblingssatz von Monika Gesing-Kiwitz vom 29. Mai 2007 las: “Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.”
    war für mich klar, du brauchst nicht mehr weiter suchen. Das IST der schönste erste Satz!

  23. Andreas Glaesel schrieb am June 6, 2007:

    Über dem Herd ist eine kleine Lampe angebracht, damit man das Essen besser sieht.
    (Helge Schneider, Zieh Dich aus Du alte Hippe)
    DAS nenne ich Prosa…wer braucht da noch Hemingway??

  24. Achim Schmidtmann schrieb am June 7, 2007:

    Mein Favorit:
    Jeder von uns ist die Liebe im Leben eines anderen.

    Andrew Sean Greer, “Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli”?

    Der lyrische Start zu einem wunderbaren Roman über ein verkehrtes Leben.

  25. Martina Reuther schrieb am June 12, 2007:

    Ein weiterer Meister der Anfänge und – wenn auch nicht nur deshalb – von mir heiß geliebt: Johannes Bobrowski

    “Was zu erzählen ist vom Tänzer Malige, ist eine Geschichte und fängt an im August 39, in den letzten Tagen dieses Monats, in einer kleinen, vor lauter Unübersichtlichkeiten kaum beschreiblichen Landschaft.”
    Aus: Der Tänzer Malige

    “Man ist für das Leben nicht eingerichtet.”
    Aus: De homine publico tractatus

    “Mond bleibt eben doch Mond, sage ich.”
    Aus: Dunkel und wenig Licht

    Und natürlich nicht zu vergessen:

    “Es ist vielleicht falsch, wenn ich jetzt erzähle, wie mein Großvater die Mühle weggeschwemmt hat, aber vielleicht ist es auch nicht falsch.”
    Aus: Levins Mühle. 34 Sätze über meinen Großvater

    So fängt der Roman an, allerdings liegt dieser Satz quasi v o r dem Erzählen, denn der Erzähler probiert nach den ersten Zeilen aus, mit welchem Satz er anfangen könnte, um richtig verstanden zu werden. Passt auch aus diesem Grund gut zu dieser Sammlung, finde ich!

  26. Gabriele schrieb am June 12, 2007:

    …und wäre jetzt gern bei Dir .
    Dieser erste Satz aus “Licht ” von Chtistoph Meckel kommt mir in den Sinn,wenn ich den ersten schönsten Satz suche . Gabriele am 12.Juni

  27. anna schrieb am June 13, 2007:

    wiewohl doch nicht der schönste, so doch der unglaublichste erste satz;

    Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung tritt am 1. August 2006 in ihrer überarbeiteten Form endgültig in Kraft.

    DUDEN 24. Auflage 2006

    soviel dazu

  28. Katharina Niesmann schrieb am June 13, 2007:

    Vor einem Jahr kam mein Vater auf die denkbar schwerste Weise zu Schaden, er starb.

    Jurek Becker, Bronsteins Kinder

  29. Katharina Niesmann schrieb am June 13, 2007:

    Mir ist noch ein weiterer Satz in die Hände gefallen, sozusagen:

    An diesem Tag begann er, der Zwang, sich zu erinnern.

    Sigrid Damm, Ich bin nicht Ottilie

  30. Marie R. schrieb am June 13, 2007:

    Passend zu dieser feinsinnigen Aktion, überdies passend zum Leben an sich, finde ich folgenden Satz;

    “Diese Geschichte zu erzählen würde eine müßige Nachahmung sein, wenn sie nicht auf einem wirklichen Vorfall beruhte, zum Beweise, wie tief im Menschenleben jede jener Fabeln wurzelt, auf welche die großen alten Werke gebaut sind.”

    Gottfried Keller, Romeo und Julia auf dem Dorfe

  31. Matthias Muer schrieb am June 14, 2007:

    “Jeder bekommt seine Kindheit über den Kopf gestülpt wie einen Eimer. Später erst zeigt sich, was darin war. Aber ein ganzes Leben lang rinnt das an uns herunter, da mag einer die Kleider oder auch Kostüme wechseln wie er will.”

    Heimito von Doderer: “Ein Mord, den jeder begeht”

  32. Helmut schrieb am June 19, 2007:

    Verschiedene Vorschläge:

    “Es war das erste Mal, daß ich meine Hand einer Maniküre anvertraute, weil ich abends ins ´Moulin Rouge´ gehen wollte.”

    Vizconde de Lescano Tegui: “Von der Anmut im Schlafe”

    “Kurz vor ein Uhr betrat ich die Eingangshalle des Gebäudes, in dem ich areitete, und ging zu den Rolltreppen, in der hand ein schwarzes Penguin-Taschenbuch und eine kleine weiße CVBS-Tüte, über deren Öffnung der Kassenbon geheftet war.”

    Nicholson Baker: “Rolltreppe”

    “Immer, soweit ich zurückdenken kann, hab ich das Meer gehört.”

    J.M.G. Le Clezio: “Der Goldsucher”

    “Das Konfektionsgeschäft von Prudence Hautechaume, verwitwete Chauderon, nahm sich zwischen den schönsten Gebäuden des Marktplatzes mit ihren funkelnden Schaufenstern wie eine Jahrmarktsbude aus, eng und schäbig; Prudence säuberte es ind er Karwoche, und den Rest des Jahres über verschwand sie nach und nach mit ihren Gerätschaften und Möblen unter dem gleichen Staub, der sich auf ihre Schaufensterpuppen setzte; zuletzt verriet nur ihre Stimme noch, daß sie anwesend war.”

    Marcel Jouhandeau: “Chaminadour”

    “So lange ein Mann, dem die Natur gleich viel Feuer in die Einbildungskraft und in die Empfindung gelegt hat, die Erfahrungen zu seinen Begriffen blos aus seinem guten Herzen und dem kleinen Zirkel simpathisierender Freunde hernimmt, so lange wird er sich mit schönen Illusionen hintergehen, der Mensch wird ihm ein Geschöpf höherer Ordnung, geschmückt mit den auserlesensten moralischen Vollkommenheiten, und die Welt der reizenden Harmonie, der Zufriedenheit, der Glückseligkeit seyn.”

    Johann K. Wezel: “Belphegor”

  33. Helmut schrieb am June 19, 2007:

    Noch drei weitere:

    “Vor Jahren – ich weiß nicht mehr wann, aber es muß wohl noch gewesen sein, bevor die Dichter anfingen, die Glühwürmchen zu beweinen – wurde mir eines Morgens, während ich das Haus verließ, klar, daß es an der Zeit sei, endlich mit meinem Dorf wieder Frieden zu schließen.”

    Gesualdo Bufalino: “Museum der Schatten”

    “Hoch in der Thebais, auf einem halbmondförmigen, von großen Felsbrocken eingeschlossenen Bergplateau.”

    Gustave Flaubert: “Die Versuchung des heiligen Antonius”

    “Die alten Götter waren tot, jene heiteren, deutlichen und liebenswerten Götter, die man so gern verehrt hatte, weil man wußte, auch in ihren Seelen wohnten der Regungen einige, die den Menschen zu einem Gott und den Gott zum Menschen machen.”

    Wolf v. Niebelschütz: “Der blaue Kammerherr”

    Schöne Grüße,

    Helmut Kaffenberger

  34. Uwe Heckmann schrieb am June 19, 2007:

    Ein paar Vorschläge, willkürlich aus dem Regal gegriffen.

    Die Fahrt von Waterloo Station nach der kleinen Landschaft Ramsgard in Dorset dauert nicht länger als drei Stunden, aber Wolf Solent, der das Glück gehabt hatte, für sich allein ein Kupee zu finden, konnte sich einer solchen Orgie konzentrierten Denkens hingeben, daß sich diese drei oder vier Stunden in eine Zeitspanne ausdehnten, die jedem menschlichen Maß entrückt war.
    John Cowper Powys: Wolf Solent (1929/1930).

    Im Frühjahr 1998 kaufte Bluma Lennon in einer Buchhandlung von Soho eine alte Ausgabe der Gedichte von Emily Dickinson und wurde an der ersten Straßenecke, als sie gerade beim zweiten Gedicht angelangt war, von einem Auto überfahren.
    Carlos Maria Dominguez, Das Papierhaus (2004).

    Wir schießen über den schwarzen Fluß, das flache Wasser ist glatt wie Stein.
    James Salter, Lichtjahre (1975/1998)

    Er hätte besser daran getan, allein seinem Geruchs- und seinem Geschmackssinn zu trauen, und auch nur so weit, wie sie ihn seine eigene Verrottung riechen und schmecken ließen: Was sein Ohr auffing, war durch Angst bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, unter seiner Berührung erhielten die Dinge auf der Stelle eine andere Haut, während seine Augen, sogar weit geöffnet, kaum mehr etwas anderes sahen als das Schauspiel, das sein vergiftetes Hirn für sich selbst inszenierte.
    A, F. Th. van der Heijden, Der Anwalt der Hähne (1990/1991)

    Wenn Aloysius unser Herz verstört, hängen wir kopfunter in der Wirklichkeit.
    Maurice Gilliams, Elias oder das Gefecht mit den Nachtigallen (1936/1997)

    Die Wiege schaukelt über einem Abgrund, und der platte Menschenverstand sagt uns, daß unser Leben nur ein kurzer Lichtspalt zwischen zwei Ewigkeiten des Dunkels ist.
    Vladimir Nabokov, Erinnerung, sprich (1966/1999)

    Ad infinitum fortzusetzen.

    grüße, Uwe Heckmann.

  35. Olivia Kroth schrieb am June 24, 2007:

    Ein schöner erster (und zweiter) Satz aus Rosamond Smith alias Joyce Carol Oates in ihrem Kriminalroman “Das Frühlingsopfer ” (engl. “Nemesis”), New York 1990:

    “Wenn Maggie Blackburn Jahre später an diesen Vorfall zurückdachte, hätte sie sich mit dem Wissen, was daraus werden würde – was sich alles daraus ergeben sollte -, nicht die Frage stellen wollen, ob sie ihre Party an jenem Tag gegeben und dazu die nämlichen Gäste eingeladen hätte.
    Denn die Umstände sind alles, und die Umstände bestimmen das Schicksal, so wie auf einer bestimmten Wahrnehmungsebene sich ein Leben auf eine Verkettung von Minuten gründet, unerbittlich als endloses eingestrichenes C angeschlagen – keine Musik, bloß Klang.”

    Olivia Kroth

  36. Veronika Bachmann schrieb am June 24, 2007:

    Bin heute auf Ihre Seite gestossen und dann war mir als Vielleserin und Buchhändlerin doch sofort klar, es gibt nur diesen einem besten ersten Satz:

    Als Thomas sah, daß die Revolution nicht kam, besann er sich darauf, daß er vor 1968 Architektur studiert hatte, nahm das Studium wieder auf und schloß es ab.

    Bernhard Schlink, aus Liebesfluchten, Zuckererbsen

  37. Veronika Bachmann schrieb am June 26, 2007:

    DANKE!

  38. Veronika Bachmann schrieb am June 26, 2007:

    ich weiß nicht!

  39. Monika Reizlein schrieb am June 27, 2007:

    Buch: “Aber ich vergesse dich nicht”

    Autor: Peter Pohl

    1.Satz: “Hörst du mich! Wenn du wüsstest, wie oft ich deinen Namen denke, wie oft. Wenn du wüsstest, wie sehr ich an dich denke, wie sehr. All dieses Denken muss doch einen Ruf erzeugen, einen Ruf, der nach außen dringt und in dem alles enthalten ist, was sich in mir anstaut.

  40. Lutz Mühlfriedel schrieb am June 28, 2007:

    Schade, dass er nicht deutsch, sondern heute französisch schreibt und in diesem Fall noch tschechisch schrieb – sonst hätte er beim Wettbewerb wohl sicher ein Anrecht auf einen der schönsten Romananfänge:

    “Die Ewige Wiederkehr ist ein geheimnisvoller Gedanke, und Nietzsche hat damit manchen Philosophen in Verlegenheit gebracht: alles wird sich irgendwann so wiederholen, wie man es schon einmal erlebt hat, und auch diese Wiederholung wird sich unendlich wiederholen! Was besagt dieser widersinnige Mythos?”

    Milan Kundera – Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, in der Übersetzung von Susanna Roth

    Mit freundlichen Grüßen aus dem Weimarer Land,

    Lutz Mühlfriedel

  41. Annette Richter schrieb am June 29, 2007:

    Erste Sätze sind beklemmend. Das leise geflüsterte “Last night I dreamd I was in Manderley again.” Daphne du Maurier, Rebecca wird für mich immer ein Satz meiner Jugend sein. Aber den schönsten ersten Satz finde ich ich in Wolf von Niebelschütz “Die Kinder der Finsternis”: Es lag ein Bischof tot in einer Mur am Zederngebirge fünf Stunden schon unter strömenden Wolkenbrüchen.”
    Aber der Satz aus der Literatur, den ich am meisten liebe ist kein erster: Ein Stoßseufzer eines kleinen Gärtnersohnes, der eine Wiese sieht und sagt: “Dem Mai seine oberbayerische Auslegeware ist die schönste der Welt!” Barbara Noak, Der Zwilling

  42. Ilka Lohmann schrieb am June 29, 2007:

    Einer der wohl schönsten “Ersten Sätze” die ich jemals gelesen habe, stammt von Jurij Brezan (“Krabat – oder die Bewahrung der Welt”):

    Es geschah aber, als die Zeit sich häutete nd die Leute glaubten, es sei eine neue Schlange, die da glitzernd hervorkroch – daß der schwarze Mond die Sonne auffraß und die Dinge ihren Schatten verloren. Die Menschen starrten durch dunkle Gläser, der Kauz schrie, die wirkliche Nacht wagte sich heraus, leer, weit und ohne Ende.

    (Ich habe den zweiten Satz noch hinzugesetzt, weil sie meiner Ansicht nach zusammengehören und einen wundervollen ersten Absatz bilden.)

  43. Wibke schrieb am June 29, 2007:

    1913, Anthony Patch zählte fünfundzwanzig Jahre, waren bereits zwei Jahre verstrichen, seit sich – wenigstens theoretisch – Ironie, der Heilige Geist unserer Tage, auf ihn ausgegossen hatte.

    F.SCOTT FITZGERALD: DIE SCHÖNEN UND VERDAMMTEN

    großartig!

  44. Daniel Kazan schrieb am June 30, 2007:

    “Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues.” (Samuel Beckett: Murphy)

  45. Ulrike schrieb am July 6, 2007:

    “Schreibt’s an alle Mauern. H.Carter Gavin, Vizekonsul Ihrer Britischen Majestät in Athen, ist ein Scheißkerl.”

    Aric Ambler “Schmutzige Geschichte”

  46. Karsten schrieb am July 7, 2007:

    “‘So, das war’s!’ Mit diesen Worten begann mein Leben.”

    Aus “Und Gad ging zu David. Die Erinnerungen des Gad Beck”.

  47. arta schrieb am July 12, 2007:

    ich find diese ersten sätze Einblicke richtig spitze!Ich denke dass meiner ned mal so schlecht ist!!

    “Der Typ in diesem Himmel war wenigstens hell auf der PLatte.”
    Barbara Freigang, Keine Engel im Himmel

  48. Bonaventura schrieb am July 12, 2007:

    Siehe auch: http://bonaventura.musagetes.de/?p=243

  49. Faustus schrieb am July 12, 2007:

    Alle ersten Sätze von Erich Hackl, vor allem aber sein erster erster Satz:

    Eines Tages sah sich Aurora Rodríguez veranlasst, ihre Tochter zu töten. (Auroras Anlass)

    Am achtzehnten August 1933 entdeckte der Pförtner des Krankenhauses von Steyr ein schlafendes Kind. (Abschied von Sidonie)

    Vor Zeiten, als die Menschen beim Küssen noch die Augen offen hielten, zum Leuchten nur Glühwürmchen und Pechfackeln hatten und anfingen, sich von zu Hause fortzuträumen – vor eintausenddreihundertdreizehn Jahren also lebte in einem Land, dessen Name mir entfallen ist, das Volk der Goten. (König Wamba)

    Zur Zeit der Militärdiktatur gerirt ein Bürger der Stadt Montevideo, Eduardo Cauterucci Pérez, in helle Aufregung. (Sara und Simón)

    Im Jänner siebenunddreißig wurde der Österreicher Karl Sequens mit einem Oberschenkeldurchschuß in ein Krankenhaus der Stadt Valencia eingeliefert. (Entwurf einer Liebe auf den ersten Blick)

    Heute nacht werde ich von Rudi Friemel träumen. (Die Hochzeit von Auschwitz)

  50. herwig sladek schrieb am July 21, 2007:

    Besser fände ich, wenn all die Schreiber selber entschieden, welchen sie als den besten Anfang empfänden, anstatt uns das Urteilen aufzubürden !
    Mein bester Anfang wäre: “Ich bin nicht Stiller!”
    Aus Max Frisch, “Stiller”

  51. dolcevita schrieb am July 23, 2007:

    Die Ewige Wiederkehr ist ein geheimnisvoller Gedanke, und Nietzsche hat damit manchen Philosophen in Verlegenheit gebracht: alles wird sich irgendwann so wiederholen, wie man es schon einmal erlebt hat, und auch die Wiederholung wird sich unendlich wiederholen.

    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera

  52. Bonaventura schrieb am July 24, 2007:

    Es heißt »ewige Wiederkunft« bei Nietzsche, nicht »Wiederkehr«. Ist auch kein »geheimnisvoller Gedanke«, sondern schlicht ein metaphysischer Unfug. Macht aber nix!

    Soviel zur »Unerträglichen Seichtigkeit des Leims«. 😉

  53. dolcevita schrieb am July 25, 2007:

    Es heißt auch: Zu den Dingen, welche einen Denker in Verzweiflung bringen können, gehört die Erkenntnis, dass das Unlogische für den Menschen nötig ist, und dass aus dem Unlogischen vieles Gutes entsteht.
    Menschliches, Allzumenschliches

  54. Bonaventura schrieb am July 25, 2007:

    Es heißt auch: »von Ohngefähr« — das ist kein guter Adel, ob er schon der älteste ist (KSA 10.545)

  55. David Falstaff schrieb am July 28, 2007:

    “Buchstaben lernen.” so beginnt Benno Meyer-Wehlack’s Lesekind.

  56. Design-Litertaur.de schrieb am August 14, 2007:

    Ein schönes Bild!

  57. cadeirae schrieb am August 20, 2007:

    Es gibt ein Bild von Paul Klee, das Angelus Novus heißt.
    oder aber:
    Das wahre Bild der Vergangenheit huscht vorbei.

    Das sind zwei meiner Lieblingsanfangssätze aus Büchern oder Aufsätzen. Sie bedeuten etwas ganz Besonderes für mich, genauso wie Bücher etwas ganz Besonderes für mich sind.

  58. willi schrieb am August 29, 2007:

    Mitten im Rheinisch-westfälischen Industrierevier liegt – begrenzt durch die Niederschlagsgebiete der Lippe und Ruhr – das Entwässerungsgebiet der Emscher

    Es ist der erste Satz aus dem Buch ‘Fünfzig Jahre Emschergenossenschaft’ und ich finde: besser kann man eigentlich nicht anfangen.

  59. Arielle schrieb am September 14, 2007:

    “Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.”
    Aus dem erstem Teil von Stephen Kings Dunklem Turm-Zyklus, Schwarz.

  60. Trajan schrieb am September 16, 2007:

    “Die Lieder der Toten sind die Wehklagen der Lebenden.”

    Beginn der Eigentlichen Handlung aus dem 2. Teil der “Eragon”-Trilogie von Christopher Paolini.

    Auf mich hat dieser Satz eine sehr besondere…Wirkung,er fasziniert mit düsterer Stimmung und doch beinhaltet er sehr viel Tiefsinnigkeit.Nur mal so nebenbei gesagt^^

  61. Sigmar v. Blanckenburg schrieb am September 17, 2007:

    “Vorausgesetzt, daß die Wahrheit ein Weib ist -, wie? ist der Verdacht nicht gegründet, daß alle Philosophen, sofern sie Dogmatiker waren, sich schlecht auf Weiber verstanden? daß der schauerliche Ernst, die linkische Zudringlichkeit, mit der sie bisher auf die Wahrheit zuzugehen pflegten, ungeschickte und unschickliche Mittel waren, um gerade ein Frauenzimmer für sich einzunehmen?”

    Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse

    So eine wüste Interpunktion kann sich auch nur ein Altphilologe erlauben. Und dabei wischt er die gesamte abendländische Philosophie mit diesem Satz beiseite, so daß der Leser sich gleich fragt, was denn jetzt noch kommen soll.

  62. Regina Berger schrieb am September 18, 2007:

    Zum Augenblicke dürft ich sagen: Verweile doch, Du bist so schön!

    Goethe, Faust II, Fünfter Akt

  63. Konstantin schrieb am September 18, 2007:

    Mein schönster erster Satz ist:
    “Der WInd heulte durch die Nacht und trug einen Duft heran, der die Welt verändern sollte.!

    “Aus Eragon und das Vermächtnis der Drachenreiter”
    von Christopher Paolini

  64. Markus Breu schrieb am September 18, 2007:

    Das Blechdach des Gefängnisses war blau. Sie strichen das Dach des Zuchthauses in Kingston blau bis an den Himmelsrand, und die drei Männer, die da arbeiteten, konnten nach einer Weile die genaue Grenze nicht mehr unterscheiden.

    Blau, Farbe der Ferne, Wunderhorn.
    Der oben stehende Text ist zitiert aus Michael Ondaatje, “In der Haut eines Löwen”

  65. Christian Götz schrieb am September 20, 2007:

    Strapse!Schwarze Strapse!!

    Frank Schulz, Kolks blonde Bräute

  66. karin schrieb am September 24, 2007:

    Ich glaube an Wunder.
    So beginnt die Einleitung in dem Roman “Der lange Abschied des Charlie St. Cloud” von Ben Sherwood

  67. Ralf Walter schrieb am September 25, 2007:

    Ich mag Irmtraud Morgner. Ihre “Amanda” beginnt mit den Worten: “Natürlich drehen sich nicht alle Verstorbenen im Grabe um.”

  68. Fjodor Vermouth schrieb am September 25, 2007:

    Ich muss an dieser Stelle und in diesem Zusammenhang aus Dietmar Daths aktuellem Buch Heute keine Konferenz, das mich die letzten Tage nicht nur unterhielt, sondern einige Anregungen bot, ein Zitat und sein Zitat zitieren und zwar aus dem Kapitel “Der lange deutsche Satz”: […] “Es macht ja wirklich großen Spaß, wenn ein Buch mit »Ich war tot« oder »Du mich auch« anfängt. Wer aber die Kunst der weitausholenden, weltumgreifenden, größenwahnsinnigen Satzkaskade, die man hier früher gern geübt hat, nicht länger würdigt oder gar aussterben lässt, der bringt die Nachwelt um schreiende Schönheiten wie diese Romaneröffnung Rudolf Borchardts: »Dass der Mensch, der noch einen festen Stern hält, sich auch von dem Heiligen, das die Erde zum Sitze von hoffenden Wesen macht, nur um ein ganz geringes zu entfernen vermag, und selbst Verzweiflung und Trotz und unsinnige Zeit ihn endlich nur in einem winzigen Kreise um den langmütigen Arm der Rettung herumführen, dafür sind die Vorgänge ein denkwürdiges Beispiel, durch die dem ehemaligen Rittmeister von x-ten Jägern zu Pferde, Georg von Harbricht, am Ende einer vierjährigen schuldigen Verbindung mit der Tochter des Generals Grafen von Meyenwörth, dennoch keine der hoffnungslosen Stimmungen erspart geblieben ist, mit denen seine tugendhafteren Väter ihrerzeit den schweren Werbegang zu einem spröden Herzen und unnahbaren Mädchenstolze je angetreten haben mochten.«”

  69. Svante Berger schrieb am October 16, 2007:

    diese Seite hier, auf die ich zufällig gestoßen bin, verleitete mich gestern Nacht, die ERSTEN SÄTZE zu kopieren und einfach untereinander zu reihen, nur so zum merken – und vorhin druckte ich mir die Seite aus:

    und sah auf einmal: wenn man das IN EINEN STÜCK liest, wirkt es wie der wunderschöne Anfang eines Besinnungsgedichts und fast wie aus EINEN GUSS –
    . . . und das alles habt Ihr zusammengetragen!

    Grüße von Svantje

    und hier der Text:

    A N F Ä N G E
    • Ich begegnete ihm zuerst in Piräus
    • Der Anfang ist nach diesem Satz vorbei
    • Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen
    • Hier fängt die Geschichte an
    • Diese Welt kennt eine andere Zeit
    • Tief ist der Brunnen der Vergangenheit
    • Es war ein strahlend-kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn
    • Ihr alle kennt die wilde Schwermut, die uns bei der Erinnerung an Zeiten des Glücks ergreift
    • Jeder von uns ist die Liebe im Leben eines anderen
    • Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde
    • Man ist für dieses Leben nicht eingerichtet
    • Und an diesem Tag begann er, der Zwang, sich zu erinnern
    • Immer, soweit ich zurückdenken kann, habe ich das Meer gehört . . .
    • Wer, wenn ich schrie, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem stärkeren Dasein
    • Ich wohne in der Villa Borghese. Hier ist nirgendwo eine Spur von Schmutz; kein Stuhl, der nicht an seinem Platz steht. Wir sind hier ganz allein und wie Tote.
    • Ein Fremder steht vor der Tür Das bin ich Genau genommen bin ich nicht nur den Menschen hinter der Tür fremd, sondern vor allem mir selber
    • Vor Jahren – ich weiß nicht mehr wann, aber es muß wohl noch gewesen sein, bevor die Dichter anfingen, die Glühwürmchen zu beweinen – wurde mir eines Morgens, während ich das Haus verließ, klar, daß es an der Zeit sei, endlich wieder Frieden zu schließen
    • Jeder bekommt seine Kindheit über den Kopf gestülpt wie einen Eimer Später erst zeigt sich, was darin war Aber ein ganzes Leben lang rinnt das an uns herunter, da mag einer die Kleider oder auch Kostüme wechseln wie er will
    • Die alten Götter waren tot, jene heiteren, deutlichen und liebenswerten Götter, die man so gern verehrt hatte, weil man wußte, auch in ihren Seelen wohnten der Regungen einige, die den Menschen zu einem Gott und den Gott zum Menschen machen
    • Die Wiege schaukelt über einem Abgrund, und der platte Menschenverstand sagt uns, daß unser Leben nur ein kurzer Lichtspalt zwischen zwei Ewigkeiten des Dunkels ist
    • Hörst du mich! Wenn du wüsstest, wie oft ich deinen Namen denke, wie oft Wenn du wüsstest, wie sehr ich an dich denke, wie sehr All dieses Denken muss doch einen Ruf erzeugen, einen Ruf, der nach außen dringt und in dem alles enthalten ist, was sich in mir anstaut
    • Die ewige Wiederkunft ist ein geheimnisvoller Gedanke, alles wird sich irgendwann so wiederholen, wie man es schon einmal erlebt hat, und auch diese Wiederholung wird sich unendlich wiederholen!
    • Es geschah aber, als die Zeit sich häutete Und die Leute glaubten, es sei eine neue Schlange, die da glitzernd hervorkroch – daß der schwarze Mond die Sonne auffraß und die Dinge ihren Schatten verloren Die Menschen starrten durch dunkle Gläser, der Kauz schrie, die wirkliche Nacht wagte sich heraus, leer, weit und ohne Ende
    • Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues
    • Die Lesung des Weltgerichts begann mit den Worten: Du bist schuldig
    • Vor Zeiten, als die Menschen beim Küssen noch die Augen offen hielten, zum Leuchten nur Glühwürmchen und Pechfackeln hatten und anfingen, sich von zu Hause fortzuträumen – vor eintausenddreihundertdreizehn Jahren also lebte in einem Land, dessen Name mir entfallen ist, das Volk der . . .
    • Heute nacht werde ich träumen
    • Zu den Dingen, welche einen Denker in Verzweiflung bringen können, gehört die Erkenntnis, dass das Unlogische für den Menschen nötig ist,
    • Das wahre Bild der Vergangenheit huscht vorbei
    • Die Lieder der Toten sind die Wehklagen der Lebenden
    • Der Wind heulte durch die Nacht und trug einen Duft heran, der die Welt verändern sollte!

    * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

  70. Antoniius Stephanus REyntjes schrieb am October 20, 2007:

    Mein erster Satz…?

    Er taucht zweimal in der deutschen Literatur auf; einmal original (ja, bei Jean Paul…!); später als Zitat bei einem heute völlig unbekannten Dichter (einem livländischen)…

    “Die kleine Frühlingsnacht des Lebens verfließe dir ruhig und hell – der überirdische Verhüllte schenke dir darin einige Sternbilder über dir – Nachtviolen unter dir – einige Nachtgedanken in dir – und nicht mehr Gewölk, als zu einem schönen Abendrot vonnöten ist, und nicht mehr Regen als etwa ein Regenbogen im Mondschein braucht!”

  71. Der schönste erste deutsche Satz ist gekürt! « ZVABlog schrieb am November 7, 2007:

    […] Der schönste erste Satz (12462 Leser) Karl Gutzkow: bewegt, zensiert und streitbar. Ein literarisches Leben im 19. Jahrhundert (9438 Leser) Bücher für die „Blöden“ (8593 Leser) […]

  72. gaston.lagaffe schrieb am November 7, 2007:

    ich kann grass nicht leiden. und deshalb, hier ist der allerschönste erste satz:

    “was ist das. -was – ist das…”

    Buddenbrocks, Thomas Mann

  73. Wolfgang Berning schrieb am November 9, 2007:

    Svante Berger. Eine tolle Zusammenstellung wie ich finde, einige kannte ich überhaupt nicht, werde sie mir kopieren, wenn sie erlauben. Habe etwas von der Streeruwitz gefunden:
    Sehr geehrter Dr.Adrian, ich heiße Lisa Lieblich bin 39 Jahre alt und unterrichte an der hiesigen Volksschule.Meine Adresse in den Sommerferien:
    Lisa Lieblich
    Toffen Alm
    Gosauschmied
    Gosau

    na,ja, es geht so.
    Wolfgang Berning,Göttingen

  74. Sebastian Schuck schrieb am November 14, 2007:

    ein schönster erster Satz:

    “Haaallooo! Liest da jemand?”

    Aus SCHUCK (Hrsg.): “Beiträge zum ‘Schönsten Ersten Satz'” (copyright beim Autor!)
    Noch unvollendet – aber hiermit bereits publiziert (eine weitere schönste Eigenschaft dieses äusserst seltenen, geradezu unauffindbaren Werkes; kein Auktionspreis seit deren Aufzeichnung – kein Nachweis in keiner Bibliothek! Praktisch Unverkäuflich!!).. Ohne Einband; bitte als E-Book ausdrucken!
    Und da wir schon soviel Zeit verspielt haben, hier auch der direkt im Anschluss an o.g. 1. Sazt(?) folgende schönste letzte Satz desselben unglaublichen-dafür-umsorealeren Werkes: “… Na dann eben nicht”.
    schön’nn’abendnoch…

  75. Torsten Lüdtke schrieb am December 1, 2007:

    Es ist interessant zu sehen, wie das Leseverhalten und die zeitgenössische Literatur eine solche Auswahl beeinflusst.Ich denke, in die Auflistung gehört auch der erste Satz eines Werkes, das die Weltliteratur und die Weltkunst wie nur noch die Bibel geprägt hat.- Der erste Satz aus Ovids Metamorphosen:

    “In nova fert animus mutates dicere forma
    Corpora. Di, coeptis ( nam vos mutastis et ilas)
    Adspirate meis: primaque ab origine mundi
    Ad mea perpetuum deducite tempora carmen.”

    P. Ovidii Nasonis Metamorphoseon Liber primus

    (“Singen will ich Euch von Seelen, die in neuen Körpern Gestalt fanden. – O Ihr Götter, seid meinem Beginnen hold – denn Euer Wille ist die Verwandlung jener! Beflügelt mich und meinen Gesang, der durch alle Zeiten läuft vom Urgrunde der Welt an bis auf meine Tage.”)

  76. von Dü schrieb am December 9, 2007:

    der Worte sind genug verwechselt

  77. Angelika Stiefvater schrieb am December 10, 2007:

    “Ich bin immer ein Nörgler gewesen.”

    J. B. Priestley

    Gerade erst gefunden – spüre eine starke Seelenverwandschaft….

  78. Ralph Lichtensteiger schrieb am December 16, 2007:

    “This was the year he rode the subway to the ends of the city, two hundred miles of track. He liked to stand at the front of the first car, hands flat against the glass. The train smashed through the dark. People stood on local platforms staring nowhere, a look they’d been practicing for years. He kind of wondered, speeding past, who they really were. His body fluttered in the fastest stretches. They went so fast sometimes he thought they were on the edge of no-control. The noise was pitched to a level of pain he absorbed as a personal test. Another crazy-ass curve. There was so much iron in the sound of those curves he could almost taste it, like a toy you put in your mouth when you are little.” — Don DeLillo, Libra (1988), p. 3

  79. Holger Kopplin schrieb am January 4, 2008:

    Drei schöne erste Sätze von Arno Schmidt:

    “In unserem Wassertropfen: Ein metallisch blauer Kegel kam mir entgegen; im Visierei 2 stumpfe Augenkerne.”
    (aus: “Das steinerne Herz”)

    “Auf die Sterne soll man nicht mit Fingern zeigen; in den Schnee nicht schreiben; beim Donner die Erde berühren: also spitzte ich eine Hand nach oben, splitterte mit umsponnenem Finger das ‘K’ in den Silberschorf neben mir, (Gewitter fand grade keins statt, sonst hätt ich schon was gefunden!) (In der Aktentasche knistert das Butterbrotpapier).”
    (aus: “Aus dem Leben eines Fauns”)

    “Lesen ist schrecklich!”
    (aus: “Was soll ich tun?”)

  80. franbuch schrieb am January 8, 2008:

    “Ein einfacher junger Mann reiste im Hochsommer von Hamburg, seiner Vaterstadt, nach Davos-Platz im Graubündischen. Er fuhr auf Besuch für drei Wochen.”

    Den Punkt dazwischen bitte gnädigst zu ignorieren…

  81. Michael Lürßen schrieb am January 11, 2008:

    Trefft ihr einen Schwarzkopf in grünem Mantel
    einmal auf der Erde, und zwar so, daß er den Hals ge-
    brochen: so tragt ihn in eure Kirchenbücher unter dem
    Namen Giannozzo ein; und gebt dieses Luft-Schiffs-
    -Journal von ihm unter dem Titel »Almanach für Ma-
    trosen, wie sie sein sollten« heraus.

    Jean Paul, Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch

  82. Achim schrieb am January 22, 2008:

    “In aller Gutmütigkeit rumpelte eine hell erleuchtete Straßenbahn um die Ecke.”

    Wilhelm Genazino “Fremde Kämpfe”

  83. Stephanie Drissen-Reyntjes schrieb am January 23, 2008:

    Ernst Wiechert: Die Schachpartie

    Er bekam das Telegramm während der Konferenz.

    (Zuerst veröffentlicht 1931, in: Der Tag. Berlin. 13. Oktober 1931; aus: Ernst Wiechert: Erzählungen. Sämtliche Werke. Bd. 7. München 1957. S. 567-570)

  84. Wolf Arnold schrieb am February 8, 2008:

    “Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.”

    Ernst Bloch, Tübinger Einleitung in die Philosophie

  85. Karl Dietsch schrieb am February 21, 2008:

    Nicht zu übertreffen ist der erste Satz in Karl May´s Winnetou I: “Immer fällt mir, wenn ich an den Indianer denke, der Türke ein.”

    Alle anderen einpacken und auf Platz 2 setzen.

  86. Stephan schrieb am February 23, 2008:

    “Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin.”

    Aus “Small World” von Martin Suter

  87. Svante Berger schrieb am April 5, 2008:

    “Es gibt Menschen, die einen an eine alte Schnupftabakdose erinnern.”

    aus “Schiffe in Liss” von Alexander Grin

    und so geht es weiter:
    “Manchmal nimmt man solch ein Ding in die Hand und betrachtet es mit fruchtbarer Nachdenklichkeit.
    Von einer anderen Generation scheint es zu berichten, uns, der es so fremd geworden ist…..”

  88. Svante Berger schrieb am April 5, 2008:

    Ergänzung zum Beitrag vom 29. Mai:

    „Im Anfang war das Wort,
    und das Wort war bei Gott,
    und Gott war das Wort.“

    Bibel, Evangelium des Johannes 1,1

  89. Kitiamara schrieb am May 11, 2008:

    “Ein Huhn hatte seine Frau gefressen.”

    Gerdt von Bassewitz, “Peterchens Mondfahrt”

  90. Art Goblin schrieb am July 31, 2008:

    “Wenn Aloysius unser Herz verstört, hängen wir kopfunter in der Wirklichkeit wie verzauberte Affen.”

    Maurice Gilliams – “Elias oder das Gefecht mit den Nachtigallen”

    Grandios.

  91. Achim schrieb am September 25, 2008:

    Simon Borowiak – Fast ein medizinisches Fachbuch: “Alk”

    “Die medizinische Fachwelt ist sich einig: Der Rauschzustand ist ein wichtiges Standbein des Alkoholismus.”

  92. Anonym schrieb am October 4, 2008:

    Autor: Ich
    Buchname: Noch geheim 😉

    Mir war kalt und deshalb öffnete ich meinen Mantel.

  93. Christian Lechelt schrieb am December 2, 2008:

    Im wahren Sinne des Wortes führt diese Schrift den Titel eines bloßen Versuches, und der Verfasser ist sich deutlich genug bewußt, daß er mit sehr mäßigen Mitteln und Kräften sich einer überaus großen Aufgabe unterzogen hat.

    Jacob Burckhardt, Die Kultur der Renaissance in Italien, 1860.

  94. Albert schrieb am December 2, 2008:

    Zwei meiner Favoriten:

    “Marseille trug an diesem Morgen die Farben der Nordsee.”
    Jean-Claude Izzo: Aldebaran

    “Das Leben verläuft zumeist wie eine Honigspur an der Innenwand einer Betonmischtrommel, und dann bringen absurde Ereignisse ganz plötzlich die Dinge durcheinander.”
    Jean-Bernard Pouy: Larchmütz 5632

  95. Werner Friedl schrieb am December 3, 2008:

    Der Anfang eines der wunderbarsten deutschen Bücher des 20. Jahrhunderts:

    “Es hieße diese Aufzeichnungen mit Erdichtetem beginnen, wollte ich mich anheischig machen, nach zwanzig Jahren noch an den Tag zu bringen, wer mich auf der nächtlichen Meerfahrt mit ärgerer Tücke gequält hat: der gemeine Menschenfloh in dem von einem Matrosen entliehenen Schlafsack oder der garstige Traumalb, der mich in die Nicolaas Beets Straat nach Amsterdam entführte, wo sich das Grab über einer jungen Frau geschlossen hatte, deren Todesursache ich, Doppelgänger ihres treulosen Geliebten, geworden war.”

    “Ein schichtig-schauerlicher Anfang für ein Buch, könnte man meinen.”

    lautet der zweite Satz, dem nichts hinzuzufügen ist, außer 933 fantastischen, unglaublichen Seiten des Buches “Die Insel des zweiten Gesichts” von Albert “Vigoleis” Thelen.

  96. Doris Jenetzky schrieb am December 3, 2008:

    Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.
    Kafka, Die Verwandlung

  97. Witwe_Bolte schrieb am December 3, 2008:

    Call me Ishmael wäre auch meine Wahl gewesen. Mehr lernen kann man aber aus:
    Early one June morning in 1872 I murdered my father – an act which made a deep impression on me at the time.

  98. Dr. W. Hachenberg schrieb am December 23, 2008:

    Der schönste Anfang eines Romans, einer Zeitreise, eines monumentalen Erlebnisses, ist für mich der Beginn Thomas Manns Josef und seine Brüder:
    ” Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollten wir ihn nicht unergründlich nennen?”

  99. Jens Beringer schrieb am March 3, 2009:

    Der schönste Anfang eines Romanes ist für mich der Beginn in Christian Krachts Roman Ich werde hier sein im Sonnnenschein und im Schatten: “Es war die erste Nacht ohne das ferne Artilleriefeuer, es war die ganze Nacht still.”

  100. Jens Beringer schrieb am March 4, 2009:

    Drei sehr schöne Romananfänge möchte ich noch nennen:
    – “Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin” von Martin Sutter, Small World.
    – “Rattata Rattata Rattata” von Arno Schmidt, Seelandschaft mit Pocahontas.
    – “Vor dem von Doppelsäulchen getragenen Rundbogen des Klostereinganges von Mariabronn, dicht am Wege, stand ein Kastanienbaum, ein vereinzelter Sohn des Südens, von einem Rompilger vor Zeiten mitgebracht, eine Edelkastanie mit starkem Stamm; zärtlich hing ihre runde Krone über den Weg, atmete breitbrüstig im Winde, ließ im Frühling, wenn alles ringsum schon grün war und selbst die Klosternußbäume schon ihr rötliches Junglaub trugen, noch lange auf ihre Blätter warten, trieb dann um die Zeit der kürzesten Nächte aus den Blattbüscheln die matten, weißgrünen Strahlen ihrer fremdartigen Blüten empor, die so mahnend und beklemmend herbkräftig rochen, und ließ im Oktober, wenn Obst und Wein schon geerntet war, aus der gilbenden Krone im Herbstwind die stacheligen Früchte fallen, die nicht in jedem Jahr reif wurden, um welche die Klosterbuben sich balgten und die der aus dem Welschland stammende Subprior Gregor in seiner Stube im Kaminfeuer briet.”, Hermann Hesse, Narziß und Goldmund.

  101. The Avid Amazon schrieb am April 24, 2009:

    Einen besten bzw. schönsten ersten Satz gibt es m.E. nicht, da immer auch Geschmacksache. Entscheidend ist, was der Autor will: einfach eine gute Geschichte erzählen oder so tun, als habe er das Rad der Literatur neu erfunden. Mein Favorit: “Als ich diese Erzählung zu schreiben begann, fing ich mit der Bemerkung an, dass Mademoiselle Claude eine Hure sei.” (Henry Miller: Madame Claude). Kommt gleich zur Sache, macht Lust aufs Weiterlesen und spielt selbstironisch mit den Allmachtfantasien eines Schriftstellers”; mehr geht kaum.

  102. Olivier Senn schrieb am April 25, 2009:

    Ein Vierundzwanzigjähriger, fett, damit das Schreckliche hinter den Kulissen, welches er sah (das war seine Fähigkeit, vielleicht seine einzige), nicht allzu nah an ihn herankomme, der es liebte, die Löcher in seinem Fleisch, da doch gerade durch sie das Ungeheuerliche hereinströmen konnte, zu verstopfen, derart, dass er Zigarren rauchte (Ormond Brasil 10) und über seiner Brille eine zweite trug, eine Sonnenbrille, und in den Ohren Wattebüschel: Dieser junge Mann, noch von seinen Eltern abhängig und mit nebulosen Studien auf einer Universität beschäftigt, die mit einer zweistündigen Bahnfahrt zu erreichen war, stieg eines Sonntagnachmittags in den gewohnten Zug, Abfahrt siebzehnuhrfünfzig, Ankunft neunzehnuhrsiebenundzwanzig, um anderentags ein Seminar zu besuchen, das zu schwänzen er schon entschlossen war.

    Friedrich Dürrenmatt – “Der Tunnel”

  103. Petra Dehn schrieb am May 5, 2009:

    Der erste Satz aus Jens Beringers Roman “Der Psychopath – die Sezierung des M…” – Zugegeben: Ich verbrachte einen großen Teil meines Lebens in Zucht- und Irrenanstalten, meine Vorgesetzten beobachteten mich, ließen mich kaum aus den Augen, bis ich selbst der Direktor wurde. – gefällt mir sehr gut. Unmittelbar danach erfasste mich (anders als bei einigen anderen Büchern) der tiefe Drang das Buch zu Ende zu lesen.

  104. Anja Dorscheid schrieb am September 16, 2009:

    “I had a farm in Africa at the foot of the Ngong Hills…” von Karen Blixen.

    Das ist mein schoenster erster Satz; als ich das zum ersten Mal gelesen habe, wollte ich sofort die Koffer packen und nach Afrika ziehen ….

  105. louisferdinand schrieb am November 8, 2009:

    “Gerechtigkeit? – Gerechtigkeit gibt’s im Jenseits, hier auf Erden gibt’s das Recht.”

    Erster Satz aus William Gaddis’ “Letzte Instanz” (Rowohlt; 1996)

  106. Kuno schrieb am November 27, 2009:

    “It was the afternoon of my eighty-first birthday, and I was in bed with my catamite when Ali announced that the archbishop had come to see me.”

    Erster Satz aus “Earthly Powers” von Anthony Burgess – die deutsche Übersetzung unter dem Titel “Der Fürst der Phantome” liegt mir gerade nicht vor.

  107. Norina schrieb am December 14, 2009:

    “Seine Hand spürte das Gesicht, aber sein Gesicht spürte die Hand nicht.” von Martin Suter aus “Ein perfekter Freund”

  108. Klaus Oelker schrieb am June 22, 2010:

    “Paris, 23. April 2006.
    Es war ein sonniger Sonntagmorgen, ich lag noch im Bett, im Zimmer eines kleinen Hotels nahe dem Boulevard Haussmann, mit einer für mein Alter passablen Erektion, Nachwirkung eines erotischen Traumes.”
    Von Peter A. Bruns, Roman: “Australia mon amour”

  109. Engelbert Hörmannsdorfer schrieb am April 14, 2011:

    “Ort: Sitzungssaal des Kabinetts der Bundesregierung im Kanzleramt in Bonn.”
    Von Ferdinand Simoneit aus “Indiskretion Ehrensache”

  110. Sascha schrieb am May 18, 2011:

    Sturm & Drang “meets” Klassik! 🙂
    A bisl was von allem, bayrisch inklusive!

  111. Natali Vasilutova schrieb am May 23, 2011:

    “Sex, Sex, Sex. Wo man hinsieht, überall Sex.”
    Vorwort des Mitautors Thomas Hartl aus “Männer – Die ganze Wahrheit”

  112. Klemens KLINKAU schrieb am June 16, 2011:

    “An einem Novemberabend bekam ich (der Leutnant der Reserve liegt als längst abgetan bei den Papieren des deutschen Heerbanns), Oberregierungsrat Dr. jur. K. Krumhardt, unter meinen übrigen Postsachen folgenden Brief in einer schönen, festen Handschrift, von der man es kaum für möglich halten sollte, dass sie einem Weibe zugehöre. (W.Raabe, die Akten des Vogelsangs).

  113. Anton schrieb am September 13, 2011:

    Beide Romane von Lawrence Sterne haben geniale erste Sätze – hier ist der andere:

    “In Frankreich”, sagte ich, “versteht man sich besser darauf.”

    (man erfährt nie, worum sich dieses Gespräch drehte! Sterne: Yorick’s empfindsame Reise. Er hat zudem eines der besten Roman-Enden, die ich kenne)

  114. Bumm schrieb am November 27, 2011:

    “In einem der Hauskolosse der Gorochowaja, dessen Bevölkerung für eine ganze Kleinstadt gereicht hätte, rekelte sich eines Morgens Ilja Iljitsch Oblomow, Inhaber einer eigenen Wohnung, in seinem Bette.” (Erster Satz von Gontscharows “Oblomow”)

  115. Werner Müller schrieb am December 18, 2011:

    Die Sonne schien, weil sie musste, auf nichts Neues.

  116. Ich schrieb am March 2, 2012:

    So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich würde eher meinen, es stürbe sich hier.
    (Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge)

    Wir waren irgendwo bei Barstow am Rande der Wüste, als die Drogen zu wirken begannen.
    (Hunter S. Thompson: Fear and Loathing in Las Vegas)

    Alle sagen: der Kreml, der Kreml. Alle haben mir von ihm erzählt, aber selbst habe ich ihn kein einziges Mal gesehen.
    (Wenedikt Jerofejew: Die Reise nach Petuschki)

    Das beste wäre, die Ereignisse Tag für Tag aufzuschreiben. Ein Tagebuch zu führen, um klarzusehen.
    (Sartre: Der Ekel)

    Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschaltet war.
    (William Gibson: Neuromancer)


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