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Erzabtei Beuron: Die Klosterbibliothek beim ZVAB

von Larissa Dawirs

Seit mehr als 15 Jahren gehört die Bibliothek der Erzabtei St. Martin in Beuron zu den ZVAB-Partnern – beinahe seit den Anfängen in den 1990ern. Das Angebot umfasst eine breite Auswahl aus den Bereichen Spiritualität und Theologie, aber auch Kunst und Geschichte.

Die Erzabtei wurde ursprünglich im Jahr 1077 als Augustiner-Chorherrenstift gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude durch die Benediktiner wiederbesiedelt.

Die Bibliothek des früheren Augustiner-Chorherrenstiftes ging bei der Säkularisation verloren, die jetzige Sammlung wurde ab der Neugründung 1863 nach und nach aufgebaut. In den 20er Jahren fand eine Reorganisation statt: das Magazin wurde neu gebaut, die Aufstellung neu geordnet und die Bestände neu katalogisiert. Seitdem wurde die Bibliothek mehrfach erweitert. Heute umfasst sie ca. 405.000 Bände, davon 165 Inkunabeln, 236 Handschriften, 169 Musikhandschriften und ca. 500 laufende Zeitschriften.

Buchgeschenke oder -spenden führen immer wieder zu Dubletten im Bestand. Aus diesem Grund hat die Erzabtei von einigen Wochen zum ersten Mal einen Bücherflohmarkt ausgerichtet. Wir nehmen dieses Event zum Anlass, einen unserer außergewöhnlichsten Händler vorzustellen. Bruder Petrus Dischler, einer der beiden Bibliothekare, hat dem ZVAB daher ein paar Fragen beantwortet:

Die Bibliothek ist die größte Privatbibliothek des Landes, wie hoch ist der Aufwand für die Betreuung? Gibt es auch Mitarbeiter von außen?

Wir sind 2 Brüder für die Betreuung der Bibliothek –  allerdings haben wir auch noch andere Aufgaben im Hause Gottes. Die finanziellen Mittel kommen aus der Klosterkasse und evtl. aus Spenden. Für Personal haben wir keine Aufwendungen.

Welche Besonderheiten gibt es gegenüber öffentlichen Stadt- oder Universitätsbibliotheken?

Anders als in öffentlichen Einrichtungen ist eine Benutzung durch Personen von außen nur nach Voranmeldung möglich. Unser Scriptorium ist dennoch regelmäßig gut gefüllt.

 

Welche Sammelschwerpunkte verfolgen Sie?

Theologie. Im speziellen Patrologie, Liturgie, Exegese. Außerdem interessieren uns auch die Themen Kunst und Geschichte, speziell die Kirchengeschichte und monastische Geschichte.

Und welches ist das bedeutendste Stück in Ihrer Sammlung?

Die „Vita Liudgeri“ ist eine Besonderheit –  das ist eine seltene Handschrift aus der Zeit vor 1000 n. Chr.

Ungefähr 200 Bände der Bibliothek des früheren Augustiner-Chorherrenstiftes sind im Laufe der Zeit wieder Teil der Bibliothek geworden. Gibt es ein besonderes Stück in dieser Sammlung?

Dieser Bestand ist in sich wertvoll. Da kann man keinen bestimmten Band benennen.

Woher stammt die Idee einen gemeinnützigen Bücherflohmarkt auszurichten?

Da wir immer wieder Büchergeschenke erhalten, gibt es auch immer wieder Dubletten. Wir versuchen diese in unserer Buchhandlung und im Gästebereich an den „Mann“ und die „Frau“ zu bringen. Da die Flut aber doch etwas größer ist, haben wir auch schon an unserem „Klosterfest“, das alle zwei Jahre stattfindet, einen Büchertisch präsentiert. Danach ist die Idee aufgekommen, in dem Jahr dazwischen die Bücher einem interessierten Publikum zu präsentieren und den Erlös für einen guten Zweck im lokalen Umfeld zur Verfügung zustellen. In diesem Jahr haben wir uns für die „Obdachlosenhilfe in Sigmaringen“ entschieden.

Wird der Flohmarkt nun ein wiederkehrendes Event werden?

Das wird sich zeigen, aber wir haben diese Möglichkeit schon in Erwägung gezogen…

 

Herzlichen Dank für das Interview!

12. July 2016

“Von Gutenberg bis Zuckerberg”

von Larissa Dawirs

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Unter diesem Motto findet vom 24. – 25. September 2016 die 1. Inter-nationale Antiquariatsausstellung und Messe in Budapest statt. Im Rahmen der 42. ILAB Congress & Fair werden Antiquare aus der ganzen Welt das erste Mal die Gelegenheit haben, ihre Raritäten in der ungarischen Hauptstadt einem breiten Publikum zu präsentieren.

Budapest war schon immer eine der faszinierendsten Buchmetropolen Europas. Ein ganzes Wochenende können die Besucher antiquarische Raritäten vor der Kulisse des Pester Redout (Vigadó) – direkt an der Pester Donau-Promenade gelegen – bewundern.

Das Angebot wird vielfältig: Neben ungarischen Antiquaren haben sich bisher Aussteller aus Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und Österreich angemeldet.

“Die Messe richtet sich an jedes Sammelinteresse und jeden Geldbeutel!”

An beiden Tagen kann die Messe von 10 – 18 Uhr besucht werden – der Eintritt ist frei. Ein Besuch kann jederzeit mit der Besichtigung des historischen Gebäudes verknüpft werden und das Publikum wird außerdem die Möglichkeit haben, eigene antiquarische Bücher vor Ort schätzen zu lassen.

Hier finden Sie detaillierte Informationen über die Ausstellung und Anmeldung. Außerdem gibt es laufend Neuigkeiten auf Facebook und auf Twitter.

Wie wäre es mit einem Wochenendtrip nach Budapest im September?

1. July 2016

Alte Fotografien sammeln

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Vermutlich war der junge Fotograf Louis Dodéro aus Marseille der erste seines Berufsstandes, der ein kleines Porträtfoto auf seine Visitenkarte klebte, um für sein Geschäft Werbung zu machen. Kleinere Formate kosten weniger und würden sich besser verkaufen lassen, so seine Überlegungen.

Kabinettfoto, um 1895. Fotograf: Globus Atelier, Berlin.

Kabinettfoto, um 1895. Fotograf: Globus Atelier, Berlin.

Eine Kamera mit vier Objektiven machte gleichzeitig acht Aufnahmen

Diese bahnbrechende Idee setzte aber ein anderer Franzose in wirtschaftlichen Erfolg um: der bis zu diesem Zeitpunkt nur mäßig erfolgreiche Porträtfotograf Adolphe Eugéne Disdéri (1819-1890). Am 27. November 1854 wurde seine speziell für billige Kleinporträts konstruierte Nassplattenkamera patentiert. Die mit vier Objektiven bestückte Kamera nahm auf einer Kollodiumplatte gleichzeitig acht Aufnahmen auf. Dadurch senkte er die Kosten für das einzelne Bild drastisch und machte Porträtfotos auch für den kleinen Mann bezahlbar. Er klebte die Bilder, die eine Größe von etwa 6 x 9,5 cm hatten, auf Kartons von 6,5 x 10,5 cm. Sie erhielten dadurch das Format einer damaligen Visitenkarten und hießen ab sofort nur noch Carte-de-Visite-Fotos.

Napoleon III. sorgte für Millionen Porträtfotografien

Allerdings dauerte es dann noch einige Zeit, bis die neuen Fotos vom Publikum auch angenommen wurden. Disdéri wartete in seinem Atelier in Paris meist vergeblich auf Kundschaft. Erst 1859 änderte sich dies schlagartig: Kaiser Napoléon III. ließ sich von Disdéri porträtieren. Und über Nacht war der Fotograf in aller Munde und die neue Technik trat ihren Siegeszug an.

Kabinettfoto, um 1895. Fotograf: Louis Frohwein, Strassburg i.E.

Carte-de-Visite, 1895. Fotograf: Louis Frohwein, Strassburg i.E.

Millionen Menschen liessen sich in den Fotoateliers in ganz Europa, in den Vereinigten Staaten und in Russland ablichten. Die Fotos wurden leidenschaftlich zwischen Familienangehörigen und Freunden geteilt. Man gab sein Carte-de-Visite-Foto bei Besuchen ab und verteilte sie bei Feiern und an Festtagen. So entstand das Erinnerungsbuch oder Familienalbum, das man stolz seinen Besuchern zeigte. Die Fotos wurden einfach in die dafür vorgesehenen Schlitze hinter ein Passpartout gesteckt. Damit entfiel das bisherige mühsame Aufkleben der Bilder.

Zum Foto das passende Album – Carte-de-Visite-Alben überschwemmten den Markt

Der Markt wurde mit Carte-de-Visite-Alben schnell förmlich überschwemmt. Es gab einfache Ausführungen, die sich jeder Haushalt leisten konnte und regelrecht Luxusexemplare aus Leder, Plüsch, Stoffen oder Samt mit kostbaren Schließen und Verzierungen aus Bein, Perlmutt, oder sogar Edelsteinen. Viele dieser Alben haben die Zeiten überdauert und sind heute gesuchte Sammlerobjekte. Es gibt sogar Stücke mit eingebauten Spieldosen oder Uhren.

Kabinettfoto, um 1900. Fotograf: Atelier Pohl, Chemnitz.

Kabinettfoto, um 1900. Fotograf: Atelier Pohl, Chemnitz.

Werbewirksame Rückseiten – kunstvolle Reklame für Fotografen

Die geschäftstüchtigen Fotografen entdeckten schnell die Reklamewirksamkeit der Rückseiten der Carte-de-Visite-Fotos und verwendeten sie schon bald als Werbefläche für ihre Eigenwerbung. Anfangs wurden nur einfach Stempel verwendet, doch schon bald wetteiferten die Lichtbildkünstler um die prachtvollsten Aufdrucke. Der Ateliername wurde mit Blumenranken geschmückt, umrahmt mit Vögeln, Putten und Ornamenten oder auch mit Abbildungen von Kameras und dem Fotografen bei der Arbeit.

Werberückseite, um 1895. Fotograf: A. Jandorf & Co., Berlin.

Werberückseite, um 1895.
Fotograf: A. Jandorf & Co., Berlin.

Man prahlte mit errungenen Auszeichnungen, Medaillen und adeliger Kundschaft. Damals war Deutschland ja noch in zahlreiche kleine Länder, Fürstentümer und Staaten zersplittert und so gab es manchen Hof-Fotografen. Diese überaus kitschig bis kunstvoll gestalteten Rückseiten sind oft interessanter als die Porträt-Fotografie auf der Bildseite. Und viele Carte-de-Visite-Fotos werden heute gerade wegen ihrer Rückseiten gesammelt, die viele Rückschlüsse auf die Fotografiegeschichte zulassen.

Sammlerpreise für Carte-de-Visite-Fotos und -Alben

Die Preise für Carte-de-Visite-Fotos hängen sehr stark vom abgebildeten Motiv, dem Fotografen und der gestalteten Rückseite ab. Das Spektrum reicht von unter 5 Euro bis zu etwa 100 Euro. Spitzenstücke erzielen auch höhere Preise. Bei den Alben (ohne Fotos) bewegen sich die Preise zwischen 20 bis weit über 1.000 Euro. Gerade bei den Alben sollten Sie auf den Erhaltungszustand achten. Häufig sind die Papp-Stege, die die Bilder halten, eingerissen oder fehlen sogar ganz. Beim Einstecken der Fotos sollte man sehr vorsichtig sein, da diese schmalen Papp-Stege sehr empfindlich sind.

Kabinettfoto, um 1900. Fotograf: Ernst Rost, Dresden.

Kabinettfoto, um 1900. Fotograf: Ernst Rost, Dresden.

Es gibt noch zahllose Carte-de-Visite-Fotos auf Flohmärkten, im Handel und bei Online-Auktionen. Eine Spezialisierung auf ein Gebiet ist sinnvoll, da man sonst von der Vielzahl an Material förmlich erschlagen wird. Sammeln Sie doch Fotos von Fotografen aus Ihrer Heimat oder nur Bilder von Uniformierten oder von Männern mit Vollbärten. Ihr Geldbeutel wird es Ihnen danken.

Die Fotosammlung des Münchner Stadtmuseums

Die Sammlung Fotografie im Münchner Stadtmuseum hat eine große Sammlung zum Thema Carte-de-Visite-Fotografie. Neben über 2.500 Alben umfaßt die Sammlung zahllose Carte-de-Visite-Fotos und andere Belege zum Thema.

Einkaufsquellen für Sammler

Im ZVAB gibt es zahlreiche alte Original-Fotografien zu entdecken. Weitere Bezugsquellen sind natürlich Flohmärkte und die bekannten Online-Auktionshäuser. Hier kann man noch manchmal Schnäppchen machen, wenn man ganze Konvolute kauft. Übrigens werden in Kleinanzeigen oder auch bei ebay Carte-de-Visite-Fotos gern mit CDV abgekürzt. Kontakt zu anderen Sammlern können Sie über das SammlerNet.de knüpfen. Hier finden Sie bestimmt auch den einen oder anderen Tauschpartner.

29. June 2016

Umfrage zum Thema “Warenpräsentation im Antiquariatsbuchhandel”

von Larissa Dawirs
Bücher-Schaufenster

Liebe Leser, wir möchten Ihnen heute eine Studentin aus Leipzig und ihr Projekt vorstellen!

Sophie Sander studiert an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig den Studiengang Buchhandel & Verlagswirtschaft. Das Thema ihrer Bachelorarbeit ist “Warenpräsentation im Antiquariatsbuchhandel”. Sie beschäftigt sich darin mit der Frage nach der optimalen Warenpräsentation und den Erwartungen der Zielgruppe:

“Die Umfrage thematisiert die Warenpräsentation im stationären Antiquariatsbuchhandel und bildet die Grundlage für meine Bachelorarbeit. Ich möchte herausfinden, welche Erwartungen die Kunden an die Antiquariate haben. Ich stelle also eine Reihe Fragen darüber, was ihnen am Antiquariat gefällt oder missfällt und gebe Raum, eigene Präferenzen zu erläutern oder Anregungen zu geben. Anhand der Aussagen der Studienteilnehmer möchte ich analysieren, wie zufrieden diese sind und gegebenenfalls Handlungsvorschläge erarbeiten.”

Da es sich um ein sehr interessantes Thema handelt, kommen wir der Anfrage den Link zu der Umfrage zu veröffentlichen gern nach.

Hier geht es zur Umfrage!

Wir hoffen auf eine rege Teilnahme! Kommentare können Sie am Ende der Umfrage direkt an Frau Sander senden, alle Kommentare im Blog leiten wir gern weiter.

Viele Grüße

das ZVAB-Team

21. June 2016

ZVAB Veranstaltungstipp – MISS READ: The Berlin Art Book Fair

von Kristina Krämer

Freunde von Künstlerbüchern sollten sich die Tage vom 10. bis 12. Juni schon einmal dick im Kalender anstreichen. In diesem Zeitraum findet nämlich die MISS READ, Deutschlands größte Messe für Künstlerbücher statt.

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© MISS READ

Über drei Tage hinweg wird die Akademie der Künste Berlin zum Treffpunkt von 200 internationalen Verlegern, Autoren, Künstlern und Kulturschaffenden, die ihre Bücher persönlich der Öffentlichkeit präsentieren und mit Interessierten in den Dialog treten. Den Besuchern wird ein buntes Programm mit Buchvorstellungen, Lesungen, Präsentationen und Vorträgen geboten. Am Samstag, dem 11. Juni findet außerdem der Conceptual Poetics Day statt, an dem die Grenzen zwischen bildender Kunst und Literatur ausgelotet werden. Ein besonderes Highlight für Buchsammler wird sicherlich das zweisprachige Symposium How to Collect Artists Books? am 12. Juni darstellen.

Eine vollständige Übersicht aller Veranstaltungen können Sie hier einsehen: missread.com/stage-2016/

Das Künstlerbuchfestival MISS READ findet seit 2009 jährlich statt. In diesem Jahr liegt der Fokus auf Publikationen aus spanischsprachigen Ländern.

10. bis 12. Juni
MISS READ: The Berlin Art Book Fair
Ort: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Halle 1+2, 10557 Berlin
Öffnungszeiten: Freitag 17-21 Uhr, Samstag und Sonntag 12-19 Uhr
Eintritt: frei
Weitere Informationen: missread.com/

2. June 2016

Die Kinderbücher von Tom Seidmann-Freud

von Kristina Krämer

Die Künstlerin und Kinderbuchautorin Tom Seidmann-Freud galt schon früh als exzentrisch. Im Alter von 15 Jahren beschloss die als Marta Gertrud Freud aufgewachsene Nichte des Psychoanalytikers Sigmund Freud, den Namen Tom anzunehmen und von nun an Männerkleidung zu tragen. Der Namenswechsel kam aber nicht von ungefähr: Die aufstrebende Künstlerin rechnete sich mit einem Männernamen höhere Erfolgschancen aus.

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Das Baby-Liederbuch

Seidmann-Freuds frühe Bilderbuchillustrationen sind noch stark vom Jugendstil geprägt, in späteren Werken zeigen sich zunehmend die Einflüsse der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus. Typisch für Seidmann-Freud sind die Bilder mit klaren geometrischen Formen, die mittels der pochoir-Technik mit  Wasserfarben in leuchtendbunten Tönen gefüllt werden. Als ihr besonderes Meisterwerk gilt das 1923 erschienene Bilderbuch Die Fischreise, in dem der Junge Peregrin zusammen mit seinem übergroßen Goldfisch eine Traumreise unternimmt. Das Buch gilt nicht nur wegen der modernen Illustrationen als Meilenstein des deutschen Kinderbuchs, auch der Einfluss der Traumdeutung und von psychoanalytischem Gedankengut war revolutionär.

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Die Fischreise

Peregrin war auch der Name des Verlags, den Seidmann-Freud zusammen mit ihrem Ehemann Jakob Seidmann gründete. Neben Bilderbüchern verlegte das Paar dort auch Lernbücher für Kinder. Besonders beeindrucken sind auch heute noch die Spiel- und Verwandlungsbücher Das Wunderhaus und Das Zauberboot mit zahlreichen Klappen, Schiebern und Drehelementen. Trotzdem wird der Verlag kein Erfolg. Während der Weltwirtschaftskrise geht der Peregrin Verlag endgültig bankrott, Jakob Seidmann begeht daraufhin Selbstmord. Der doppelte Schock stürzt Tom Seidmann-Freud in eine tiefe Depression, von der sie sich trotz einer Behandlung bei ihrem berühmten Onkel nie mehr erholt. Nur wenige Monate nach dem Tod ihres Mann nimmt sie sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben.

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Das Zauberboot

Heute sind nur noch wenige Exemplare von Seidmann-Freuds Werk erhalten. Wegen ihrer jüdischen Abstammung wurden ihre Bücher von den Nationalsozialisten verboten und vernichtet.

Die 10 schönsten Kinderbücher für Sammler

Weitere Bücher und Illustrationen von Tom Seidmann-Freud:

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Hurra wir lesen!, Hurra wir schreiben

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Das Zauberboot

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Das neue Bilderbuch

Die Fischreise

Die Fischreise

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Das Wunderhaus

25. May 2016

Buch in Fraktur, ein Mängelexemplar?

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Da schickt mir doch heute ein Kunde ein bestelltes Buch wieder zurück und beschwert sich, wie ich es denn wagen könnte, “unlesbare Bücher” zu verkaufen. Es handelte sich um eine zweibändige Ausgabe von Gustav Freytags “Die Ahnen” aus den 1930er Jahren. Und “unlesbar” war die Ausgabe für den Kunden, weil sie in Fraktur gedruckt war.

Es war übrigens nicht der erste Fall dieser Art. Daher schreibe ich schon seit vielen Jahren in die Beschreibung eines solchen Buches den Hinweis “Schrift: Fraktur (Alt-Deutsch)”. Das “Alt-Deutsch” ist zwar typografisch nicht ganz korrekt, wird aber von den meisten verstanden. Wer also Fraktur nicht lesen kann, sollte zumindest meine Artikelbeschreibungen aufmerksam lesen und dann von einer Bestellung Abstand nehmen (oder eine andere, für ihn “lesbare” Ausgabe kaufen).

Nun habe ich mir aber gedacht, ich nehme diese Rücksendung zum Anlaß, um hier und jetzt ein wenig über Fraktur- und Sütterlin-Schrift zu plaudern.

Frakturschrift

Frakturschrift

 

Entwickler der leicht verspielten und doch etwas kantigen Sütterlin-Schrift war der Grafiker Ludwig Sütterlin (1865-1917). Im Auftrag des preussischen Kultusministeriums schuf er 1911 diese Schreibschrift-Variante der damals gebräuchlichen Fraktur-Druckschrift.

Sütterlin-Schrift

Sütterlin-Schrift

 

Ab 1924 bis 1941 lernten alle deutschen Lese- und Schreibanfänger die nach ihrem Erfinder benannte Sütterlin-Schrift statt der zuvor üblichen Kurrent-Schrift.

Kurrent-Schrift

Kurrent-Schrift

 

Im Dritten Reich förderte man zunächst die Verwendung der sogenannten gebrochenen Schriften Fraktur, Kurrent und Sütterlin als deutsche Schriften. 1941 wurden diese Schriften aber dann plötzlich durch einen Erlass Martin Bormanns als Judenlettern in allen deutschen Schulen verboten. Fortan lernten die Schüler die Deutsche Normalschrift, eine lateinische Schriftvariante.

Deutsche Normalschrift

Deutsche Normalschrift

 

Nach dem Krieg entdeckte man die Schnörkelbuchstaben der Sütterlin wieder: in der DDR benutzte man die Schrift bis in die 1960er Jahre. Und westdeutsche Schüler lernten Sütterlin in einigen Bundesländern noch bis in die 1970er Jahre hinein – allerdings nur zusätzlich zur heute gebräuchlichen lateinischen Schreibschrift.

Wer sich eingehender über diese alten deutschen Schriften informieren möchte, dem empfehle ich die Seite des Bundes für deutsche Schrift und Sprache e.V.. Im dortigen Netzladen gibt es sehr nützliche Übersichtstafeln, die beim Lesen- und Schreibenlernen sehr hilfreich sind.

Ich hatte übrigens in der Grundschule (1966 bis 1969) “Schönschreiben” als Unterrichtsfach – dort lernte ich noch in Sütterlin zu schreiben. Das habe ich allerdings fast wieder verlernt – lesen kann ich es heute nur noch mit Mühe. Fraktur-Schrift dagegen kann ich fließend lesen.

Wie sieht das bei Ihnen aus? Was können Sie lesen – Sütterlin oder Fraktur? Oder beides nicht? Ist für Sie ein in Fraktur gedrucktes antiquarisches Buch auch ein “Mängel-Exemplar”, dass Sie zurückschicken würden?

13. May 2016

Welttag des Buches: Die Wiener Pop-up Buchmesse in luftigen Höhen

von Larissa Dawirs

Um kurz vor 10 Uhr am Samstagvormittag fand ich mich am Wiener Prater zur Pop-up Buchmesse ein. Nach einer kurzen Begrüßung ging es noch vor allen Touristen zum Einstieg des Riesenrades und nach einigen Minuten Wartezeit trudelte die Gondel Nr. 18 ein. Die Wiener Antiquare Dr. Paul Kainbacher, Peter Truppe, Domenico Jacono und der eigens aus Berlin angereiste Clemens Paulusch hatten bereits ihre Kostbarkeiten zum Thema “Austriaca” in der Gondel ausgelegt.

Um Punkt 10 Uhr hieß es “Bittschön, einsteigen” und ich durfte mit einigen anderen Interessierten auf die erste Fahrt starten. Im Inneren der Gondel gestaltete sich alles wie auf einer Antiquariatsmesse – nur noch etwas enger. Die hübsche Gondel war mit Stehtischen und -stühlen ausgestattet (auch eine Glitzertapete und Stimmungslicht sorgten für eine festliche Atmosphäre), die zur Präsentation der Ausstellungsstücke geschickt umfunktioniert wurden.

Nach einer kurzen Einführung in das Thema Pop-up Buchmesse begann die Vorstellung der Einzelstücke am hinteren Ende der Gondel mit dem Antiquariat Paulusch. Hier fanden sich verschiedene Ansichten und Karten zu Österreich und Wien. Besonders interessant war eine alte Landkarte Österreichs mit farbigen Markierungen, die die Verbreitung der verschiedenen Volkssgruppen im Land darstellte.

Mein persönlicher Favorit war allerdings die seltene, großformatige Stadtansicht Wiens aus dem Jahr 1870/71. Die Lithografie mit Tonplatte von und nach A. Rieger misst 58 x 84 cm und zeigt eine sehr detailgetreue Abbildung der Metropole aus vergangenen Zeiten. Der interessierte Beobachter wurde von Herrn Paulusch an dieser Stelle auf die hier noch unbebauten Bereiche im Stadtzentrum hingewiesen. Dort stehen heute Rathaus, Universität, Hofmuseen und das Parlament.

Anschließend wurden vom Antiquariat Truppe der Blick auf ein Postkutschen-Verzeichnis und eine Sammlung von Photographien gelenkt. Besonderes Highlight war allerdings die Ausgabe der ersten deutschen Übersetzung der 1. Wiener Stadtchronik von 1642.

Die Gondel hatte zu diesem Zeitpunkt den höchsten Punkt der Rundfahrt erreicht und die Präsentation wurde für einen Moment unterbochen, während die Gäste den wunderbaren Ausblick auf die Stadt genossen.

Mit Beginn der Abwärtsfahrt konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf die Stücke des Antiquariats Jacono. Zuerst fiel der Blick auf das etwas im Hintergrund platzierte Aquarellgemälde mit der Bildunterschrift “Für Leopold Hauer”. Gezeigt werden das Eingangsportal und die Hausfassade des “Griechenbeisl” – eines der ältesten und berühmtesten Gasthäuser Wiens. Noch interessanter als das schöne Gemälde ist der rückseitige Schenkungsvermerk an “Prime Minister / Bruno Kreisky” durch die damalige “Prime Minister of Sri Lanka”. Obwohl nicht namentlich erwähnt, ist anzunehmen, dass es sich um Sirimavo Bandaranaike handelt, der ersten Frau der Welt, die eine frei gewählte Regierung führte.

Direkt daneben befanden sich ein wunderschöner Einband aus Samt mit Goldelementen und eine Zeichnung von Hinko Smrekar von 1925. Die titellose Tuschezeichnung des slowenischen Künstlers wird erst auf den zweiten Blick interessant: In der undefinierbaren Masse, die der monströse Kopf auszuspeien scheint, lassen sich bekannt Elemente Wiens erkennen – unter anderem das Riesenrad.

Das Antiquariat Dr. Kainbacher bildet auf dieser Rundfahrt den beeindruckenden Abschluss und gleichzeitig den Beginn. Das Exponat zeigte verschiedene Bücher mit besonderen Illustrationen, unter anderem den Almanach der Wiener Werkstätten (Das Foto zeigt eine Bildbeigabe von Josef von Divéky).

Der Höhepunkt war allerdings ein handkolorierter Holzschnitt aus der Schedelschen Weltchronik, es handelt sich um die früheste graphische Darstellung Wiens aus dem Jahr 1493.

Auf den letzten Metern der Runde näherten sich die Besucher dann wieder dem Zugang der Gondel, wo günstig platziert, dass ILAB-Plakat zur Spende auf dem Weg nach draußen einludt.

Am liebsten wäre ich gern direkt eine zweite Runde gefahren, doch die freudig wartenden Besucher hatten natürlich Vorrang – und schließlich durfte ich die Antiquare noch auf einer Abschlussrunde begleiten.

Das Fazit: Die Pop-up Buchmesse im Wiener Riesenrad war eine wunderbare Idee. Die Präsentation besonderer Austriaca vor der traumhaften Kulisse Wiens war ein Pop-up Erlebnis, an dem ich sehr gerne teilgenommen habe. Ich freue mich bereits auf die Wiener Location im nächsten Jahr – Ideen wurden bereits diskutiert, aber hier noch nicht verraten. Wenn es nach mir und den diesjährigen Besuchern ginge, würden wir sicher immer wieder auf eine Runde in das Riesenrad einsteigen.

 

Vielen Dank!

 

26. April 2016

Antiquariats-Portrait: Antiquariat Weinek in Salzburg

von Kristina Krämer
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Das Ehepaar Dr. Elisabeth Weinek und ihr Mann Dr. Christian Weinek hat seine Sammelleidenschaft zum Beruf gemacht. Bereits zu Studienzeiten unternahmen sie auf der Jagd nach besonderen Büchern Reisen durch ganz Europa und finanzierten sich ihr Studium, indem sie Bücher auf Flohmärkten verkauften. 1986 machte das Paar seinen Traum wahr und eröffnete sein eigenes Antiquariat in Salzburg. In den ersten Jahren im Antiquariatsgeschäft standen gerade einmal 16 Quadratmeter zur Verfügung, um den Bestand an Büchern aus den Bereichen Literatur, Kunst und Fotografie zu präsentieren. Nach dem Umzug in die Steinstraße 14 und 16 steht nun mit 140 Quadratmetern fast die 10-fache Fläche zur Verfügung. Bereits seit 1998 sind die Bücher der Weineks auch im Internet zu finden.

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Antiquarin Elisabeth Weinek hat uns im Interview Rede und Antwort gestanden:

ZVAB: Wie sind Sie Antiquarin geworden? Und was lieben Sie am meisten an Ihrem Beruf?

Elisabeth Weinek: Ich habe während dem Germanistik-Studium bereits begonnen mit meinem Mann zusammen Bücher zu sammeln und tagelang in Lagern von Wiener Antiquariaten zu verbringen, um seltene Bücher zu finden. Dabei lernte ich eine Menge über das Verlagswesen, seltene Ausgaben und die Kulturgeschichte des Buchwesens. Das besondere an unserem Beruf ist das tägliche Dazulernen, Neues zu entdecken, Kurioses zu beschreiben und die vielen Gespräche mit Sammlern, die meist Experten auf ihrem Gebiet sind, zu führen.

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ZVAB: Was fasziniert Sie am meisten an alten Büchern?

Elisabeth Weinek: Einerseits das Handwerkliche des Einbandes und die hochwertige Verarbeitung, dann wieder die Graphik. Persönlich interessiert mich sehr stark Trivialliteratur, ihre Entstehung und die Rezeption, da Zeitungen oder auch Groschenromane sehr viel über eine Gesellschaft aussagen. Ebenso wie die Bedingungen ihres Entstehens und die Wirkung ihrer Verbreitung.

ZVAB: Welches Buch in Ihrem Bestand ist das wertvollste? Warum?

Elisabeth Weinek: Es handelt sich um die bislang noch nie publizierte Abschlussarbeit von Thomas Bernhards Regiearbeit 1957 an dem Stück Herrenhaus von Thomas Wolfe. Es ist das Streichexemplar von Bernhards Hand mit vielen Notizen und Anweisungen. Thomas Bernhard war als Regisseur an der Bühne tätig.

ZVAB: Welches Buch hätten Sie gerne noch in Ihrem Besitz?

Elisabeth Weinek: Ach, das sind viele, egal ob Gedichtband oder Roman, jedenfalls viele von verschiedenen Kleinverlagen und kurzlebigen Editionen.

ZVAB: Was war das seltsamste, was Sie jemals in einem alten Buch gefunden haben?

Elisabeth Weinek: Eine Fahrkarte der Strecke Paris – Lyon aus dem Jahre 1837. Also eine Billett aus den Kindertagen der Eisenbahn.

ZVAB: Und natürlich, was ist Ihr Lieblingsbuch?

Elisabeth Weinek: Marquis de Sade in der Erstausgabe. Nein, Scherz – mein Lieblingsbuch ist : Die Wiener Werkstätte 1903 – 1928 – herausgegeben von Mathilde Flögl. Bei diesem Buch stimmt alles perfekt zusammen, der Prägeeinband, ein Skulptur für sich, das Format, der formal ausgewogen gestaltete Inhalt.

Zu den Büchern des Antiquariats Weinek

21. April 2016

ILAB Pop-up Buchmessen 2016

von Larissa Dawirs
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Am 23. April wird der Welttag des Buches (UNESCO World Book and Copyright Day) wieder international gefeiert. Die im letzten Jahr ins Leben gerufenen ILAB Pop-up Books Fairs werden auch in diesem Jahr wieder hier und da ‘aufpoppen’ und besondere antiquarische Schmuckstücke präsentieren.

Überall wo Sie ein Poster mit einem leeren Bücherregal erblicken, können Sie nicht nur Literatur und Lesen zelebrieren, sondern auch das Leseförderungsprojekt der UNESCO im Südsudan unterstützen und die Bücherregale füllen.

Im Laufe des Tages wandern die Buch-Pop-ups von Australien über Asien, Afrika und Europa bis in die USA. Im deutschsprachigen Raum gibt es in diesem Jahr drei Teilnehmer: München, Wien und Zürich.

In München werden die “Cocktails & Book Tales” aus dem letzten Jahr neu aufgelegt. Das Kaufmanns-Casino am Odeonsplatz wird wieder zur besonderen Kulisse für die Buchmesse nach englischer Manier. Antiquare, Buchliebhaber und Interessierte können hier bei Fingerfood und Getränken einzigartige Sammlerstücke aus der Nähe betrachten.

 

Als Einleitung wird ein besonderes Schmankerl geboten, ein Vortrag zum „Antiquariatshandel in Deutschland im 20. Jahrhundert” von Klaus G. Saur.

Die Antiquare in Wien haben sich etwas Besonderes ausgedacht: Getreu dem Motto „Bücher mal ganz anders”, steigt die diesjährige Pop-up Buchmesse ins Wiener Riesenrad ein und trägt Besucher und Ausstellungsstücke von 10 bis 12 Uhr hoch über die Dächer der Stadt.

 

Den Startschuss setzen die Wiener bereits am 16. April um 17 Uhr im Antiquariat Dr. Paul Kainbacher mit einem bibliophilen Salon zum Thema „Im Herz der Finsternis – Österreicher in Zentralafrika”.

Während andererorts Shakespeare und Cervantes anlässlich der 400. Todestage eine besondere Rolle spielen, wird in Zürich ein anderes Jubiläum gefeiert: 100 Jahre Dada. Die Pop-up Buchmesse findet im Cabaret Voltaire statt – dort wo die Kunstrichtung die keine ist 1916 ins Leben gerufen wurde – und präsentiert seltene Erstausgaben und Dada hautnah.

 

Alle weltweiten Pop-up Buchmessen werden auf der Homepage der ILAB (International League of Antiquarian Booksellers) angekündigt. Auf dem ILAB-Blog wird außerdem aktuell zu den Events berichtet.

Wie bereits im letzten Jahr wird das ZVAB wieder einige Impressionen vor Ort einfangen, und anschließend im Blog darüber berichten – falls Sie es nicht abwarten können, schauen sich zum Einstimmen die Bilder der Events von 2015 an!

(Das Bildmaterial stammt aus unserem Archiv, von der ILAB und Cabaret Voltaire)

 

Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen auf den Pop-up Buchmessen in den Kommentaren mit!

 

13. April 2016

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