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Umfrage zum Thema “Warenpräsentation im Antiquariatsbuchhandel”

von Larissa Dawirs
Bücher-Schaufenster

Liebe Leser, wir möchten Ihnen heute eine Studentin aus Leipzig und ihr Projekt vorstellen!

Sophie Sander studiert an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig den Studiengang Buchhandel & Verlagswirtschaft. Das Thema ihrer Bachelorarbeit ist “Warenpräsentation im Antiquariatsbuchhandel”. Sie beschäftigt sich darin mit der Frage nach der optimalen Warenpräsentation und den Erwartungen der Zielgruppe:

“Die Umfrage thematisiert die Warenpräsentation im stationären Antiquariatsbuchhandel und bildet die Grundlage für meine Bachelorarbeit. Ich möchte herausfinden, welche Erwartungen die Kunden an die Antiquariate haben. Ich stelle also eine Reihe Fragen darüber, was ihnen am Antiquariat gefällt oder missfällt und gebe Raum, eigene Präferenzen zu erläutern oder Anregungen zu geben. Anhand der Aussagen der Studienteilnehmer möchte ich analysieren, wie zufrieden diese sind und gegebenenfalls Handlungsvorschläge erarbeiten.”

Da es sich um ein sehr interessantes Thema handelt, kommen wir der Anfrage den Link zu der Umfrage zu veröffentlichen gern nach.

Hier geht es zur Umfrage!

Wir hoffen auf eine rege Teilnahme! Kommentare können Sie am Ende der Umfrage direkt an Frau Sander senden, alle Kommentare im Blog leiten wir gern weiter.

Viele Grüße

das ZVAB-Team

21. June 2016

ZVAB Veranstaltungstipp – MISS READ: The Berlin Art Book Fair

von Kristina Krämer

Freunde von Künstlerbüchern sollten sich die Tage vom 10. bis 12. Juni schon einmal dick im Kalender anstreichen. In diesem Zeitraum findet nämlich die MISS READ, Deutschlands größte Messe für Künstlerbücher statt.

MISS RAD

© MISS READ

Über drei Tage hinweg wird die Akademie der Künste Berlin zum Treffpunkt von 200 internationalen Verlegern, Autoren, Künstlern und Kulturschaffenden, die ihre Bücher persönlich der Öffentlichkeit präsentieren und mit Interessierten in den Dialog treten. Den Besuchern wird ein buntes Programm mit Buchvorstellungen, Lesungen, Präsentationen und Vorträgen geboten. Am Samstag, dem 11. Juni findet außerdem der Conceptual Poetics Day statt, an dem die Grenzen zwischen bildender Kunst und Literatur ausgelotet werden. Ein besonderes Highlight für Buchsammler wird sicherlich das zweisprachige Symposium How to Collect Artists Books? am 12. Juni darstellen.

Eine vollständige Übersicht aller Veranstaltungen können Sie hier einsehen: missread.com/stage-2016/

Das Künstlerbuchfestival MISS READ findet seit 2009 jährlich statt. In diesem Jahr liegt der Fokus auf Publikationen aus spanischsprachigen Ländern.

10. bis 12. Juni
MISS READ: The Berlin Art Book Fair
Ort: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Halle 1+2, 10557 Berlin
Öffnungszeiten: Freitag 17-21 Uhr, Samstag und Sonntag 12-19 Uhr
Eintritt: frei
Weitere Informationen: missread.com/

2. June 2016

Die Kinderbücher von Tom Seidmann-Freud

von Kristina Krämer

Die Künstlerin und Kinderbuchautorin Tom Seidmann-Freud galt schon früh als exzentrisch. Im Alter von 15 Jahren beschloss die als Marta Gertrud Freud aufgewachsene Nichte des Psychoanalytikers Sigmund Freud, den Namen Tom anzunehmen und von nun an Männerkleidung zu tragen. Der Namenswechsel kam aber nicht von ungefähr: Die aufstrebende Künstlerin rechnete sich mit einem Männernamen höhere Erfolgschancen aus.

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Das Baby-Liederbuch

Seidmann-Freuds frühe Bilderbuchillustrationen sind noch stark vom Jugendstil geprägt, in späteren Werken zeigen sich zunehmend die Einflüsse der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus. Typisch für Seidmann-Freud sind die Bilder mit klaren geometrischen Formen, die mittels der pochoir-Technik mit  Wasserfarben in leuchtendbunten Tönen gefüllt werden. Als ihr besonderes Meisterwerk gilt das 1923 erschienene Bilderbuch Die Fischreise, in dem der Junge Peregrin zusammen mit seinem übergroßen Goldfisch eine Traumreise unternimmt. Das Buch gilt nicht nur wegen der modernen Illustrationen als Meilenstein des deutschen Kinderbuchs, auch der Einfluss der Traumdeutung und von psychoanalytischem Gedankengut war revolutionär.

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Die Fischreise

Peregrin war auch der Name des Verlags, den Seidmann-Freud zusammen mit ihrem Ehemann Jakob Seidmann gründete. Neben Bilderbüchern verlegte das Paar dort auch Lernbücher für Kinder. Besonders beeindrucken sind auch heute noch die Spiel- und Verwandlungsbücher Das Wunderhaus und Das Zauberboot mit zahlreichen Klappen, Schiebern und Drehelementen. Trotzdem wird der Verlag kein Erfolg. Während der Weltwirtschaftskrise geht der Peregrin Verlag endgültig bankrott, Jakob Seidmann begeht daraufhin Selbstmord. Der doppelte Schock stürzt Tom Seidmann-Freud in eine tiefe Depression, von der sie sich trotz einer Behandlung bei ihrem berühmten Onkel nie mehr erholt. Nur wenige Monate nach dem Tod ihres Mann nimmt sie sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben.

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Das Zauberboot

Heute sind nur noch wenige Exemplare von Seidmann-Freuds Werk erhalten. Wegen ihrer jüdischen Abstammung wurden ihre Bücher von den Nationalsozialisten verboten und vernichtet.

Die 10 schönsten Kinderbücher für Sammler

Weitere Bücher und Illustrationen von Tom Seidmann-Freud:

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Hurra wir lesen!, Hurra wir schreiben

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Das Zauberboot

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Das neue Bilderbuch

Die Fischreise

Die Fischreise

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Das Wunderhaus

25. May 2016

Buch in Fraktur, ein Mängelexemplar?

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Da schickt mir doch heute ein Kunde ein bestelltes Buch wieder zurück und beschwert sich, wie ich es denn wagen könnte, “unlesbare Bücher” zu verkaufen. Es handelte sich um eine zweibändige Ausgabe von Gustav Freytags “Die Ahnen” aus den 1930er Jahren. Und “unlesbar” war die Ausgabe für den Kunden, weil sie in Fraktur gedruckt war.

Es war übrigens nicht der erste Fall dieser Art. Daher schreibe ich schon seit vielen Jahren in die Beschreibung eines solchen Buches den Hinweis “Schrift: Fraktur (Alt-Deutsch)”. Das “Alt-Deutsch” ist zwar typografisch nicht ganz korrekt, wird aber von den meisten verstanden. Wer also Fraktur nicht lesen kann, sollte zumindest meine Artikelbeschreibungen aufmerksam lesen und dann von einer Bestellung Abstand nehmen (oder eine andere, für ihn “lesbare” Ausgabe kaufen).

Nun habe ich mir aber gedacht, ich nehme diese Rücksendung zum Anlaß, um hier und jetzt ein wenig über Fraktur- und Sütterlin-Schrift zu plaudern.

Frakturschrift

Frakturschrift

 

Entwickler der leicht verspielten und doch etwas kantigen Sütterlin-Schrift war der Grafiker Ludwig Sütterlin (1865-1917). Im Auftrag des preussischen Kultusministeriums schuf er 1911 diese Schreibschrift-Variante der damals gebräuchlichen Fraktur-Druckschrift.

Sütterlin-Schrift

Sütterlin-Schrift

 

Ab 1924 bis 1941 lernten alle deutschen Lese- und Schreibanfänger die nach ihrem Erfinder benannte Sütterlin-Schrift statt der zuvor üblichen Kurrent-Schrift.

Kurrent-Schrift

Kurrent-Schrift

 

Im Dritten Reich förderte man zunächst die Verwendung der sogenannten gebrochenen Schriften Fraktur, Kurrent und Sütterlin als deutsche Schriften. 1941 wurden diese Schriften aber dann plötzlich durch einen Erlass Martin Bormanns als Judenlettern in allen deutschen Schulen verboten. Fortan lernten die Schüler die Deutsche Normalschrift, eine lateinische Schriftvariante.

Deutsche Normalschrift

Deutsche Normalschrift

 

Nach dem Krieg entdeckte man die Schnörkelbuchstaben der Sütterlin wieder: in der DDR benutzte man die Schrift bis in die 1960er Jahre. Und westdeutsche Schüler lernten Sütterlin in einigen Bundesländern noch bis in die 1970er Jahre hinein – allerdings nur zusätzlich zur heute gebräuchlichen lateinischen Schreibschrift.

Wer sich eingehender über diese alten deutschen Schriften informieren möchte, dem empfehle ich die Seite des Bundes für deutsche Schrift und Sprache e.V.. Im dortigen Netzladen gibt es sehr nützliche Übersichtstafeln, die beim Lesen- und Schreibenlernen sehr hilfreich sind.

Ich hatte übrigens in der Grundschule (1966 bis 1969) “Schönschreiben” als Unterrichtsfach – dort lernte ich noch in Sütterlin zu schreiben. Das habe ich allerdings fast wieder verlernt – lesen kann ich es heute nur noch mit Mühe. Fraktur-Schrift dagegen kann ich fließend lesen.

Wie sieht das bei Ihnen aus? Was können Sie lesen – Sütterlin oder Fraktur? Oder beides nicht? Ist für Sie ein in Fraktur gedrucktes antiquarisches Buch auch ein “Mängel-Exemplar”, dass Sie zurückschicken würden?

13. May 2016

Welttag des Buches: Die Wiener Pop-up Buchmesse in luftigen Höhen

von Larissa Dawirs

Um kurz vor 10 Uhr am Samstagvormittag fand ich mich am Wiener Prater zur Pop-up Buchmesse ein. Nach einer kurzen Begrüßung ging es noch vor allen Touristen zum Einstieg des Riesenrades und nach einigen Minuten Wartezeit trudelte die Gondel Nr. 18 ein. Die Wiener Antiquare Dr. Paul Kainbacher, Peter Truppe, Domenico Jacono und der eigens aus Berlin angereiste Clemens Paulusch hatten bereits ihre Kostbarkeiten zum Thema “Austriaca” in der Gondel ausgelegt.

Um Punkt 10 Uhr hieß es “Bittschön, einsteigen” und ich durfte mit einigen anderen Interessierten auf die erste Fahrt starten. Im Inneren der Gondel gestaltete sich alles wie auf einer Antiquariatsmesse – nur noch etwas enger. Die hübsche Gondel war mit Stehtischen und -stühlen ausgestattet (auch eine Glitzertapete und Stimmungslicht sorgten für eine festliche Atmosphäre), die zur Präsentation der Ausstellungsstücke geschickt umfunktioniert wurden.

Nach einer kurzen Einführung in das Thema Pop-up Buchmesse begann die Vorstellung der Einzelstücke am hinteren Ende der Gondel mit dem Antiquariat Paulusch. Hier fanden sich verschiedene Ansichten und Karten zu Österreich und Wien. Besonders interessant war eine alte Landkarte Österreichs mit farbigen Markierungen, die die Verbreitung der verschiedenen Volkssgruppen im Land darstellte.

Mein persönlicher Favorit war allerdings die seltene, großformatige Stadtansicht Wiens aus dem Jahr 1870/71. Die Lithografie mit Tonplatte von und nach A. Rieger misst 58 x 84 cm und zeigt eine sehr detailgetreue Abbildung der Metropole aus vergangenen Zeiten. Der interessierte Beobachter wurde von Herrn Paulusch an dieser Stelle auf die hier noch unbebauten Bereiche im Stadtzentrum hingewiesen. Dort stehen heute Rathaus, Universität, Hofmuseen und das Parlament.

Anschließend wurden vom Antiquariat Truppe der Blick auf ein Postkutschen-Verzeichnis und eine Sammlung von Photographien gelenkt. Besonderes Highlight war allerdings die Ausgabe der ersten deutschen Übersetzung der 1. Wiener Stadtchronik von 1642.

Die Gondel hatte zu diesem Zeitpunkt den höchsten Punkt der Rundfahrt erreicht und die Präsentation wurde für einen Moment unterbochen, während die Gäste den wunderbaren Ausblick auf die Stadt genossen.

Mit Beginn der Abwärtsfahrt konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf die Stücke des Antiquariats Jacono. Zuerst fiel der Blick auf das etwas im Hintergrund platzierte Aquarellgemälde mit der Bildunterschrift “Für Leopold Hauer”. Gezeigt werden das Eingangsportal und die Hausfassade des “Griechenbeisl” – eines der ältesten und berühmtesten Gasthäuser Wiens. Noch interessanter als das schöne Gemälde ist der rückseitige Schenkungsvermerk an “Prime Minister / Bruno Kreisky” durch die damalige “Prime Minister of Sri Lanka”. Obwohl nicht namentlich erwähnt, ist anzunehmen, dass es sich um Sirimavo Bandaranaike handelt, der ersten Frau der Welt, die eine frei gewählte Regierung führte.

Direkt daneben befanden sich ein wunderschöner Einband aus Samt mit Goldelementen und eine Zeichnung von Hinko Smrekar von 1925. Die titellose Tuschezeichnung des slowenischen Künstlers wird erst auf den zweiten Blick interessant: In der undefinierbaren Masse, die der monströse Kopf auszuspeien scheint, lassen sich bekannt Elemente Wiens erkennen – unter anderem das Riesenrad.

Das Antiquariat Dr. Kainbacher bildet auf dieser Rundfahrt den beeindruckenden Abschluss und gleichzeitig den Beginn. Das Exponat zeigte verschiedene Bücher mit besonderen Illustrationen, unter anderem den Almanach der Wiener Werkstätten (Das Foto zeigt eine Bildbeigabe von Josef von Divéky).

Der Höhepunkt war allerdings ein handkolorierter Holzschnitt aus der Schedelschen Weltchronik, es handelt sich um die früheste graphische Darstellung Wiens aus dem Jahr 1493.

Auf den letzten Metern der Runde näherten sich die Besucher dann wieder dem Zugang der Gondel, wo günstig platziert, dass ILAB-Plakat zur Spende auf dem Weg nach draußen einludt.

Am liebsten wäre ich gern direkt eine zweite Runde gefahren, doch die freudig wartenden Besucher hatten natürlich Vorrang – und schließlich durfte ich die Antiquare noch auf einer Abschlussrunde begleiten.

Das Fazit: Die Pop-up Buchmesse im Wiener Riesenrad war eine wunderbare Idee. Die Präsentation besonderer Austriaca vor der traumhaften Kulisse Wiens war ein Pop-up Erlebnis, an dem ich sehr gerne teilgenommen habe. Ich freue mich bereits auf die Wiener Location im nächsten Jahr – Ideen wurden bereits diskutiert, aber hier noch nicht verraten. Wenn es nach mir und den diesjährigen Besuchern ginge, würden wir sicher immer wieder auf eine Runde in das Riesenrad einsteigen.

 

Vielen Dank!

 

26. April 2016

Antiquariats-Portrait: Antiquariat Weinek in Salzburg

von Kristina Krämer
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Das Ehepaar Dr. Elisabeth Weinek und ihr Mann Dr. Christian Weinek hat seine Sammelleidenschaft zum Beruf gemacht. Bereits zu Studienzeiten unternahmen sie auf der Jagd nach besonderen Büchern Reisen durch ganz Europa und finanzierten sich ihr Studium, indem sie Bücher auf Flohmärkten verkauften. 1986 machte das Paar seinen Traum wahr und eröffnete sein eigenes Antiquariat in Salzburg. In den ersten Jahren im Antiquariatsgeschäft standen gerade einmal 16 Quadratmeter zur Verfügung, um den Bestand an Büchern aus den Bereichen Literatur, Kunst und Fotografie zu präsentieren. Nach dem Umzug in die Steinstraße 14 und 16 steht nun mit 140 Quadratmetern fast die 10-fache Fläche zur Verfügung. Bereits seit 1998 sind die Bücher der Weineks auch im Internet zu finden.

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Antiquarin Elisabeth Weinek hat uns im Interview Rede und Antwort gestanden:

ZVAB: Wie sind Sie Antiquarin geworden? Und was lieben Sie am meisten an Ihrem Beruf?

Elisabeth Weinek: Ich habe während dem Germanistik-Studium bereits begonnen mit meinem Mann zusammen Bücher zu sammeln und tagelang in Lagern von Wiener Antiquariaten zu verbringen, um seltene Bücher zu finden. Dabei lernte ich eine Menge über das Verlagswesen, seltene Ausgaben und die Kulturgeschichte des Buchwesens. Das besondere an unserem Beruf ist das tägliche Dazulernen, Neues zu entdecken, Kurioses zu beschreiben und die vielen Gespräche mit Sammlern, die meist Experten auf ihrem Gebiet sind, zu führen.

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ZVAB: Was fasziniert Sie am meisten an alten Büchern?

Elisabeth Weinek: Einerseits das Handwerkliche des Einbandes und die hochwertige Verarbeitung, dann wieder die Graphik. Persönlich interessiert mich sehr stark Trivialliteratur, ihre Entstehung und die Rezeption, da Zeitungen oder auch Groschenromane sehr viel über eine Gesellschaft aussagen. Ebenso wie die Bedingungen ihres Entstehens und die Wirkung ihrer Verbreitung.

ZVAB: Welches Buch in Ihrem Bestand ist das wertvollste? Warum?

Elisabeth Weinek: Es handelt sich um die bislang noch nie publizierte Abschlussarbeit von Thomas Bernhards Regiearbeit 1957 an dem Stück Herrenhaus von Thomas Wolfe. Es ist das Streichexemplar von Bernhards Hand mit vielen Notizen und Anweisungen. Thomas Bernhard war als Regisseur an der Bühne tätig.

ZVAB: Welches Buch hätten Sie gerne noch in Ihrem Besitz?

Elisabeth Weinek: Ach, das sind viele, egal ob Gedichtband oder Roman, jedenfalls viele von verschiedenen Kleinverlagen und kurzlebigen Editionen.

ZVAB: Was war das seltsamste, was Sie jemals in einem alten Buch gefunden haben?

Elisabeth Weinek: Eine Fahrkarte der Strecke Paris – Lyon aus dem Jahre 1837. Also eine Billett aus den Kindertagen der Eisenbahn.

ZVAB: Und natürlich, was ist Ihr Lieblingsbuch?

Elisabeth Weinek: Marquis de Sade in der Erstausgabe. Nein, Scherz – mein Lieblingsbuch ist : Die Wiener Werkstätte 1903 – 1928 – herausgegeben von Mathilde Flögl. Bei diesem Buch stimmt alles perfekt zusammen, der Prägeeinband, ein Skulptur für sich, das Format, der formal ausgewogen gestaltete Inhalt.

Zu den Büchern des Antiquariats Weinek

21. April 2016

ILAB Pop-up Buchmessen 2016

von Larissa Dawirs
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Am 23. April wird der Welttag des Buches (UNESCO World Book and Copyright Day) wieder international gefeiert. Die im letzten Jahr ins Leben gerufenen ILAB Pop-up Books Fairs werden auch in diesem Jahr wieder hier und da ‘aufpoppen’ und besondere antiquarische Schmuckstücke präsentieren.

Überall wo Sie ein Poster mit einem leeren Bücherregal erblicken, können Sie nicht nur Literatur und Lesen zelebrieren, sondern auch das Leseförderungsprojekt der UNESCO im Südsudan unterstützen und die Bücherregale füllen.

Im Laufe des Tages wandern die Buch-Pop-ups von Australien über Asien, Afrika und Europa bis in die USA. Im deutschsprachigen Raum gibt es in diesem Jahr drei Teilnehmer: München, Wien und Zürich.

In München werden die “Cocktails & Book Tales” aus dem letzten Jahr neu aufgelegt. Das Kaufmanns-Casino am Odeonsplatz wird wieder zur besonderen Kulisse für die Buchmesse nach englischer Manier. Antiquare, Buchliebhaber und Interessierte können hier bei Fingerfood und Getränken einzigartige Sammlerstücke aus der Nähe betrachten.

 

Als Einleitung wird ein besonderes Schmankerl geboten, ein Vortrag zum „Antiquariatshandel in Deutschland im 20. Jahrhundert” von Klaus G. Saur.

Die Antiquare in Wien haben sich etwas Besonderes ausgedacht: Getreu dem Motto „Bücher mal ganz anders”, steigt die diesjährige Pop-up Buchmesse ins Wiener Riesenrad ein und trägt Besucher und Ausstellungsstücke von 10 bis 12 Uhr hoch über die Dächer der Stadt.

 

Den Startschuss setzen die Wiener bereits am 16. April um 17 Uhr im Antiquariat Dr. Paul Kainbacher mit einem bibliophilen Salon zum Thema „Im Herz der Finsternis – Österreicher in Zentralafrika”.

Während andererorts Shakespeare und Cervantes anlässlich der 400. Todestage eine besondere Rolle spielen, wird in Zürich ein anderes Jubiläum gefeiert: 100 Jahre Dada. Die Pop-up Buchmesse findet im Cabaret Voltaire statt – dort wo die Kunstrichtung die keine ist 1916 ins Leben gerufen wurde – und präsentiert seltene Erstausgaben und Dada hautnah.

 

Alle weltweiten Pop-up Buchmessen werden auf der Homepage der ILAB (International League of Antiquarian Booksellers) angekündigt. Auf dem ILAB-Blog wird außerdem aktuell zu den Events berichtet.

Wie bereits im letzten Jahr wird das ZVAB wieder einige Impressionen vor Ort einfangen, und anschließend im Blog darüber berichten – falls Sie es nicht abwarten können, schauen sich zum Einstimmen die Bilder der Events von 2015 an!

(Das Bildmaterial stammt aus unserem Archiv, von der ILAB und Cabaret Voltaire)

 

Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen auf den Pop-up Buchmessen in den Kommentaren mit!

 

13. April 2016

Simplicissimus: 120 Jahre bissige Satire

von Larissa Dawirs

Vor 120 Jahren, am 4. April 1896, erscheint in München zum ersten Mal die Satirezeitschrift “Simplicissimus. Innerhalb weniger Jahre wächst die Popularität des Magazins und erreicht in der Hochphase Auflagen zwischen 80.000 und 100.000 Stück.

“Vor meinem Biss fürchtete sich fasst jeder im Kaiserreich, dabei bestand ich lediglich aus Farbe und aus Papier,” heißt es im heutigen WDR 2 Stichtag.

Das Markenzeichen der Zeitschrift wird die bissige rote Bulldogge mit abgerissenser Kette, die im August 1896 zum ersten mal als Karikatur von Thomas Theodor Heine erscheint. Diese Bulldogge wird schließlich auch als Poster mit schwarzem Hintergrund gedruckt, der Original-Lithostein hierfür befindet sich heute in der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Schnell wird der Simplicissimus vor allem für seine Karikaturen berühmt.

Neben Karikaturen und Zeichnungen sind es die Beiträge wichtiger Literaten der Epoche, die den Geschmack des Publikums treffen. Frank Wedekind, die Thomas Mann und Heinrich Mann, Rainer Maria Rilke, Robert Walser, Richard Dehmel, Hermann Hesse und viele mehr sind mit dem Namen der Zeitschrift durch Erstveröffentlichungen untrennbar verbunden.

Mehr zum Werdegang des Simplicissimus im WDR 2 Podcast.

Dank der Digitalisierung aller Jahrgänge von 1896 bis 1944 können die Bände mittlerweile online unter http://www.simplicissimus.info abgerufen und nach Themen durchsucht werden.

Dennoch geht nichts über die Originaldrucke der “bissigen Bulldogge” – stöbern Sie in unserem Katalog nach erschwinglichen Ausgaben!

 
Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!

      Was ist Ihre Meinung zum Simplicissimus?
      Haben Sie eine Lieblingskarikatur?
      Wussten Sie, dass Autoren wie Thomas Mann hier zum ersten Mal veröffentlicht wurden?
4. April 2016

Was sind eigentlich Schreibmeisterbücher?

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Schreibmeisterbücher enthalten Schriftmuster, erklären die Behandlung der Schreibfedern, die Herstellung von Tinten und vermitteln allerhand nützliches Wissen rund um das Schreiben.

Durch die Reformation nahm auch das Schulwesen in Europa einen enormen Aufschwung. So blieb das Lesen und Schreiben kein Privileg der Klöster und des Adels mehr. Nahezu jeder konnte es nun lernen.

Die Kanzlisten der Höfe traten die Nachfolge der Schriftkünstler des Mittelaters an und lehrten als “Schreibmeister” in öffentlichen und privaten Schulen die Schreibkunst, meist zusammen mit der Rechenkunst. Zu Anschauungs- und Lehrzwecken gaben einige von ihnen Schriftvorlagen heraus, die sogenannten “Schreibmeisterbücher”.

Zwischen 1500 und 1800 erschienen etwas 800 Schreibmeisterbücher, die heute meist äußerst selten geworden sind. Da sie zu Lehrzwecken eingesetzt wurden, unterlagen sie einem starken Verschleiß und haben nur vereinzelt bis heute “überlebt”.

Die schönsten Exemplare erschienen im 16. und 17. Jahrhundert. Das erste deutsche Schreibmeisterbuch entstammt der Feder des vermutlich bedeutendsten Schreibmeisters Johann Neudörffer der Ältere (* Oktober 1497 in Nürnberg; † 12. November 1563 in Nürnberg). Es erschien 1519 unter dem Titel “Fundament … seinen schülern zu einer unterweysung gemacht”.

Neudörffers Hauptwerk ist eine Weiterentwicklung dieses Buches. Es heißt “Ein gute Ordnung vnnd Kurtze vnnterricht der fürnembsten grunde aus denen die Jungen Zierlichs schreibens begirlich mit besonnderer, kunst vnd behendig-kait unterwisen vnd geubt mogen werden Durch Johan[n] Neudorffer Burger vnd Rechenmaister Zu Nurmberg, seinen schulern zu mererm verstandt geordnet Jm Jar der geburt Jesu Christi vnsers herrn vnd seligmachers” und kam 1538 heraus. Ein Exemplar dieses Buches befindet sich in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig.

Johann Neudörffer: Eine gute Ordnung und kurzer Unterricht, Nürnberg 1538; Titelblatt (Radierung; Wiedergabe nach dem seitenverkehrten Originaldruck des Exemplars im Besitz des Germanischen National-Museums Nürnberg).

Im 18. Jahrhundert werden mit der aufkommenden Kupferstichtechnik immer kühner geschwungene Formen entwickelt, deren Qualität aber immer mehr nachlässt. Sammelnswert sind aber auch diese Schreibmeisterbücher – vor allen Dingen, weil die raren Ausgaben aus dem 16. und 17. Jahrhundert entweder meist in festen Händen von Museen und Bibliotheken sind oder für den “normalen” Bücherliebhaber schlicht unbezahlbar.

Bibliografisch wird dieses Gebiet der Buchkunst noch recht stiefmütterlich behandelt – es gibt lediglich einen Titel von Werner Doede: Bibliographie deutscher Schreibmeisterbücher von Neudörffer bis 1800. Dieses Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich und kostet je nach Erhaltungszustand derzeit etwa 65 bis 150 Euro.

21. March 2016

Alte Osterpostkarten sammeln

von Martina Berg (Die Bücher-Berg)

Leider ist es heute ja etwas außer Mode gekommen, seinen Familienangehörigen oder Freunden zu Ostern oder anderen Festtagen „echte“ Glückwunschkarten zu schicken. In unserem Multimediazeitalter beherrschen E-Cards und SMS die Glückwunschszene. Scheinbar bedauert der eine oder andere diese Entwicklung doch sehr und sammelt deshalb die phantasievollen, oft auch kitschigen Karten.

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Glückwunschkarten werden in speziellen Sammelalben gesammelt

Damals wie heute werden die Glückwunschkarten in eigens dafür geschaffenen Postkartenalben gesammelt. Um 1900 gab es für diesen Zweck prachtvolle, ja teilweise sogar pompös gestaltete Alben. Heute liebt es der Sammler etwas schlichter. Es gibt aber natürlich auch Sammler, die ganz stilecht Ihre Sammlung auch in Alben aus der Zeit präsentieren.

Die Einführung der Postkarte im Jahr 1870 durch den Generalpostdirektor des Norddeutschen Bundes Heinrich Stephan schuf die Voraussetzungen für die Entstehung der Sammelleidenschaft. Wenig später erschienen die ersten Karten mit einem Bild auf der Rückseite. Dies führte zu einem regelrechten Boom beim Schreiben und beim Sammeln – in jeder Familie gab es mindestens einen Postkartensammler.

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Glückwunschkarten gibt es schon seit dem Mittelalter

Die Glückwunschkarte hat allerdings eine wesentlich ältere Tradition – allerdings nicht in Form einer Postkarte. Bereits im 15. Jahrhundert gab es sogenannte Einblattdrucke mit Osterglückwünschen. Es waren einseitig bedruckte und handcolorierte Holzschnitte, die mit allerlei Ornamenten, Glücksbringern und Fruchtbarkeitssymbolen verziert waren.

Diese frühen Drucke aus dem Mittelalter sind heute auf dem Sammlermarkt kaum noch zu finden. Falls es doch einmal ein Stück gibt, dann muss der Sammler tief in den Geldbeutel greifen: Preise weit über tausend Euro sind keine Seltenheit.

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Moderne Drucktechniken ermöglichten die Massenproduktion von Osterkarten

Zum Glück machte aber die Erfindung der Postkarte und die Entwicklung preiswerter Farbdrucktechniken die Massenherstellung von Glückwunschkarten möglich. Die Sammelleidenschaft sorgte für eine regelrechte Schwemme an Glückwunschkarten, von denen viele bis in die heutige Zeit „überlebt“ haben.

Die Gestaltung der Karten wurde immer fantasievoller und auch immer aufwändiger. Die Karten wurden zum Teil mit Seide, Prägungen, Glitter, Vergoldungen oder sogar Stickereien ausgestattet. Es gab Karten mit ausgeklügelten Faltmechanismen und welche mit eingesteckten Teilen zum Herausziehen. Und einige Karten waren sogar mit echtem Haar verziert.

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Diese Karten waren schon damals recht teuer und sind es auch heute noch. Gerade von den besonders gestalteten Karten gab es meist nur kleinere Auflagen. Und die teilweise empfindlichen Mechanismen haben nur selten die Jahrzehnte überdauert.

Das Sammeln von Osterkarten – Spezialisierung ist empfehlenswert

Wer sich für das Sammeln von Glückwunschkarten zu Ostern interessiert, der sollte sich von Anfang an auf eine Gebiet spezialisieren, um nicht an der schieren Menge der Motive zu verzweifeln.

Gerade bei den Osterkarten gibt es einige Motivgebiete, die besonders witzig aber auch kitschig sind. Hier eine kleine Auswahl typischer Ostermotive, die häufig auf alten Osterkarten zu finden sind:

  • Osterengel
  • Osterhasen
  • Osterküken
  • Ostereier
  • Osterlämmer und Schafe
  • Osternester
  • Frühlingsblumen
  • Weidenkätzchen
  • Hühner und Enten
  • Christliche Motive

Besonders gesucht werden auch Karten mit vermenschlichten Tieren: Osterhasen als Lehrer in einer Hasenschule, Enten mit Sonnenschirmen, Frösche, die in einem Orchester Musikinstrumente spielen.

Oder Sie sammeln nur Karten mit Glitter-Verzierungen oder solche mit Klappmechanismus. Hauptsache, Ihnen gefallen die Karten. Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann es in diesem Sammelgebiet nicht geben – zu umfangreich war die Produktion der früheren Kartenverlage.

Sammlerpreise von Glückwunschkarten zu Ostern

Auf Flohmärkten kann man aber auch heute noch echt Schnäppchen machen: selbst ganze Alben aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg mit Dutzenden von Glückwunschkarten kann man mit etwas Glück noch immer für 30 bis 50 Euro ergattern.

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Und einzelne Karten gibt es schon für etwa einen Euro. Die meisten Karten kosten aber – einen guten Erhaltungszustand vorausgesetzt – zwischen 3 bis 5 Euro. Gut erhalten heißt: keine Einrisse oder sogar Fehlstellen, keine Knicke und keine Stockflecken. Postalisch gelaufen oder unbenutzt ist reine Geschmacksache – es wirkt sich in der Regel nicht auf dem Sammlerpreis aus. Viele Sammler bevorzugen aber von der Post beförderte Karten. Zum einen läßt sich anhand des Poststempels das ungefähre Alter der Karte feststellen und zum anderen ist es sehr amüsant, die Nachrichten von damals zu lesen.

Verein für Sammler von Ansichtskarten

Natürlich gibt es auch für das Sammelgebiet Ansichtskarten einen Verein: die AnsichtsKarten-Interessen-Gemeinschaft (kurz AK-IG) im BDPh e.V. Dort sind auch Sammler von Glückwunschkarten herzlich willkommen.

Beim ZVAB gibt es auch viele Osterpostkarten zu entdecken:

>> Stöbern Sie im Angebot

24. February 2016

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